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Aktueller Online-Flyer vom 09. Juni 2026  

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Kommentar
In NRW sind ab 2009 ausländische Studierende ohne Unterstützung
Die Bildungspolitik der Milchmädchen
Von Marilena Thanassoula

Stellen Sie sich das mal vor: sich mit geringen Deutschkenntnissen eine Wohnung in Köln zu suchen, sich in der Uni anzumelden, die U-Bahn zu benutzen, Freunde unter Tausenden Fremden zu finden. Irgendwie schwierig, nicht wahr? Dies wird aber die Perspektive der ausländischen Studierenden in NRW schon ab dem Sommersemester 2008 sein. Die Landesregierung hat die ersatzlose Abschaffung der Studienkollegs beschlossen: zu teuer, heißt es.


Die Milchmädchen-Rechnung: Sparen statt Investieren

Landespolitiker verfolgen regionale Ziele. Natürlich soll die Bildungspolitik internationale Perspektiven haben, die weltweite Vernetzung der Universitäten soll den Wissensstand vergrößern. Der Landespolitiker denkt offensichtlich über die internationalen Beziehungen, dass sie in mathematischen oder elektronischen Systemen und Algorithmen entstünden. Doch nicht „Internetserver“ und Archive, sondern Menschen mit Fleisch und Blut bauen internationale Netzwerke. Kein besserer Platz als der gemeinsame Hörsaal, keine bessere Zeit als das gemeinsame Studium bieten sich an, um solche wissenschaftliche Netzwerke entstehen zu lassen. Bei der Einsparung der rund 90 Lehrer, die noch an den Studienkollegs arbeiten, verfehlt man es, solche Netzwerke zu schaffen. Man verfehlt es, in die Zukunft zu investieren.


Rückschritte als Innovationen verkauft - Wissenschaftsminister Pinkwart
Pinke, Pinke, Pinkwart... „Innovations-" und Wissenschaftsminister NRWs
Foto: Indymedia


Als weiteres Argument soll der Landesregierung gelten, dass man die Lehrer in den Schulen brauche. Aber tatsächlich gibt es 3.000 bis 4.000 als arbeitslos gemeldete Lehrer in NRW, abgesehen von denen, die nur noch periodisch beschäftigt werden und dann in den unbezahlten Ferien arbeitslos bleiben. Müssen nun wirklich gerade diejenigen Lehrer in den Gymnasien beschäftigt werden, die mit ihrer Erfahrung bisher schnell und kompetent ausländische Studierende betreuten?

Warum gerade hier studieren?

Die Bildungspolitik hat das Ziel, die deutschen Hochschulen im internationalen Wettbewerb besser zu positionieren, heißt es bei jeder „Bildungsreform“ der vergangenen fünf Jahre. Abgesehen davon, dass die deutschen Hochschulen schon einen fabelhaften Ruf hatten, bevor man mit den Kürzungen von Bibliotheksgeldern und wissenschaftlichen Stellen anfing, stellt man sich die Frage, warum jemand auf die Idee kommen sollte, hierher zum Studium kommen, wenn man privaten Deutschunterricht schon in der Heimat bezahlt haben muss, um hier dann weiteren Privatunterricht zu nehmen, um die Feststellungsprüfung zu absolvieren, bevor man Semesterbeitrag und Gebühren zahlen darf?



Seit Jahren anhaltende Proteste gegen Gebühren
Foto: 2002, www.arbeiterfotografie.com



Warum sollte man überhaupt hierher kommen, wo es noch keinem klar ist, wie man nach dem Bachelor zum Master zugelassen wird? Wo es keine Chance auf irgendein Stipendienprogramm gibt? Werden auf diese Weise die „klügsten Köpfe“ nach Deutschland kommen? Oder werden diese Dienstleistung gerade die Reichen aller Kontinente über sich ergehen lassen? Nicht einmal das: Der fabelhafte Ruf der deutschen Hochschulen rettet sie teilweise bis heute – noch. Köln ist aber noch lange nicht Oxford und wird wohl auch nie werden.

Haben Sie im Interview mit Andreas Weber von der AstA der Uni Köln unbekannte Wörter wie „Hochschulzugangsberechtigung“ oder „Feststellungsprüfung“ gelesen? Freuen Sie sich darüber, dass Sie kein Studienbewerber aus China, Namibia oder Argentinien sind und lesen Sie mehr über die Ziele der Studienkollegs, sowie auch über die Folgen ihrer Abschaffung in der aktuellen Ausgabe der NRhZ. (CH)

Online-Flyer Nr. 113  vom 19.09.2007

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