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Lokales
Die Geschichte eines Romans, einer Familie und einer Gesellschaft unter Hartz IV
Die Versicherung vom Glück...
Von Laycs
Der Handwerker Dieter sucht nach der Scheidung von seiner ersten Frau den Kontakt zu etwas Neuem. Das gebrannte Kind, scheute sich nicht vor dem Feuer, in dem er schon einmal verbrannt wurde. Es gab keine Kinder und die Trennung der Kurzehe war ein schneller Weg.
Zu dem Zeitpunkt waren die Illusionen über eine gemeinsame Zukunft verflogen und in Qualm aufgegangen. Über den Kölner Stadt Anzeiger suchte er den Kontakt zu einer jungen Frau, welche eine Suchanzeige aufgegeben hatte. Auf seine Zuschrift erhält er eine Antwort und lernt diese Frau kennen und lieben.
Etwa 3 Jahre später, nach erprobten Zusammenleben, wird geheiratet. Nur formlos und schlicht im Leverkusener Standesamt. Es wird eine Hochzeitsreise in den Kölner Zoo unternommen. Kurz danach die Geburt einer Tochter, die das einzige Kind bleibt. Da sich beide im vorhergegangenem Schriftverkehr im Wesentlichen über die Schreiberei kennen gelernt haben, steht in den Berufsbezeichnungen in der Heiratsurkunde nicht “Schlosser und Büroangestellte”, sondern auf unseren Wunsch “freie Autorin” und “freier Autor”, wodurch der weitere Lebensweg vorgegeben war. Zielsetzung war es, vom ersten Tage dieser Beziehung an, eines Tages den Lebensunterhalt durch die Schreiberei zu erwirtschaften. Und nun beginne ich einen Wechsel und muss weite Teile auslassen, da es sonst zu langweilig wird...
Unsere Tochter wurde frei erzogen und das Ergebnis: diese mittlerweile zur jungen Frau herangereifte Person bestätigt unsere vor vielen Jahren festgelegten Absichten. Sie ist fast 5-sprachig und erzielt auf ihrem Gymnasium mehr oder weniger einen Erfolg nach dem anderen. Probleme hatten wir zu keinem Zeitpunkt...
Viele Jahre der Schreiberei und der Selbstfindung folgten (nun über zwanzig Jahre), viele Buchprojekte wurden begonnen, und viel wurde geschrieben, von - aus heutiger Sicht – reinen Lernromanen, über Sachbücher, Drehbücher (in technisch aufbereiteter Endfassung), Bühnenstücke, Kurzgeschichten bis hin zu einer riesigen Ideensammlung. Vor etwa 12 Jahren, nach einer Anzahl von Verlagsabsagen, wurde der Versuch gestartet, keine Manuskripte und Ideen mehr an Verlage zu versenden, weil es anscheinend zu nichts führen konnte. Hier wurden nur Ideen gestohlen - um es einmal einfach auszudrücken - , die dann teilweise in anderen Neuerscheinungen und Fernsehsendungen auftauchten. Nachzuweisen sind solche Angaben nicht, und man muss auch dem anderen Künstlereinräumen, das er zum gleichen Zeitpunkt, zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen sein könnte.
Um dem vorzubeugen, entstand die Idee, einmal alles selbst zu machen und eines Tages einen eigenen Verlag zu gründen. Ein Versuch im Jahre 1997 musste mangels Erfahrung und Geld wieder aufgegeben werden. Zudem waren zu diesem Zeitpunkt die technischen Möglichkeiten von heute noch nicht vorhanden, die der digitale Buchdruck auch für relativ kleines Geld ermöglicht. Doch muss auch gesagt werden, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, was uns noch alles bevorstand: Urheberrecht, Romantechnik, die Arbeit der Überarbeitung, bis geschriebene Gedanken - in diesem Fall der Roman meiner Frau - in eine druckreife Form zu bringen waren...
Allein um die Technik des digitalen Buchdrucks und die Erstellung eines Layouts zu Bewerkstelligen waren fast 8 Jahre autodidaktischer Arbeit, bis es zur ersten Druckdatei kam, die zu allem Übel auch noch wesentliche Fehler hatte, welche möglichen Leserinnen und Lesern, nicht zuzumuten gewesen wären. Das Lesen wäre eher eine Qual, als eine Freude gewesen... Das erste Layout mit 440 Seiten wurde noch einmal komplett überarbeitet und auf eine Seitenzahl von heute 562 erweitert, weil die Zeilenabstände zu klein gewählt waren.
In diese Zeit, fiel auch der Buchdirektvertrieb für eine Leichlinger Firma, der mangels geringer Einnahmen, durch Würgeprämienpreise, nur wenig an Einkommen sichern konnte. Der Buchdirektvertrieb musste nach etwa 6 Monaten wegen des kaputtgegangenen Autos aufgegeben werden. Es ist nun seit über 12 Monaten stillgelegt und verrostet bei einem Freund. Doch immerhin gab es so einen Beweis, dass sich Bücher auch an der Haustür verkaufen lassen, und. So kam der Gedanke an einen eigenen Verlag auf.
Im Jahr 2004 gab es dafür von der IHK in Leverkusen ein positives Gutachten, das die dringend benötigte Unterstützung des damaligen Arbeitsamtes abgesichert hätte. Doch auch dieser Versuch musste aufgeschoben werden, weil ab dem ersten Tag die Familienkrankenversicherung hätte bezahlt werden müssen, was wegen der noch nicht gesicherten Umsätze, unmöglich gewesen wäre.
In dieser Zeit entwickelte sich die digitale Druckform weiter, durch die heute auch Kleinauflagen möglich sind, um mit einem Verlag zu starten. 2005 konnte das Verlagsprojekt neu belebt werden. Das von der IHK erteilte Gutachten war mittlerweile veraltet und nicht mehr brauchbar, doch hatte diese die kostenlose Beurteilung mittlerweile eingestellt. Um die notwendige Unterstützung der Agentur für Arbeit Leverkusen zu erhalten, war aber ein neues Gutachten notwendig, das wir - ohne Kosten - von der Wirtschaftsförderung Leverkusen oder von einem freien Gutachter bekommen konnten. Eigentlich ganz einfach: auf dem Vordruck vom Arbeitsamt waren lediglich ein paar Kreuze zu machen. Doch die Wirtschaftförderung Leverkusen erklärte unser Verlagskonzept als nicht durchführbar, weil wir kein Stammkapital von etwa 10.000 bis 15.000 Euro aufbringen konnten. Der Gutachter, ein Steuerberater aus Krefeld, verlangte einen offenen Vertrag für seine etwa 10 Kreuze bei einem Stundenlohn von 92,00 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, was aus unseren Hartz IV Bezügen auch nicht zu realisieren war.
Mittlerweile war unsere eigene Vorbereitung zum Roman, unserem ersten Buch, mit der
Layoutarbeit und dem Umsetzen in eine druckreife PDF-Datei abgeschlossen, die monatelangen Verhandlungen mit digitalen Druckereien ebenfalls. Wir fanden eine digitale Druckerei im Süddeutschen, die eine sehr gute Arbeit lieferte und auch für weitere Projekte unser Partner sein dürfte.
Um diese Zeit, noch während der Layoutarbeiten am Roman, hatte ich einen Termin bei der Arge Leverkusen. Dabei wurde ich nervlich so fertig gemacht, dass ich etwa eine halbe Stunde später mitten in der Leverkusener City einen schweren Gehirnschlag erlitt, der sich im Wesentlichen durch Aussetzer im Gehirn bemerkbar machte. Ich verfiel in schwere Depressionen und strauchelte mehr tot als lebendig durch die Stadt, bis ich von der Polizei aufgegriffen und zu einer Amtsärztin der Stadt Leverkusen gebracht wurde. Ich hatte akute Selbstmordabsichten, obwohl mir vom Gehirnschlag zu diesem Zeitpunkt noch nichts bewußt war. Darauf kam ich erst viel später über meinen Hausarzt, der mich an einen Kollegen verwies, der wiederum bei einem Kollegen seiner Zunft Röntgenaufnahmen meines Gehirns anforderte. Das Ergebnis waren Röntgenbilder, die dem Einschlag von Bomben ähnelten.
Doch zurück zur Amtärztin. Nach eingehender Betrachtung und Beurteilung durch diese Frau wurde ich in die Aufnahmeabteilung der Landesklinik in Langenfeld überstellt. Dort musste ich sieben Tage bleiben, bis ich meine Entlassung durchsetzen konnte. Als ich zuhause eintraf, waren meine Frau und Tochter erstaunt, mich wieder zu sehen. Sie hatten mit meinem Weggang gerechnet und mich nicht zurückerwartet. Weder Polizei noch Landesklinik hatten sie über meine Einlieferung unterrichtet, obwohl denen bekannt war, dass ich verheiratet bin und eine Tochter habe. Man hatte mich einfach eingeliefert und vergessen. Glücklicherweise hatten wir vor meinem Verschwinden das durch wochenlanges Einschränken und Hungern ersparte Geld für den ersten Druckauftrag als Vorkasse überweisen können. Ich selbst hatte dadurch in den Spitzenzeiten bis zu 25 Kilo an Gewicht verloren.
“Fördern, anstatt fordern!” tönt es immer wieder von Seiten der Regierung, und vor allen Dingen aus der Richtung von Herrn Müntefering, seines Zeichens Arbeitsminister und Vizekanzler.
Meiner Erfahrung nach ist Hartz IV wohl der schlimmste Einbruch in die deutsche Gesellschaft, seit den Reformationskriegen. Selbst Adolf Hitler könnte sich fast dahinter verstecken. Sind wir nicht fast „wieder soweit“? Da sind Beamte, die wieder stur nach Vorschrift und klaren politischen Vorgaben handeln und den mittlerweile als durchführbar erwiesenen Versuch mit dem eigenen Verlag behindern. Da ist die Wirtschaftsförderung Leverkusen, die sich weigert, ein positives Gutachten auszufüllen, obwohl man dort keine Ahnung vom Verlagswesen oder so einem Projekt hat.
Am 13.8.06 hatte ich den fünfzigsten Geburtstag und am 14.8.06 meldete ich das Gewerbe bei der Stadt Leverkusen vorsorglich für den nächsten ersten zum 01.09.06 an. Kurz danach kamen unsere ersten Bücher - als Lohn für über zwanzig Jahre Arbeit. Die Anfangsauflage von 50 Stück kostete weniger als 500 Euro, war also in keinem Fall mit den 10.000 bis 15.000 Euro der Leverkusener Wirtschaftsförderung zu vergleichen. Digitaldruck ermöglicht eben auch kleine Auflagen. Unsere bisherigen Umsätze sind gering, weil wir uns etwas Werbung nicht leisten konnten. Am weitesten haben wir bisher ein Buch in die Schweiz verkauft. Es macht Freude, vor allen Dingen für meine Frau, wenn Ihr Schriftgut um die Liebe auf Reisen ist.
Durch das fehlende Gutachten fehlen uns nun seitens der Arge jeden Monat etwa 240 bis 300 Euro, und wir haben aus Armut, die bereits existierenden eigenen Webseiten wieder aufgeben müssen. „...fordern, anstatt fördern...!“ Mittlerweile haben wir aus unserem privaten Bestand fast 200 gebrauchte Bücher ausgemustert und verkauft. Unser Buchbestand bei Booklooker liegt derzeit bei über 2.000 Büchern, und wir erweitern ihn unaufhaltsam fast jeden Tag.
Dass wir jetzt, mit leeren Taschen, zusätzlich noch die Wohnungskündigung auf dem Tisch liegen haben, muß auch noch erwähnt werden. Der ging ein jahrelanger Rechtsstreit voraus, der von unserer Seite durchaus begründet war: Sechs Jahre Schimmel im Bad, sechs Jahre eine defekte Klospülung, sechs Jahre kein fließend warmes Wasser in der Küche und ein jahrelanges Mietmobbing durch alkoholisierte Nachbarn, die Zerstörung unserer Waschmaschine im Keller, wieder und wieder Sabotageakte am Fahrrad unserer Tochter, die von unserem Vermieter geduldet wurden. Nun suchen wir dringend neuen Wohnraum, um nicht in einem Obdachlosenheim zu landen.
Eine Bildergalerie zum Roman finden Sie in dieser Ausgabe, eine Rezension von „Der Glückversicherer“ in NRhZ 78
Online-Flyer Nr. 79 vom 24.01.2007
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Die Geschichte eines Romans, einer Familie und einer Gesellschaft unter Hartz IV
Die Versicherung vom Glück...
Von Laycs
Der Handwerker Dieter sucht nach der Scheidung von seiner ersten Frau den Kontakt zu etwas Neuem. Das gebrannte Kind, scheute sich nicht vor dem Feuer, in dem er schon einmal verbrannt wurde. Es gab keine Kinder und die Trennung der Kurzehe war ein schneller Weg.
Zu dem Zeitpunkt waren die Illusionen über eine gemeinsame Zukunft verflogen und in Qualm aufgegangen. Über den Kölner Stadt Anzeiger suchte er den Kontakt zu einer jungen Frau, welche eine Suchanzeige aufgegeben hatte. Auf seine Zuschrift erhält er eine Antwort und lernt diese Frau kennen und lieben.
Etwa 3 Jahre später, nach erprobten Zusammenleben, wird geheiratet. Nur formlos und schlicht im Leverkusener Standesamt. Es wird eine Hochzeitsreise in den Kölner Zoo unternommen. Kurz danach die Geburt einer Tochter, die das einzige Kind bleibt. Da sich beide im vorhergegangenem Schriftverkehr im Wesentlichen über die Schreiberei kennen gelernt haben, steht in den Berufsbezeichnungen in der Heiratsurkunde nicht “Schlosser und Büroangestellte”, sondern auf unseren Wunsch “freie Autorin” und “freier Autor”, wodurch der weitere Lebensweg vorgegeben war. Zielsetzung war es, vom ersten Tage dieser Beziehung an, eines Tages den Lebensunterhalt durch die Schreiberei zu erwirtschaften. Und nun beginne ich einen Wechsel und muss weite Teile auslassen, da es sonst zu langweilig wird...
Unsere Tochter wurde frei erzogen und das Ergebnis: diese mittlerweile zur jungen Frau herangereifte Person bestätigt unsere vor vielen Jahren festgelegten Absichten. Sie ist fast 5-sprachig und erzielt auf ihrem Gymnasium mehr oder weniger einen Erfolg nach dem anderen. Probleme hatten wir zu keinem Zeitpunkt...
Viele Jahre der Schreiberei und der Selbstfindung folgten (nun über zwanzig Jahre), viele Buchprojekte wurden begonnen, und viel wurde geschrieben, von - aus heutiger Sicht – reinen Lernromanen, über Sachbücher, Drehbücher (in technisch aufbereiteter Endfassung), Bühnenstücke, Kurzgeschichten bis hin zu einer riesigen Ideensammlung. Vor etwa 12 Jahren, nach einer Anzahl von Verlagsabsagen, wurde der Versuch gestartet, keine Manuskripte und Ideen mehr an Verlage zu versenden, weil es anscheinend zu nichts führen konnte. Hier wurden nur Ideen gestohlen - um es einmal einfach auszudrücken - , die dann teilweise in anderen Neuerscheinungen und Fernsehsendungen auftauchten. Nachzuweisen sind solche Angaben nicht, und man muss auch dem anderen Künstlereinräumen, das er zum gleichen Zeitpunkt, zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen sein könnte.
Um dem vorzubeugen, entstand die Idee, einmal alles selbst zu machen und eines Tages einen eigenen Verlag zu gründen. Ein Versuch im Jahre 1997 musste mangels Erfahrung und Geld wieder aufgegeben werden. Zudem waren zu diesem Zeitpunkt die technischen Möglichkeiten von heute noch nicht vorhanden, die der digitale Buchdruck auch für relativ kleines Geld ermöglicht. Doch muss auch gesagt werden, dass wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, was uns noch alles bevorstand: Urheberrecht, Romantechnik, die Arbeit der Überarbeitung, bis geschriebene Gedanken - in diesem Fall der Roman meiner Frau - in eine druckreife Form zu bringen waren...
Allein um die Technik des digitalen Buchdrucks und die Erstellung eines Layouts zu Bewerkstelligen waren fast 8 Jahre autodidaktischer Arbeit, bis es zur ersten Druckdatei kam, die zu allem Übel auch noch wesentliche Fehler hatte, welche möglichen Leserinnen und Lesern, nicht zuzumuten gewesen wären. Das Lesen wäre eher eine Qual, als eine Freude gewesen... Das erste Layout mit 440 Seiten wurde noch einmal komplett überarbeitet und auf eine Seitenzahl von heute 562 erweitert, weil die Zeilenabstände zu klein gewählt waren.
In diese Zeit, fiel auch der Buchdirektvertrieb für eine Leichlinger Firma, der mangels geringer Einnahmen, durch Würgeprämienpreise, nur wenig an Einkommen sichern konnte. Der Buchdirektvertrieb musste nach etwa 6 Monaten wegen des kaputtgegangenen Autos aufgegeben werden. Es ist nun seit über 12 Monaten stillgelegt und verrostet bei einem Freund. Doch immerhin gab es so einen Beweis, dass sich Bücher auch an der Haustür verkaufen lassen, und. So kam der Gedanke an einen eigenen Verlag auf.
Im Jahr 2004 gab es dafür von der IHK in Leverkusen ein positives Gutachten, das die dringend benötigte Unterstützung des damaligen Arbeitsamtes abgesichert hätte. Doch auch dieser Versuch musste aufgeschoben werden, weil ab dem ersten Tag die Familienkrankenversicherung hätte bezahlt werden müssen, was wegen der noch nicht gesicherten Umsätze, unmöglich gewesen wäre.
In dieser Zeit entwickelte sich die digitale Druckform weiter, durch die heute auch Kleinauflagen möglich sind, um mit einem Verlag zu starten. 2005 konnte das Verlagsprojekt neu belebt werden. Das von der IHK erteilte Gutachten war mittlerweile veraltet und nicht mehr brauchbar, doch hatte diese die kostenlose Beurteilung mittlerweile eingestellt. Um die notwendige Unterstützung der Agentur für Arbeit Leverkusen zu erhalten, war aber ein neues Gutachten notwendig, das wir - ohne Kosten - von der Wirtschaftsförderung Leverkusen oder von einem freien Gutachter bekommen konnten. Eigentlich ganz einfach: auf dem Vordruck vom Arbeitsamt waren lediglich ein paar Kreuze zu machen. Doch die Wirtschaftförderung Leverkusen erklärte unser Verlagskonzept als nicht durchführbar, weil wir kein Stammkapital von etwa 10.000 bis 15.000 Euro aufbringen konnten. Der Gutachter, ein Steuerberater aus Krefeld, verlangte einen offenen Vertrag für seine etwa 10 Kreuze bei einem Stundenlohn von 92,00 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer, was aus unseren Hartz IV Bezügen auch nicht zu realisieren war.
Mittlerweile war unsere eigene Vorbereitung zum Roman, unserem ersten Buch, mit der
Layoutarbeit und dem Umsetzen in eine druckreife PDF-Datei abgeschlossen, die monatelangen Verhandlungen mit digitalen Druckereien ebenfalls. Wir fanden eine digitale Druckerei im Süddeutschen, die eine sehr gute Arbeit lieferte und auch für weitere Projekte unser Partner sein dürfte.
Um diese Zeit, noch während der Layoutarbeiten am Roman, hatte ich einen Termin bei der Arge Leverkusen. Dabei wurde ich nervlich so fertig gemacht, dass ich etwa eine halbe Stunde später mitten in der Leverkusener City einen schweren Gehirnschlag erlitt, der sich im Wesentlichen durch Aussetzer im Gehirn bemerkbar machte. Ich verfiel in schwere Depressionen und strauchelte mehr tot als lebendig durch die Stadt, bis ich von der Polizei aufgegriffen und zu einer Amtsärztin der Stadt Leverkusen gebracht wurde. Ich hatte akute Selbstmordabsichten, obwohl mir vom Gehirnschlag zu diesem Zeitpunkt noch nichts bewußt war. Darauf kam ich erst viel später über meinen Hausarzt, der mich an einen Kollegen verwies, der wiederum bei einem Kollegen seiner Zunft Röntgenaufnahmen meines Gehirns anforderte. Das Ergebnis waren Röntgenbilder, die dem Einschlag von Bomben ähnelten.
Doch zurück zur Amtärztin. Nach eingehender Betrachtung und Beurteilung durch diese Frau wurde ich in die Aufnahmeabteilung der Landesklinik in Langenfeld überstellt. Dort musste ich sieben Tage bleiben, bis ich meine Entlassung durchsetzen konnte. Als ich zuhause eintraf, waren meine Frau und Tochter erstaunt, mich wieder zu sehen. Sie hatten mit meinem Weggang gerechnet und mich nicht zurückerwartet. Weder Polizei noch Landesklinik hatten sie über meine Einlieferung unterrichtet, obwohl denen bekannt war, dass ich verheiratet bin und eine Tochter habe. Man hatte mich einfach eingeliefert und vergessen. Glücklicherweise hatten wir vor meinem Verschwinden das durch wochenlanges Einschränken und Hungern ersparte Geld für den ersten Druckauftrag als Vorkasse überweisen können. Ich selbst hatte dadurch in den Spitzenzeiten bis zu 25 Kilo an Gewicht verloren.
“Fördern, anstatt fordern!” tönt es immer wieder von Seiten der Regierung, und vor allen Dingen aus der Richtung von Herrn Müntefering, seines Zeichens Arbeitsminister und Vizekanzler.
Meiner Erfahrung nach ist Hartz IV wohl der schlimmste Einbruch in die deutsche Gesellschaft, seit den Reformationskriegen. Selbst Adolf Hitler könnte sich fast dahinter verstecken. Sind wir nicht fast „wieder soweit“? Da sind Beamte, die wieder stur nach Vorschrift und klaren politischen Vorgaben handeln und den mittlerweile als durchführbar erwiesenen Versuch mit dem eigenen Verlag behindern. Da ist die Wirtschaftsförderung Leverkusen, die sich weigert, ein positives Gutachten auszufüllen, obwohl man dort keine Ahnung vom Verlagswesen oder so einem Projekt hat.
Am 13.8.06 hatte ich den fünfzigsten Geburtstag und am 14.8.06 meldete ich das Gewerbe bei der Stadt Leverkusen vorsorglich für den nächsten ersten zum 01.09.06 an. Kurz danach kamen unsere ersten Bücher - als Lohn für über zwanzig Jahre Arbeit. Die Anfangsauflage von 50 Stück kostete weniger als 500 Euro, war also in keinem Fall mit den 10.000 bis 15.000 Euro der Leverkusener Wirtschaftsförderung zu vergleichen. Digitaldruck ermöglicht eben auch kleine Auflagen. Unsere bisherigen Umsätze sind gering, weil wir uns etwas Werbung nicht leisten konnten. Am weitesten haben wir bisher ein Buch in die Schweiz verkauft. Es macht Freude, vor allen Dingen für meine Frau, wenn Ihr Schriftgut um die Liebe auf Reisen ist.
Durch das fehlende Gutachten fehlen uns nun seitens der Arge jeden Monat etwa 240 bis 300 Euro, und wir haben aus Armut, die bereits existierenden eigenen Webseiten wieder aufgeben müssen. „...fordern, anstatt fördern...!“ Mittlerweile haben wir aus unserem privaten Bestand fast 200 gebrauchte Bücher ausgemustert und verkauft. Unser Buchbestand bei Booklooker liegt derzeit bei über 2.000 Büchern, und wir erweitern ihn unaufhaltsam fast jeden Tag.
Dass wir jetzt, mit leeren Taschen, zusätzlich noch die Wohnungskündigung auf dem Tisch liegen haben, muß auch noch erwähnt werden. Der ging ein jahrelanger Rechtsstreit voraus, der von unserer Seite durchaus begründet war: Sechs Jahre Schimmel im Bad, sechs Jahre eine defekte Klospülung, sechs Jahre kein fließend warmes Wasser in der Küche und ein jahrelanges Mietmobbing durch alkoholisierte Nachbarn, die Zerstörung unserer Waschmaschine im Keller, wieder und wieder Sabotageakte am Fahrrad unserer Tochter, die von unserem Vermieter geduldet wurden. Nun suchen wir dringend neuen Wohnraum, um nicht in einem Obdachlosenheim zu landen.
Eine Bildergalerie zum Roman finden Sie in dieser Ausgabe, eine Rezension von „Der Glückversicherer“ in NRhZ 78
Online-Flyer Nr. 79 vom 24.01.2007
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