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Globales
Millionen Euro für Statussymbole der französischen Politikerkaste
Der Schreibtisch ist wichtig
Von Uwe Karsten Petersen

Präsident Nicolas Sarkozy
Quelle: www.wikipedia.de
Einen etwas bescheideneren Schreibtisch besaß dort Präsident Valéry Giscard d'Estaing. Bei seinem Umzug vom Finanzministerium nahm er seinen "Riesener" mit. Welcher Franzose weiß, dass der Möbelschreiner Jean-Henri Riesener 1734 in der Nähe von Essen das Licht der Welt erblickte? Sein bevorzugter Stil war Louis XVI.

Charles de Gaulle
Foto: www.wikipedia.de
Eine ganz andere Vorliebe hatte der sozialistische Präsident Francois Mitterrand. Er beauftragte seinen Zeitgenossen Pierre Paulin mit der Einrichtung seines Büros im Elysée-Palast. Zeitweilig sass später an diesem eher schlichten Schreibtisch als Sozialmininister der gegenwärtige Premierminister Francois Fillon. So wie einst die Könige fühlen sich die Kulturminister der fünften französischen Republik zur Förderung des Kunsthandwerks verpflichtet.
Den Anstoß dazu gab der legendäre André Malraux. 1964 schuf er ein Forschungsinstitut, das neue Möbelstile entwickeln soll. Einer seiner Amtsnachfolger, der Sozialist Jack Lang, liess Andrée Putman für die Anfertigung seines Schreibtisches freien Lauf. Er wurde später von Erziehungsminister Lionel Jospin übernommen. Jack Lang bestellte ein Ersatzstück bei Sylvain Dubuisson. Ein anderer Kulturminister, Jean-Jacques Aillagon, bat den gleichen Kunsthandwerker um die Lieferung von passenden Stühlen und Sesseln. Als Dominique de Villepin Jean-Pierre Raffarin als Premierminister ablöste, beantragte er einen Schreibtisch aus Glas. Am wenngleich wertvolleren Holzmodell seines Vorgängers fand er keinen Gefallen.
Im Januar 2007 sorgte Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres für Aufsehen mit einem halbrunden Schreibtisch aus Beton. Es dürfte Kennern zufolge das erste Möbelstück aus Beton sein, das in einem französischen Ministerium zum Einsatz gelangte. Geschaffen wurde es von Salomé de Fontainieu. Ob die Amtsnachfolgerin des Ministers, Christine Albanel, sich angesichts der grauen Betonmasse wohl fühlt, ist vorläufig noch ungewiss. Ihr bisheriger Arbeitsplatz war auf jeden Fall weitaus prunkvoller und herrlicher. Madame Albanel residierte auf dem Schloss von Versailles, mit dessen Leitung sie von Präsident Chirac beauftragt worden war.
Zu den Statussymbolen der Regierungsmitglieder gehört natürlich ganz besonders der jeweilige Amtssitz. Mit der Verteilung befasst sich das Amt des Premierministers. Da die erste Regierung Fillon nur 19 Mitglieder - 15 Minister und vier Staatssekretäre - zählt, habe es keine Schwierigkeiten gegeben. Die jeweiligen Ansprüche wären problemfrei erfüllt worden, heißt es.
Ärger dürfte es anlässlich der zweiten Regierungsbildung nach den im Juni fälligen Wahlen zur Nationalversammlung (Abgeordnetenkammer) geben. Sie dürfte sich durch eine beachtliche Erhöhung der Zahl der Staatssekretäre auszeichnen. Da nicht alle in bester Lage und in den schönsten Gebäuden untergebracht werden können, wäre mit Frust und Neid zu rechnen, heißt es in informierten Pariser Kreisen mit Hinweis auf die in der Vergangenheit gesammelten Erfahrungen.
Das staatliche Mobiliar setzt sich derzeit aus rund 200 000 Gegenständen zusammen. Mit ihm werden neben dem Elysée-Palast, den Ministerien auch die Nationalversammlung, der Senat, der Verfassungs- und Staatsrat, die Präfekturen sowie die Botschaften ausgestattet. Im Vorjahr wurden 500 Objekte als vermisst gemeldet. Ob sie gestohlen oder bei den vielen Umzügen irgendwo "vergessen oder verschlampt" wurden, soll die Justiz ermitteln. Die in der Vorwoche erfolgte Regierungsbildung war im übrigen wieder Anlass zur Aufstellung des Inventars. Für das vorgenannte Mobiliar hat der Staat für dieses Jahr Finanzmittel in Höhe von 3,85 Milliarden Euros eingeplant. Ein beachtlicher Teil dieser Summe wird für Transport- und Versicherungskosten ausgegeben.
Online-Flyer Nr. 97 vom 30.05.2007
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Millionen Euro für Statussymbole der französischen Politikerkaste
Der Schreibtisch ist wichtig
Von Uwe Karsten Petersen

Präsident Nicolas Sarkozy
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Einen etwas bescheideneren Schreibtisch besaß dort Präsident Valéry Giscard d'Estaing. Bei seinem Umzug vom Finanzministerium nahm er seinen "Riesener" mit. Welcher Franzose weiß, dass der Möbelschreiner Jean-Henri Riesener 1734 in der Nähe von Essen das Licht der Welt erblickte? Sein bevorzugter Stil war Louis XVI.

Charles de Gaulle
Foto: www.wikipedia.de
Eine ganz andere Vorliebe hatte der sozialistische Präsident Francois Mitterrand. Er beauftragte seinen Zeitgenossen Pierre Paulin mit der Einrichtung seines Büros im Elysée-Palast. Zeitweilig sass später an diesem eher schlichten Schreibtisch als Sozialmininister der gegenwärtige Premierminister Francois Fillon. So wie einst die Könige fühlen sich die Kulturminister der fünften französischen Republik zur Förderung des Kunsthandwerks verpflichtet.
Den Anstoß dazu gab der legendäre André Malraux. 1964 schuf er ein Forschungsinstitut, das neue Möbelstile entwickeln soll. Einer seiner Amtsnachfolger, der Sozialist Jack Lang, liess Andrée Putman für die Anfertigung seines Schreibtisches freien Lauf. Er wurde später von Erziehungsminister Lionel Jospin übernommen. Jack Lang bestellte ein Ersatzstück bei Sylvain Dubuisson. Ein anderer Kulturminister, Jean-Jacques Aillagon, bat den gleichen Kunsthandwerker um die Lieferung von passenden Stühlen und Sesseln. Als Dominique de Villepin Jean-Pierre Raffarin als Premierminister ablöste, beantragte er einen Schreibtisch aus Glas. Am wenngleich wertvolleren Holzmodell seines Vorgängers fand er keinen Gefallen.
Im Januar 2007 sorgte Kulturminister Renaud Donnedieu de Vabres für Aufsehen mit einem halbrunden Schreibtisch aus Beton. Es dürfte Kennern zufolge das erste Möbelstück aus Beton sein, das in einem französischen Ministerium zum Einsatz gelangte. Geschaffen wurde es von Salomé de Fontainieu. Ob die Amtsnachfolgerin des Ministers, Christine Albanel, sich angesichts der grauen Betonmasse wohl fühlt, ist vorläufig noch ungewiss. Ihr bisheriger Arbeitsplatz war auf jeden Fall weitaus prunkvoller und herrlicher. Madame Albanel residierte auf dem Schloss von Versailles, mit dessen Leitung sie von Präsident Chirac beauftragt worden war.
Zu den Statussymbolen der Regierungsmitglieder gehört natürlich ganz besonders der jeweilige Amtssitz. Mit der Verteilung befasst sich das Amt des Premierministers. Da die erste Regierung Fillon nur 19 Mitglieder - 15 Minister und vier Staatssekretäre - zählt, habe es keine Schwierigkeiten gegeben. Die jeweiligen Ansprüche wären problemfrei erfüllt worden, heißt es.
Ärger dürfte es anlässlich der zweiten Regierungsbildung nach den im Juni fälligen Wahlen zur Nationalversammlung (Abgeordnetenkammer) geben. Sie dürfte sich durch eine beachtliche Erhöhung der Zahl der Staatssekretäre auszeichnen. Da nicht alle in bester Lage und in den schönsten Gebäuden untergebracht werden können, wäre mit Frust und Neid zu rechnen, heißt es in informierten Pariser Kreisen mit Hinweis auf die in der Vergangenheit gesammelten Erfahrungen.
Das staatliche Mobiliar setzt sich derzeit aus rund 200 000 Gegenständen zusammen. Mit ihm werden neben dem Elysée-Palast, den Ministerien auch die Nationalversammlung, der Senat, der Verfassungs- und Staatsrat, die Präfekturen sowie die Botschaften ausgestattet. Im Vorjahr wurden 500 Objekte als vermisst gemeldet. Ob sie gestohlen oder bei den vielen Umzügen irgendwo "vergessen oder verschlampt" wurden, soll die Justiz ermitteln. Die in der Vorwoche erfolgte Regierungsbildung war im übrigen wieder Anlass zur Aufstellung des Inventars. Für das vorgenannte Mobiliar hat der Staat für dieses Jahr Finanzmittel in Höhe von 3,85 Milliarden Euros eingeplant. Ein beachtlicher Teil dieser Summe wird für Transport- und Versicherungskosten ausgegeben.
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