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Kultur und Wissen
Wie man sein Kind im Schlaf vergiften kann
Gesundheits-Ecke - Folge 1
Von Gisela Segieth

Sie schlafen nicht mehr durch und sind am nächsten Tag völlig kaputt, die lieben Kleinen. Dabei haben sie doch ihren Lieblingsschlafanzug an, von dem ihre Freunde aus dem Kinder-TV-Programm fröhlich herunterlachen. Entnervt wird ihnen wieder eine Nacht geopfert, und man nimmt sich vor, sie in Zukunft tagsüber so zu beschäftigen, dass sie nachts durchschlafen müssen. Doch auch das hilft nicht, und bald werden die Nächte für die Familie zur Qual.
Sieben von 25 Schlafanzügen mit Giften verseucht

Man schaltet den Kinderarzt ein, doch der findet in der Regel auch keine Erklärung. Wenn man Glück hat, gerät man an einen Arzt, der keinen Schlafsaft verordnet. Denn die Ursache für das nächtliche Verhalten der Kinder würde damit auch nicht beseitigt, sondern nur zugedeckt. Was ist passiert? Woran liegt es? Der Frage ging ÖKO-Test in seiner Februarausgabe nach und schickte 25 Kinderschlafanzüge ins Labor.

Die Antwort war erschütternd. Nur 15 Schlafanzüge erhielten die Noten gut oder sehr gut. Sieben hingegen waren so sehr mit Giften verseucht, dass man sich fragt, wie sie in den Handel gelangen konnten: Weichmacher, so genannte Phthalate, sorgen nämlich dafür, dass die aufgedruckten Bilder auf den Anzügen möglichst weich sind. Doch sie stehen auch im Verdacht, kanzerogen, teratogen und endokrin, also krebserregend zu sein und sich negativ auf Keimdrüsen und Blut auszuwirken. In fast allen Schlafanzügen wurden zinnorganische Verbindungen gefunden. Die garantieren nämlich strahlend bunte Farben.

strampelanzug
ÖKO-Test: Sieben von 25 Kinderschlafanzügen vergiftet
Foto: NRhZ-Archiv


Sogar Naturwarenanbieter sind nicht sicher

Ein Schlafanzug enthielt in der Naht das verbotene krebserzeugende aromatische Amin p-Aminoazobenzol in einer den Grenzwert um das Fünffache überschreitenden Konzentration.
Und ein Mädchenschlafanzug enthielt in sehr hoher Konzentration die gefährlichen Stoffe Dibutylzinn (DBT) und Tributylzinn (TBT). Ausgerechnet der Mädchenschlafanzug eines Naturwarenanbieters enthielt den hochgiftigen Stoff PCP (Pentachlorphenol). Das heißt, dass nicht einmal alle Naturwarenanbieter prüfen, was sie verkaufen.

Und die Kinder nehmen über Poren und Atemwege Nacht für Nacht diese Giftstoffe auf. Dabei ist die Belastung für Kinder sogar zweieinhalb Mal höher, als die bei Erwachsenen, denn die Kleinen haben viel mehr Hautoberfläche im Verhältnis zum Körpergewicht. Außerdem nehmen sie durch ihren im Vergleich zu Erwachsenen höheren Stoffwechsel Giftstoffe in einer noch höheren Dosis auf. Und die Giftstoffe bleiben länger in ihrem Körper, weil die Entgiftungsfunktionen der kindlichen Leber und Nieren längst noch nicht voll entwickelt sind. Es kann so zu Giftstoffanreicherungen im kindlichen Organismus kommen, die zu schweren Dauerschäden führen. 

Wundert es Sie da, wenn viele Kinder Schwierigkeiten mit dem Einschlafen haben, keinen gesunden Schlaf finden können?

Gebrauchte Kinderkleidung ist die beste

Kaufen Sie deshalb Ihren Kindern Kleidung und Schlafanzüge am besten im Second-Hand-Laden oder lassen Sie sich getragene Kleidung von Freunden schenken. Aus gebrauchten Sachen sind die schädlichen Gifte nämlich meist heraus gewaschen. Und wenn die Kleider - vor allem die, die unmittelbar auf der Haut liegen - wenig gefärbt und nicht bedruckt sind, sind Sie fast auf der sicheren Seite.

Waschen Sie aber auch solche neu gekaufte Kinderkleidung grundsätzlich vor dem ersten Tragen. Denn auch die Giftstoffe aus dem Produktionsprozess müssen heraus. Darüber hinaus sollten Sie auf Gütezeichen wie Öko Tex Standard 100 achten. Und fragen Sie beim Kauf nach dem Herstellungsland. Denn besonders in Fernost hergestellte Kleidung kann oft voller Gifte stecken.

Weitere Informationen unter www.oekotest.de

Online-Flyer Nr. 84  vom 28.02.2007

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