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Globales
Ein Kommentar über die Waldbrände in Griechenland
Zeuge aus der Ferne
Von Marilena Thanassoula

Unser Haus wurde beim ersten Feuer am Pendeli, dem nördlichen Berg von Athen, zerstört. Ich war damals vier Jahre alt, und leider kann ich mich trotzdem immer noch daran erinnern. Vor allem ist mir im Gedächtnis verblieben, wie heiß schon vor dem Feuer der Wind wehte und wie schnell sich das Flammenmeer den Berg hinunterfraß. Seitdem, es war im Jahre 1981, hatte der Pendeli sieben Mal gebrannt. Tatsächlich ist vom Baumbestand kaum etwas übrig geblieben – wie denn auch?! Ein Pinienwald braucht mindestens zehn Jahre, um sich zu regenerieren.
Der Pendeli ist nicht der einzige Berg, der mehrfach in Flammen stand. Das trifft auf die meisten der 171 Gebiete zu, die in den letzten zwei Wochen brannten. So viel Aufmerksamkeit wird wohl weltweit nur durch große Zahlen erregt: 171 Waldbrände, mehr als 60 Tote – damit kann man schon Schlagzeilen machen. Sonst hat es aber in Griechenland schon den ganzen Sommer hindurch gebrannt, und bei starkem Wind wird es weiter brennen. Doch Griechenland ist mittlerweile wieder von den Titelseiten verschwunden: Die Medienkarawane zieht weiter.

Mit den Wäldern zu Asche geworden: die Vernunft

In Hellas beschäftigt man sich mittlerweile mit den sogenannten Hintergründen: Warum waren die Brände diesmal so verheerend? Hat es etwa mit den bevorstehenden Wahlen zu tun? Die Regierung behauptet, es sei ein politisches Verbrechen, „man habe das Inferno ‚eingerichtet“, um sie zu stürzen. Die Opposition kritisiert heftig die Regierung: unkoordinierte Kräfte, zu späte Reaktionen. Oder waren es doch die Immobilienspekulanten? Oder etwa die Hirten, die mehr Weideland wollen? Eine Million Euro hat die Regierung für Hinweise, die zur Verhaftung der Brandstifter führen, versprochen.

Kostas Karamanlis
Griechischer Premier Karamanlis –
Brände Verschwörung gegen die Regierung?
Foto: US-Regierung


Die Vorstellung, dass man „die Schuldigen“ finde, ist natürlich äußerst abwegig. Dass sich der griechische Wahlkampf wiederum auf rein fiktive Argumente reduziert, ist aber leider real: Alle anderen großen politischen Themen spielen offensichtlich keine Rolle mehr. Die Athener demonstrieren, um ihr Entsetzen über die Katastrophe zu äußern, die Politiker brüllen Hasstiraden, und das Land brennt weiter – diesmal in den Flammen von Schuld und Gewissensbissen. Die Vernunft ist vermutlich auch zu Asche geworden.


Auch für mich war es eine Woche wie im Albtraum: Ich musste über die Reaktionen in Europa berichten, aber konnte die eigene Familie nicht erreichen, die sich in den Brandgebieten befand. In jedem Kiosk, jedem Korridor, auf jeder Mattscheibe mit den Bildern der bekannten Berglinien konfrontiert zu werden, wie sie hinter Rauch verschwinden... Ganz zu Anfang berichteten viele Medien hierzulande noch einigermaßen objektiv. Leider musste ich dann beobachten, wie die Berichterstattung zunehmend sentimentaler wurde, gepaart mit dem Hauch mitteleuropäischer Arroganz gegenüber mittelmeerländischer „Chaosmentalität“ – nun das hat wirklich niemand gebraucht.

feuer waldbrand autowrack
Verbrannte Wälder – wo sind „die Schuldigen"?
Foto: ro18ger | Quelle: pixelio.de


Deutschland will bezahlt werden


Und warum sind bitte schön laut einer deutschen Zeitung, die ersten 3.000 Euro, die der griechische Staat den Betroffenen sofort bezahlt hat, „ein Nichts“, ein „Tropfen auf den heißen Stein“? Die Opfer der Flutkatastrophen in Deutschland bekamen höchstens pauschal 10.000 Euro und vielleicht noch einen warmen Händedruck dazu. Die Leute haben sich geärgert, hieß es, weil Olympia rechzeitig gerettet wurde, als ob die „alten Steine“ mehr wert seien, als die Menschenleben… Sicher, wenn das eigene Haus brennt, darf man alles sagen. Die Journalisten jedoch hätten nebenbei auch bemerken können, dass das Feuer an dem Tag, an dem vierzig Menschen in den Bränden starben, mit mehr als 210 km/h Windgeschwindigkeit wütete, am Tag aber, als Olympia gefährdet war, „nur“ mit 130 km/h. Oft waren Flugzeuge und Hubschrauber nicht vor Ort, weil sie gar nicht fliegen konnten.

Auf dem Peloponnes findet man sehr viele Deutsche Immigranten und Firmen. Aber warum hat die Bundesrepublik trotzdem nur einige wenige Helikopter geschickt, und dann auch noch sehr spät? Nebenbei bemerkt: Nur Deutschland und Schweden bestehen darauf, dass ihr Einsatz von Griechenland bezahlt wird, der angebliche „Erbfeind Türkei“ dagegen reagierte viel schneller und blieb auch im Nachhinein großzügig.

Löschhubschrauber im Einsatz
Löschhubschrauber im Einsatz
Foto: Bernd | Quelle: pixelio.de


Auf der anderen Seite kann man angesichts griechischer Gemeinden, die nicht einmal eine Karte des eigenen Ortes besitzen, nur mit dem Kopf schütteln... Viele Freiwillige kamen zuerst aus ganz Europa und dann aus Athen… Portugal musste auch erst nach einer schmerzlichen Lektion die Feuerwehr modernisieren. Jetzt aber kann das Land sogar außerhalb seiner Grenzen Hilfe leisten. Diese Aufgabe hat Griechenland noch vor sich. Sicher stünde es auch vielen Athenern besser zu Gesicht, weniger zu demonstrieren und stattdessen als Freiwillige die verbliebenen Wälder zu bewachen. Ganz gleich welche Regierung nun kommen mag, sie sollte endlich Gesetze erlassen, dass Waldgebiete auch Waldgebiete bleiben und NIEMALS anders genutzt werden dürfen.

Die Feuer sind noch nicht vollständig gelöscht, und die Aschen berauben immer noch den attischen Himmel seines berühmten Blaus. Eine noch größere Gefahr nähert sich mit den ersten Regentropfen: die Erosion. (CH)

Wer die Betroffenen in ihrer Not unterstützen möchte, kann Geld auf das zu diesem Zweck eröffnete Konto des griechischen Konsulats in Köln überweisen:
SWIFT: BNGRGRAA
IBAN:GR 98 0100 0230 0000 0234 1103 053

Kontakt: Griechisches Generalkonsulat Köln
Generalkonsul: Rosa Ieremia

Venloerstr. 151 - 153
D-50672 Köln
Tel.: 0221 9420390
Fax: 0221 94203925
Öffnungszeiten:
Mo, Mi, Do, Fr: 09:00-13:00
Di: 09:00-13:00
und 15:00-18:00
E
mail: grkonsulkoeln@aol.com


Online-Flyer Nr. 111  vom 05.09.2007

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