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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Wirtschaft und Umwelt
Dringender Aufruf der Vogelnothilfe Eitorf
Hände weg von Jungvögeln!
Von Gisela Bornstein

In knapp zwei Wochen werden die ersten Vogeljungen unter Sträuchern und auf Wegen sitzen. Häufig werden sie von mitleidigen Menschen eingesammelt, die ihnen helfen wollen. Etwa 85 Prozent aller aufgefundenen Vögel haben keine Hilfe nötig, im Gegenteil. Hierzu der folgende Beitrag von Vogelnothilfe e.V. und Greifvogelauffangstation Hagard aus dem Bonn-Rhein-Sieg-Kreis, der zusammen mit einer vogelkundigen Tierärztin erarbeitet wurde. – Die Redaktion.
Die Brutgeschäfte unserer einheimischen Vögel sind auf Grund des sehr milden Winters und Frühlings in vollem Gange. Bald werden die ersten Jungvögel scheinbar hilflos auf dem Boden herum hüpfen. Sie sind aber nicht so hilflos wie manche besorgte Spaziergänger meinen, sondern werden von ihren Eltern gut versorgt, auch wenn die mal eine Weile nicht zu sehen sind.

Dass die Jungvögel vor Erlangen der vollen Flugfähigkeit das Nest verlassen, ist eine Strategie der Natur: nur so kann wenigstens eines der Jungen überleben, die sich im Geäst und unter Sträuchern verstecken, weil sie dort sicherer vor Beutegreifern sind als im Nest. Besonders die nur daunenbefiederten Eulenjungen fallen durch scheinbare Hilfslosigkeit auf. Sie werden aber rund um die Uhr von den Eltern bewacht und gefüttert. Allzu hilfsbereiten Menschen können die Angriffe der Eltern von Greifvogel-, Eulen- und großen Rabenjungen werden, weil die ihre Jungen beschützen wollen.

Wie können Sie feststellen, ob ein Vogel Hilfe braucht? Einen Jungvogel, der an einer ungünstigen Stelle sitzt, z.B. an einer befahrenen Straße, setzt man am besten in unmittelbarer Nähe in einen Strauch oder Baum. Danach sollte man sich entfernen; die Vogeleltern, die sich durch Rufen mit ihren Jungen verständigen, nehmen nur den Kontakt zu ihnen auf, wenn der Mensch nicht in der Nähe ist. Keine Bange, wenn Sie den Vogel angefaßt haben: Vogeleltern können nicht riechen, ob ein Mensch ihr Junges berührt hat.

Schauen Sie nach dem Kot!

Sind Sie sich nicht sicher, ob ein Jungvogel noch gefüttert wird, schauen Sie sich den Kot des Tieres an: der Kot eines gefütterten Vogels ist weiß und hat einen dunkelgrünen festen Klecks in der Mitte, bei Körnerfressern kann das Kothäufchen von fester Konsistenz sein. Hier brauchen Sie nicht einschreiten.

Wenn der Vogel längere Zeit nichts gefressen hat, wird nur der Urinanteil (flüssig und weiß) abgesetzt. Da sollten Sie aus sicherer Entfernung beobachten, ob sich der fütternde Altvogel innerhalb der nächsten 2 Stunden zeigt. Hungerkot erkennt man an seiner rein hellgrünen Färbung. Oft erscheint der Vogel auch apathisch, sein Brustbein ist sehr spitz, und die Haut ist durch Wassermangel runzelig.

Dann ist schnelle Hilfe angebracht. Aber Vorsicht! Die plötzliche Futtergabe kann den Vogel ebenso töten wie der längere Nahrungsentzug. Um ihn richtig zu füttern, muss man feststellen, zu welcher Art der Jungvogel gehört – was häufig gar nicht so einfach ist. Jedenfalls sind Hunde- oder Katzenfutter als Ersatz, besonders bei Rabenvögeln, denkbar ungeeignet. Nackte Jungvögel sollten, wenn möglich, ins Nest zurückgelegt werden. Oft ist das aber auch nicht möglich. Diese Vögelchen müssen gewärmt werden und brauchen schnell fachkundige Hilfe durch den Vogelnothilfe e.V..

Verletzte und durchnässte Jungvögel brauchen Hilfe

Das gleiche gilt für verletzte oder vollkommen durchnässte Jungvögel. Die Verletzten bringen Sie bitte schnellstens zu einem (wenn  möglich) vogelkundigen Tierarzt. Eine Adresse können Sie von uns erfahren. Durchnäßte Vögel setzen Sie in einem Karton unter eine Wärmelampe, dabei bitte öfter mit dem Handrücken prüfen, ob es nicht zu warm wird. Wenn sich das Tierchen erholt hat und ansonsten gut genährt erscheint, können Sie es wieder raussetzen.

Falls Ihre Katze oder Hund einen Vogel anbringt: auch wenn der Vogel unverletzt erscheint, ist eine sofortige Antibiotikabehandlung unumgänglich. Die Keime (Pasteurellen) im Katzenspeichel, die durch allerfeinste Haarrisse in die Vogelhaut eindringen können, sind absolut tödlich für Vögel! Bitte bringen Sie den Vogel noch am selben Tag zum Tierarzt oder informieren uns!

Die meisten Jungvögel fallen Katzen zum Opfer

Eine Bitte an alle Katzenbesitzer: wenn es möglich ist, lassen Sie Ihren Stubentiger während der Monate Mai bis Juli nur kontrolliert heraus. In vielen Gegenden mit hoher Katzendichte fallen über 50 Prozent der Jungvögel Katzen zum Opfer. Weitere 25 Prozent werden Opfer von natürlichen Feinden und Straßenverkehr.

Eltern sollten mit ihren Kindern über Wildvögel sprechen: Ein neugieriger Blick ins Vogelnest, der Versuch, ein Foto davon zu machen, wirkt sich sehr störend auf das Brutgeschehen aus und lockt dazu Fressfeinde an. Empfindliche Vogeleltern verlassen dann oft das Nest und ihre Jungen.

Haben Sie Fragen oder haben Sie einen Vogel gefunden, der unsere Hilfe braucht, oder bei dem Sie sich dessen nicht sicher sind – bitte rufen Sie uns an!

Für Greifvögel und Eulen: Greifvogelauffangstation Hagard: 0170 1781046
Für alle anderen Vögel: Vogelnothilfe e.V.: 0178 189 1088

Jungvögel
Erst zwei Wochen alt ist dieser Buchfink
Foto: Gisela Bornstein


Jungvögel
Zwei Wildtauben-Babys, etwa drei Wochen alt 
Foto: Sabine Brunelli


Jungvögel
Betteln um Futter – drei Tage alte Elstern-Babys
Foto: Gisela Bornstein


Jungvögel
Elstern-Babys – wurden bei einem Krähenangriff nackt und blind aus dem Nest geschleudert, Foto: Inka Anais Bornstein

Jungvögel
Elsternkind kuschelt mit Uhu-Babys
Foto: Inka Anais Bornstein


Jungvögel
Uhu-Baby, etwa vier Wochen alt
Foto: Gisela Bornstein



Online-Flyer Nr. 91  vom 18.04.2007

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