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Globales
Ecuador: Verteidigungsministerin bei Hubschrauberkatastrophe getötet. 
Attentat nicht ausgeschlossen
Von Harald Neuber

Nur zehn Tage nach ihrer Vereidigung ist die erste Verteidigungsministerin Ecuadors und Vorsitzende der sozialistischen Partei ihres Landes getötet worden. Die 53jährige Guadalupe Larriva starb am Mittwochabend vergangener Woche in der Nähe der US-Luftwaffenbasis in Manta im äußersten Westen Ecuadors - nach unbestätigten Medienberichten bei einer Kollision zweier Hubschrauber.

Guadalupe Larriva
Guadalupe Larriva – keine Freundin der USA und der Militärführung
Foto: Novosti


Larriva war eines der bekanntesten Mitglieder im Kabinett des neuen linken Staatschefs Rafael Correa. Die Universitätsprofessorin für Geschichte und Geographie war zudem als Anhängerin des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez bekannt. Zwei Tage vor ihrem Tod hatte sie sich noch entschieden für eine Schließung der US-Luftwaffenbasis in Manta ausgesprochen. Mit der Ministerin kamen ihre 17jährige Tochter Claudia Ávila und fünf Heeresoffiziere ums Leben.

Larriva hatte in ihrer zweiten Amtswoche ein Militärmanöver in der Provinz Manabí beobachtet. Nach ersten Berichten stieß ihr Hubschrauber bei der Rückkehr nach Manta mit einem anderen Helikopter zusammen. An der Unglücksstelle sprach Präsident Correa von einem »sehr schweren Moment« für die Nation, um zugleich »umgehende Nachforschungen« anzukündigen. »Ich werde auch befreundete Staaten bitten, uns dabei zu helfen«, so Correa weiter. Auf ein Angebot der US-Botschaft, Forensik-Experten zur Verfügung zu stellen, ging er nicht weiter ein.

Auch Quitos Innenminister Gustavo Larrea sicherte derweil eine »tiefgreifende Untersuchung« zu. In einem Interview mit der Fernsehstation Ecuavisa bezeichnete er es als »seltsam«, dass seine Kabinettskollegin in einem Hubschrauber befördert wurde, »ohne dass die notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden«. Unbestätigten Medienberichten zufolge fand in der Nähe des Unglücksortes eine Schießübung statt. Zudem hätten mehrere Hubschrauber ein neues Nachtflugsystem getestet. In ersten Stellungnahmen sah die Armeeführung, deren Einfluß im Land die Politikerin beschränken wollte, „keine außergewöhnlichen Umstände“.

Die Sozialistische Partei Ecuadors (PSE), der Larriva zuletzt vorgestanden hatte, zeigte sich »tief erschüttert« von ihrem Tod. Mitglieder der Parteiführung forderten Untersuchungen wegen eines möglichen Anschlags auf die linke Regierung: »Wir schließen ein Attentat nicht aus«, sagte der PSE-Chef von Cuenca im Süden des Landes, woher Larriva stammt. Die Parteigenossen der getöteten Ministerin verwiesen ausdrücklich auf ihre politische Position. So trat Larriva kurz vor ihrem Tod für eine Novellierung der verteidigungspolitischen Richtlinien ihres Landes ein, die in den vergangenen Jahren stark von US-Interessen geprägt wurden. Auch wandte sie sich entschieden gegen die Besprühung von Coca-Pfanzungen in der Grenzregion zu Kolumbien mit Herbiziden. Und sie lehnte eine Beteiligung am Krieg gegen die linken Guerillaorganisationen im Nachbarland strikt ab.

Kritisch äußerte sich am Donnerstag auch der kolumbianische Buchautor und Journalist Hernando Calvo Ospina. »Jeder lateinamerikanische Politiker, der zum Problem für die US-Interessen wird, sollte sich um die Qualität seines Flugzeugs oder Hubschraubers und die Fähigkeiten der Piloten Sorgen machen«, so Calvo: »Die Präsidenten Omar Torrijos in Panama und Jaime Roldós in Ecuador legen davon Zeugnis ab«. Die beiden US-kritischen Staatschefs waren 1981 ebenfalls bei Flugzeugabstürzen ums Leben gekommen. Die Hintergründe sind nie aufgeklärt worden.

Auch in der Woche nach dem Attentat sind die Hintergründe noch unklar. Die Armeeführung hat – gemäß ihrer ersten Stellungnahme – eine Mitschuld am Tod der Ministerin ausgeschlossen. Wenig überraschend lehnte auch der Kongress die These eines politisch motivierten Attentats ab. Diese Erklärung aber dürfte mehr Ausdruck der Frontstellung der Abgeordneten gegen den Präsidenten sein: Correa ist bewusst ohne Partei und daher “gegen” den Kongress angetreten. Sein Projekt stützt er auf die außerparlamentarischen Bewegungen; soziale Organisationen und politische Basisgruppen. Die Hintergründe wird also erst die internationale Untersuchung ergeben. Die Sozialistische Partei hat Präsident Correa daher gebeten, ein Attentat bis dahin nicht öffentlich auszuschließen.


Online-Flyer Nr. 80  vom 31.01.2007

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