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Wirtschaft und Umwelt
Nationalpark-Idee für das Siebengebirge noch nicht ausgereift
BUND und NABU: „Mogelpackung?“
Von Peter Kleinert

Die Idee des Landesumweltministeriums, im Siebengebirge einen Nationalpark auszuweisen, bedarf aus Sicht der Landesverbände von BUND und NABU einer kritischen Prüfung. Grundsätzlich begrüße man einen weiteren Nationalpark in NRW sehr, „jedoch darf sich ein solches Schutzgebiet später nicht als Mogelpackung erweisen“, so der BUND. „Da wo Nationalpark drauf steht, sollte auch Nationalpark drin sein“, fordert NABU.

Größere Flächen einbeziehen!

„So wäre zu prüfen“, meint BUND-Vorsitzender Paul Kröfges, „ob nicht die Ausweisung eines großräumigeren  Biosphärenreservates ein besser geeigneter und ehrlicherer Weg wäre.“. Auf Grund der geringen Größe und der intensiven Nutzung seien die in einem Nationalpark notwendigen Naturschutzmaßnahmen im Siebengebirge allein deutlich erschwert. Daher müsse die Eignung hierzu genau untersucht werden. „Es ist im Übrigen nicht verständlich, warum das Land NRW Gebiete mit noch besserer Eignung, etwa die Senne, nicht vorrangig als Nationalpark sichert.“, so Kröfges.

Bild 1: Wanderweg in einer Naturwaldzelle im Siebengebirge
Wanderweg in einer Naturwaldzelle im Siebengebirge
Quelle: BUND


Verfolgt das Umweltministerium dagegen die Nationalparkidee explizit im Rhein-Sieg-Kreis weiter, sieht der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland NRW durchaus die Möglichkeit, das richtige Anliegen „vom Kopf auf die Füße zu stellen“. Denkbar wäre ein durchgehendes Schutzgebietsband, das vom  Siebengebirge bis zum Königsforst reicht. Eingeschlossen wären dann die wertvollen Flächen der Heideterrasse mit der Wahner Heide, der Siegaue, der Aggeraue sowie - als Bindeglied - des unteren Pleisbachtales. Erst bei einer solchen Abmessung könne „eine wirklich sinnvolle Besucherlenkung“ erfolgen und erst dann lohne sich der Aufbau einer eigenständigen Naturschutzverwaltung. Die Schutzgebietsflächen des Siebengebirges selbst müssten zugleich deutlich erweitert werden und Flächen in Rheinland-Pfalz sowie östlich des Siebengebirges einschließen. Die bereits erfolgte Ausweitung des bestehenden ‚Naturparkes Siebengebirge‘, die der BUND mit vorgeschlagen und betrieben hatte, setze hier bereits den richtigen Trend. 

Besser Biosphärenreservat

„Der BUND erkennt in einem solchen Großprojekt die einmalige Chance, Fehler der Vergangenheit bei der zu engen Schutzgebietsausweisung aufzuarbeiten und dem Naturschutz im Rhein-Sieg-Kreis eine ganz neue Zukunft zu eröffnen“, stellt Paul Kröfges fest. Abschließend weist er noch einmal darauf hin, dass nicht allein in der Kategorie „Nationalpark“, dessen hoher Standard nur schwer zu erfüllen sei, gedacht und geplant werden solle, sondern alternativ die Ausweisung eines Biosphärenreservates zu prüfen sei.

Bild 2: Fast vollständig von Ortschaften umschlossen
Fast vollständig von Ortschaften umschlossen
Quelle: BUND


Eine denkbare Variante sei auch, dass das Siebengebirge in diesem Fall als Nationalpark Teil des Biosphärenreservates werde. Biosphärenreservate beziehen die Bevölkerung in jedem Fall stärker mit ein und konnten bereits anderenorts, etwa in der Rhön, sehr positive Entwicklungen in Richtung Nachhaltigkeit einleiten. Gerade angesichts der Lage der Fläche in einem Ballungsgebiet erscheint dieser Weg aus Sicht des BUND deutlich vielversprechender.

„Hier würde der mit rund 4.500 Hektar zweitkleinste Nationalpark Deutschlands entstehen, der nur mit größten Anstrengungen zu einem Nationalpark nach internationalen Standards entwickelt werden kann“, erklärt Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Naturschutzbundes NRW. Um den internationalen Kriterien der Weltnaturschutzunion IUCN auch nur annähernd gerecht zu werden, sei aus Sicht des NABU insbesondere eine Ausdehnung des Nationalparks in das benachbarte Rheinland-Pfalz und weitere angrenzende Flächen, eine Ausdehnung der Kern- und Ruhezonen sowie ein dadurch bedingter deutlicher Rückbau des Wegenetzes zwingend notwendig.

Pufferzonen fehlen

„Da das Siebengebirge fast vollständig von Ortschaften umschlossen ist, die bis an die Grenze des Nationalparks heranführen, gibt es von allen Seiten Störungen in das Gebiet hinein. Es fehlen Pufferzonen durch landwirtschaftliche Nutzfläche oder andere Wälder, wie bei vielen anderen Nationalparken“, so Tumbrinck. Die lang gestreckte Form des Gebietes verstärke diese negativen Effekte noch. Wirkliche Ruhezonen werde es bei dieser Planung im Nationalpark kaum geben. „Die Erreichung der internationalen Kriterien, wonach auf mindestens 75 Prozent der Fläche eines Nationalparks natürliche Prozesse ohne Störung durch den Menschen ablaufen können, wird ebenfalls erhebliche Anstrengungen erfordern“, sagt der NABU-Landesvorsitzende. Zudem sei absehbar, dass auch im geplanten Nationalpark Siebengebirge wie zurzeit im Nationalpark Eifel das Thema Wildbestandsregulierung die Gemüter erhitzen werde.

Von der Eifel lernen!

Ob das Ziel einer Nationalpark-Ausweisung bei all diesen Raumansprüchen tatsächlich realisierbar sei, sei zweifelhaft. Der NABU NRW fordere daher die Landesregierung auf, aus den Erfahrungen in der Eifel zu lernen und dazu beizutragen, alle strittigen Fragen vor der Gründung des Nationalparks zu klären und ein Gesamtkonzept zu erstellen. In der Eifel seien sowohl das Wegekonzept als auch die Wildbestandsregulierung über drei Jahre nach der Gründung des Nationalparks immer noch nicht endgültig geklärt, geschweige denn auf einem guten Weg.

Tumbrinck: „Da wo Nationalpark drauf steht, sollte auch Nationalpark drin sein, für einen Alibi-Nationalpark als Worthülse ist der NABU nicht zu haben.“ Deswegen fordere der NABU zur Umsetzung der Planungen einen Nationalparkausschuss mit starker Naturschutzpräsenz und nicht einen weiteren Kommunalausschuss mit Vetorecht wie in der Eifel.

Online-Flyer Nr. 98  vom 06.06.2007

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