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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Globales
Hugo Chávez führt auf Gegentour Massenproteste gegen Bush-Besuch an
„Gringo go home!“
Von Christian Heinrici und Harald Neuber

In den vergangenen Tagen bereiste nicht nur Horst Köhler Lateinamerika – laut dpa unter dem „Leitthema“ der „sozialen Verantwortung von Unternehmen vor dem Hintergrund einer wachsenden ungleichen Einkommensverteilung“ auf dem Subkontinent. Auch George W. Bush hatte sich – mit ähnlichen Ankündigungen – auf den Weg in den Süden gemacht und dabei wachsende Proteste gegen die USA ausgelöst, an deren Spitze sich sein venezolanischer Gegenspieler Hugo Chávez setzte.
Sinking Stars and Stripes
„Ihr habt einen Freund in den Vereinigten Staaten, wir kümmern uns um eure Not“, hatte George W. Bush schon vor seiner Tour nach Mexiko, Guatemala, Kolumbien, Brasilien und Uruguay in der hispanischen Handelskammer angekündigt. Seine Reise diene einer Kampagne gegen Armut und Ungleichheit. Das klang in Anbetracht der bisherigen Politik des „großen amerikanischen Bruders“ nur wenig glaubhaft, weil die USA Lateinamerika seit jeher als ihre „natürliche Einflusszone“ betrachten, Unrechtsregime stützten und sich aktiv an Militärputschen beteiligt haben. Spätestens seit dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen über die US-dominierte Amerikanische Freihandelszone im Jahr 2005 ist der Einfluss des Sternenbanners im Sinken begriffen. Nicht zuletzt, weil Hugo Chávez, Präsident des viertgrößten erdölfördernden Landes, den Daumen auf den Rohstoffreserven des Landes hält und erfolgreich Anti-USA-Allianzen schmiedet.

Bushproteste
In Brasilien: „Bush raus – nein zum Krieg“

Bushs Charmeoffensive wurde von massiven Protesten begleitet. Sogar in Bogota waren 30.000 Polizisten von Nöten, um ihn und die öffentliche Ordnung zu schützen, obwohl. Kolumbien, für seine repressive Innenpolitik bekannt, als der zuverlässigste Bündnispartner der USA gilt. Und während sich Bush sich anschließend in Montevideo mit seinem uruguayischen Kollegen Vazquez fern jeder Öffentlichkeit traf, um Wirtschaftsverträge auszuhandeln, hatte der venezolanische Präsident am Vortag in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires eine Kundgebung gegen dessen Lateinamerika-Reise angeführt. Zu dieser Veranstaltung, die von der Angehörigenorganisation der Opfer der Militärdiktatur (1976 -1983), der „Mütter der Plaza de Mayo“, organisiert wurde, kamen 35.000 Menschen.

Botschafter der Ölfirmen

Auch im brasilianischen Sao Paulo demonstrierten mehrere Zehntausend Kriegs- und Globalisierungsgegner gegen die Bush-Tour. Landlose Bauern besetzten schon im Vorfeld des Bush-Besuchs eine Mine, eine Bank und eine Ethanol-Fabrik, um gegen die Ausweitung des industriellen Zuckerrohranbaus, die damit einhergehende Zerstörung des Regenwaldes und den Ausverkauf brasilianischer Fabriken zur Ethanolproduktion zu protestieren. Der Führer der Landlosenbewegung MST, Joao Pedro Stedile, erklärte: „Bush kommt als Botschafter der multinationalen Konzerne, der Agroindustrie, der Ölfirmen und der Automobilhersteller, die gemeinsam das weltweite Geschäft mit Biotreibstoffen kontrollieren wollen."

In Brasilien – das Land ist weltweit größter Hersteller von Ethanol aus Zuckerrohr – sind nicht die Fahrer sondern die Autos selbst beschwipst: Rund 30 Prozent der Kraftwagen in dem größten lateinamerikanischen Staat fahren mit dem hochprozentigen Biokraftstoff. Die Verhandlungen mit Brasiliens Staatschef Luiz „Lula“ da Silva fielen dagegen eher nüchtern aus. Die Aufhebung der US-Zollschranken für brasilianisches Ethanol lehnte Bush schlichtweg ab. Darüber könne der US-Kongress frühestens 2009 entscheiden.

Bushproteste
Proteste in der Innenstadt Sao Paulos
Fotos: Carla Silva


„Nicht die Brosamen des Imperiums!“

In Anbetracht solcher Ergebnisse hatte Chávez auf seiner Gegentour leichtes Spiel: „Mr. President, was ist denn der Grund für diese Armut?!“, fragte Chávez während einer Veranstaltung in Bolivien, und gab auch gleich die Antwort: „Sie sind doch selbst ein Repräsentant für diesen Grund. Neoliberalistischer Kapitalismus ist der Hauptgrund für diese Armut hier!“ Während zum Beispiel die USA ein Lazarettschiff nach Lateinamerika schickten, auf dem pro Jahr 1500 Operationen durchgeführt werden können, seien in den vergangenen Jahren als Ergebnis der solidarischen Zusammenarbeit der linken Staaten Lateinamerikas eine halbe Million Menschen in Kuba behandelt worden, und im Rahmen der „Bolivarischen Alternative für Amerika“ (ALBA) hätten kubanische Ärzte in Venezuela Millionen Behandlungen durchgeführt. „Das ist die Hilfe, die wir brauchen“, so Chávez, „und nicht die Brosamen des Imperiums.“

Kein Wunder, dass Chávez auch am Montag in Haiti gefeiert wurde – weil sein Land den erst von Frankreich, dann von den USA ausgeplünderten Inselstaat nun mit jährlich 200 Millionen Euro unterstützt –, während Bush in indigene Tracht gewickelt und bestens von eben diesen zu Tausenden gegen ihn demonstrierenden Indigenen abgeschirmt in Guatemala die heiligen Stätten der Maya besuchte. Den Medien, die ihm immer wieder unterstellen, dass er sich „linksopportunistisch und chauvinistisch“ als Gegenspieler des US-Präsidenten zu profilieren versuche, teilte Chávez bei dieser Gelegenheit mit: „Es geht nicht um Bush. Es geht um eins der schrecklichten und mörderischsten Reiche der Menschenheitsgeschichte.“ Doch da war Bush bereits auf dem Weg nach Mexiko, um dessen Präsidenten Calderon „bei der Bekämpfung von Armut, Drogen- und Einwanderungsproblemen zu beraten“.

Hugo Chavez
„Die Fakten sprechen für sich“
Karikatur: Tony – Workers World


Online-Flyer Nr. 86  vom 14.03.2007

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