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Lokales
165 Fachleute diskutierten im Kölner Rathaus über kulturpolitische Fragen
Köln nutzt seine Potentiale nicht
von Elmar Klevers

Das "1. Kölner Kulturpolitische Symposium" und seine Workshops brachten es teilweise ans Tageslicht: Die Stadt Köln hat für die Förderung der Kultur in den letzten 25 bis 30 Jahren immer weniger getan als andere Kulturmetropolen. Köln hat von seinem Nimbus nach außen gelebt und nach innen die Mittel sukzessiv jährlich gekürzt. Vom Gesamthaushalt entfallen zurzeit gerade mal drei Prozent auf Kultur.

Soweit die ersten Eindrücke der Pressekonferenz am 25. Oktober. Nun verkündet der größte Kulturbanause der Stadt Köln, der für den Abriss der denkmalgeschützten Häuser des Barmer Blocks verantwortlich ist, Herr Lateinlehrer und Oberbürgermeister Schramma, sich für die Verdopplung der Ausgaben für Kultur auf 6 Prozent des Haushaltsplans einsetzen zu wollen - wohlwissend, dass der Haushalt 2007 eine Lücke von ca. 100 Millionen Euro aufweist.

Workshop: Finanzierung

In diesem Workshop befasste man sich mit den Themen Wirkung und Nutzen von Kultur, Finanzierung von Kultur, Verwendung der Mittel und Effizienz des Mitteleinsatzes. Dabei wurde bekannt, dass die Stadt Köln als viertgrößte Stadt Deutschlands in der Kulturförderung auf Platz 27 der Kommunen liegt. Also wie der 1. FC Köln in der zweiten Bundesliga auf Platz 5. In diesem Kreis der Diskutanten befasste man sich auch etwas verschämt mit der kulturellen Bildung in Köln. Aber so ganz am Rande, weil jeder Fachmann und Kenner der Entwicklung der Mittel für schulische kulturelle Bildung weiß, dass seit Beginn der achtziger Jahre die Ansätze von Jahr zu Jahr mit brachialer Gewalt für kulturelle Tätigkeiten und Besuche von Museen heruntergefahren wurden. Zusätzlich erschwert wurden die eben beschriebenen Tätigkeiten dadurch, dass die Ausbildung von Pädagogen für diesen Bereich durch die Länder zurückgefahren und die Ausgebildeten nicht eingestellt wurden.

Workshop: Der Zuschauer, das unbekannte Wesen

Unter dem Untertitel: Publikumstrends als Herausforderung und Chance für Kunst und Kultur beschäftigte man sich hier mit dem Problem, dass die kulturinteressierten Menschen in Köln immer weniger werden. Das Durchschnittsalter der Besucher wurde in den letzten Jahren mit 41 Jahren angegeben. Außerdem gehen die Besucherzahlen in Köln jährlich zurück. Im Gegensatz dazu sind in den Städten Essen, Duisburg, Wuppertal oder Hagen die Besucher von Kulturveranstaltungen und Museen wesentlich jünger und in der Anzahl stabil. Was Hänsgen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!

Workshop: Kunsthalle Köln

Gemeint war hier die Wiederbebauung des Kunstlochs am Neumarkt. Die Kölner sind Weltmeister im Abriss. Seien es 1880 die alten Stadtmauern mit den vielen Stadttoren, sei es das alte Opernhaus nach 1945 oder sei es die Kunsthalle Köln im Gebäudekomplex der VHS am Neumarkt oder die denkmalgeschützte Barmer Siedlung in Deutz mit ihren 381 Wohnungen. Erst abreißen. Dann überlegen: neue Kunsthalle oder doch ein Supermarkt?  Nun haben sich alle Diskutanten in diesem Workshop für eine neue Kunsthalle entschieden. Alles andere wäre auch wohl eine Katastrophe gewesen. Alle auswärtigen Teilnehmer, sowohl aus Bonn, Düsseldorf oder Wuppertal berieten in diesem Sinne die Kölner. Das inhaltliche Konzept der Kunsthalle - ob Schaufenster der Museen oder städtische Galerie -wurde nicht ausdiskutiert.

Workshop: Film

Von den Interessierten wurde der Film in Köln als erfolgreiches Stiefkind bezeichnet, das  wieder in die geographische Mitte der Stadt gehöre. Die dramatischen Schilderungen über die Rückentwicklung des Films in Köln durch die Schließung vieler Filmtheater infolge von drastischen Mieterhöhungen und die Notwendigkeit einer städtischen Hilfe zur Rettung dieser Kunstform wurden von den Vertretern dieser Sparte  immer wieder in aller Deutlichkeit vorgetragen. Die Möglichkeit, ein Filmzentrum in den in Zukunft freiwerdenden Werkshallen von Deutz-Motoren neben der KölnMesse zu installieren, wurde als zu rechtsrheinisch abgelehnt.

Fazit der Pressekonferenz

Dem "Ersten Kölner Kulturpolitischen Symposium" werden weitere folgen. Die 165 Teilnehmer aus ganz Deutschland nahmen den Eindruck mit, dass der 27. Platz auf der Kunst-und Kultur-Förderungs-Hitliste viel zu hoch angesetzt ist. Begleitet wird dieser Eindruck von der Prognose, dass es mindestens zwanzig Jahre dauern dürfte, bis sich wieder neue kunst- und kulturbewusste Menschen in dieser Stadt entwickeln würden - wenn Köln sofort begänne, in den Schulen wieder die Schülerinnen und Schüler an Kunst und Kultur heranzuführen. Vorstellbar sei auch, dass die Heranführung junger Menschen an Kultur im weitesten Sinne die Frage nach jenen Werten, die man heute "Leitkultur" nennt, damit erledigen würde.

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de



Positiv wurde herausgestellt, dass die Stadt nun endlich Kunst- und Kulturentwicklung als Standortvorteil erkannt hätte. Skeptisch macht dabei allerdings, dass die im Rat vertretenen Parteien SPD, CDU und FDP jeweils nur mit ihrem kulturpolitischen Sprecher, Die Grünen mit fünf Vertretern anwesend waren. Die Fraktion "Die Linke/PDS" hat wohl keine Kultur. Deshalb war sie auch nicht vertreten. Wer das politische Gewicht der kulturpolitischen Sprecher in den Fraktionen kennt, weiß ohnehin, dass die Botschaft des Symposiums im Kölner Rat nicht ankommen wird



Online-Flyer Nr. 68  vom 31.10.2006

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