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Kultur und Wissen
Das „Theater des Ostens“ gastiert mit einem mittelalterlichen Kriminalfall
„Der Name der Rose“
Von Tanja Krienen
Schwierig, so scheint es zunächst, muss die Umsetzung eines so komplizierten Buches wie das des Umberto Eco sein. Erschwerend und belastend mag sogar der Bekanntheitsgrad des internationalen Kino-Erfolges von “Der Name der Rose“aus dem Jahre 1986 mit den Megastars Sean Connery, Christian Slater, F. Murray Abraham, Michael Lonsdale und Helmut Qualtinger hinzukommen. Die Popularität dieses Filmes aber wiederum sorgt in seinen positiven Nebeneffekten dafür, dass der geneigte Theatergänger ein besonderes Interesse für diesen Stoff empfindet.

Programmheft
Foto: Christian Lietzmann
Die Handlung spielt in dunkler Zeit, und düster ist auch die Stimmung, die von dem 1327 angesiedelten Schauplatz ausgeht. In einer norditalienischen Benediktinerabtei kommt es vor dem Hintergrund eines Kirchenstreites zu fünf Morden innerhalb der Klostermauern. Der ehemalige Inquisitor William von Baskerville (bravourös gespielt von Dieter Wien) wird mit der Aufklärung beauftragt und versucht – zunächst erfolglos – den geheimnisvollen Abläufen auf Spur zu kommen. Er stößt auf eine undurchdringliche Mauer von Schweigen, Vertauschungen und Abhängigkeiten. Letztlich geht es dabei um die alten Themen Freiheit, Zensur, Glaubwürdigkeit und Individualität.

„Ein weiterer Todesfall in der Abtei“
Foto: Christian Lietzmann
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des jungen Novizen Adson von Melk, frisch gespielt von Fabian Oscar Wien, der im wirklichen Leben nicht nur der Zögling der eigentlichen Hauptfigur, sondern gar der leibliche Sohn des Schauspielers ist. Der junge Adson erlebt die religiöse Welt jedoch als Labyrinth der Gefühle, als schwer durchschaubare Enge. Nicht zufällig spielt das Stück in weiten Teilen in den gespenstisch anmutenden Gängen der Bibliothek, die den Ausgangspunkt für die mysteriösen Morde darstellt.

„Ein Kloster-Insasse und William von Baskerville“
Foto: Christian Lietzmann
Der auch als Kabarettist bekannte Werner Krauss brilliert in der Rolle des Abtes, der zwischen den Lagern steht und seine Abtei vor den Kontrolleuren aus Rom schützen will. Seine Angst ist begründet, hat er doch mehrere ehemals religiös Abtrünnige im Kloster aufgenommen, so den (wahrscheinlich wegen früherer Folterungen durch die Inquisition) verwirrt sprechenden und schwer körperlich deformierten Salvatore und den Kellermeister Remigius von Varagine, einst ein Anhänger eines verbrannten „Ketzers“. Die Morde sind noch nicht aufgeklärt, als der Gesandte Roms, der Inquisitor Bernard Gui in der Abtei eintrifft.

„Schlußszene: Die Abtei brennt“
Foto: Christian Lietzmann
Schnell sind die Genannten als Schuldige ausgemacht, zu denen noch ein Mädchen hinzukommt, das der Hexerei beschuldigt wird, in Wirklichkeit den Mönchen aber als Liebesdienerin bereit stand. Alle drei landen als „Ketzer“ auf dem Scheiterhaufen. Doch der wirkliche Täter ist der mysteriöse Leiter der Bibliothek, Jorge von Burgos, gespielt von der Theaterchefin Vera Oelschlegel, die diese Rolle glaubhaft verkörpert. Die Gesamtgemengelage in dieser Abtei spiegelt die Widersprüche des angeblichen nicht weltlichen Lebens wieder: Ausschweifungen, Homosexualität, angedeutete Päderastie, Gewalt, Indoktrination und Heuchelei.
Die relativ spärliche Kulisse vermag durch mancherlei bühnenbildnerische - und Regie- Effekte zu überraschen. Insofern ist sie gelungen. Hilfreich bei der Umsetzung der opulenten Bilderfülle, die der Ausgangsstoff nun einmal beinhaltet, ist sicher die Schule der Akteure. Alle haben „ihren Brecht“ gelesen und gespielt, agieren deshalb präzis, pointiert, sprachlich exakt, auf höchstem Niveau.
Online-Flyer Nr. 82 vom 14.02.2007
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Kultur und Wissen
Das „Theater des Ostens“ gastiert mit einem mittelalterlichen Kriminalfall
„Der Name der Rose“
Von Tanja Krienen
Schwierig, so scheint es zunächst, muss die Umsetzung eines so komplizierten Buches wie das des Umberto Eco sein. Erschwerend und belastend mag sogar der Bekanntheitsgrad des internationalen Kino-Erfolges von “Der Name der Rose“aus dem Jahre 1986 mit den Megastars Sean Connery, Christian Slater, F. Murray Abraham, Michael Lonsdale und Helmut Qualtinger hinzukommen. Die Popularität dieses Filmes aber wiederum sorgt in seinen positiven Nebeneffekten dafür, dass der geneigte Theatergänger ein besonderes Interesse für diesen Stoff empfindet.

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Foto: Christian Lietzmann
Die Handlung spielt in dunkler Zeit, und düster ist auch die Stimmung, die von dem 1327 angesiedelten Schauplatz ausgeht. In einer norditalienischen Benediktinerabtei kommt es vor dem Hintergrund eines Kirchenstreites zu fünf Morden innerhalb der Klostermauern. Der ehemalige Inquisitor William von Baskerville (bravourös gespielt von Dieter Wien) wird mit der Aufklärung beauftragt und versucht – zunächst erfolglos – den geheimnisvollen Abläufen auf Spur zu kommen. Er stößt auf eine undurchdringliche Mauer von Schweigen, Vertauschungen und Abhängigkeiten. Letztlich geht es dabei um die alten Themen Freiheit, Zensur, Glaubwürdigkeit und Individualität.

„Ein weiterer Todesfall in der Abtei“
Foto: Christian Lietzmann
Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive des jungen Novizen Adson von Melk, frisch gespielt von Fabian Oscar Wien, der im wirklichen Leben nicht nur der Zögling der eigentlichen Hauptfigur, sondern gar der leibliche Sohn des Schauspielers ist. Der junge Adson erlebt die religiöse Welt jedoch als Labyrinth der Gefühle, als schwer durchschaubare Enge. Nicht zufällig spielt das Stück in weiten Teilen in den gespenstisch anmutenden Gängen der Bibliothek, die den Ausgangspunkt für die mysteriösen Morde darstellt.

„Ein Kloster-Insasse und William von Baskerville“
Foto: Christian Lietzmann
Der auch als Kabarettist bekannte Werner Krauss brilliert in der Rolle des Abtes, der zwischen den Lagern steht und seine Abtei vor den Kontrolleuren aus Rom schützen will. Seine Angst ist begründet, hat er doch mehrere ehemals religiös Abtrünnige im Kloster aufgenommen, so den (wahrscheinlich wegen früherer Folterungen durch die Inquisition) verwirrt sprechenden und schwer körperlich deformierten Salvatore und den Kellermeister Remigius von Varagine, einst ein Anhänger eines verbrannten „Ketzers“. Die Morde sind noch nicht aufgeklärt, als der Gesandte Roms, der Inquisitor Bernard Gui in der Abtei eintrifft.

„Schlußszene: Die Abtei brennt“
Foto: Christian Lietzmann
Schnell sind die Genannten als Schuldige ausgemacht, zu denen noch ein Mädchen hinzukommt, das der Hexerei beschuldigt wird, in Wirklichkeit den Mönchen aber als Liebesdienerin bereit stand. Alle drei landen als „Ketzer“ auf dem Scheiterhaufen. Doch der wirkliche Täter ist der mysteriöse Leiter der Bibliothek, Jorge von Burgos, gespielt von der Theaterchefin Vera Oelschlegel, die diese Rolle glaubhaft verkörpert. Die Gesamtgemengelage in dieser Abtei spiegelt die Widersprüche des angeblichen nicht weltlichen Lebens wieder: Ausschweifungen, Homosexualität, angedeutete Päderastie, Gewalt, Indoktrination und Heuchelei.
Die relativ spärliche Kulisse vermag durch mancherlei bühnenbildnerische - und Regie- Effekte zu überraschen. Insofern ist sie gelungen. Hilfreich bei der Umsetzung der opulenten Bilderfülle, die der Ausgangsstoff nun einmal beinhaltet, ist sicher die Schule der Akteure. Alle haben „ihren Brecht“ gelesen und gespielt, agieren deshalb präzis, pointiert, sprachlich exakt, auf höchstem Niveau.
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