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Arbeit und Soziales
Irmgard Kopetzky vom Kölner Notruf e.V. durch Minister Laschet ausgezeichnet
Aber am Geld für Beratungen wird gespart
Von Peter Kleinert

Im Rahmen einer Feierstunde anlässlich des weltweiten Tages des Ehrenamts wurde Irmgard Kopetzky vom Kölner "Notruf" von NRW-Minister Armin Laschet in Düsseldorf mit dem "Landesnachweis NRW - Engagiert im Sozialen Ehrenamt" ausgezeichnet. Anläßlich des 60-jährigen Bestehens des Bundeslandes wurden insgesamt 60 Frauen und Männer aus ganz NRW geehrt. Der "Landesnachweis" würdigt bürgerschaftliches Engagement und bescheinigt die Aktivitäten im Ehrenamt.

Irmgard Kopetzky und Minister Laschet
Irmgard Kopetzky und Minister Laschet
Foto: www.mgffi.nrw.de



Irmgard Kopetzky (39) ist seit 1994 beim Kölner "Notruf und Beratung für vergewaltigte Frauen - Frauen gegen Gewalt e.V." (www.notruf-koeln.de) aktiv. Im Jahr 2000 war sie Mitbegründerin des "Kölner Aktionsbündnis zum 25.11. - Gemeinsam gegen Männergewalt an Frauen e.V." (www.gemeinsam.org), wo sie seither Veranstaltungen und Aktionen koordiniert. (Siehe die NRhZ-Serie "Mitmach- und Aussstellungsprojekt - Mein Beitrag für Köln", die nun in der vierten Folge läuft.) Die Urkunde für "herausragendes ehrenamtliches Engagement" erhielt Irmgard Kopetzky für ihren Einsatz in beiden Vereinen.

Notruf-Ehrenamtlerinnen erfreut

Die Verleihung des Ehrenamtspreises an eine Frau, die sich seit vielen Jahren zum Thema "Männergewalt gegen Frauen" engagiert, freut natürlich auch die anderen engagierten EhrenamtlerInnen in beiden Projekten. Jennifer Hannig-Reiners vom Notruf: "Auch den beruflichen Nutzen des Landesnachweises, zum Beispiel beim Berufseinstieg oder der Berufsrückkehr nach einer Familienphase begrüßen wir. Ebenso ist der Versicherungsschutz (Haftpflicht und Unfall), den Ehrenamtliche in NRW seit 2004 über eine zentrale Landesversicherung genießen, eine gute Sache. Auf der anderen Seite gibt es im Zusammenhang mit ehrenamtlichem Engagement einige Aspekte, die wir zu bedenken geben wollen."

Aber: "Ehrenamt ist kein Ersatz für bezahlte Arbeit"
 
Der Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration Armin Laschet habe in seiner Ansprache bei der Verleihung betont, dass das Ehrenamt nicht als Ersatz für, sondern als Ergänzung bezahlter Arbeit gelten solle. In der Millionenstadt Köln gebe es aber seit dem 1. Januar 2003 "nur noch eine halbe, durch Landesmittel geförderte Stelle (angesiedelt bei FrauenLeben e.V.), die spezifisch Beratung für Frauen anbietet, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind." Die zweite halbe Stelle sei damals durch die Schließung von Wildwasser Köln e.V. weggefallen. Um diese Lücke zu füllen, hatte der Kölner Frauennotruf im Dezember 2002 erstmals einen Antrag auf Aufnahme in das Förderprogramm gestellt, der mit Hinweis auf die schwierige Haushaltslage des Landes aber abgelehnt wurde. Neuaufnahmen - auch als Ersatz für eine geschlossene Einrichtung - gebe es nicht, wurde von der Stadt erklärt. Das Geld werde eingespart. Beim Frauennotruf Köln engagieren sich derzeit rund 20 Frauen (alle ausschließlich ehrenamtlich), neun davon sind schwerpunktmäßig in der Beratung tätig. Ersatz oder Ergänzung?

Gewaltprävention immer noch "freiwillige Leistung"

Gewaltprävention und Beratung von gewaltbetroffenen Frauen seien, so Jennifer Hannig-Reiners, "immer noch keine staatlichen Pflichtaufgaben, sondern laufen unter "freiwillige Leistungen". Das hat zur Folge, dass - gerade in Zeiten knapper Kassen - die wenigen öffentlich finanzierten Stellen, die es in diesen Arbeitsbereichen gibt, in regelmäßigen Abständen immer wieder auf der Kippe stehen und Gefahr laufen, dem Rotstift zum Opfer zu fallen. Die Zeit und die Energie, die für die Erhaltung bestehender Stellen eingesetzt werden müssen, stehen in keinem Verhältnis zum Umfang der finanziellen Unterstützung." Der Kölner Notruf habe sich daher aus Solidarität mit gewaltbetroffenen Frauen sowie aus frauenpolitischen Überlegungen heraus in den 28 Jahren seiner Existenz immer wieder dazu entschlossen, auch ohne die Unterstützung durch öffentliche Gelder in einem bestimmten Umfang als Anlaufstelle nach sexualisierter Gewalt zu fungieren. "Leisten können sich das "Ehrenamt" allerdings nur die Frauen, deren Lebensunterhalt anderweitig gesichert ist", so Jennifer Hannig-Reiners. 

Frage an Minister Laschet - aber keine Antwort

Minister Laschet: Landesnachweis: gern - Antwort auf Kritik: lieber nichtDas ehrenamtliche Engagement verdiene die uneingeschränkte Anerkennung der Gesellschaft, hatte der Minister in einer Ansprache zur Ehrung der 60 Ehrenamtlichen erklärt. Deshalb schaffe das Land "Rahmenbedingungen, die dieses Engagement fördern, u.a. mit dem "Landesnachweis NRW". Der Landesnachweis würdigt und erkennt bürgerschaftliches Engagement an und bescheinigt den Einsatz im Ehrenamt." Wir haben dem Minister die oben zitierten kritischen Worte von Jennifer Hannig-Reiners per e-mail zur Kenntnis gegeben, da sie ja nicht nur die Stadt Köln, sondern auch sein Ministerium und die Düsseldorfer Landesregierung betreffen, und ihn um eine Stellungnahme gebeten. Bis Redaktionsschluss hat Minister Laschet darauf nicht reagiert. - Der nächste "Tag des Ehrenamtes" ist ja erst in einem Jahr. 



Online-Flyer Nr. 74  vom 12.12.2006

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