SUCHE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Druckversion
Lokales
Ruf der "Christen von unten" an G8-Gipfel offensichtlich verhallt
Außer Spesen nichts gewesen
Von Hans-Dieter Hey
Große Enttäuschung des G8
Im Jahre 1975 beriefen der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing den ersten Weltwirtschaftsgipfel ins französischen Schloss Rambouillet ein. Es kamen brauchbare Ergebnisse zur Bekämpfung der Ölkrise und der Gefahr einer weltweiten Inflation heraus. Heute sind die Weltwirtschaftsgipfel zum medieninszenierten Politikspektakel heruntergekommen, weil Politiker gern wiedergewählt werden wollen. Deshalb war von vornherein klar, dass vom diesjährigen G8-Gipfel – so Helmut Schmidt jetzt in einem Interview des Senders Phoenix – „nichts erwartet werden kann". Jetzt liegt ein verantwortungsloses Nicht-Ergebnis in einer Situation vor, in der die weltwirtschaftlichen Risiken vor allem durch die Finanzmärkte wachsen.

Auf dem Weg zum Dom - Forderung nach fairem Handel
Foto: H.-D. Hey, Arbeiterfotografie
Die Afrika-Hilfen, medizinische Hilfe gegen Aids oder Malaria fallen unter die bereits schon nicht eingehaltenen Ergebnisse des letzten G8-Gipfels zurück, Vertröstungen in der Klimafrage, die Hedge-Fonds werden nicht reguliert – dagegen schützt sich „der Westen“ gegen Importe. Entsprechend frustriert war auch Muhammad Yunus – Volkswirt und Friedensnobelpreisträger - am Ende des Kirchentages: „Der G8-Gipfel hat sich um eine Entscheidung gedrückt". Der Rocksänger Bono, der weit mehr Unterstützung für Afrika gefordert hat, ist enttäuscht, und Rocksänger Bob Geldof kritisiert in einem großem Krach mit Kanzlerin Merkel wütend: „Wir stimmen in dem Ziel überein, aber nicht in dem Weg dorthin".

…mit weltweiter Unterstützung
Foto: H.-D. Hey, Arbeiterfotografie
Während Merkel gut inszeniert davon spricht, die Globalisierung gestalten zu wollen und soziale Mindest- und Umweltstandards durchsetzen will, schafft sie in Deutschland ganz andere Tatsachen: die Ergebnisse ihrer bisherigen Politik heißen Massenarmut und Billiglohnland Deutschland. Gesetzliche Mindestlöhne und die Anpassung des Arbeitslosengeldes II werden von ihr nach wie vor verweigert. Und solange in Afrika europäische Zwiebeln preiswerter sind als die einheimischen, besteht keine Hoffnung auf eine positive Entwicklung dort. Die Spaltung zwischen Arm und Reich und Oben und Unten wird weitergehen – weltweit.
Kirche steht vor Glaubwürdigkeitsfrage
Auf der Protestveranstaltung am Kölner Dom wies Heinrich Pietrowski von attac Köln auch auf andere Zusammenhänge hin: „Es sind nicht die Steine von Rostock, sondern vor allem die Gewalt, die als neoliberale Wirtschaftspolitik immer mehr Hunger und Not über die Welt bringt und sich am Tod von Menschen z.B. durch Rüstung bereichert, wie z.B. die Waffenschmiede Heckler und Koch, die sich ähnlich Drogendealern die Taschen voll stopft."

Heinrich Piotrowski: Durch Rüstung bereichern
Foto: H.-D. Hey, Arbeiterfotografie
Dass die Kritik an Kapitalismus und neoliberaler Wirtschaftsorientierung inzwischen als verfassungsfeindlich gilt, wirft ein bedenkliches Licht auf den Zustand unserer Gesellschaft. Es bedeutet nämlich, dass die Ursachen des Desasters nicht diskutiert werden dürfen. Doch bereits Albert Einstein – zu Lebzeiten Mitglied der Liga für Menschenrechte und Kommunist – hatte prophezeit: „Probleme in dieser Welt sind nicht mit der gleichen Denkweise zu lösen, die sie verursacht hat." Zwar forderte auch die evangelische Kirche auf dem Kirchentag mit orangefarbenen Halsbändern „Globalisierung neu denken". Doch sie selbst scheint aus den alten Denkmustern nicht heraus zu kommen. Auf Einsicht hofft offensichtlich die Erfurter Pastorin Mechthild Werner. Sie warf im Abschlussgottesdienst vor allem dem christlich geprägten Westen die Hauptverantwortung für die globale Zerstörung vor.
Kritik vom christlichen Netzwerk „Kairos Europa"
Auch Professor Ulrich Duchrow vom christlichen europäischen Netzwerk „Kairos Europa" ließ keinen Zweifel daran, wer die Verantwortung trägt. Sein Netzwerk sagt deshalb „Nein zur gegenwärtigen Weltwirtschaftsordnung, wie sie uns vom globalen neoliberalen Kapitalismus aufgezwungen wird". Wachstum ohne Arbeitsplätze – außer dem des Kapitals, Wachstum ohne Mindestlöhne, Wachstum durch Zerstörung der Erde, Unterwerfung des Sozialstaats unter die Logik der Kapitalvermehrung, wachsende Anzahl von Kriegen, Freibriefe für Spekulanten und Steuerhinterzieher und die Liberalisierung der Märkte seien für das Desaster verantwortlich. Europa igele sich zudem durch Mauern, Abschiebung der Armgemachten und durch Zölle ein.

Professor Ulrich Duchrow: Nein zur gegenwärtigen WeltwirtschaftsordnungFoto: H.-D. Hey, Arbeiterfotografie
Duchow wirft der Kirche vor, immer noch den längst zu Ende gegangenen Traum von der sozialen Marktwirtschaft zu träumen, die längst durch die neoliberale und kriegstreibende EU-Verfassung ausgehebelt wurde. Er fordert dazu auf, endlich die Realität zu erkennen und offensiv für den Frieden einzutreten. Und er fragt: „Wann wird der Rat der Evangelischen Kirche wenigsten zusammen mit den Ordensleuten für den Frieden vor der Deutschen Bank Mahnwachen halten?" Es wäre immerhin ein Anfang, wenn „Christen von oben" glaubwürdig würden.
Online-Flyer Nr. 99 vom 13.06.2007
Druckversion
Lokales
Ruf der "Christen von unten" an G8-Gipfel offensichtlich verhallt
Außer Spesen nichts gewesen
Von Hans-Dieter Hey
Große Enttäuschung des G8
Im Jahre 1975 beriefen der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing den ersten Weltwirtschaftsgipfel ins französischen Schloss Rambouillet ein. Es kamen brauchbare Ergebnisse zur Bekämpfung der Ölkrise und der Gefahr einer weltweiten Inflation heraus. Heute sind die Weltwirtschaftsgipfel zum medieninszenierten Politikspektakel heruntergekommen, weil Politiker gern wiedergewählt werden wollen. Deshalb war von vornherein klar, dass vom diesjährigen G8-Gipfel – so Helmut Schmidt jetzt in einem Interview des Senders Phoenix – „nichts erwartet werden kann". Jetzt liegt ein verantwortungsloses Nicht-Ergebnis in einer Situation vor, in der die weltwirtschaftlichen Risiken vor allem durch die Finanzmärkte wachsen.

Auf dem Weg zum Dom - Forderung nach fairem Handel
Foto: H.-D. Hey, Arbeiterfotografie
Die Afrika-Hilfen, medizinische Hilfe gegen Aids oder Malaria fallen unter die bereits schon nicht eingehaltenen Ergebnisse des letzten G8-Gipfels zurück, Vertröstungen in der Klimafrage, die Hedge-Fonds werden nicht reguliert – dagegen schützt sich „der Westen“ gegen Importe. Entsprechend frustriert war auch Muhammad Yunus – Volkswirt und Friedensnobelpreisträger - am Ende des Kirchentages: „Der G8-Gipfel hat sich um eine Entscheidung gedrückt". Der Rocksänger Bono, der weit mehr Unterstützung für Afrika gefordert hat, ist enttäuscht, und Rocksänger Bob Geldof kritisiert in einem großem Krach mit Kanzlerin Merkel wütend: „Wir stimmen in dem Ziel überein, aber nicht in dem Weg dorthin".

…mit weltweiter Unterstützung
Foto: H.-D. Hey, Arbeiterfotografie
Während Merkel gut inszeniert davon spricht, die Globalisierung gestalten zu wollen und soziale Mindest- und Umweltstandards durchsetzen will, schafft sie in Deutschland ganz andere Tatsachen: die Ergebnisse ihrer bisherigen Politik heißen Massenarmut und Billiglohnland Deutschland. Gesetzliche Mindestlöhne und die Anpassung des Arbeitslosengeldes II werden von ihr nach wie vor verweigert. Und solange in Afrika europäische Zwiebeln preiswerter sind als die einheimischen, besteht keine Hoffnung auf eine positive Entwicklung dort. Die Spaltung zwischen Arm und Reich und Oben und Unten wird weitergehen – weltweit.
Kirche steht vor Glaubwürdigkeitsfrage
Auf der Protestveranstaltung am Kölner Dom wies Heinrich Pietrowski von attac Köln auch auf andere Zusammenhänge hin: „Es sind nicht die Steine von Rostock, sondern vor allem die Gewalt, die als neoliberale Wirtschaftspolitik immer mehr Hunger und Not über die Welt bringt und sich am Tod von Menschen z.B. durch Rüstung bereichert, wie z.B. die Waffenschmiede Heckler und Koch, die sich ähnlich Drogendealern die Taschen voll stopft."

Heinrich Piotrowski: Durch Rüstung bereichern
Foto: H.-D. Hey, Arbeiterfotografie
Dass die Kritik an Kapitalismus und neoliberaler Wirtschaftsorientierung inzwischen als verfassungsfeindlich gilt, wirft ein bedenkliches Licht auf den Zustand unserer Gesellschaft. Es bedeutet nämlich, dass die Ursachen des Desasters nicht diskutiert werden dürfen. Doch bereits Albert Einstein – zu Lebzeiten Mitglied der Liga für Menschenrechte und Kommunist – hatte prophezeit: „Probleme in dieser Welt sind nicht mit der gleichen Denkweise zu lösen, die sie verursacht hat." Zwar forderte auch die evangelische Kirche auf dem Kirchentag mit orangefarbenen Halsbändern „Globalisierung neu denken". Doch sie selbst scheint aus den alten Denkmustern nicht heraus zu kommen. Auf Einsicht hofft offensichtlich die Erfurter Pastorin Mechthild Werner. Sie warf im Abschlussgottesdienst vor allem dem christlich geprägten Westen die Hauptverantwortung für die globale Zerstörung vor.
Kritik vom christlichen Netzwerk „Kairos Europa"
Auch Professor Ulrich Duchrow vom christlichen europäischen Netzwerk „Kairos Europa" ließ keinen Zweifel daran, wer die Verantwortung trägt. Sein Netzwerk sagt deshalb „Nein zur gegenwärtigen Weltwirtschaftsordnung, wie sie uns vom globalen neoliberalen Kapitalismus aufgezwungen wird". Wachstum ohne Arbeitsplätze – außer dem des Kapitals, Wachstum ohne Mindestlöhne, Wachstum durch Zerstörung der Erde, Unterwerfung des Sozialstaats unter die Logik der Kapitalvermehrung, wachsende Anzahl von Kriegen, Freibriefe für Spekulanten und Steuerhinterzieher und die Liberalisierung der Märkte seien für das Desaster verantwortlich. Europa igele sich zudem durch Mauern, Abschiebung der Armgemachten und durch Zölle ein.

Professor Ulrich Duchrow: Nein zur gegenwärtigen WeltwirtschaftsordnungFoto: H.-D. Hey, Arbeiterfotografie
Duchow wirft der Kirche vor, immer noch den längst zu Ende gegangenen Traum von der sozialen Marktwirtschaft zu träumen, die längst durch die neoliberale und kriegstreibende EU-Verfassung ausgehebelt wurde. Er fordert dazu auf, endlich die Realität zu erkennen und offensiv für den Frieden einzutreten. Und er fragt: „Wann wird der Rat der Evangelischen Kirche wenigsten zusammen mit den Ordensleuten für den Frieden vor der Deutschen Bank Mahnwachen halten?" Es wäre immerhin ein Anfang, wenn „Christen von oben" glaubwürdig würden.
Online-Flyer Nr. 99 vom 13.06.2007
Druckversion
NEWS
KÖLNER KLAGEMAUER
FILMCLIP
FOTOGALERIE






















