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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Medien
Interview mit dem Autor der CIA-Dokumentation Hans-Rüdiger Minow
Beliebte TV-Persönlichkeiten
Von Hans Georg

Hier der zweite Teil des Interviews mit dem Autor der in der vergangenen Woche gesendeten ARTE-Dokumentation über die geheimdienstliche Steuerung von Medien, Kultur und Öffentlichkeit Der erste Teil "Diamant in der Sammlung der CIA" erschien in NRhZ 72.

Hans Georg: Sie erwähnten eine Gruppe hochrangiger Journalisten, die der CIA wissentlich oder unwissentlich in den deutschen Rundfunk- und Fernsehanstalten von Nutzen waren. Um wen handelt es sich?

Hans-Rüdiger Minow: Wir sprechen von den 1960er Jahren, als sich das TV-Geschehen auf wenige Sender beschränkte - ARD und ZDF. Wer in diesen Anstalten auf die politische Berichterstattung oder auf die Kultursendungen Einfluss nehmen konnte, vielleicht sogar als Korrespondent vor der Kamera, vor den Rundfunkmikrofonen, der war in einem bestimmenden Umfang meinungsbildend. Dafür war die Hauptstadtnähe Bonn wichtig, also die Anbindung an die Apparate, an die deutschen Ministerien und an die US-Botschaft. Das konzentrierte sich am Rhein, und deswegen kam der WDR in Köln für diese Einflussarbeit an erster Stelle in Frage. In Köln war ja auch die Deutsche Welle zu Hause, der deutsche Auslandssender. In diesem Kölner Umfeld zog Joseph Caspar Witsch seine Fäden, der Inhaber das Kölner Verlages Kiepenheuer und Witsch...

... und Verleger von Heinrich Böll...

... Witsch war der spiritus rector der Kölner CIA-Kulturagentur mit dem Fantasienamen "Kongress für kulturelle Freiheit". Was sich nicht in seinem Verlag abspielte, dort, wo die frühere US-Agentin Carola Stern als Lektorin arbeitete, das spielte sich in einer geheimdienstlich finanzierten Villa in Rheinnähe ab - als Inszenierung eines intellektuellen Salons. Mit dem Geld der Pariser CIA-Zentrale, teils in Anwesenheit sehr gebildeter US-Agenten, gab man Gartenparties oder Soirées zu anspruchsvollen Themen der Zeit. Da wurde ein großes Schleppnetz ausgelegt für Journalisten, Künstler, Musiker - alles, was Rang und Namen hatte oder noch bekommen wollte.

Zum Beispiel?

In diesem Kreis taucht der junge Klaus Harpprecht auf, der in Köln eine nicht unbedeutende Rolle spielte und anschließend ZDF-Korrespondent in Washington wurde. Zehn Jahre später führt ihn die Karriere ins Bundeskanzleramt, wo er für Willy Brandt wichtige Reden schreibt. Auch der junge Gerd Ruge verkehrte in der Kölner Villa, bevor er als ARD-Korrespondent jahrelang aus Washington berichtete. Er ist ja bis heute eine der beliebtesten TV-Persönlichkeiten. Die Kollegen Ruge und Harpprecht nahmen auf den Korrespondentenposten in der amerikanischen Hauptstadt die wichtigsten Positionen ein, die in der öffentlich-rechtlichen Auslandsberichterstattung überhaupt zu vergeben sind.

Wie war der Hörfunk vertreten?

Der Gründungsintendant der Deutschen Welle, Herr Dr. Otto Wesemann, war mit von der Partie - und, an vorderster Stelle, der WDR-Journalist Jürgen Rühle. Wer in den 1960er Jahren Rühles WDR-Büro betrat, musste glauben, eine Operettenkulisse zu betreten. An den Wänden hingen großformatige Portraits von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Eine hervorragende Inszenierung für den damaligen Zeitgeist, um linke Autoren anzulocken, sie zu benutzen oder sie zu neutralisieren.

Wo wurde die Einflussarbeit in den Printmedien konzentriert?

Der Justitiar der ZEIT aus dem Bucerius-Verlag sagt in unserer Dokumentation, er erinnere sich an manche "CIA-Wässerchen", so nennt er das, die er in der Hamburger Kultur-Residentur trank - gemeinsam mit zahlreichen anderen Journalisten von ZEIT und SPIEGEL. An prominenter Stelle Theo Sommer. Das war in völlig unverfängliche Stehparties eingebettet, an der Alster, alles sehr gediegen! Völlig unverfänglich ging es ja auch in Köln zu. Die CIA-Zentrale bezuschusste die Hamburger Kultur-Niederlassung ebenso wie die Kölner mit bedeutenden Dollar-Beträgen. Sie wird gewusst haben, warum.

Dieser Personenkreis steht ja bis heute in Ehren, während Intellektuelle aus der DDR auf Staatsnähe überprüft und wegen ihrer geheimdienstlichen Tätigkeit bestraft werden.

Lässt sich das vergleichen? Die einen gehören zu den Siegern, die anderen zu den Verlierern der Geschichte. Und die Sieger haben nie behauptet, von der Heilsarmee zu sein.




Online-Flyer Nr. 73  vom 05.12.2006

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