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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Wirtschaft und Umwelt
EU-Ratspräsidentschaft gut für Exportweltmeister Deutschland
Kraftvolle Impulse
Von Hans Georg

Deutsche Unternehmensvertreter erwarten von der Berliner EU-Ratspräsidentschaft neue Exportvorteile und setzen auf die weitere Marginalisierung der globalen Konkurrenz. Bei "Erweiterung und Vertiefung der EU" könne die Bundesregierung "entscheidende Impulse" für die deutsche Wirtschaft geben, erklärt der Präsident des größten Außenhandelsverbandes.Berlin müsse in den anderen EU-Mitgliedsstaaten Hindernisse für deutsche Unternehmen ("Reformdefizite") beiseite räumen, verlangt der Präsident des Arbeitgeberverbandes. Gemeint sind Privatisierungsmaßnahmen und der Zugriff auf Normverfahren in anderen EU-Ländern ("Vertiefung"). Ziel ist die wirtschaftliche Gesamtrationalisierung des Kontinents. Durch Einbeziehung neuer Beitrittsaspiranten in Ost- und Südosteuropa soll der deutsche Standard flächendeckend werden ("Erweiterung").
Bereits in den vergangenen Jahren fielen dabei für die deutsche Wirtschaft hohe Sondergewinne an. Dieser Trend wird sich in der soeben vollzogenen Erweiterungsrunde (Bulgarien, Rumänien) fortsetzen. Deutschland zieht seit 1995 kontinuierlich Anteile auf dem Weltmarkt an sich, während die Hauptkonkurrenten (USA, Großbritannien, Frankreich, Italien, Japan) Margen verlieren. Auch innerhalb der EU baut die Bundesrepublik ihre Führungsposition aus und wird die Ratspräsidentschaft für einen weiteren Machtzuwachs nutzen.

Anhaltende Erfolgsgeschichte

Zum Jahresabschluss 2006 kann der Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) ein überdurchschnittlich gutes Ergebnis und mit 13 Prozent den stärksten Exportzuwachs seit der Jahrtausendwende verbuchen. Auch die Einfuhren sind mit 17 Prozent stark angestiegen. Mit Ausfuhren in Höhe von 888 Milliarden Euro wird Deutschland im Jahr 2006 erneut den Titel des Exportweltmeisters erringen. Die dynamischsten Absatzmärkte waren (wie schon zuvor) die Volkswirtschaften Asiens und Osteuropas sowie die Wachstumsmärkte in Nahost; die deutschen Exporte nach Russland und China stiegen 2006 um fast ein Viertel.

Als "anhaltende Erfolgsgeschichte" für die deutsche Wirtschaft erweist sich die EU-Erweiterung: Die 2004 assoziierten Länder Ost- und Südosteuropas tragen mit einem Exportplus von mehr als 20 Prozent erheblich zur Dynamik im deutschen Außenhandel bei. Schon jetzt ist absehbar, dass sich dieser Trend mit den am 1. Januar 2007 der EU angeschlossenen Staaten (Rumänien und Bulgarien) fortsetzen wird. Damit festigt sich der Schwerpunkt des deutschen Außenhandels, der zwei Drittel seiner Exporte in Europa absetzt (insbesondere in Frankreich, den Niederlanden, Großbritannien und Italien).[1]

Gewinner und Verlierer

Fast sämtliche deutschen Wirtschaftsbranchen konnten im zu Ende gegangenen Jahr ihren Weltmarktanteil deutlich steigern - auf Kosten der westlichen Hauptkonkurrenten (USA, Großbritannien, Frankreich), die seit den 1990er Jahren stetige Einbußen hinnehmen müssen. Die deutsche Automobilbranche etwa, eine Schlüsselindustrie der deutschen Wirtschaft, meldet für 2006 einen Exportrekord und die höchsten Zulassungszahlen im Inland seit sieben Jahren. Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) wurden 2006 in Deutschland 3,47 Millionen Fahrzeuge neu zugelassen, ein Plus von vier Prozent; ausgeführt wurden 3,9 Millionen Pkws, das entspricht einem Zuwachs von 2,5 Prozent. Auch auf dem wichtigsten internationalen Automarkt, den USA, konnten sich die deutschen Automobilkonzerne im vergangenen Jahr über Rekorde freuen.[2]

Primus

Nach Ansicht europäischer Spitzenmanager startet Deutschland mit diesen Rekordwerten als wettbewerbsfähigstes Land der Euro-Zone ins laufende Jahr. Eine Benotung durch 1.175 Führungskräfte aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich und der Schweiz ergibt für die Bundesrepublik einen Durchschnittswert von 2,5 in puncto Wettbewerbsfähigkeit (Skala von 1/sehr gut bis 5/sehr schlecht). 2005 lag diese Note bei 2,8 und 2004 betrug sie 2,9 (nach einem Wert von 3,4 im Jahr 2003). Damit ist Deutschland binnen vier Jahren vom letzten auf den ersten Platz der Euro-Zone aufgestiegen.

Verlierer

Die größte Volkswirtschaft Europas hat ihre Konkurrenzfähigkeit 2006 nicht nur stärker als andere Nationen verbessert - sie wird sie weiter steigern.[3] In der deutschen Fachpresse lässt sich die Bundesrepublik als "wiedererstarkter Superstar" und entscheidender "Impulsgeber der gesamteuropäischen Wirtschaft" feiern. In der Euro-Zone konnten deutsche Produkte ihren Marktanteil seit 1995 bereits von 25,3 auf 27 Prozent steigern, während zugleich der Marktanteil Italiens von 13 auf 10,6 Prozent zurückging und der Marktanteil Frankreichs von 17,2 auf 14,5 Prozent sank. Im Gegensatz zu anderen großen Industriestaaten gewinnt Deutschland seit 1995 Anteile am Weltmarkt, während die USA, Japan, Großbritannien, Frankreich und Italien seit 1990 Marktanteile verlieren.[4]

Zugpferd

Der sogenannte Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe der Eurozone kündigt ein weiterhin starkes Wachstum an, heißt es in einer Mitteilung der Royal Bank of Scotland (RBS). Zwar fiel der Index im Dezember geringfügig um 0,1 Punkte auf 56,5 Punkte gegenüber dem Vormonat; jedoch deutet der Indikator ab 50 Punkten auf einen Anstieg der wirtschaftlichen Aktivität im verarbeitenden Gewerbe hin. Die Industrie in der Eurozone expandiert also zum Jahreswechsel weiter - allerdings mit verteilten Rollen: In Deutschland kletterte der Index überraschend deutlich von 58,3 Punkten im Vormonat auf 59,4 Zähler, in Frankreich hingegen ging er von 56,5 auf 54,2 Punkte zurück. Den Zahlen zufolge bleibt Deutschland eindeutig Zugpferd für die Währungsunion, gefolgt von Spanien, wo sich das Wachstum derzeit festigt. Im Gegensatz dazu schwächte sich das Wachstum in Frankreich stark ab, und in Italiens Industrie herrscht weiter Flaute.[5]

Gute Stimmung

Wirtschaft und Regierung erwarten einhellig, dass die ökonomische Führungsposition Deutschlands innerhalb der EU auf Kosten der anderen Mitgliedsstaaten ausgebaut werden kann. "Deutschland ist wieder einer der Top-Investitionsstandorte weltweit. Ich sehe wirtschaftlich mit Zuversicht in das neue Jahr", erklärte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD). Die Wirtschaft teilt den optimistischen Blick und schraubte ihre Wachstumsprognose nach oben. "Die gute Stimmung und auch die gute Auftragslage lassen mich immer zuversichtlicher ins neue Jahr blicken", sagt auch der Präsident des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI) Jürgen Thumann.[6]

Europa der Erfolge

Große Hoffnungen setzt die deutsche Wirtschaft in die politischen Möglichkeiten, die die deutsche EU-Ratspräsidentschaft eröffnet. In einem detaillierten Forderungskatalog hatte der BDI bereits vor Monaten die Sicherung der dominierenden ökonomischen Stellung Deutschlands in Ost- und Südosteuropa zum Ziel erklärt und gleichzeitig nach verbesserten Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen in der globalen Konkurrenz mit den USA, Japan und China verlangt.[7] Diese Vorgaben hatten die Spitzen des Bundesverbandes der Deutschen Industrie und des Arbeitgeberverbandes auf einer Pressekonferenz Ende November bekräftigt. Die Bundesregierung müsse die deutsche Ratspräsidentschaft dafür nutzen, dass "die Reformdefizite der Mitgliedstaaten ungeschminkt aufgezeigt werden", und habe dringend für eine "Neuausrichtung der europäischen Politik" und für die "konsequente Weichenstellung" hin zu mehr internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu sorgen, erklärte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt.[8] BDI-Präsident Thumann bemängelte: "Mangelnde Dynamik! (...) Europa segelt nicht vorneweg, sondern dümpelt eher im Windschatten der Globalisierung". Er forderte "kraftvolle Impulse" für ein "Europa der Erfolge".[9]

Erfolgsrezept

Dem hat sich zum Jahresabschluss der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton F. Börner, angeschlossen. Wie Börner urteilt, liegt "in der Erweiterung und Vertiefung der EU (...) auch weiterhin das Erfolgsrezept für unseren Außenhandel".[10] Der Schwerpunkt müsse nun auf der "Vollendung des Binnenmarktes für Waren und Dienstleistungen liegen". Börner meint "erhebliche Effizienzpotenziale" zu erkennen: "Von der anstehenden deutschen EU-Ratspräsidentschaft erhoffen wir uns entscheidende Impulse in dieser Richtung."[10]


[1] BGA: Außenhandel mit glänzendem Jahresergebnis 2006; www.bga.de 29.12.2006
[2] Deutsche Autoindustrie im Höhenflug; Handelsblatt 04.01.2007. Exportrekord für deutsche Autoindustrie; Die Welt 05.01.2007
[3] Deutsche Unternehmen strotzen vor Kraft; Handelsblatt 02.01.2007. Spitzenplatz für deutsche Wirtschaft; Frankfurter Rundschau 02.01.2007
[4] s. dazu Wirtschaftshegemon, Superstar und Dünne Luft
[5] Reine Stimmungsfrage; Manager Magazin 02.01.2007. Industrie im Euroraum bleibt unter Dampf. Einkaufsmanager: Deutschland zieht das Wachstum in diesem Sektor an, Börsen-Zeitung 03.01.2007
[6] Industrie setzt auf Boomjahr; Manager Magazin 02.01.2007
[7] s. dazu Europa machen!
[8] Europa voranbringen - Empfehlungen der deutschen Wirtschaft für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft 2007. Statement von Arbeitgeberpräsident Dr. Dieter Hundt; www.bdi-online.de 28.11.2006
[9] Jürgen R. Thumann: Europa voranbringen - Empfehlungen der deutschen Wirtschaft für die deutsche EU-Ratspräsidentschaft 2007. Pressestatement von Jürgen R. Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie; www.bdi-online.de 28.11.2006
[10] BGA: Außenhandel mit glänzendem Jahresergebnis 2006; www.bga.de 29.12.2006


Mehr unter http://www.german-foreign-policy.com

Online-Flyer Nr. 78  vom 17.01.2007

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