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Kultur und Wissen
Malerei & Dokumentation in Foto und Film in einer "StadtRevue"-Ausstellung
"misstraue der idylle"
Von Elmar Klevers und Hildegard Miensopust

Im Ausstellungskeller der "Stadtrevue" hat die Kölner Künstlerin Ruth Spätling Gemälde, Fotos und einen Film unter dem Titel "misstraue der idylle" vorgestellt. Die BesucherInnen der Vernissage waren zunächst überrascht und ein wenig skeptisch gegenüber der nicht allzu bekannten Kunstform "Landart", aber nach einer kurzen Betrachtungs- und Wirkungsphase erstaunlich schnell mit der neuen Form einverstanden und akzeptierten sie.

Landart in Dünenlandschaft - 'Tonspur'
Landart in Dünenlandschaft - 'Tonspur'
Foto: Rita Grünewald



Natur und Kunst

Wer mit offenen Augen durch die Natur wandert, erlebt ein Kunststudium, das keine Kunstakademie oder Kunsthochschule besser vermitteln  könnte. Fauna, Flora, Berge, Flüsse, Meere und Täler bieten Kunstformen aller Art und in den herrlichsten Formen und Farben an. Diesen natürlichen Reichtum nutzen immer mehr KünstlerInnen, um mit ihren eigenen Ideen in der Landschaft beachtliche Werke zu schaffen. Dem neuen Trend, der in den 60er Jahren begann  - dessen Vorläufer aber „Landart“, also Landschaftskunst, schon vor einigen tausend Jahren machten - folgt auch die Maler- und Gestalterin Ruth Spätling. Sie sammelte in einer sechs Millionen Jahre alten Dünenlandschaft an der Südwestküste der Türkei dort zu Tausenden herumliegende, vom Meer angespülte antike Tonscherben und fügte sie zu einer „Tonspur“ im Sand zusammen. Mit der Kamera hat der Filmemacher Peter Kleinert die Vergänglichkeit dieses „Landart“-Werks aufgehoben und ihm zu einer längeren Lebensdauer verholfen. Weitere kleinere Arbeiten entstanden danach hier in Deutschland in Gärten und Parks. Wer sich die liebevolle Zusammenfügung der um die 2000 Jahre alten Scherben in der Dünenlandschaft Gebekum („Schwangere Sand“) genau ansieht, ist begeistert. Mancher wünscht sich eine Methode, die der Zerstörung durch Wind, Wellen und Wetter entgegen wirken könnte. Die Künstler tun das nicht. Sie wissen, worauf sie sich eingelassen haben.

'misstraue der idylle' - Gemälde in Acryl
'misstraue der idylle' - Gemälde in Acryl
Foto: Rita Grünewald



Gemälde

Ruth Spätling präsentierte in der Ausstellung auch zwölf moderne Gemälde in Acryl auf Leinwand. Bei den Bildern überwogen helle und freundliche Farb-Kompositionen, die eine angenehme Wärme ausstrahlen. Es waren nicht-gegenständliche Werke, die durch Strichunterteilungen zwischen den Farbfeldern auf den Titel ihrer Ausstellung „misstraue der idylle“ abzielten.

Fotos vom Landart-Projekt in der Türkei
Fotos vom Landart-Projekt in der Türkei
Foto: Rita Grünewald



Titel der Ausstellung

Über den Titel wurden unterschiedliche Meinungen und Kritiken geäußert. Einige sprachen von Plagiat und geistigem Diebstahl, weil der Titel eigentlich nicht auf ihrem Mist gewachsen wäre. Im Prinzip ist das lächerlich. Wer Doktor-Arbeiten von „Geisteswissenschaftlern“ auf ihre Zitate untersucht, merkt oft ganz schnell, dass in vielen dieser Werke kaum etwas Neues steht außer den Zitaten. Ruth Spätling sagt, natürlich habe sie den Titel aus einer Äußerung André Hellers abgeleitet. „Ausgehend von einem Landart-Stipendium in der Türkei im Frühling 2005, das der Stifter KAOS Kunst- und Videoarchiv Köln „Praxiteles-Stipendium“ nennt, habe ich dann eine Bilderreihe entwickelt, die sich mit Brechungen in der vermeintlichen Harmonie beschäftigen. In der Ausstellung möchte ich den Weg beschreiben, in Form von Fotos und Filmaufnahmen, der mich von meiner Landart-Arbeit an der Südwestküste der Türkei zu dem malerischen Ausdruck, den ich wieder daheim in Köln fand, geführt hat.“

Vernissage-BesucherInnen im StadtRevue-Keller
Vernissage-BesucherInnen im StadtRevue-Keller
Foto: Rita Grünewald



Lebenslauf

Ruth Spätling, ein Kind des Niederrheins, 1964 in Duisburg geboren, studierte von 1983 bis 1994 Visuelle Kommunikation in Münster und Düsseldorf. Schon während ihres Studiums betätigte sie sich in verschiedenen Tanz- und Theaterprojekten als Schauspielerin, Bühnenbildnerin und Requisiteurin - bis 2004. Außerdem arbeitete sie in einem Druckereikollektiv als Druckerin, Grafikerin und Bürokraft und nahm mit Erfolg an einer Umschulung zur Verlagskauffrau teil. Sie ist also auch eine rundum einsetzbare und fitte Fachfrau.

Seit 2005 arbeitet sie als freischaffende Künstlerin. Ihre Wahlheimat ist seit 1986 Köln. Seit 1988 beteiligt sich Ruth Spätling an vielen Ausstellungen und 1994 gründete sie die Galerie „DieDa“ in Köln. Der Erfolg war gering. Es ist zu vermuten, dass auch ihr geringer Erfolg mit dem Niedergang der „Öffentlichen Kunst“ im Rahmen der Einsparungspolitik der Stadt Köln zusammenhing.

Die Ausstellung dauerte nur einige Tage. Deshalb hier Kontaktmöglichkeiten:
Ruth Spätling ist erreichbar unter: ruspaet@gmx.net
Bilder und Text zum Landart-Stipendium: www.praxiteles-stipendium.de oder www.gebekum.de


Online-Flyer Nr. 76  vom 26.12.2006

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