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Krieg und Frieden
Schwerpunkt der Ostermarschproteste: Die Tornados in Afghanistan
Kritik auch an den GRÜNEN
Von Peter Trinogga und Peter Kleinert
Van Ooyen reagierte mit dieser Kritik auf Äußerungen der Grünen-Chefs Claudia Roth und Reinhard Bütikofer sowie des „verteidigungs“politischen Sprechers der Fraktion, Winfried Nachtwei. Diese hatten öffentlich erklärt, die Aufrufe zu den Kundgebungen seien "friedenspolitisch ein Armutszeugnis", und der Blick der Kundgebungsteilnehmer sei zu oft "auf die pauschale Ablehnung des Militärischen" verengt. Van Ooyen dazu in einem arte-Interview: Offiziell trete die Partei für Frieden und atomare Abrüstung ein, wenn es aber konkret werde, vergesse sie immer wieder ihre Überzeugungen.

Foto: Hans-Dieter Hey
Größte Kundgebung im „Bombodrom“
Die größte der, laut Peter Delis vom Frankfurter Ostermarschbüro, etwa 80 Kundgebungen mit insgesamt einigen zehntausend Teilnehmern fand auf dem Gelände des früheren sowjetischen Truppenübungsplatzes Kyritzer Heide bei Wittstock statt, wo die Bundeswehr-Luftwaffe demnächst jährlich bis zu 1.700 Übungseinsätze mit Bombenabwürfen trainieren soll. Hier im „Bombodrom“ demonstrierten allein mehr als 10.000 Menschen. In Städten wie München, Frankfurt und Berlin waren jeweils um die tausend Demonstranten auf den Straßen, in Hamburg mehr als zweitausend. Aber auch von einem kleinen Ort wie Niederseßmar im Oberbergischen marschierten 80 TeilnehmerInnen zu einer Kundgebung nach Gummersbach.

Kölner Ostersamstagmarschierer auf dem Weg zum Hochhaus des Rüstungskonzerns Thyssen nach Düsseldorf
Foto: Hans-Dieter Hey
Passend österlich bunt war der Demonstrationszug, der am Karsamstagnachmittag als Ostermarsch Rheinland durch die von zahlreichen Kauflustigen bevölkerte Düsseldorfer Innenstadt zog. Da wehten rote Fahnen neben den blauen und bunten der Friedensbewegung, da zogen Veteranen, die schon zu Beginn der Ostermarschbewegung in den sechziger Jahren durchs Ruhrgebiet marschiert waren, neben jungen Leuten von der SDAJ und vom Linkspartei-Jugendverband solid durch die Straßen der Landeshauptstadt.
Düsseldorfer DGB-Haus leider geschlossen
Vor dem Düsseldorfer Gewerkschaftshaus, dass leider seine Türen für die Versammelten verschlossen hatte (am Bündnis zwischen Friedens- und Gewerkschaftsbewegung gibt es offensichtlich noch einiges zu bauen) begrüßte der Theologe und Publizist Peter Bürger vom „Ökumenischen Netzwerk Düsseldorfer Christinnen und Christen“ im Namen der Ostermarsch-Koordination die Versammelten: „Was uns als Friedensbewegung von den fluglahmen Haustauben aus dem Lager der Ex-Pazifisten unterscheidet, ist der unbequeme Klartext: Wir leben in einem Land, das mitmacht; wir leben in weltweiter Perspektive in einem Täterland! Wir aber machen da nicht mit.“

Pause auf dem Weg nach Gummersbach - Walter Malzkorn, ehemaliger
Bevollmächtigter der IG Metall in Köln und seine Frau Elke
Foto: Manfred Demmer
Auf dem Gustav-Gründgens-Platz, einem der hässlichsten und verbautesten Plätze Düsseldorfs, fand die Abschlusskundgebung statt. Geplant war ursprünglich, die Kundgebung auf dem Marktplatz, einem belebten Platz in der Altstadt durchzuführen, aber die Stadt hatte kurzfristig die Genehmigung verweigert, weil der Markt durch eine kommerzielle Veranstaltung besetzt sei. Ob diese Schlamperei der Stadtverwaltung der wirkliche Grund für die Verlegung war oder ob Oberbürgermeister Erwin, der bekanntlich sehr weit rechts in der CDU beheimatet ist, ein Machtwort gesprochen hatte, war nicht herauszufinden. Aber da der Thyssen-Konzern in der Rüstungsproduktion aktiv ist, war man zu Füßen des Thyssen-Hochhauses gar nicht mal am falschen Platz um die Verantwortlichen für Krieg und Elend beim Namen zu nennen.
„Kriege um Reichtum und Rohstoffe“
Nachdem die MusikerIinnen der Magic-Street-Voices, praktisch die Hausband der Kölner Friedensbewegung, und von Plant Moon die Stimmung ein wenig aufgeheizt hatten sprachen Claudia Haydt von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI) und der Oberstleutnant der Bundeswehr a.D. Helmuth Prieß, Sprecher des kritischen Soldatenarbeitskreises „Darmstädter Signal“. Hier zwei Zitate aus ihren Reden.
Claudia Haydt: „Die Kriege dieser Welt fallen nicht vom Himmel oder brechen einfach aus. Die mächtigen und reichen Staaten führen Krieg, um ihren Reichtum zu erhalten. Selbst das Weißbuch der Bundeswehr erklärt eine gesicherte Energieversorgung zum sicherheitspolitischen Interesse. Der Hunger der modernen Industrienationen nach Rohstoffen treibt die Welt in immer neue Kriege.“
Tornados auch gegen die Zivilbevölkerung
Helmuth Prieß: „Ich werde meine Hoffnung auf Frieden nicht auf den Winzersohn Franz-Josef-Jung begründen. Durch Vernebeln der Fakten und Rheinwein-Drogen versucht er, die Sinne der Soldaten und aller Bürger unseres Landes zu schwächen, wie er es jetzt bei dem Kampfeinsatz der Tornados in Afghanistan tut. Da finden keine Beobachtungsflüge zur Verbesserung der Sicherheit unserer Soldaten und der afghanischen Bevölkerung statt, oder zur Erkundung der Trassenführung von Straßen und Fahradwegen, oder von Wasserstellen oder für Planungen zum Wiederaufbau zerstörter Dörfer. Das sind taktische Aufklärungsflüge, mit deren Fotoergebnissen nachfolgende US-Kampfbomber und Bodentruppen Talibankämpfer vernichten - und die Zivilbevölkerung... Deshalb: Schluss mit diesem verbrecherischen Krieg!“
Im Mittelpunkt der Proteste standen wie in Düsseldorf überall die wenige Tage zuvor nach Afghanistan geschickten Tornados der Bundeswehr, die selbst der niedersächsischen CDU-Innenminister Uwe Schünemann unumwunden „Kampfflugzeuge“ nennt. Zu deren Einsatz erklärte auf dem Münchener Marienplatz der Prieß-Kamerad und aktive Tornado-Verweigerer Oberstleutnant Jürgen Rose: „Deutschlands Sicherheit wird am Hindukusch nicht verteidigt, sondern nur gefährdet.“ Der Kampf gegen den Terror mit militärischen Mitteln führe immer nur zu neuem Terror, hielt das Vorstandsmitglied des „Darmstädter Signal“ der Kritik der GRÜNEN-Politiker an der „Einseitigkeit“ der Ostermarschierer entgegen.. (Siehe auch das Interview mit Jürgen Rose in NRhZ 87.)
Online-Flyer Nr. 90 vom 11.04.2007
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Krieg und Frieden
Schwerpunkt der Ostermarschproteste: Die Tornados in Afghanistan
Kritik auch an den GRÜNEN
Von Peter Trinogga und Peter Kleinert
Van Ooyen reagierte mit dieser Kritik auf Äußerungen der Grünen-Chefs Claudia Roth und Reinhard Bütikofer sowie des „verteidigungs“politischen Sprechers der Fraktion, Winfried Nachtwei. Diese hatten öffentlich erklärt, die Aufrufe zu den Kundgebungen seien "friedenspolitisch ein Armutszeugnis", und der Blick der Kundgebungsteilnehmer sei zu oft "auf die pauschale Ablehnung des Militärischen" verengt. Van Ooyen dazu in einem arte-Interview: Offiziell trete die Partei für Frieden und atomare Abrüstung ein, wenn es aber konkret werde, vergesse sie immer wieder ihre Überzeugungen.

Foto: Hans-Dieter Hey
Größte Kundgebung im „Bombodrom“
Die größte der, laut Peter Delis vom Frankfurter Ostermarschbüro, etwa 80 Kundgebungen mit insgesamt einigen zehntausend Teilnehmern fand auf dem Gelände des früheren sowjetischen Truppenübungsplatzes Kyritzer Heide bei Wittstock statt, wo die Bundeswehr-Luftwaffe demnächst jährlich bis zu 1.700 Übungseinsätze mit Bombenabwürfen trainieren soll. Hier im „Bombodrom“ demonstrierten allein mehr als 10.000 Menschen. In Städten wie München, Frankfurt und Berlin waren jeweils um die tausend Demonstranten auf den Straßen, in Hamburg mehr als zweitausend. Aber auch von einem kleinen Ort wie Niederseßmar im Oberbergischen marschierten 80 TeilnehmerInnen zu einer Kundgebung nach Gummersbach.

Kölner Ostersamstagmarschierer auf dem Weg zum Hochhaus des Rüstungskonzerns Thyssen nach Düsseldorf
Foto: Hans-Dieter Hey
Passend österlich bunt war der Demonstrationszug, der am Karsamstagnachmittag als Ostermarsch Rheinland durch die von zahlreichen Kauflustigen bevölkerte Düsseldorfer Innenstadt zog. Da wehten rote Fahnen neben den blauen und bunten der Friedensbewegung, da zogen Veteranen, die schon zu Beginn der Ostermarschbewegung in den sechziger Jahren durchs Ruhrgebiet marschiert waren, neben jungen Leuten von der SDAJ und vom Linkspartei-Jugendverband solid durch die Straßen der Landeshauptstadt.
Düsseldorfer DGB-Haus leider geschlossen
Vor dem Düsseldorfer Gewerkschaftshaus, dass leider seine Türen für die Versammelten verschlossen hatte (am Bündnis zwischen Friedens- und Gewerkschaftsbewegung gibt es offensichtlich noch einiges zu bauen) begrüßte der Theologe und Publizist Peter Bürger vom „Ökumenischen Netzwerk Düsseldorfer Christinnen und Christen“ im Namen der Ostermarsch-Koordination die Versammelten: „Was uns als Friedensbewegung von den fluglahmen Haustauben aus dem Lager der Ex-Pazifisten unterscheidet, ist der unbequeme Klartext: Wir leben in einem Land, das mitmacht; wir leben in weltweiter Perspektive in einem Täterland! Wir aber machen da nicht mit.“

Pause auf dem Weg nach Gummersbach - Walter Malzkorn, ehemaliger
Bevollmächtigter der IG Metall in Köln und seine Frau Elke
Foto: Manfred Demmer
Auf dem Gustav-Gründgens-Platz, einem der hässlichsten und verbautesten Plätze Düsseldorfs, fand die Abschlusskundgebung statt. Geplant war ursprünglich, die Kundgebung auf dem Marktplatz, einem belebten Platz in der Altstadt durchzuführen, aber die Stadt hatte kurzfristig die Genehmigung verweigert, weil der Markt durch eine kommerzielle Veranstaltung besetzt sei. Ob diese Schlamperei der Stadtverwaltung der wirkliche Grund für die Verlegung war oder ob Oberbürgermeister Erwin, der bekanntlich sehr weit rechts in der CDU beheimatet ist, ein Machtwort gesprochen hatte, war nicht herauszufinden. Aber da der Thyssen-Konzern in der Rüstungsproduktion aktiv ist, war man zu Füßen des Thyssen-Hochhauses gar nicht mal am falschen Platz um die Verantwortlichen für Krieg und Elend beim Namen zu nennen.
„Kriege um Reichtum und Rohstoffe“
Nachdem die MusikerIinnen der Magic-Street-Voices, praktisch die Hausband der Kölner Friedensbewegung, und von Plant Moon die Stimmung ein wenig aufgeheizt hatten sprachen Claudia Haydt von der Tübinger Informationsstelle Militarisierung (IMI) und der Oberstleutnant der Bundeswehr a.D. Helmuth Prieß, Sprecher des kritischen Soldatenarbeitskreises „Darmstädter Signal“. Hier zwei Zitate aus ihren Reden.
Claudia Haydt: „Die Kriege dieser Welt fallen nicht vom Himmel oder brechen einfach aus. Die mächtigen und reichen Staaten führen Krieg, um ihren Reichtum zu erhalten. Selbst das Weißbuch der Bundeswehr erklärt eine gesicherte Energieversorgung zum sicherheitspolitischen Interesse. Der Hunger der modernen Industrienationen nach Rohstoffen treibt die Welt in immer neue Kriege.“
Tornados auch gegen die Zivilbevölkerung
Helmuth Prieß: „Ich werde meine Hoffnung auf Frieden nicht auf den Winzersohn Franz-Josef-Jung begründen. Durch Vernebeln der Fakten und Rheinwein-Drogen versucht er, die Sinne der Soldaten und aller Bürger unseres Landes zu schwächen, wie er es jetzt bei dem Kampfeinsatz der Tornados in Afghanistan tut. Da finden keine Beobachtungsflüge zur Verbesserung der Sicherheit unserer Soldaten und der afghanischen Bevölkerung statt, oder zur Erkundung der Trassenführung von Straßen und Fahradwegen, oder von Wasserstellen oder für Planungen zum Wiederaufbau zerstörter Dörfer. Das sind taktische Aufklärungsflüge, mit deren Fotoergebnissen nachfolgende US-Kampfbomber und Bodentruppen Talibankämpfer vernichten - und die Zivilbevölkerung... Deshalb: Schluss mit diesem verbrecherischen Krieg!“
Im Mittelpunkt der Proteste standen wie in Düsseldorf überall die wenige Tage zuvor nach Afghanistan geschickten Tornados der Bundeswehr, die selbst der niedersächsischen CDU-Innenminister Uwe Schünemann unumwunden „Kampfflugzeuge“ nennt. Zu deren Einsatz erklärte auf dem Münchener Marienplatz der Prieß-Kamerad und aktive Tornado-Verweigerer Oberstleutnant Jürgen Rose: „Deutschlands Sicherheit wird am Hindukusch nicht verteidigt, sondern nur gefährdet.“ Der Kampf gegen den Terror mit militärischen Mitteln führe immer nur zu neuem Terror, hielt das Vorstandsmitglied des „Darmstädter Signal“ der Kritik der GRÜNEN-Politiker an der „Einseitigkeit“ der Ostermarschierer entgegen.. (Siehe auch das Interview mit Jürgen Rose in NRhZ 87.)
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