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Krieg und Frieden
Kölner Friedensaktivistin bei Blockade des englischen Atomwaffenstützpunkts
„Faslane 365“
Von Helmut Jaskolski

„Wormser Taube“ von Hanna Jaskolski - Drahtteile aus einer "Entzäunungsaktion" gegen Abschiebehaft
Gegenüber einem nicht nennbaren Feind und mit der einzigen Begründung einer "ungewissen Welt" klammert sich England weiterhin an seine Fähigkeit, Menschenmassen durch Atomwaffen zu vernichten. Trotz vieler Proteste auch aus den eigenen Reihen hat Premierminister Blair wieder nach der Devise „Faustrecht statt Völkerrecht“ entschieden und am 14. März das englische Parlament über die Modernisierung des britischen Atomwaffensystems „Trident“ abstimmen lassen. Nur einmal zuvor hatten sich so viele Labour-Abgeordnete gegen die eigene regierende Partei ausgesprochen: bei der Abstimmung um den Irakkrieg. Diesmal stimmten 161 Parlamentarier gegen die neuen Atomwaffenträger, darunter 95 Labour-Abgeordnete – 409 stimmten dafür. Zwei Minister traten aufgrund des Ergebnisses zurück.

Hanna Jaskolski erhält den Düsseldorfer Friedenspreis beim Ostermarsch Rhein-Ruhr am 19. April 2003
Fotos: Helmut Jaskolski
365 Tage lange Blockade
Zu den Protestierenden gehören auch verschiedene Gruppen aus England und Europa, die den U-Bootstützpunkt der Royal Navy in Faslane am Fluss Clyde (ca. 45 km nordwestlich von Glasgow) abwechselnd seit dem 1. Oktober 2006 blockieren. An der Faslane 365-Aktion (365 Tage lang), deren Ziel es ist, eine kritische Öffentlichkeit gegen die neuerliche atomare Aufrüstung zu schaffen, beteiligten sich bisher mehr als 60 verschiedene Gruppen, die den Betrieb der Basis störten. Über 500 Mal wurden Aktivisten vorübergehend verhaftet, vier wurden bisher angeklagt. Am 26. März reiste zum ersten Mal eine deutsche Gruppe von AktivistInnen nach Schottland, um am 28. März das Haupttor des Stützpunktes zu blockieren. Die NRhZ wird in der nächsten Woche über die Reise berichten.

Blockade am Haupttor des Atomwaffenstützpunktes Faslane
Foto: www.faslane365.org/de
Die Vorgeschichte des Parlamentsbeschlusses: Am 3. Juli 1958 unterzeichneten die USA und Großbritannien ein Abkommen zur Zusammenarbeit über die Nutzung der Atomenergie für gegenseitige „Verteidigungszwecke“. Das Trident-II-System wurde 1994 in Betrieb genommen und wird vermutlich 2024 auslaufen. Es besteht aus vier Atom-U-Booten, 58 Interkontinentalraketen und 200 Sprengköpfen mit der 8-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe. Seit 1998 arbeiten britische und US-amerikanische Atomwissenschaftler eng in den Laboren in Los Alamos (USA) und Aldermaston (GB) zusammen. Großbritannien führte Atomtests in Nevada durch, und britische Atomwaffen wurden weitgehend nach US-Waffenentwürfen gebaut. So sind die Trident-Raketen, die auf den britischen Atom-U-Booten stationiert sind, von den USA gemietet. Der Sprengkopf selbst wird nach US-Plänen in Großbritannien hergestellt, und obwohl die U-Boote in Großbritannien gebaut wurden, kommen viele Komponenten und die Zielsysteme aus den USA.
Und der Aomwaffenssperrvertrag?
Sollte Großbritannien am Ende doch noch auf Atomwaffen verzichten, wäre dies ein wichtiges Signal für andere Staaten. Es wäre das erste Mal, dass ein Atomwaffenstaat seine Verpflichtungen aus Artikel VI des Atomwaffensperrvertrags erfüllt. Auf die anderen Atomwaffenstaaten würde Druck entstehen, selbst abzurüsten. Wenn Großbritannien allerdings sein Arsenal tatsächlich bis weit in dieses Jahrhundert verlängert oder gar modernisiert, ist das Signal genauso stark. Das hieße, dass sich Großbritannien als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages nicht an seine Verpflichtungen hält und davon ausgeht, dass Atomwaffen die Sicherheit des Landes gewährleisten können. Ein Signal, dass in anderen Ländern zur nuklearen Aufrüstung oder zum Erwerb von Atomwaffen motivieren könnte.
Nach Meinung von Dr. Hans Blix, dem früheren Chef der UN-Waffenkontrolleure, raubt die Modernisierung von Trident Großbritannien jede moralische Integrität, die nötig ist, um andere Nationen – wie zum Beispiel den Iran – davon abzuhalten zur Atommacht aufzusteigen. Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin von IPPNW Deutschland: „Wenn es nach Tony Blair geht, wird Großbritannien seine Atomwaffen bis in alle Ewigkeit behalten. Auch die deutsche Politik zeigt keine Bereitschaft, ihre Strategie der nuklearen Teilhabe zu beenden. Damit provozieren beide Regierungen einen Rüstungswettlauf, der noch unberechenbarer sein wird als im Kalten Krieg."
Mehr unter www.jaskolski.de und http://www.faslane365.org/photos
Online-Flyer Nr. 88 vom 28.03.2007
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Krieg und Frieden
Kölner Friedensaktivistin bei Blockade des englischen Atomwaffenstützpunkts
„Faslane 365“
Von Helmut Jaskolski

„Wormser Taube“ von Hanna Jaskolski - Drahtteile aus einer "Entzäunungsaktion" gegen Abschiebehaft
Gegenüber einem nicht nennbaren Feind und mit der einzigen Begründung einer "ungewissen Welt" klammert sich England weiterhin an seine Fähigkeit, Menschenmassen durch Atomwaffen zu vernichten. Trotz vieler Proteste auch aus den eigenen Reihen hat Premierminister Blair wieder nach der Devise „Faustrecht statt Völkerrecht“ entschieden und am 14. März das englische Parlament über die Modernisierung des britischen Atomwaffensystems „Trident“ abstimmen lassen. Nur einmal zuvor hatten sich so viele Labour-Abgeordnete gegen die eigene regierende Partei ausgesprochen: bei der Abstimmung um den Irakkrieg. Diesmal stimmten 161 Parlamentarier gegen die neuen Atomwaffenträger, darunter 95 Labour-Abgeordnete – 409 stimmten dafür. Zwei Minister traten aufgrund des Ergebnisses zurück.

Hanna Jaskolski erhält den Düsseldorfer Friedenspreis beim Ostermarsch Rhein-Ruhr am 19. April 2003
Fotos: Helmut Jaskolski
365 Tage lange Blockade
Zu den Protestierenden gehören auch verschiedene Gruppen aus England und Europa, die den U-Bootstützpunkt der Royal Navy in Faslane am Fluss Clyde (ca. 45 km nordwestlich von Glasgow) abwechselnd seit dem 1. Oktober 2006 blockieren. An der Faslane 365-Aktion (365 Tage lang), deren Ziel es ist, eine kritische Öffentlichkeit gegen die neuerliche atomare Aufrüstung zu schaffen, beteiligten sich bisher mehr als 60 verschiedene Gruppen, die den Betrieb der Basis störten. Über 500 Mal wurden Aktivisten vorübergehend verhaftet, vier wurden bisher angeklagt. Am 26. März reiste zum ersten Mal eine deutsche Gruppe von AktivistInnen nach Schottland, um am 28. März das Haupttor des Stützpunktes zu blockieren. Die NRhZ wird in der nächsten Woche über die Reise berichten.

Blockade am Haupttor des Atomwaffenstützpunktes Faslane
Foto: www.faslane365.org/de
Die Vorgeschichte des Parlamentsbeschlusses: Am 3. Juli 1958 unterzeichneten die USA und Großbritannien ein Abkommen zur Zusammenarbeit über die Nutzung der Atomenergie für gegenseitige „Verteidigungszwecke“. Das Trident-II-System wurde 1994 in Betrieb genommen und wird vermutlich 2024 auslaufen. Es besteht aus vier Atom-U-Booten, 58 Interkontinentalraketen und 200 Sprengköpfen mit der 8-fachen Zerstörungskraft der Hiroshima-Bombe. Seit 1998 arbeiten britische und US-amerikanische Atomwissenschaftler eng in den Laboren in Los Alamos (USA) und Aldermaston (GB) zusammen. Großbritannien führte Atomtests in Nevada durch, und britische Atomwaffen wurden weitgehend nach US-Waffenentwürfen gebaut. So sind die Trident-Raketen, die auf den britischen Atom-U-Booten stationiert sind, von den USA gemietet. Der Sprengkopf selbst wird nach US-Plänen in Großbritannien hergestellt, und obwohl die U-Boote in Großbritannien gebaut wurden, kommen viele Komponenten und die Zielsysteme aus den USA.
Und der Aomwaffenssperrvertrag?
Sollte Großbritannien am Ende doch noch auf Atomwaffen verzichten, wäre dies ein wichtiges Signal für andere Staaten. Es wäre das erste Mal, dass ein Atomwaffenstaat seine Verpflichtungen aus Artikel VI des Atomwaffensperrvertrags erfüllt. Auf die anderen Atomwaffenstaaten würde Druck entstehen, selbst abzurüsten. Wenn Großbritannien allerdings sein Arsenal tatsächlich bis weit in dieses Jahrhundert verlängert oder gar modernisiert, ist das Signal genauso stark. Das hieße, dass sich Großbritannien als Unterzeichner des Atomwaffensperrvertrages nicht an seine Verpflichtungen hält und davon ausgeht, dass Atomwaffen die Sicherheit des Landes gewährleisten können. Ein Signal, dass in anderen Ländern zur nuklearen Aufrüstung oder zum Erwerb von Atomwaffen motivieren könnte.
Nach Meinung von Dr. Hans Blix, dem früheren Chef der UN-Waffenkontrolleure, raubt die Modernisierung von Trident Großbritannien jede moralische Integrität, die nötig ist, um andere Nationen – wie zum Beispiel den Iran – davon abzuhalten zur Atommacht aufzusteigen. Xanthe Hall, Abrüstungsexpertin von IPPNW Deutschland: „Wenn es nach Tony Blair geht, wird Großbritannien seine Atomwaffen bis in alle Ewigkeit behalten. Auch die deutsche Politik zeigt keine Bereitschaft, ihre Strategie der nuklearen Teilhabe zu beenden. Damit provozieren beide Regierungen einen Rüstungswettlauf, der noch unberechenbarer sein wird als im Kalten Krieg."
Mehr unter www.jaskolski.de und http://www.faslane365.org/photos
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