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Kultur und Wissen
Bitterböse Anklage und Schwarzer Humor
Edgar Hilsenrath liest in Wuppertal
Von Hajo Jahn

Edgar Hilsenrath im WDR-Fernsehen, April 2005, Foto: www.edgar-hilsenrath.de
„Ich bin Max Schulz, unehelicher, wenn auch rein arischer Sohn der Minna Schulz…“ So beginnt Edgar Hilsenraths berühmter Roman über den SS-Mann und Massenmörder, der in die Rolle seines Opfers Itzig Finkelstein schlüpft und ein angesehener Bürger und Friseursalonbesitzer in Tel Aviv wird. Eine Romankonstruktion, wie sie typischer nicht sein könnte für den deutsch-jüdischen Autor Hilsenrath, der seine Wut über das erlittene Unrecht während der NS-Zeit und die unerträgliche Doppelmoral im US-amerikanischen Exil in aberwitzigen Geschichten und pechschwarzem Humor in eine literarische Form bringt. Mit kompromissloser Darstellung schockierte er in seinen Romanen „Nacht“ (1964) und „Der Nazi“ und sein Friseur“ (1971).
Hilsenrath ist nicht irgendwer. Die Weltauflage seiner Bücher beträgt mehr als fünf Millionen Exemplare, sie sind in 18 Sprachen übersetzt, in 22 Ländern veröffentlicht. Heinrich Böll attestierte Hilsenrath eine „Sprache, die wild wuchert und doch oft genug trifft“ sowie „eine düstere und stille Poesie“. Nur in Deutschland, dem Land einer Sprache, in die Hilsenrath sich eigenen Angaben nach "verliebt" hat, ist er nicht so bekannt wie sein literarischer Rang es verdiente. In der Fachwelt hat Hilsenrath - inzwischen - große Anerkennung erfahren. Er hat den Alfred Döblin-, den Jakob Wassermann- und weitere hochkarätige Preise erhalten. Für das literarische Publikum ist er indessen (noch) ein Geheimtipp.
1944 von der Roten Armee aus dem Ghetto Mogilev-Podolsk befreit, überlebt Hilsenrath die Shoah. Er schlägt sich nach Palästina durch und emigriert von dort 1951 nach New York, wo er bis 1975 lebt. Hilsenrath greift zu bitterböser Satire, um der Shoah-Thematik beizukommen - wohl einer der Gründe dafür, warum deutsche Verleger lange Zeit Angst vor seinen Texten hatten: Dies war keine "politisch korrekte" Prosa, wie man sie von der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur zu vernehmen gewohnt war, in der die "andere Erinnerung" jüdischer Emigranten ohnehin systematisch missachtet und ausgegrenzt worden war.
Bei aller bitterbösen Anklage gegen den Rassenwahn Nazi-Deutschlands und die US-amerikanische Doppelmoral ist Hilsenrath auf keinem politischen Auge blind. So scheut er sich nicht - wie in seinem Exil-Roman „Fuck America – Bronskys Geständnis“ - auch die kleinen Betrügereien der ins New Yorker Exil getriebenen jüdischen Kleinintellektuellen schonungslos offen zu legen. Sein Romanheld, der halb fiktive, halb autobiografisch gezeichnete jüdische Einwanderer Jakob Bronsky erlebt das Land der unbegrenzten Möglichkeiten aus der Perspektive des Penners und Aushilfskellners, der um sein inneres und äußeres Überleben kämpfen muss. „Ein bizarres, wüstes Nachtasyl-Personal zieht auf, Penner, Huren, Entgleiste und Entglittene, ein Rinnstein-Inferno. Der alltägliche Wolfskampf um den Dollar und einen Bissen kann zur Posse und zur Tragödie werden“, berichtete der Spiegel über Hilsenraths New York-Roman.
Doch kann man so über den Holocaust und seine Folgen schreiben? Wer sich ein eigenes Urteil bilden möchte, sollte die Begegnung mit dem inzwischen 80-jährigen Autor und Zeitzeugen wahrnehmen. Moderiert wird die Veranstaltung von Hilsenrath-Biograph Helmut Braun. Nach der Lesung ist das Publikum herzlich zur Diskussion eingeladen.
Ort: Buchhandlung Nettesheim, „Haus der Bücher“, Herzogstraße 29, Zeit: Mittwoch: 14. März 2007, 20.00 Uhr. Die folgenden Termine finden Sie im NRhZ-Terminkalender.
Online-Flyer Nr. 86 vom 14.03.2007
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Kultur und Wissen
Bitterböse Anklage und Schwarzer Humor
Edgar Hilsenrath liest in Wuppertal
Von Hajo Jahn

Edgar Hilsenrath im WDR-Fernsehen, April 2005, Foto: www.edgar-hilsenrath.de
„Ich bin Max Schulz, unehelicher, wenn auch rein arischer Sohn der Minna Schulz…“ So beginnt Edgar Hilsenraths berühmter Roman über den SS-Mann und Massenmörder, der in die Rolle seines Opfers Itzig Finkelstein schlüpft und ein angesehener Bürger und Friseursalonbesitzer in Tel Aviv wird. Eine Romankonstruktion, wie sie typischer nicht sein könnte für den deutsch-jüdischen Autor Hilsenrath, der seine Wut über das erlittene Unrecht während der NS-Zeit und die unerträgliche Doppelmoral im US-amerikanischen Exil in aberwitzigen Geschichten und pechschwarzem Humor in eine literarische Form bringt. Mit kompromissloser Darstellung schockierte er in seinen Romanen „Nacht“ (1964) und „Der Nazi“ und sein Friseur“ (1971).
Hilsenrath ist nicht irgendwer. Die Weltauflage seiner Bücher beträgt mehr als fünf Millionen Exemplare, sie sind in 18 Sprachen übersetzt, in 22 Ländern veröffentlicht. Heinrich Böll attestierte Hilsenrath eine „Sprache, die wild wuchert und doch oft genug trifft“ sowie „eine düstere und stille Poesie“. Nur in Deutschland, dem Land einer Sprache, in die Hilsenrath sich eigenen Angaben nach "verliebt" hat, ist er nicht so bekannt wie sein literarischer Rang es verdiente. In der Fachwelt hat Hilsenrath - inzwischen - große Anerkennung erfahren. Er hat den Alfred Döblin-, den Jakob Wassermann- und weitere hochkarätige Preise erhalten. Für das literarische Publikum ist er indessen (noch) ein Geheimtipp.
1944 von der Roten Armee aus dem Ghetto Mogilev-Podolsk befreit, überlebt Hilsenrath die Shoah. Er schlägt sich nach Palästina durch und emigriert von dort 1951 nach New York, wo er bis 1975 lebt. Hilsenrath greift zu bitterböser Satire, um der Shoah-Thematik beizukommen - wohl einer der Gründe dafür, warum deutsche Verleger lange Zeit Angst vor seinen Texten hatten: Dies war keine "politisch korrekte" Prosa, wie man sie von der deutschsprachigen Nachkriegsliteratur zu vernehmen gewohnt war, in der die "andere Erinnerung" jüdischer Emigranten ohnehin systematisch missachtet und ausgegrenzt worden war.
Bei aller bitterbösen Anklage gegen den Rassenwahn Nazi-Deutschlands und die US-amerikanische Doppelmoral ist Hilsenrath auf keinem politischen Auge blind. So scheut er sich nicht - wie in seinem Exil-Roman „Fuck America – Bronskys Geständnis“ - auch die kleinen Betrügereien der ins New Yorker Exil getriebenen jüdischen Kleinintellektuellen schonungslos offen zu legen. Sein Romanheld, der halb fiktive, halb autobiografisch gezeichnete jüdische Einwanderer Jakob Bronsky erlebt das Land der unbegrenzten Möglichkeiten aus der Perspektive des Penners und Aushilfskellners, der um sein inneres und äußeres Überleben kämpfen muss. „Ein bizarres, wüstes Nachtasyl-Personal zieht auf, Penner, Huren, Entgleiste und Entglittene, ein Rinnstein-Inferno. Der alltägliche Wolfskampf um den Dollar und einen Bissen kann zur Posse und zur Tragödie werden“, berichtete der Spiegel über Hilsenraths New York-Roman.
Doch kann man so über den Holocaust und seine Folgen schreiben? Wer sich ein eigenes Urteil bilden möchte, sollte die Begegnung mit dem inzwischen 80-jährigen Autor und Zeitzeugen wahrnehmen. Moderiert wird die Veranstaltung von Hilsenrath-Biograph Helmut Braun. Nach der Lesung ist das Publikum herzlich zur Diskussion eingeladen.
Ort: Buchhandlung Nettesheim, „Haus der Bücher“, Herzogstraße 29, Zeit: Mittwoch: 14. März 2007, 20.00 Uhr. Die folgenden Termine finden Sie im NRhZ-Terminkalender.
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