NRhZ-Online - Neue Rheinische Zeitung - Logo
SUCHE
Suchergebnis anzeigen!
RESSORTS
SERVICE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

zurück  
Druckversion

Lokales
Brief an die Leser
Die NRhZ wird 100 und mehr
Von Christian Heinrici

Sie wird nämlich 101! Nein, nicht Jahre, aber Ausgaben alt. Und da die Neue Rheinische Zeitung eine Online-Zeitung ist, feiern wir nicht unseren 100. Geburtstag – so wie jeder andere – wir feiern unseren 101. Denn die moderne Datenübermittlung, die Computer- und Internettechnologie fußt ja auf den Kombinationen der Binärzahlen 1 und 0 – sie sind die Ursuppe unseres virtuellen Zeitalters. Hier ein Rückblick auf 159 Jahre „Neue Rheinische Zeitung“, zwei Jahre kontinuierliches Erscheinen im Internet und darüber, wie es weitergehen soll.

Wie alles anfing...

Es gibt viele berühmte Kölner, was bei einer Millionenstadt mit Kultur seit über 2000 Jahren nicht ausbleibt. Einer von ihnen ist Konrad Adenauer, der kurioserweise heute an Sankt Aposteln als Skulptur versteinert auf das Haus eines anderen viel berühmteren (Wahl-)Kölners schaut: Karl Marx.[1]
In den Jahren 1842-43 lebte er in Köln und wurde bald Chefredakteur der „Rheinischen Zeitung“, die nach einem Jahr von der preußischen Zensurbehörde verboten wurde. Damals schon stand die Zeitschrift in Opposition zur konservativen und erzkatholischen „Kölnischen Zeitung“ aus dem Hause DuMont, die seitdem ohne Unterbrechung in „Familien“-Hand war. Noch heute trägt der „Kölner Stadt-Anzeiger“ – sich wohl dieser Tradition bewusst – den Namen „Kölnische Zeitung“ im Untertitel.


Marx und Engels in jungen Jahren
Bild: NRhZ-Archiv


So gesehen hat sich nicht viel verändert: Die Revolution hat das Rheinland noch nicht eingeholt, das Haus DuMont übt weiterhin seine Monopolstellung aus, nur die „Rheinische Zeitung“ erfuhr mehrere Neuauflagen. Am 1. Juni des Revolutionsjahres 1848 wurde die „Neue Rheinische Zeitung“ in Köln gegründet. Zu den Redakteuren der Zeitung gehörten neben Marx und Engels auch Georg Weerth, Ferdinand Freiligrath, zu den Autoren Lassalle und viele andere.

Die Neue Rheinische Zeitung hatte eine wichtige Wirkung auf die Bügerliche Revolution in Deutschland 1848/49. Marx und Engels entwickelten in dieser Zeit ihre sozialrevolutionären Ideen zu einem philosophisch-soziologischen Gebäude, von dem im 20. Jahrhundert tiefgreifende Veränderungen ausgehen sollten. In derselben Zeit wurde das „Kommunistische Manifest“ geschrieben. Der Satz: „Proletarier aller Länder vereinigt euch!“, stand schon in der Neuen Rheinischen Zeitung. Im Mai 1849 wurde die Revolution niedergeschlagen und die NRhZ verboten. Einige Redakteure wurden verhaftet, andere konnten sich ins Exil retten, Marx und Engels gingen nach London.



Neue Rheinische Zeitung vom 19. Juni 1848
Foto: Stefan Kühn


Wie alles noch einmal anfing...

Zugegeben, in der Zwischenzeit ist einiges passiert, doch seit dem Jahre 2005 gibt es die „Neue Rheinische Zeitung“ wieder. Wie unsere Vorgänger fühlen auch wir uns der „Aufklärung“ verbunden, sicher nicht als fernem historischen Begriff, sondern mit sehr aktuellem Charakter: Mit ihrer kritischen Berichterstattung beispielsweise über den Messeskandal leistete die NRhZ wirklich aufklärerische Arbeit – was in der monopolisierten Presselandschaft Kölns auch Not tut.

Im Onlinelexikon „Wikipedia“ kann man über DuMont lesen: „Der Verlag verfügt in der Kölner Medienlandschaft über eine enorme Meinungsmacht, da abgesehen von der Lokalausgabe der Bild-Zeitung alle lokalen Tageszeitungen in Köln im Verlag M. DuMont Schauberg erscheinen. Zudem ist die Herausgeberfamilie ein fester Bestandteil des Kölner Establishments. Im Zusammenhang damit wird den Publikationen des Verlages häufiger vorgeworfen, über städtische Affären und Skandale (z.B. die Vorfälle im Zusammenhang mit der Kölner Messe und dem Immobilienfondsinitiator Josef Esch und der Sal. Oppenheim Bank) nur verhältnismäßig knapp und wenig investigativ zu berichten.“

Über die Geschichte des Hauses DuMont während der Nazizeit informiert „Wikipedia“ nicht: Groß angelegt – zuletzt zum 200. Geburtstag des Verlages – berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“ immer wieder über den angeblichen Widerstand Kurt Neven DuMonts gegen die Nazis. Tatsächlich trat der Vater des heutigen Verlegers 1937 in die NSDAP ein und erhielt für „sein Engagement“ wie Adolf Eichmann auch das „Kriegsverdienstkreuz mit Schwertern“. Zufrieden mit der Ausrichtung des Verlags wurde die „Kölnische Zeitung" neben dem „Völkischen Beobachter“ sogar an die „Frontsoldaten“ versandt – nicht jeder Zeitung kam diese zweifelhafte Ehre zu.

Eine kritische Berichterstattung wiederum, kann ihren Preis haben, wenn auch in Form von Gerichtskosten: Alfred Neven DuMont hatte Einstweilige Verfügungen gegen die NRhZ und ihre Autoren Albrecht Kieser und Peter Kleinert durchgesetzt, weil diese die Verlegerfamilie wegen des „sehr günstigen Kaufs“ enteigneter jüdischer Grundstücke während der Nazizeit als „Arisierungsprofiteure“ bezeichnet hatte. (Siehe NRhZ 55, 66, 69, 77) In zweiter Instanz entschied das Oberlandesgericht Köln, dass man in diesem Fall von „Arisierung“ reden dürfe, von „Profit“ allerdings nicht. Die NRhZ entschied, in die nächste Instanz zu gehen: zum Bundesverfassungsgericht.

...und jetzt?

Seit dem Sommer 2005 erscheint die NRhZ in wöchentlichem Rhythmus mit tagesaktuellen Kurzmeldungen und Hintergrundartikeln über das, was andere Medien verschweigen. In dieser Zeit hat sie eine wachsende Leserschaft gewonnen, die ein unabhängiges, kritisches Informationsmedium zu schätzen weiß: Berichterstattung „von unten“, gemeinsam erarbeitet von Journalisten und Betroffenengruppen, vielen Initiativen und Vereinen, anstatt das wiederzukäuen, was sich die meisten Medien von Presseagenturen, von Lobbyisten der Politik und des Kapitals in die Feder diktieren lassen.


Neue Rheinische Zeitung: traditionell modern!
Foto: Stark/pixelio | Collage: Christian Heinrici


„Glauben Sie übrigens nicht, daß wir am Rhein in einem politischen Eldorado leben. Es gehört die konsequenteste Zähigkeit dazu, um eine Zeitung wie die ‚Rheinische’ durchzuschlagen.“, schrieb Karl Marx vor 165 Jahren in einem Brief an Arnold Ruge. Auch hier steht die Neue Rheinische Zeitung in der Tradition der „alten Rheinischen Zeitung“. Rund vierzig Autoren und vier feste Redakteure, verschiedene Webmaster und Grafiker arbeiten jede Woche unentgeltlich am pünktlichen Erscheinen der jeweiligen Ausgabe. Bisher erfolgt auch der Zugriff auf unser umfangreiches Archiv gratis.

Bis zum Herbst 2006 hatten wir vor, eine alternative Aktiengesellschaft zu gründen – diesen Plan haben wir mittlerweile vertagt, um die Neue Rheinische Zeitung vorher weiterhin wirtschaftlich, technisch und inhaltlich zu verbessern. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns in diesem Vorhaben – nicht nur wie bisher durch Ihre Leserbriefe, Anregungen, also „moralisch“ – sondern auch finanziell unterstützen könnten. Dazu richten wir ab der nächsten Woche „Förder-Abos“ ein, mit denen Sie Ihre Verbundenheit mit der NRhZ zum Ausdruck bringen können.

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt darauf an, sie zu verändern!“, sagte Karl Marx. Helfen Sie uns dabei! (CH)

Friedrich Engels über die Neue Rheinische Zeitung

[1] Nach Adenauer sind Teile des Rheinufers benannt, nach Marx ausschließlich eine „Allee“ im Vorort Seeberg.



Online-Flyer Nr. 101  vom 27.06.2007

Druckversion     



Startseite           nach oben

KÖLNER KLAGEMAUER


Für Frieden und Völkerverständigung
FILMCLIP
FOTOGALERIE