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Lokales
FBI-Akten belasten Wuppertals Ehrenbürger Eduard von der Heydt
Zweimal in die NSDAP eingetreten
Von Peter Kleinert

In einer von Wuppertaler SPD und Grünen organisierten Veranstaltung über den Mäzen, Ehrenbürger und Namensgeber des kommunalen Kulturpreises der Stadt, Eduard von der Heydt, waren die NS-Verbindungen des Barons und Bankiers das Thema. Und natürlich ging es in der "Begegnungsstätte Alte Synagoge" um die Frage, ob der Stadtrat nicht endlich den Namen des Kulturpreises ändern soll. (Siehe NRhZ 82) Dafür sprechen jetzt bekannt gewordene Erkenntnisse der Autoren Dieter Nelles und Stephan Stracke aus amerikanischen FBI-Akten, über die in der Veranstaltung aber nur am Rande gesprochen wurde.
Die FBI-Akten über von der Heydt, an dessen Ehrenbürgerschaft die Stadtratsfraktionen mit Ausnahme der Linken bislang hartnäckig festhalten (siehe NRhZ 38 und 70), bestätigen die Forderung der Wuppertaler Bürger, die den renommierten Kulturpreis von der Belastung durch den Namen des Nazi-Bankiers befreit wissen wollen. Eduard von der Heydt war nämlich kein Mitläufer sondern ein höchst aktiver Träger des nationalsozialistischen Unrechtssystems. Er war ein früher Unterstützer der Nazi-Bewegung, hatte als "Bankier" des deutschen Geheimdienstes von seinem Wohnort im Tessin aus in diesem offenbar eine zentrale Funktion inne und profitierte von Lösegeldzahlungen verfolgter Juden, zu denen bekanntlich auch die Wuppertaler Dichterin Else Lasker-Schüler gehörte.

Eduard von der Heydt - Im Safe seiner Bank
Eduard von der Heydt - Im Safe seiner Bank
Foto: Archiv Haus der Wannsee-Konferenz


Laut Nelles und Strackes Recherchen übergab die amerikanische Botschaft der Schweizer Polizei Daten über von der Heydts Mitgliedschaft in der NSDAP, die dieser nach seiner Verhaftung 1946 in der Schweiz in Verhören abgestritten hatte. Danach war von der Heydt schon in den 20er Jahren Mitglied der NSDAP, verließ die Partei im März 1930 aus nicht bekannten Gründen und trat im April 1933 wieder ein (so ein Telegramm der amerikanischen Besatzungsbehörde in Berlin an die amerikanische Botschaft vom 10. Februar).

Die US-Behörden begründeten denn auch die Beschlagnahmung des von der Heydtschen Vermögens und seiner Kunstsammlungen in den USA vor allem mit seiner Tätigkeit für den deutschen militärischen Geheimdienst, das Amt Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht. Von der Heydt dagegen hatte in der Strafuntersuchung immer wieder bestritten, wissentlich für die Abwehr gearbeitet zu haben. Er begründete sein angebliches Nichtwissen mit seiner Unkenntnis der Verhältnisse in Deutschland und der Funktion der Abwehr. Die Aussagen des zu den Verschwörern des 20. Juli gehörenden Mitarbeiters der Abwehr, Hans Bernd Gisevius, hatten diese Schutzbehauptung zwar eindeutig widerlegt; vom Schweizer Gericht wurde von der Heydt dennoch zugebilligt, nicht über die Empfänger seiner Überweisungen für die Abwehr orientiert gewesen zu sein:

Von Heinrich Lübke, Vorstandsvorsitzender der August Thyssen Bank, deren Vertretung in der Schweiz von der Heydt als deren Mitgründer leitete, erfuhren die Amerikaner nach dem Krieg aus erster Hand, dass von der Heydt exakt über den Charakter seiner Überweisungen an deutsche Agenten im Ausland informiert war. Und laut Aussagen der Chefsekretärin der August Thyssen Bank, Ilse Butry, wurden Überweisungen für neutrale und feindliche Länder "einzig" durch von der Heydt getätigt (so der FBI-Bericht von J.E. Hoover vom 7.Juli 1952).

Telegramm

Neben seiner Tätigkeit für das Amt Ausland/Abwehr interessierte die amerikanischen Behörden besonders von der Heydts Rolle bei der Erpressung von Lösegeld ("Raubgold") für von Deportation bedrohte Juden. Ergebnis: Nach den Nelles und Stracke vorliegenden Dokumenten wurden über von der Heydts Konten beispielsweise Lösegeldzahlungen rumänischer Juden abgewickelt. Das FBI interviewte ein betroffenes Ehepaar, das inzwischen in New York lebte (so ein Bericht des FBI, Büro New York, über von der Heydt, vom 27.5. 1954), und nahm Kontakte zu deren Schweizer Anwälten auf, die eine Zivilklage gegen von der Heydt vorbereiteten.

Die hier erwähnten und weitere Dokumente liegen den Autoren in Kopie vor. Sie stammen aus den National Archives (NARA) der USA, in denen Akten der amerikanischen Bundesregierung aufbewahrt werden. Aktenbetreffe zu Eduard von der Heydt sind zum Teil noch gesperrt. Dieter Nelles und Stephan Stracke: "Welche Kriterien dabei vom National Archiv zugrunde gelegt werden, entzieht sich unserer Kenntnis."

Dieter Nelles hat u.a. das Buch "Die unsichtbare Front" von Rudolf Berner zum Widerstand und Exil deutscher Anarchosyndikalisten (1933-1945) im Libertad-Verlag herausgegeben. Stephan Stracke, Ralph Klein und Regina Mentner haben 2004 das Buch "Mörder unterm Edelweiß" bei Papyrossa veröffentlicht.

Online-Flyer Nr. 84  vom 28.02.2007

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