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Wirtschaft und Umwelt
Auslandsexpansion deutscher Großkonzerne nach Rekordgewinnen
Aber: Kündigungsschutz abschaffen
Von Hans Georg
Am Dienstag 8. Mai, dem 62. Jahrestag der Befreiung Europas von der NS-Herrschaft, verkündete die Deutsche Bank das beste Quartalsergebnis ihrer Geschichte und sagte Zukäufe voraus. Laut ihrem Bericht hat sie in den ersten drei Monaten des Jahres das beste Quartalsergebnis ihrer Geschichte erzielt. Der Gewinn stieg um 29 Prozent auf 2,12 Milliarden Euro - eine immense Summe, die von einem hohen Expansionspotenzial zeugt. Am Mittwoch vermeldete auch die Eon AG neue Erfolge. Der bereinigte Konzernüberschuss nahm demnach um 33 Prozent auf fast zwei Millionen Euro zu und lag damit deutlich über dem bereits hohen Vorjahresniveau.
Mit HeidelbergCement gab am Mittwoch ein weiterer Großkonzern neue Rekorde bekannt: Das Unternehmen konnte den Drei-Monats-Umsatz auf 2,06 Milliarden Euro steigern und erreichte eine Zunahme des operativen Ergebnisses um 149 Prozent. Den aktuellen Erfolgsberichten gingen ähnliche Meldungen im Vorquartal voraus, weitere werden erwartet.[1] Die hohen Gewinne eröffnen den deutschen Konzernen die Möglichkeit, im Ausland weiter zu expandieren und die deutsche Konkurrenzposition global auszubauen.
Beispielhaft ist die Entwicklung des Baustoffriesen HeidelbergCement, der gerade ein konkretes Übernahmevorhaben in Großbritannien bekannt gegeben hat. Die Expansion des viertgrößten Zementherstellers der Welt, der seine Auslandstätigkeit unter anderem mit illegalen Preisabsprachen sicherte, folgt einem typischen Muster der deutschen Industrie. Aufbauend auf transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen, die in der Zeit der Systemkonfrontation entstanden, eroberte HeidelbergCement nach dem Mauerfall eine dominierende Stellung in Osteuropa und wendet sich nun Russland zu. Zugleich bemüht sich die Firma um Marktanteile in den asiatischen Boomstaaten (China, Indien) und kauft bei Gelegenheit Konkurrenten in Westeuropa auf. Ergebnis ist eine beherrschende Stellung der deutschen Wirtschaft innerhalb der EU bei gleichzeitiger Positionierung auf den ersten Rängen der globalen Konkurrenz.
Transatlantisch nach Osten
HeidelbergCement vollzieht seine Expansion seit Jahrzehnten auf der Basis einer soliden transatlantischen Verankerung. Nach Umsatz und Ergebnis liegt Nordamerika weiterhin mit Abstand an der Spitze der außereuropäischen Firmenbilanz; mehr als ein Viertel der gesamten Umsatzerlöse wurden 2006 dort erzielt. Auf dieser Grundlage ist der deutsche Baustoffkonzern in den 1990er Jahren erfolgreich nach Ost- und Südosteuropa expandiert und beherrscht inzwischen weitgehend die entsprechenden Märkte. Spitzenpositionen nimmt er vor allem in den wirtschaftsstärksten der neuen EU-Mitgliedsstaaten ein (Polen, Tschechien, Ungarn); in Estland wird fast die gesamte Zementnachfrage des Landes durch eine Tochtergesellschaft gedeckt. HeidelbergCement setzt seine Expansion systematisch in Richtung Osten fort. In der Ukraine betreibt das Unternehmen bereits seit 2001 Zementwerke und stärkt durch den Kauf des Zementherstellers Doncement gerade seine Marktposition.[2] Auch in Russland ist HeidelbergCement tätig und erwirbt weitere Zementwerke.[3]
Bauboom
In den letzten Jahren ist ein neuer Expansionsschwerpunkt hinzugekommen: Asien. HeidelbergCement betreibt Produktionsstätten in fünf Ländern der dortigen Boomregion und ist dort über Tochterfirmen größter (Bangladesh) oder zweitgrößter (Indonesien) Zementhersteller; in Brunei ist der deutsche Konzern sogar Miteigentümer des einzigen Zementherstellers im Land. Als entscheidend gilt jedoch, dass es HeidelbergCement gelungen ist, in den zwei größten Zementmärkten der Welt Fuß zu fassen: In Indien übernahm der deutsche Konzern im Vorjahr die Mehrheit am Zementhersteller Mysore und bereitet gerade den Einstieg bei einem weiteren Konkurrenten vor; in dem südasiatischen Land ist das Rennen um die besten Positionen voll entbrannt.[4] In China ist die Heidelberger Firma seit 1995 mit Gemeinschaftsunternehmen tätig und expandiert weiter.[5] Der chinesische Aufschwung hat einen beispiellosen Bauboom entfesselt und der Volksrepublik einen Anteil von mehr als 40 Prozent des gesamten Welt-Zementmarkts verschafft, an dem HeidelbergCement teilhaben will.
Kleine Schritte
Besondere Aktivitäten entfaltet der deutsche Baustoff-Konzern derzeit in den Staaten des Kaukasus und Zentralasiens, die Ziel einer speziellen Einflussoffensive Berlins sind.[6] Wegen bedeutender Erdöl- und Erdgasvorkommen, die durch den Kaukasus nach Westen geleitet werden sollen, werden ein kräftiges Wirtschaftswachstum und umfangreiche Bau-Investitionen im Infrastrukturbereich erwartet. In Kasachstan hat HeidelbergCement Ende 2005 einen führenden Zementhersteller des Landes erworben und plant den Neubau eines größeren neuen Zementwerks, das sämtliche Anrainerstaaten des Kaspischen Meers (Usbekistan, Turkmenistan, Iran und Aserbaidschan) beliefern soll. Ende 2006 folgte die Übernahme von 75 Prozent des bedeutendsten Zementherstellers im Kaukasus, der in Georgien einen Marktanteil von 60 Prozent hält und zudem auch nach Aserbaidschan und Armenien exportiert.[7] Die Zukäufe und Investitionen, die auf eine Spitzenstellung in dem geostrategisch wichtigen Gebiet zielen, werden in Heidelberg unter dem Titel "Strategie der kleinen Schritte" subsumiert.
Großer Schritt
Als "großer Schritt" wird hingegen die aktuell geplante Übernahme in Großbritannien eingestuft. Der britische Baustoffkonzern Hanson Plc ist mit gut sechs Milliarden Euro Umsatz und weltweit 26.000 Beschäftigten nicht viel kleiner als HeidelbergCement. Die Börse bewertet das Unternehmen mit rund elf Milliarden Euro; eine Übernahme könnte bis zu 13 Milliarden Euro kosten. Der deutsche Konzern kann die riesige Summe durchaus aufbringen: Im vergangenen Jahr überschritt der Jahresüberschuss nach Steuern erstmals in der Firmengeschichte die Schwelle von einer Milliarde Euro.[8] Gelingt die Übernahme, erreicht HeidelbergCement 15 Milliarden Euro Umsatz und kann unmittelbar zu den globalen Marktführern Cemex, Holcim und Lafarge (Branchenprimus mit 17 Milliarden) aufschließen. Zudem würde die traditionelle Stellung des deutschen Konzerns in den USA gestärkt (Hanson wickelt dort fast die Hälfte seines Umsatzes ab): Die transatlantische Expansionsbasis verbreitert sich.
Traditionen
Der Griff des deutschen Weltunternehmens nach dem letzten nationalen Baustoffkonzerns in Großbritannien verschiebt zudem die ökonomischen Gewichte zwischen den beiden Staaten noch weiter zuungunsten Londons - bereits jetzt deckt die 1998 von HeidelbergCement aufgekaufte Castle Cement rund ein Viertel des britischen Zementbedarfs ab. Die gesamte bilaterale Handelsbilanz weist "traditionell" einen hohen Überschuss zugunsten Deutschlands aus (2005: 20,9 Milliarden Euro), analysiert das Auswärtige Amt. Ebenso "traditionell" sind die deutschen Investitionen in Großbritannien höher als die britischen Investitionen in Deutschland. Im Jahre 2005 hat sich die Schere weiter geöffnet: Deutsche Unternehmen stockten ihre Investitionen in Großbritannien um netto 6,2 Milliarden Euro auf, während sich das britische Engagement in Deutschland um netto 3,4 Milliarden Euro verminderte.[9]
Schaukelpolitik
Die Expansionsrichtungen deutscher Großkonzerne wie HeidelbergCement können erklären, welchen materiellen Bewegungen die Berliner Außenpolitik folgt und zugleich vorangeht: Unter Nutzung des Westfundaments lassen sich Führungspositionen im Osten aufbauen, mit deren Ertrag die EU-Konkurrenz, vor allem aber die US-Rivalen herausgefordert werden. Mißerfolge auf der einen Seite führen zu Verlagerungen in die andere Richtung. Außenpolitischer Ausdruck dieses wirtschaftlichen Bewegungsspielraums ist die Berliner Schaukelpolitik.
Positive Effekte

Filbinger-Verehrer und Unternehmerfreund Günther Oettinger
Foto: www.guenther-oettinger.de
Während „die Wirtschaft blüht“, hat sich Baden-Württembergs CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger dafür ausgesprochen, den Kündigungsschutz in Deutschland während einer Testphase probeweise auszusetzen. „Mein Vorschlag wäre, dass wir die Probe aufs Exempel machen und zunächst befristet für 3 Jahre auf den stringenten Kündigungsschutz in Deutschland verzichten“, sagte der Filbinger-Verehrer der Financial Times Deutschland. Sollten die erwarteten positiven Effekte in Form von mehr Arbeitsplätzen nicht eintreten, „können wir gern zu den bisherigen Regeln zurückkehren“.

Foto: www.guenther-oettinger.de
Oettinger schloß sich damit seinem hessischen Amtskollegen Roland Koch (CDU) an. Der hatte bereits am Montag vergangener Woche mit dem Verweis auf das dänische Modell gefordert, den Kündigungsschutz zu lockern und dafür das Arbeitslosengeld I aufzustocken, das im ersten Jahr der Arbeitslosigkeit gezahlt wird. Dazu Ulrich Maurer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE: „Mit der Abschaffung des Kündigungsschutzes würden die abhängig Beschäftigten, die ohnehin schon unter dem Druck von Niedrigstlöhnen und Hartz IV stehen, ihrer letzten Schutzmöglichkeit beraubt. Nach seinem an der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gescheiterten Fischzug in schwarz-braunen Gewässern versucht sich Oettinger nun als Speerspitze des Sozialabbaus und des Neoliberalismus.
Weitere Informationen Sie unter www.german-foreign-policy.com
[1] s. dazu Tag der Rekorde, Eine leichte Abkopplung und Phantastisch
[2] HeidelbergCement stärkt Marktposition in der Ukraine; www.heidelbergcement.com 04.10.2006
[3] Heidelcement steigt in russischen Markt ein; Financial Times Deutschland 03.07. 2006
[4] Indien lockt Heidelcement; Financial Times Deutschland 17.11.2006
[5] HeidelbergCement expandiert in chinesische Wachstumsregion; www.heidelbergcement.com 04.10.2006
[6] s. dazu Transitgebiet
[7] HeidelbergCement erweitert Netzwerk in Kaukasus-Region und am Kaspischen Meer; www.heidelbergcement.com 23.11.2006. Heidelcement auf Expansionskurs; Frankfurter Allgemeine Zeitung 24.11.2006
[8] Heidelcement greift nach Hanson; Frankfurter Allgemeine Zeitung 05.05.2007. HeidelbergCement präsentiert Erfolgsbilanz; www.heidelbergcement.com 22.03.2007
[9] Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland; www.auswaertiges-amt.de
Online-Flyer Nr. 95 vom 16.05.2007
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Wirtschaft und Umwelt
Auslandsexpansion deutscher Großkonzerne nach Rekordgewinnen
Aber: Kündigungsschutz abschaffen
Von Hans Georg
Am Dienstag 8. Mai, dem 62. Jahrestag der Befreiung Europas von der NS-Herrschaft, verkündete die Deutsche Bank das beste Quartalsergebnis ihrer Geschichte und sagte Zukäufe voraus. Laut ihrem Bericht hat sie in den ersten drei Monaten des Jahres das beste Quartalsergebnis ihrer Geschichte erzielt. Der Gewinn stieg um 29 Prozent auf 2,12 Milliarden Euro - eine immense Summe, die von einem hohen Expansionspotenzial zeugt. Am Mittwoch vermeldete auch die Eon AG neue Erfolge. Der bereinigte Konzernüberschuss nahm demnach um 33 Prozent auf fast zwei Millionen Euro zu und lag damit deutlich über dem bereits hohen Vorjahresniveau.
Mit HeidelbergCement gab am Mittwoch ein weiterer Großkonzern neue Rekorde bekannt: Das Unternehmen konnte den Drei-Monats-Umsatz auf 2,06 Milliarden Euro steigern und erreichte eine Zunahme des operativen Ergebnisses um 149 Prozent. Den aktuellen Erfolgsberichten gingen ähnliche Meldungen im Vorquartal voraus, weitere werden erwartet.[1] Die hohen Gewinne eröffnen den deutschen Konzernen die Möglichkeit, im Ausland weiter zu expandieren und die deutsche Konkurrenzposition global auszubauen.
Beispielhaft ist die Entwicklung des Baustoffriesen HeidelbergCement, der gerade ein konkretes Übernahmevorhaben in Großbritannien bekannt gegeben hat. Die Expansion des viertgrößten Zementherstellers der Welt, der seine Auslandstätigkeit unter anderem mit illegalen Preisabsprachen sicherte, folgt einem typischen Muster der deutschen Industrie. Aufbauend auf transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen, die in der Zeit der Systemkonfrontation entstanden, eroberte HeidelbergCement nach dem Mauerfall eine dominierende Stellung in Osteuropa und wendet sich nun Russland zu. Zugleich bemüht sich die Firma um Marktanteile in den asiatischen Boomstaaten (China, Indien) und kauft bei Gelegenheit Konkurrenten in Westeuropa auf. Ergebnis ist eine beherrschende Stellung der deutschen Wirtschaft innerhalb der EU bei gleichzeitiger Positionierung auf den ersten Rängen der globalen Konkurrenz.
Transatlantisch nach Osten
HeidelbergCement vollzieht seine Expansion seit Jahrzehnten auf der Basis einer soliden transatlantischen Verankerung. Nach Umsatz und Ergebnis liegt Nordamerika weiterhin mit Abstand an der Spitze der außereuropäischen Firmenbilanz; mehr als ein Viertel der gesamten Umsatzerlöse wurden 2006 dort erzielt. Auf dieser Grundlage ist der deutsche Baustoffkonzern in den 1990er Jahren erfolgreich nach Ost- und Südosteuropa expandiert und beherrscht inzwischen weitgehend die entsprechenden Märkte. Spitzenpositionen nimmt er vor allem in den wirtschaftsstärksten der neuen EU-Mitgliedsstaaten ein (Polen, Tschechien, Ungarn); in Estland wird fast die gesamte Zementnachfrage des Landes durch eine Tochtergesellschaft gedeckt. HeidelbergCement setzt seine Expansion systematisch in Richtung Osten fort. In der Ukraine betreibt das Unternehmen bereits seit 2001 Zementwerke und stärkt durch den Kauf des Zementherstellers Doncement gerade seine Marktposition.[2] Auch in Russland ist HeidelbergCement tätig und erwirbt weitere Zementwerke.[3]
Bauboom
In den letzten Jahren ist ein neuer Expansionsschwerpunkt hinzugekommen: Asien. HeidelbergCement betreibt Produktionsstätten in fünf Ländern der dortigen Boomregion und ist dort über Tochterfirmen größter (Bangladesh) oder zweitgrößter (Indonesien) Zementhersteller; in Brunei ist der deutsche Konzern sogar Miteigentümer des einzigen Zementherstellers im Land. Als entscheidend gilt jedoch, dass es HeidelbergCement gelungen ist, in den zwei größten Zementmärkten der Welt Fuß zu fassen: In Indien übernahm der deutsche Konzern im Vorjahr die Mehrheit am Zementhersteller Mysore und bereitet gerade den Einstieg bei einem weiteren Konkurrenten vor; in dem südasiatischen Land ist das Rennen um die besten Positionen voll entbrannt.[4] In China ist die Heidelberger Firma seit 1995 mit Gemeinschaftsunternehmen tätig und expandiert weiter.[5] Der chinesische Aufschwung hat einen beispiellosen Bauboom entfesselt und der Volksrepublik einen Anteil von mehr als 40 Prozent des gesamten Welt-Zementmarkts verschafft, an dem HeidelbergCement teilhaben will.
Kleine Schritte
Besondere Aktivitäten entfaltet der deutsche Baustoff-Konzern derzeit in den Staaten des Kaukasus und Zentralasiens, die Ziel einer speziellen Einflussoffensive Berlins sind.[6] Wegen bedeutender Erdöl- und Erdgasvorkommen, die durch den Kaukasus nach Westen geleitet werden sollen, werden ein kräftiges Wirtschaftswachstum und umfangreiche Bau-Investitionen im Infrastrukturbereich erwartet. In Kasachstan hat HeidelbergCement Ende 2005 einen führenden Zementhersteller des Landes erworben und plant den Neubau eines größeren neuen Zementwerks, das sämtliche Anrainerstaaten des Kaspischen Meers (Usbekistan, Turkmenistan, Iran und Aserbaidschan) beliefern soll. Ende 2006 folgte die Übernahme von 75 Prozent des bedeutendsten Zementherstellers im Kaukasus, der in Georgien einen Marktanteil von 60 Prozent hält und zudem auch nach Aserbaidschan und Armenien exportiert.[7] Die Zukäufe und Investitionen, die auf eine Spitzenstellung in dem geostrategisch wichtigen Gebiet zielen, werden in Heidelberg unter dem Titel "Strategie der kleinen Schritte" subsumiert.
Großer Schritt
Als "großer Schritt" wird hingegen die aktuell geplante Übernahme in Großbritannien eingestuft. Der britische Baustoffkonzern Hanson Plc ist mit gut sechs Milliarden Euro Umsatz und weltweit 26.000 Beschäftigten nicht viel kleiner als HeidelbergCement. Die Börse bewertet das Unternehmen mit rund elf Milliarden Euro; eine Übernahme könnte bis zu 13 Milliarden Euro kosten. Der deutsche Konzern kann die riesige Summe durchaus aufbringen: Im vergangenen Jahr überschritt der Jahresüberschuss nach Steuern erstmals in der Firmengeschichte die Schwelle von einer Milliarde Euro.[8] Gelingt die Übernahme, erreicht HeidelbergCement 15 Milliarden Euro Umsatz und kann unmittelbar zu den globalen Marktführern Cemex, Holcim und Lafarge (Branchenprimus mit 17 Milliarden) aufschließen. Zudem würde die traditionelle Stellung des deutschen Konzerns in den USA gestärkt (Hanson wickelt dort fast die Hälfte seines Umsatzes ab): Die transatlantische Expansionsbasis verbreitert sich.
Traditionen
Der Griff des deutschen Weltunternehmens nach dem letzten nationalen Baustoffkonzerns in Großbritannien verschiebt zudem die ökonomischen Gewichte zwischen den beiden Staaten noch weiter zuungunsten Londons - bereits jetzt deckt die 1998 von HeidelbergCement aufgekaufte Castle Cement rund ein Viertel des britischen Zementbedarfs ab. Die gesamte bilaterale Handelsbilanz weist "traditionell" einen hohen Überschuss zugunsten Deutschlands aus (2005: 20,9 Milliarden Euro), analysiert das Auswärtige Amt. Ebenso "traditionell" sind die deutschen Investitionen in Großbritannien höher als die britischen Investitionen in Deutschland. Im Jahre 2005 hat sich die Schere weiter geöffnet: Deutsche Unternehmen stockten ihre Investitionen in Großbritannien um netto 6,2 Milliarden Euro auf, während sich das britische Engagement in Deutschland um netto 3,4 Milliarden Euro verminderte.[9]
Schaukelpolitik
Die Expansionsrichtungen deutscher Großkonzerne wie HeidelbergCement können erklären, welchen materiellen Bewegungen die Berliner Außenpolitik folgt und zugleich vorangeht: Unter Nutzung des Westfundaments lassen sich Führungspositionen im Osten aufbauen, mit deren Ertrag die EU-Konkurrenz, vor allem aber die US-Rivalen herausgefordert werden. Mißerfolge auf der einen Seite führen zu Verlagerungen in die andere Richtung. Außenpolitischer Ausdruck dieses wirtschaftlichen Bewegungsspielraums ist die Berliner Schaukelpolitik.
Positive Effekte

Filbinger-Verehrer und Unternehmerfreund Günther Oettinger
Foto: www.guenther-oettinger.de
Während „die Wirtschaft blüht“, hat sich Baden-Württembergs CDU-Ministerpräsident Günther Oettinger dafür ausgesprochen, den Kündigungsschutz in Deutschland während einer Testphase probeweise auszusetzen. „Mein Vorschlag wäre, dass wir die Probe aufs Exempel machen und zunächst befristet für 3 Jahre auf den stringenten Kündigungsschutz in Deutschland verzichten“, sagte der Filbinger-Verehrer der Financial Times Deutschland. Sollten die erwarteten positiven Effekte in Form von mehr Arbeitsplätzen nicht eintreten, „können wir gern zu den bisherigen Regeln zurückkehren“.

Foto: www.guenther-oettinger.de
Oettinger schloß sich damit seinem hessischen Amtskollegen Roland Koch (CDU) an. Der hatte bereits am Montag vergangener Woche mit dem Verweis auf das dänische Modell gefordert, den Kündigungsschutz zu lockern und dafür das Arbeitslosengeld I aufzustocken, das im ersten Jahr der Arbeitslosigkeit gezahlt wird. Dazu Ulrich Maurer, Parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion DIE LINKE: „Mit der Abschaffung des Kündigungsschutzes würden die abhängig Beschäftigten, die ohnehin schon unter dem Druck von Niedrigstlöhnen und Hartz IV stehen, ihrer letzten Schutzmöglichkeit beraubt. Nach seinem an der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gescheiterten Fischzug in schwarz-braunen Gewässern versucht sich Oettinger nun als Speerspitze des Sozialabbaus und des Neoliberalismus.
Weitere Informationen Sie unter www.german-foreign-policy.com
[1] s. dazu Tag der Rekorde, Eine leichte Abkopplung und Phantastisch
[2] HeidelbergCement stärkt Marktposition in der Ukraine; www.heidelbergcement.com 04.10.2006
[3] Heidelcement steigt in russischen Markt ein; Financial Times Deutschland 03.07. 2006
[4] Indien lockt Heidelcement; Financial Times Deutschland 17.11.2006
[5] HeidelbergCement expandiert in chinesische Wachstumsregion; www.heidelbergcement.com 04.10.2006
[6] s. dazu Transitgebiet
[7] HeidelbergCement erweitert Netzwerk in Kaukasus-Region und am Kaspischen Meer; www.heidelbergcement.com 23.11.2006. Heidelcement auf Expansionskurs; Frankfurter Allgemeine Zeitung 24.11.2006
[8] Heidelcement greift nach Hanson; Frankfurter Allgemeine Zeitung 05.05.2007. HeidelbergCement präsentiert Erfolgsbilanz; www.heidelbergcement.com 22.03.2007
[9] Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland; www.auswaertiges-amt.de
Online-Flyer Nr. 95 vom 16.05.2007
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