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Wirtschaft und Umwelt
"Konzerne müssen Treibhaus-Emissionen vollständig offen legen"
CO2-Zahlen von BAYER schön gerechnet
Von Peter Kleinert

Wer hat bei ihr größere Chancen? Das Klima oder die Konzerne.
Foto: NRhZ-Archiv
Antwort auf Forderungen der Konzerne an Merkel
Die CBG reagiert damit auf den Offenen Brief von 15 Konzern-Vorständen, darunter BAYER-Chef Werner Wenning, in dem die von der EU vorgeschriebene Emissionsminderung attackiert wird. Wenning, der momentan auch dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) vorsteht, brüstete sich unlängst, BAYER habe „seine Treibhausemissionen seit 1990 um deutlich mehr als 60% reduziert“. Diese behauptete Erfolgsbilanz verbindet Wenning mit Forderungen an die Politik wie der Befreiung von der Ökosteuer, dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sowie einem entschärften Emissionshandel. Wenning verschweigt jedoch in seinen öffentlichen Äußerungen, dass der Rückgang der Emissionen des Konzerns zum großen Teil auf Ausgliederungen sowie auf einem erhöhten Fremdbezug von Energie basiert. Die Emissionen der Energie-Zulieferer werden in der Umweltbilanz von BAYER jedoch nicht berücksichtigt.
Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Mit buchhalterischen Tricks und unverbindlichen Selbstverpflichtungen lässt sich das Klima nicht retten. Die Industrie muss notfalls gezwungen werden, ihre Emissionen zu mindern. Hierbei muss natürlich der CO2-Ausstoß aller Zulieferer, insbesondere im Energiebereich, berücksichtigt werden.“ Die CBG wirft dem Vorstandsvorsitzenden von BAYER vor, ein doppeltes Spiel zu betreiben: „In der Öffentlichkeit stellt Werner Wenning den BAYER-Konzern als Vorreiter beim Klimaschutz dar. Gleichzeitig nutzt Wenning irreführende Zahlen, um eine Abschwächung gesetzlicher Regelungen zu fordern“, so Mimkes weiter.

BAYER-Chef Wenning – Emissionen nicht eingespart, sondern umgebucht
Foto: NRhZ-Archiv
Zulieferer-Emissionen nicht berücksichtigt
BAYER steigere seit 15 Jahren den Fremdbezug von Energie. Die bei den Zulieferern anfallenden CO2-Emissionen würden in BAYERs Klimabilanz jedoch nicht berücksichtigt und auch auf Nachfrage nicht genannt. Hierdurch sinke automatisch die Höhe der Emissionen des Konzerns - wenn auch nur auf dem Papier. Prof. Jürgen Rochlitz, Mitglied der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission für Anlagensicherheit: „BAYER will augenscheinlich davon ablenken, dass das Unternehmen nach wie vor zu den großen Klimasündern in Deutschland gehört. Nicht einmal der Konkurrent BASF, wahrlich kein Vorbild in Sachen Umweltschutz, rechnet seine Bilanz derartig schön.“
Die Kritik der CBG wird von der Unternehmensberatung Arthur D. Little untermauert. In einer Evaluierung des BAYER Nachhaltigkeitsberichts schreiben die Prüfer: „Zusätzlich zum Energieverbrauch werden auch die CO2-Emissionen berichtet. Allerdings ist diese Information von begrenzter Relevanz, weil Emissionen aus der Produktion extern erzeugter Energie nicht berücksichtigt werden und die berichtete Reduzierung zum Teil aus dem zunehmenden „Out-sourcing“ der eigenen Energieerzeugung resultiert.“

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de
So lässt sich das Klima nicht retten
Die CBG konkretisiert diese Analyse in ihrem Offenen Brief an die Kanzlerin: Im Jahr 2001 wurde eine 50%-ige Beteiligung an der EC Erdölchemie verkauft. Die Erdölchemie hatte fast ein Viertel der Produktionsmenge des Bayer-Konzerns ausgemacht und war für einen CO2-Ausstoß von 3,1 Mio to pro Jahr verantwortlich. Diese Emissionen wurden nicht eingespart, sondern nur umgebucht - auf das Konto des neuen Besitzers BP.
Die für den Klimaschutz einzig relevante Größe – der CO2-Ausstoß in der gesamten Produktionskette – werde also nicht korrekt angegeben und lasse sich aus den von Bayer bereitgestellten Daten nicht ermitteln. Mit buchhalterischen Tricks und unverbindlichen Selbstverpflichtungen lasse sich das Klima nicht retten, so die CBG: „Wir fordern daher, dass große Emittenten von Klimagasen eine vollständige Bilanz ihrer Treibhaus-Emissionen vorlegen müssen, d.h. incl. ihrer Energie-Zulieferer, und dass die Industrie gesetzlich dazu gezwungen wird, ihre Emissionen kontinuierlich zu senken.“
Philipp Mimkes ist Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V., die in den vergangenen 25 Jahren hunderte von ökologischen und sozialen Problemen dokumentierte, die auf die Geschäftspolitik des Konzerns zurückgehen.
Siehe auch diese NRhZ-Beiträge
Online-Flyer Nr. 76 vom 26.12.2006
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Wirtschaft und Umwelt
"Konzerne müssen Treibhaus-Emissionen vollständig offen legen"
CO2-Zahlen von BAYER schön gerechnet
Von Peter Kleinert

Wer hat bei ihr größere Chancen? Das Klima oder die Konzerne.
Foto: NRhZ-Archiv
Antwort auf Forderungen der Konzerne an Merkel
Die CBG reagiert damit auf den Offenen Brief von 15 Konzern-Vorständen, darunter BAYER-Chef Werner Wenning, in dem die von der EU vorgeschriebene Emissionsminderung attackiert wird. Wenning, der momentan auch dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) vorsteht, brüstete sich unlängst, BAYER habe „seine Treibhausemissionen seit 1990 um deutlich mehr als 60% reduziert“. Diese behauptete Erfolgsbilanz verbindet Wenning mit Forderungen an die Politik wie der Befreiung von der Ökosteuer, dem Auslaufen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sowie einem entschärften Emissionshandel. Wenning verschweigt jedoch in seinen öffentlichen Äußerungen, dass der Rückgang der Emissionen des Konzerns zum großen Teil auf Ausgliederungen sowie auf einem erhöhten Fremdbezug von Energie basiert. Die Emissionen der Energie-Zulieferer werden in der Umweltbilanz von BAYER jedoch nicht berücksichtigt.
Philipp Mimkes von der Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG): „Mit buchhalterischen Tricks und unverbindlichen Selbstverpflichtungen lässt sich das Klima nicht retten. Die Industrie muss notfalls gezwungen werden, ihre Emissionen zu mindern. Hierbei muss natürlich der CO2-Ausstoß aller Zulieferer, insbesondere im Energiebereich, berücksichtigt werden.“ Die CBG wirft dem Vorstandsvorsitzenden von BAYER vor, ein doppeltes Spiel zu betreiben: „In der Öffentlichkeit stellt Werner Wenning den BAYER-Konzern als Vorreiter beim Klimaschutz dar. Gleichzeitig nutzt Wenning irreführende Zahlen, um eine Abschwächung gesetzlicher Regelungen zu fordern“, so Mimkes weiter.

BAYER-Chef Wenning – Emissionen nicht eingespart, sondern umgebucht
Foto: NRhZ-Archiv
Zulieferer-Emissionen nicht berücksichtigt
BAYER steigere seit 15 Jahren den Fremdbezug von Energie. Die bei den Zulieferern anfallenden CO2-Emissionen würden in BAYERs Klimabilanz jedoch nicht berücksichtigt und auch auf Nachfrage nicht genannt. Hierdurch sinke automatisch die Höhe der Emissionen des Konzerns - wenn auch nur auf dem Papier. Prof. Jürgen Rochlitz, Mitglied der von der Bundesregierung eingesetzten Kommission für Anlagensicherheit: „BAYER will augenscheinlich davon ablenken, dass das Unternehmen nach wie vor zu den großen Klimasündern in Deutschland gehört. Nicht einmal der Konkurrent BASF, wahrlich kein Vorbild in Sachen Umweltschutz, rechnet seine Bilanz derartig schön.“
Die Kritik der CBG wird von der Unternehmensberatung Arthur D. Little untermauert. In einer Evaluierung des BAYER Nachhaltigkeitsberichts schreiben die Prüfer: „Zusätzlich zum Energieverbrauch werden auch die CO2-Emissionen berichtet. Allerdings ist diese Information von begrenzter Relevanz, weil Emissionen aus der Produktion extern erzeugter Energie nicht berücksichtigt werden und die berichtete Reduzierung zum Teil aus dem zunehmenden „Out-sourcing“ der eigenen Energieerzeugung resultiert.“

Karikatur: Kostas Koufogiorgos
www.koufogiorgos.de
So lässt sich das Klima nicht retten
Die CBG konkretisiert diese Analyse in ihrem Offenen Brief an die Kanzlerin: Im Jahr 2001 wurde eine 50%-ige Beteiligung an der EC Erdölchemie verkauft. Die Erdölchemie hatte fast ein Viertel der Produktionsmenge des Bayer-Konzerns ausgemacht und war für einen CO2-Ausstoß von 3,1 Mio to pro Jahr verantwortlich. Diese Emissionen wurden nicht eingespart, sondern nur umgebucht - auf das Konto des neuen Besitzers BP.
Die für den Klimaschutz einzig relevante Größe – der CO2-Ausstoß in der gesamten Produktionskette – werde also nicht korrekt angegeben und lasse sich aus den von Bayer bereitgestellten Daten nicht ermitteln. Mit buchhalterischen Tricks und unverbindlichen Selbstverpflichtungen lasse sich das Klima nicht retten, so die CBG: „Wir fordern daher, dass große Emittenten von Klimagasen eine vollständige Bilanz ihrer Treibhaus-Emissionen vorlegen müssen, d.h. incl. ihrer Energie-Zulieferer, und dass die Industrie gesetzlich dazu gezwungen wird, ihre Emissionen kontinuierlich zu senken.“
Philipp Mimkes ist Geschäftsführer der Coordination gegen BAYER-Gefahren e.V., die in den vergangenen 25 Jahren hunderte von ökologischen und sozialen Problemen dokumentierte, die auf die Geschäftspolitik des Konzerns zurückgehen.
Siehe auch diese NRhZ-Beiträge
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