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Kultur und Wissen
Interview mit Andreas Weber vom AStA der Universität zu Köln
Studienkollegs adé: Selektion statt Integration
Von Marilena Thanassoula

Die Landesregierung hat am 4. September die Abschaffung der Studienkollegs beschlossen. Dabei geht es Gelb-Schwarz um 3,1 Million Euro, die als Mittel freiwürden und die sie in „Hochbegabtenförderung“ ausländischer Studierender investieren könne. Aber, was leisten die Studienkollegs und welche Folgen bringt diese Entscheidung für die Studierenden und die Unis? Marilena Thanassoula hat darüber mit Andreas Weber vom AStA der Universität zu Köln gesprochen.

Andreas Weber AStA Uni Köln

Andreas Weber vom AStA der Uni Köln
Foto: privat


NRhZ:
Herr Weber, worin besteht die Arbeit der Studienkollegs?

Andreas Weber: Die Studienkollegs wollen im Grunde genommen ausländische Studierende auf das Studium in Deutschland vorbereiten und ihnen grundlegende Informationen zur Wissenschaftskultur vermitteln. Das machen sie seit vielen Jahren, auch unter veränderten äußeren Bedingungen, und auch hier gibt es durchaus Probleme, die man ansprechen könnte.

Was steht denn bei den Studienkollegs außer der bekannten Sprachkurse auf dem Programm?

In verschiedenen Fachkursen soll ihr Schulabschluss ausländischer Studierender auf den deutschen Stand gebracht und die Informationen vermittelt werden, wie sie nach dem Papier auch ein deutscher Abiturient haben soll. Daneben gibt es Integrationsbemühung mit verschiedenen Fahrten oder auch Kursen, die neben den fachspezifischen Informationen auch praktische Informationen geben.

Gibt es unterschiedlichen Zugangsberechtigung je nach Herkunftsland?
Die Gesetze unterscheiden hier verschiedene Hochschulzugangs- berechtigungen aus diversen Ländern, die ganz unterschiedlich beurteilt werden. Das ist eines der Probleme. Es gibt Länder, deren Hochschulzugangsberechtigung so anerkannt ist, dass ein Studium an deutschen Hochschulen direkt möglich ist, und es gibt andere Zugangsberechtigungen, die nicht als gleichwertig angesehen werden, und diese potenziellen Studierenden müssen vor ihrem Studium neben Deutschkursen auch ein Studienkolleg besuchen und hier fachspezifische Informationen erwerben. Am Ende müssen sie eine „Feststellungsprüfung“ ablegen, die sie dann dazu berechtigt, an einer deutschen Hochschule zu studieren. So ist der aktuelle Stand. Das Studienkolleg besuchen Menschen, die aus Ländern kommen, die nicht in der EU sind, sondern meistens aus Afrika, Asien, Südamerika oder von der arabischen Halbinsel.

Wie lange dauert ein Kurs beim Studienkolleg, und was kostet er?
Ein Kurs dauert im Normalfall etwa ein Jahr und wird mit der Feststellungsprüfung abgeschlossen. Im Grunde genommen ist der Besuch des Studienkollegs kostenlos. Allerdings, wer auch einen Studierendenstatus besitzt, muss auch allgemeine Studiengebühren bezahlen und daneben natürlich auch den Semesterbeitrag.



Studieren bald nur noch die Reichen?
Foto:
www.JenaFoto24.de | Quelle: pixelio.de

Und jetzt werden die Studienkollegs abgeschafft…

Die Landesregierung hat Anfang September beschlossen, die Studienkollegs abzuschaffen – das ist ein Weg, den der AStA der Universität zu Köln in dieser Form ablehnt. Ein ersatzloses Streichen des Studienkollegs ist keine sinnvolle Integrationspolitik. Die Studienkollegs haben sinnvolle Ansätze und haben in den letzten Jahrzehnten sehr gute Arbeit geleistet. Und dieses „Know-How“, das während einer langen Tätigkeit erworben wurde, darf nicht einfach so wegfallen. Es wäre sicherlich sinnvoll, diese Integrationsbemühungen an den Hochschulstandorten in NRW zu reformieren, auf neue Ansätze und neue Entwicklungen einzugehen. Gleichzeitig darf dies aber nicht bedeuten, die Studienkollegs ersatzlos zu streichen und so Integrationsbemühungen im Keim zu ersticken.

Was könnte man reformieren?

Also, es ist zum Einen nicht sehr sinnvoll, die Unterscheidung zwischen unterschiedlichen Zugangsberechtigungen so weiter zu führen. Es darf nicht sein, dass Unterschiede in den Hochschulzugangsberechtigungen gemacht werden, wo keine sind. Daher streben wir als AStA der Universität zu Köln in Verbindung mit dem Bundesverband ausländischer Studierender detaillierte und ausgearbeitete Integrationsbemühungen an, die in Form eines ausgeklügelten Propädeutikums, also einer Vorbereitungsphase stattfinden können, wo alle ausländischen Studierenden in einem Vorbereitungssemester gleichzeitig ihr Studium bereits beginnen können und auch eben in die Wissenschaftskultur – sei es Hausarbeiten schreiben oder Zitierungsweisen kennenlernen – eingeführt werden können.

Solche Maßnahmen könnten sicher auch deutsche Studierende gebrauchen...
An erster Stelle ja, so etwas könnte es für alle Studierenden geben. Aber, wenn das Studienkolleg wegfällt gibt es einen großen Nachteil: Ausländer, die gerne ein Studium aufnehmen möchten, können das nicht mehr, weil sie eben die finanziellen Möglichkeiten nicht dazu haben, Einstufungstests zu machen. Sie müssten sich eventuell bei privaten Anbietern, die hierfür Gebühren erheben, auf die Feststellungsprüfung vorbereiten. Somit wird ein Studium nur für ausländische Studierende mit gefülltem Geldbeutel möglich.

Hat die Landesregierung kein Ersatzprogramm geplant?
Ein Ersatzprogramm ist uns – im Moment zumindest – nicht bekannt. Die Landesregierung spricht davon, eine Art Stipendiensystem aufzulegen, was aber in seiner Höhe und Ausgestaltung nicht akzeptabel ist. Es ist so, dass eine Feststellungsprüfung scheinbar erhalten bleibt, und auch die Unterscheidung somit zwischen den verschiedenen Zugangsberechtigungen bleibt.

Möchte das Land nur sparen, oder hat es auch mit den Mangel an Lehrer zu tun?

An den Studienkollegs in NRW sind circa 90 Lehrer beschäftigt. Genau das dürfte der Grund für die Abschaffung der Studienkollegs sein: Geld zu sparen. Die Lehrer sollen, so wie es momentan verlautet, zurück in die Gymnasien gehen, da sie von Grund auf eben GymnasiallehrerInnen sind. Dies kritisieren wir, weil die Erfahrungen und die Begeisterung mit der viele dieser Lehrer in den Studienkollegs unterrichtet haben, nicht in die studienvorbereitenden Maßnahmen übergehen kann. Und es wäre sicherlich ein viel sinnvollerer Ansatzpunkt, diese Lehrer mit ihrer Erfahrung auch in Zukunft mit einzubinden.


verwaister Seminarraum VG Meril
Verwaister Seminarraum – Zukunft der Studienkollegs
Foto:
VG Meril | Quelle: pixelio.de

Wie engagiert sich der AStA für ausländische Studierende?
Wir als Asta der Uni Köln bieten seit Jahren im Rahmen unserer Möglichkeiten Hilfestellung an, aber hier muss ein Zusammenspiel aus Landesregierung, Bundesregierung, der Hochschule an sich, der Studierendenschaft und der Bundesverbände wie auch die der ausländischen Studierenden zu gemeinsamen Bemühungen kommen. Das Ziel ist, die Erfahrung und das Wissen aus vielen Stellen zusammenführen zu können. Die AStA hat in den letzten Jahren aktiv Patenprogramme betrieben, in denen wir ausländische Studierende, die nach Köln kommen, erfahrene Studierende zur Seite stellen und ihnen bei ganz praktischen Dingen Hilfestellung anbieten, bei Ämtergängen, bei der Wohnungssuche, wo man sich in der Universität einbringen kann, Informationen über die Fachschaften... Hierfür haben wir das Patenprogramm aufgestellt, haben in den letzten Jahren sehr erfolgreich Teams gebildet, die eben erreicht haben, dass man sich in Köln gut zurecht findet und das Studium erfolgreich bestritten werden kann. Dieses Programm wollen wir weiterhin ausbauen und mehr Menschen als bisher erreichen.



Schwarz-Gelb: „Tod der Bildung"
Foto: www.arbeitfotografie.com
Heißt es nicht, dass deutsche Hochschulen im internationalen Wettbewerb besser stehen sollen?

Es ist natürlich so, dass in den letzten Jahren verstärkt versucht wird, ausländische Studierende nach Deutschland zu holen. Der Schritt, die Studienkollegs abzuschaffen, ist aber sicher ein Hinderungsgrund für viele ausländische Studierende. Es darf nicht dazu kommen, dass wir hier eine Auswahl von Studierenden aus bestimmten Ländern oder aus gewissen finanziellen Kreisen treffen. Es ist so, dass in den letzten Jahren in Köln die Zahl der ausländischen Studierenden im Allgemeinen sowie auch die der Studienanfänger um 10 Prozent zurückgegangen ist. So bekommen wir ja weniger Studierende, sowohl aus Deutschland als auch aus dem Ausland. Es ist der falsche Weg, dass wir eine Auswahl nach sozialen Kriterien treffen, sei es bei den deutschen oder bei den ausländischen Studierenden. (CH)

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Marilena Thanassoula


Online-Flyer Nr. 113  vom 19.09.2007

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