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Literatur
Pizza, Pasta und Pistolen – Mörderische Geschichten mit Rezept:
Nessun dorma
Von Angela Eßer
„Nessun dorma“
Siebenundfünfzig Rentner draußen auf dem Gang und ein toter Busfahrer in der Gerichtsmedizin. Alle mindestens über siebzig, außer dem Busfahrer, der lag knapp drunter. Siebenundfünfzig deutsche Touristen. Eine komplette Reisegruppe vor seinem Büro. Und bis jetzt vierunddreißigmal dieselbe Geschichte. Commissario Alessandro di Zampone stöhnte. Er konnte sich ausrechnen, wie oft er noch „Aber ich kann doch nichts dafür, Herr Commissario!" hören würde, angereichert mit Krankheitsgeschichten, Schwächeanfällen, Trinkpausen, Familienanekdoten und natürlich Mafia-Gerüchten. Einmal auf Deutsch und dann in der italienischen Übersetzung.
Es half alles nichts. Schließlich hatten sie hier einen Toten. Einen toten deutschen Busfahrer, der vor noch gar nicht so langer Zeit quicklebendig auf der Via Emilia gefahren war und heute Mittag tot am Tisch lag. Mit dem Kopf im Pastateller, das Gesicht voller Tomatensauce. Also dann, er atmete tief ein, Nummer fünfunddreißig.
„Liebe Signora... äh... Munster...“
„Münsterländer. Signorina Münsterländer.“
„Signorina Münsterländer. Scusi – entschuldigen Sie, dass Sie haben so lange warten müssen.“ „Das ist schon in Ordnung, Herr Commissario. Wie heißt es immer: Sie tun auch nur Ihre Pflicht.“
„Si, Signorina.“
Die kleine betagte Dame war ihm sympathisch. Sie wirkte zwar ein bisschen antiquiert, aber sie hatte ruhige, klare Augen. Sie würde hoffentlich nicht ausschweifend werden oder gar einen Ohnmachtsanfall bekommen.
„Also, Sie waren mit dieser Reisegruppe schon ein paarmal in Italien. Lombardei, Venedig, Toscana, Latio und dieses Jahr wollten Sie unsere schöne Emilia Romagna entdecken.“ „Ja, von Bologna bis nach Rimini, aber nicht auf der Schnellstraße, sondern einmal wirklich die alte Via Emilia entlang, der Küche Italiens.“
Der Mann war ihr sympathisch. Er wirkte zwar ein bisschen überarbeitet und ungeduldig, aber er würde sie verstehen. Und das, obwohl er Willi nicht gekannt hatte. Er hatte Willi ja erst gesehen, als er tot war. Aber sie wusste, Commissario di Zampone würde nachfühlen können, wie es ihr ging.
Zampone, Zampone... ein schöner Name, das war doch das italienische Wort für...
„Liebe Signorina, Sie sind also mit der Reisegruppe im Albergho Cagliostro untergebracht. Erzählen Sie mir doch einfach, was passiert ist.“
„Herr Commissario, so einfach ist das nicht.“
„Comme, Signorina?“
Nein, nicht schon wieder. Nicht schon wieder die Geschichte mit der Katze. Vielmehr dem Kater, der „Pavarotti“ hieß und der Nachbarin von Herrn Schmitt in Deutschland gehörte. Und wenn in dem Albergho nicht ein Pavarotti-Double von Kater herumgestreunt wäre...
„Wissen Sie, in der Albergho ist Maria so ein bisschen Mädchen für alles. Sie macht uns das Frühstück, kocht dort, kümmert sich um die Blumen und hat immer ein freundliches Wort für uns. Bei all den Touristen, die sie jeden Tag sieht und die sicherlich nicht immer pflegeleicht sind, hat sie trotzdem immer gute Laune. Jeden Morgen steht sie im Frühstücksraum, macht uns wunderbaren Cappuccino und summt dabei Nessun dorma. Und wenn Maria nicht dieses Nessun dorma gesungen hätte …“
Wieso jetzt Nessun dorma, dachte Zampone, nicht der Kater?
„Nessun dorma?“
„Ja, Sie kennen dieses Lied doch sicherlich.“
„Si, Signorina, ich kenne das Lied.“
„Herr Schmitt hat dann manchmal mit eingestimmt, wenn auch völlig falsch. Aber Maria hat gelacht und ihn mit ›bene, bene‹ gelobt. Ja, und dann lief dieser Kater durch das Albergho, aber das werden Ihnen die anderen ja sicherlich schon alles erzählt haben.“
„Si, Signorina.“
Er holte tief Luft. Also doch der Kater. Warum musste er sich immer und immer wieder diese dämliche Geschichte anhören.
„’Pavarotti’, hat dann Herr Schmitt gerufen und der Kater ist tatsächlich gekommen, obwohl er doch eigentlich sicher ganz anders heißt. ‚Pavarotti?’, hat Maria gefragt und Herr Schmitt hat von dem Kater seiner Nachbarin erzählt. Maria fand das sehr amüsant und hat dann angefangen von Pavarotti zu erzählen, also dem echten, Sie wissen schon, diesem großen Sänger. Schließlich stammt er ja aus dieser Gegend, aus Modena.“
„Si, Signorina.“
Oh, sie sprach Modena ja sogar richtig aus. Die meisten Deutschen zogen das „e“ wie einen Kaugummi auseinander, dabei war es doch so einfach.
„Maria schwärmte von seiner wunderbaren und einmaligen Stimme und erzählte, dass Pavarotti auch ein großartiger Hobbykoch sei. Und sie hätte das Originalrezept seiner Piccatina.“
„Das Originalrezept von Pavarotti?“
„Ja. Sie hat es natürlich nicht von Pavarotti direkt, aber sie hat eine Schwägerin, deren Tante es ihm wohl“, sie räusperte sich, „abgeschwatzt hat. Aber es ist das Originalrezept. Und da hat sie Herr Schmitt überredet … Sie müssen wissen, Herr Schmitt ist ein ganz feiner Mann mit sehr viel Charme“, erklärte sie, „er hat eine Blume aus der Vase vom Tisch genommen und Maria gebeten, es für uns zu kochen. Maria hat strahlende Augen bekommen und gesagt, dass es ihr eine Freude wäre. Sie wurde allerdings gleichzeitig ein wenig verlegen und erklärte, sie hätte leider keinen original Aceto, denn der wäre doch so teuer. Aber da hat sie Herr Schmitt unterbrochen, sie in den Arm genommen und gesagt, das wäre überhaupt kein Problem, er hätte welchen auf seinem Zimmer...
„Aceto Traditionale di Modena?“, Alessandro di Zampone hob die Augenbrauen.
„Ja, den Original-Essig und nicht das, was wir von zu Hause aus dem Supermarkt kennen. Herr Schmitt war ganz stolz und freute sich sehr, dieses kleine Vermögen uns allen zu spendieren. Wissen Sie, so viel vom Leben haben wir auch nicht mehr und...
„Und diese Maria hat wirklich das Originalrezept von Pavarottis Piccatina?“
„Ja, Herr Commissario. Maria lügt nicht, das hätte ich gemerkt.“
„Und sie wollte wirklich das Rezept mit Aceto Traditionale machen?“
„Aber sicher, Herr Schmitt hatte ihr die Flasche gegeben.“
Ihm lief das Wasser im Mund zusammen. Unglaublich, Pavarottis Piccatina und er hatte noch nicht einmal mehr ein paar Kekse in seiner Schublade. Er wollte endlich nach Hause, auch wenn es da keine Piccatina gab. Er holte tief Luft. „Signorina, wie ging es dann weiter?“
„Ja, wie ging es weiter? Lassen Sie mich kurz nachdenken. Es war ja so eine Aufregung, weil Herr Schmitt den Aceto holen ging und Willi, also der Busfahrer, ich meine der Tote...
„Si?“
„Willi hat sich so fürchterlich aufgeregt, er wollte doch mit uns den Ausflug wieder zu so einer Fattoria machen. Dort sollte eine Weinprobe stattfinden, so wie das Willi jedes Jahr für uns arrangiert. Und da sollte es auch Aceto geben, aber jetzt hatte Herr Schmitt doch schon welchen gekauft. Ja, und dann sollte diese Fahrt nun ausfallen, wegen der Piccatina. Herr Schmitt hat versucht ihn zu beruhigen und ihm einen Grappa gebracht. Er hat ihn dann auch zu dem Essen eingeladen und ihm versprochen, dass wir den Ausflug einfach später machen würden. Und das, obwohl ich von Herrn Schmitt weiß, dass er auf der Weinprobe keinen Wein mehr kaufen wollte. Er hat nämlich zu mir gesagt, zu Hause würde der Wein nie so gut schmecken wie hier in Italien. Na ja, auf jeden Fall hatte sich Willi in der Zwischenzeit ein klein wenig beruhigt.“
Langsam wurde Alessandro di Zampone ungeduldig. Weinprobe, Grappa, Piccatina, Pavarotti – hin oder her. Der Busfahrer war tot und das bestimmt nicht, weil er sich ein bisschen aufgeregt hatte.
„Signorina, was ist dann passiert?“, er trommelte mit den Fingern auf den Tisch.
„Das weiß ich nicht mehr so ganz genau. Ich weiß nur noch, dass Maria den Tisch gedeckt hat. Ja, und Parmesan, ganz frisch geriebenen, den hat sie auch auf den Tisch gestellt. Willi hatte... also, er war eigentlich ganz zufrieden!“
„Signorina Münsterländer, der Busfahrer war nicht zufrieden, sondern lag irgendwann tot am Tisch!“, Alessandro di Zampone schaute die kleine alte Dame forschend an. Jetzt war Schluss, er hatte keine Lust, noch stundenlang immer dieselbe Geschichte zu hören.
„Vielleicht hatte er ja nur einen Herzinfarkt. Herr Commissario, das kann passieren in dem Alter. Und außerdem hat Willi immer so viel getrunken, obwohl er doch noch den Bus fahren musste. Es war alles ganz schrecklich, aber ich kann doch nichts dafür, Herr Commissario!“
Da war es also schon wieder. Jetzt also zum fünfunddreißigsten Male – „aber ich kann doch nichts dafür, Herr Commissario!“. Der Busfahrer war aufgedunsen, völlig grün im Gesicht und die Augen waren schreckgeweitet gewesen, aber keiner konnte etwas dafür. Und jetzt fing sein Magen auch noch an zu knurren.
„Signorina, Sie saßen doch alle mit am Tisch und wollen nichts gemerkt haben. Impossibile – unmöglich, das kann ich mir nicht vorstellen.“
„Sie müssen mir glauben, Herr Commissario. Willi war ganz normal. Obwohl… nein, er hatte eigentlich richtig gute Laune und hat sogar ab und zu gelächelt. Das hat er eigentlich immer nur nach den Weinproben gemacht. Aber als wir da saßen, sah er richtig zufrieden aus. Er hat sich wahrscheinlich auch auf die Piccatina gefreut.“
„Piccatina, Piccatina, Piccatina“, di Zampone spuckte die Worte förmlich aus, „Signorina Münsterländer, so kommen wir nicht weiter. Ihrem Busfahrer ging es morgens wunderbar, er regt sich ein bisschen auf und dann …“, drohend stellte er sich vor sie, „Signorina, hier ist ein unschuldiger Busfahrer gewaltsam zu Tode gekommen und niemand kann sich an irgendetwas erinnern. Es muss aber irgendetwas passiert sein und … Maledetto! Wissen Sie was, ich glaube, dass eine Nacht hier in der Questura bei Ihnen allen wieder ein bisschen die Erinnerung auffrischen würde, was halten Sie davon?“
„Aber Herr Commissario, Sie wollen uns alte Leute doch nicht etwa … und außerdem, so unschuldig war Willi nun wiederum auch nicht!“
„Come prego?“
„Mir haben zu Hause und, wie ich Ihnen schon gesagt habe, Herrn Schmitt übrigens auch, all diese gekauften Weine nie so gut geschmeckt wie in Italien und letztes Jahr mein Grappa, den ich auch auf so einer Fattoria gekauft habe … so ein schöner bernsteinfarbener..., also, der war ganz merkwürdig. Und dann habe ich, ganz zufällig, Herr Commissario, dass müssen Sie mir glauben, also, da habe ich gehört, wie er zu jemanden am Telefon gesagt hat, wie wunderbar es doch wäre, dass so alte Omis, stellen Sie sich vor, er hat wirklich ‚alte Omis’ gesagt, also, dass alte Omis auf den Urlaubsfahrten ihre Rente nicht mehr in Rheumamatratzen und Heizdecken investieren würden, sondern in deutschen Schnaps mit …“, sie stockte.
„Ascoltano, Signorina …“
„Stellen Sie sich vor, er hat einfach billigen deutschen Schnaps mit einem schönen italienischen Etikett beklebt, und …“, sie räusperte sich, „ich möchte nicht wissen, wie er es geschafft hat, dass der Schnaps so gelblich wurde.“
Der Commissario verschränkte seine Arme. Soso, gelblicher deutscher Schnaps. Sicher, hier wurde an jeder Ecke falscher Parmaschinken, falscher Parmesan und natürlich auch falscher Aceto Traditionale verkauft. Aceto, der eigentlich teurer war als so manches Parfüm. Aber gelblicher Schnaps? Il pasticcio! Was für eine verrückte Geschichte. Wahrscheinlich kam jetzt wieder, wie schon vierunddreißigmal vorher, dass die Mafia einen unliebsamen Konkurrenten ausgeschaltet hätte. Aber hier in seiner Romagna gab es keine Mafia. Dass die Deutschen immer so eine Phantasie hatten. Hier gab es die ein oder andere kleine Gaunerei, aber keine Mafia.
„Also, ich glaube, dass die Mafia irgendetwas damit zu tun hat.“
Di Zampone beugte sich langsam auf seinem Stuhl nach vorne und sah sie durchdringend an. „Adesso finito – jetzt ist Schluss – Signorina, hören Sie mir jetzt genau zu, die Mafia schaltet hier keinen deutschen Busfahrer aus, weil er ein bisschen gepanschten Wein oder deutschen Schnaps mit anderem Etikett an Sie verkauft hat“, er machte eine kurze Pause, „SIE, liebe Signorina, SIE allein fühlten sich betrogen. SIE wollten ihn bestrafen und niemand anders...“
Er sah, wie sich das Gesicht der kleinen alten Dame dunkelrot färbte und sie die Augen schloss.
„Aber es war doch nur eine kleine Tablette, Herr Commissario…“
Di Zampone hielt die Luft an. Madonna mia, dass konnte doch nicht wahr sein, sie hatte tatsächlich den Busfahrer … „Eine kleine Tablette? Signorina, der Busfahrer ist tot!“
„Es ist doch alles nur passiert, weil Maria den frisch geriebenen Parmesankäse für die Pasta auf den Tisch gestellt hat und wenn sie nicht Nessun dorma gesungen hätte...“
„Wenn, wenn, wenn … Signorina, bleiben Sie bei der Sache.“
„Entschuldigen Sie, Herr Commissario, ich versuche es Ihnen ja zu erklären. Wenn Willi... also Willi hat das Essen immer so hinuntergeschlungen und... er hat wirklich gar nichts gemerkt... aber, Herr Commissario, es kann doch nicht sein, dass so eine kleine Tablette“, sie schaute ihn mit großen Augen an, „das kann doch nicht sein, oder?“
Alessandro di Zampone schwieg.
„Nun, Herr Commissario, Sie kennen das noch nicht, aber in einem gewissen Alter fällt manchmal das Einschlafen schwer. Vor allem in einer fremden Umgebung und für diesen Fall nun... Der Arzt hat gemeint, es wäre ein vollkommen biologisches Mittel.“
„Signorina, ich verstehe nicht ganz.“
„Herr Commissario, manchmal, aber wirklich nicht sehr oft, trinke ich ein Gläschen Rotwein und dann … Nun, dann nehme ich eine kleine Schlaftablette. Und bei Willi, da dachte ich...“
„Si?“
„Willi war doch immer noch so außer sich, weil der Ausflug mit der Weinprobe nun jetzt nicht...und außerdem wollte er …, da dachte ich, dass Willi ein kleiner Mittagsschlaf gut tun würde.“
„Also, eine Ihrer kleinen Tabletten?“
„Natürlich, Herr Commissario, aber ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich habe einfach nur die Tablette mit dem Löffel zerdrückt und über den Parmesan, der vor Willi stand, gestreut.“
Er schloss die Augen und rief sich den Speisesaal noch einmal ins Gedächtnis. Der tote Busfahrer mit dem Gesicht in der Pasta und überall die Tomatensauce.
„Von einer kleinen Schlaftablette stirbt aber niemand
„, di Zampone atmete schwer ein, „es reicht jetzt, Signorina, raus mit der Wahrheit!“
Das Telefon auf seinem Schreibtisch klingelte.
Di Zampone fluchte. „Pronto?“
Der Gerichtsmediziner. Endlich bekam er den Bericht über den toten Busfahrer. Jesubambi! Er konnte kaum glauben, was er da hörte. Ein harter Schlag, vor allem auf seinen leeren Magen. Langsam legte er den Hörer wieder auf.
„Signorina, Ihre kleine Tablette, die...“
„Sie müssen mir glauben, Herr Commissario. Ich habe ihm nur eine Tablette untergemischt. Wirklich nur eine.“
Nessun dorma.
Niemand schläft. Außer Willi.
Di Zampone kratzte sich am Kopf. „Signorina, bitte...!“, flehte er und lief in seinem Büro auf und ab.
„Wirklich nur eine. Ich meine... jeder...“
„Was haben Sie gerade gesagt?“, er drehte sich um und starrte sie an.
„Nichts! Ich sage jetzt gar nichts mehr!“
Di Zampone ließ sich auf einen Stuhl fallen – nickte, er brauchte nicht noch einmal nachzufragen, er hatte verstanden und lachte plötzlich leise auf. Alle waren von Willi betrogen worden, alle wollten sich ein klein wenig an ihm rächen, alle nur ein klein wenig.
Er hatte noch den Gerichtsmediziner im Ohr, der nicht nur eine kleine Schlaftablette gefunden hatte, sondern auch Rheumapillen, Schilddrüsenpräparate, Abführmittel und Herztabletten. Eine halbe Urlaubsapotheke, die der Busfahrer hinuntergeschlungen hatte. Incredibile, unglaublich. Jetzt fällt es mir wieder ein, dachte Signora Münsterländer, Zampone heißt auf Deutsch „gefüllter Schweinsfuß“. Schlimm, mit so einem Namen herumlaufen zu müssen.
Die Region Emilia Romagna wird zu Recht als die Küche Italiens bezeichnet, stammen nicht zuletzt der herrliche Parmaschinken und der Parmesan aus dieser Gegend. Etwas ganz Besonderes ist natürlich der Aceto Balsamico Tradizionale di Modena, mit dem sich viele Gerichte verfeinern lassen. Aber allein schon ein paar Tropfen von diesem edlen Essig auf einem kleinen Stück original Parmesan, dazu einen Wein aus der Romagna sind ein Genuss für Auge, Nase und Gaumen.
Der großartige Opernsänger Luciano Pavarotti wurde in Modena geboren und war begeisterter Hobbykoch. Er liebte die Küche seiner Romagna und hatte natürlich für diesen wunderbaren Aceto auch einige Rezepte, eines davon ist die Piccatina.

...so soll eine „Piccatina" aussehen
Piccatina Balsamica
alla Pavarotti
ZUTATEN
800 g Kalbsnuss in Scheiben – Mehl – Salz, Pfeffer – 100 g Butter – 60 g roher Schinken aus Modena, geschnitten „à la julienne“ – 1 guter EL Aceto Balsamico Tradizionale di Modena – 25 g gehackte Petersilie
ZUBEREITUNG
Die Kalbfleischscheiben mit dem Fleischklopfer flachklopfen und wenig salzen, pfeffern und in Mehl wenden.
80 g Butter in einer Pfanne erhitzen, die Fleischscheiben von beiden Seiten bei starker Hitze bräunen, herausnehmen, Fett abtropfen lassen und die Stücke warm halten. Die restliche Butter zum Bratenfond geben und die Schinkenstreifen hinzufügen. Das Ganze noch etwas bräunen lassen und dann mit dem Balsamico abschrecken. Die Sauce noch ein wenig in der Pfanne lassen, damit sich der Essig gut verteilen kann, dann über die warm gestellten Fleischstücke geben. Mit Petersilie bestreuen, dazu ausgebackenes Gemüse und Kartoffeln reichen.

„Käsereibe"
Foto: Karin Schumann
www.pixelio.de
Parmesanchips
ZUTATEN
Parmesan
ZUBEREITUNG
Parmesan reiben, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech flache, runde Häufchen setzen (geht am besten mit Hilfe einer runden Keksausstechform), leicht plattdrücken und bei 220 °C goldbraun backen. Etwas auskühlen lassen und vom Papier nehmen. Schmecken frisch zu Salat oder einem Glas Rotwein.

Angela A. Eßer wurde in Krefeld geboren, ist Herausgeberin diverse Krimi-Anthologien, Dozentin für Krimi-Kochkurse, Mitorganisatorin des Krimifestival München und ist im Presseteams des Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur.
www.tatort-deutscheweinstrasse.de
Online-Flyer Nr. 118 vom 24.10.2007
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Literatur
Pizza, Pasta und Pistolen – Mörderische Geschichten mit Rezept:
Nessun dorma
Von Angela Eßer
„Nessun dorma“
Siebenundfünfzig Rentner draußen auf dem Gang und ein toter Busfahrer in der Gerichtsmedizin. Alle mindestens über siebzig, außer dem Busfahrer, der lag knapp drunter. Siebenundfünfzig deutsche Touristen. Eine komplette Reisegruppe vor seinem Büro. Und bis jetzt vierunddreißigmal dieselbe Geschichte. Commissario Alessandro di Zampone stöhnte. Er konnte sich ausrechnen, wie oft er noch „Aber ich kann doch nichts dafür, Herr Commissario!" hören würde, angereichert mit Krankheitsgeschichten, Schwächeanfällen, Trinkpausen, Familienanekdoten und natürlich Mafia-Gerüchten. Einmal auf Deutsch und dann in der italienischen Übersetzung.
Es half alles nichts. Schließlich hatten sie hier einen Toten. Einen toten deutschen Busfahrer, der vor noch gar nicht so langer Zeit quicklebendig auf der Via Emilia gefahren war und heute Mittag tot am Tisch lag. Mit dem Kopf im Pastateller, das Gesicht voller Tomatensauce. Also dann, er atmete tief ein, Nummer fünfunddreißig.
„Liebe Signora... äh... Munster...“
„Münsterländer. Signorina Münsterländer.“
„Signorina Münsterländer. Scusi – entschuldigen Sie, dass Sie haben so lange warten müssen.“ „Das ist schon in Ordnung, Herr Commissario. Wie heißt es immer: Sie tun auch nur Ihre Pflicht.“
„Si, Signorina.“
Die kleine betagte Dame war ihm sympathisch. Sie wirkte zwar ein bisschen antiquiert, aber sie hatte ruhige, klare Augen. Sie würde hoffentlich nicht ausschweifend werden oder gar einen Ohnmachtsanfall bekommen.
„Also, Sie waren mit dieser Reisegruppe schon ein paarmal in Italien. Lombardei, Venedig, Toscana, Latio und dieses Jahr wollten Sie unsere schöne Emilia Romagna entdecken.“ „Ja, von Bologna bis nach Rimini, aber nicht auf der Schnellstraße, sondern einmal wirklich die alte Via Emilia entlang, der Küche Italiens.“
Der Mann war ihr sympathisch. Er wirkte zwar ein bisschen überarbeitet und ungeduldig, aber er würde sie verstehen. Und das, obwohl er Willi nicht gekannt hatte. Er hatte Willi ja erst gesehen, als er tot war. Aber sie wusste, Commissario di Zampone würde nachfühlen können, wie es ihr ging.
Zampone, Zampone... ein schöner Name, das war doch das italienische Wort für...
„Liebe Signorina, Sie sind also mit der Reisegruppe im Albergho Cagliostro untergebracht. Erzählen Sie mir doch einfach, was passiert ist.“
„Herr Commissario, so einfach ist das nicht.“
„Comme, Signorina?“
Nein, nicht schon wieder. Nicht schon wieder die Geschichte mit der Katze. Vielmehr dem Kater, der „Pavarotti“ hieß und der Nachbarin von Herrn Schmitt in Deutschland gehörte. Und wenn in dem Albergho nicht ein Pavarotti-Double von Kater herumgestreunt wäre...
„Wissen Sie, in der Albergho ist Maria so ein bisschen Mädchen für alles. Sie macht uns das Frühstück, kocht dort, kümmert sich um die Blumen und hat immer ein freundliches Wort für uns. Bei all den Touristen, die sie jeden Tag sieht und die sicherlich nicht immer pflegeleicht sind, hat sie trotzdem immer gute Laune. Jeden Morgen steht sie im Frühstücksraum, macht uns wunderbaren Cappuccino und summt dabei Nessun dorma. Und wenn Maria nicht dieses Nessun dorma gesungen hätte …“
Wieso jetzt Nessun dorma, dachte Zampone, nicht der Kater?
„Nessun dorma?“
„Ja, Sie kennen dieses Lied doch sicherlich.“
„Si, Signorina, ich kenne das Lied.“
„Herr Schmitt hat dann manchmal mit eingestimmt, wenn auch völlig falsch. Aber Maria hat gelacht und ihn mit ›bene, bene‹ gelobt. Ja, und dann lief dieser Kater durch das Albergho, aber das werden Ihnen die anderen ja sicherlich schon alles erzählt haben.“
„Si, Signorina.“
Er holte tief Luft. Also doch der Kater. Warum musste er sich immer und immer wieder diese dämliche Geschichte anhören.
„’Pavarotti’, hat dann Herr Schmitt gerufen und der Kater ist tatsächlich gekommen, obwohl er doch eigentlich sicher ganz anders heißt. ‚Pavarotti?’, hat Maria gefragt und Herr Schmitt hat von dem Kater seiner Nachbarin erzählt. Maria fand das sehr amüsant und hat dann angefangen von Pavarotti zu erzählen, also dem echten, Sie wissen schon, diesem großen Sänger. Schließlich stammt er ja aus dieser Gegend, aus Modena.“
„Si, Signorina.“
Oh, sie sprach Modena ja sogar richtig aus. Die meisten Deutschen zogen das „e“ wie einen Kaugummi auseinander, dabei war es doch so einfach.
„Maria schwärmte von seiner wunderbaren und einmaligen Stimme und erzählte, dass Pavarotti auch ein großartiger Hobbykoch sei. Und sie hätte das Originalrezept seiner Piccatina.“
„Das Originalrezept von Pavarotti?“
„Ja. Sie hat es natürlich nicht von Pavarotti direkt, aber sie hat eine Schwägerin, deren Tante es ihm wohl“, sie räusperte sich, „abgeschwatzt hat. Aber es ist das Originalrezept. Und da hat sie Herr Schmitt überredet … Sie müssen wissen, Herr Schmitt ist ein ganz feiner Mann mit sehr viel Charme“, erklärte sie, „er hat eine Blume aus der Vase vom Tisch genommen und Maria gebeten, es für uns zu kochen. Maria hat strahlende Augen bekommen und gesagt, dass es ihr eine Freude wäre. Sie wurde allerdings gleichzeitig ein wenig verlegen und erklärte, sie hätte leider keinen original Aceto, denn der wäre doch so teuer. Aber da hat sie Herr Schmitt unterbrochen, sie in den Arm genommen und gesagt, das wäre überhaupt kein Problem, er hätte welchen auf seinem Zimmer...
„Aceto Traditionale di Modena?“, Alessandro di Zampone hob die Augenbrauen.
„Ja, den Original-Essig und nicht das, was wir von zu Hause aus dem Supermarkt kennen. Herr Schmitt war ganz stolz und freute sich sehr, dieses kleine Vermögen uns allen zu spendieren. Wissen Sie, so viel vom Leben haben wir auch nicht mehr und...
„Und diese Maria hat wirklich das Originalrezept von Pavarottis Piccatina?“
„Ja, Herr Commissario. Maria lügt nicht, das hätte ich gemerkt.“
„Und sie wollte wirklich das Rezept mit Aceto Traditionale machen?“
„Aber sicher, Herr Schmitt hatte ihr die Flasche gegeben.“
Ihm lief das Wasser im Mund zusammen. Unglaublich, Pavarottis Piccatina und er hatte noch nicht einmal mehr ein paar Kekse in seiner Schublade. Er wollte endlich nach Hause, auch wenn es da keine Piccatina gab. Er holte tief Luft. „Signorina, wie ging es dann weiter?“
„Ja, wie ging es weiter? Lassen Sie mich kurz nachdenken. Es war ja so eine Aufregung, weil Herr Schmitt den Aceto holen ging und Willi, also der Busfahrer, ich meine der Tote...
„Si?“
„Willi hat sich so fürchterlich aufgeregt, er wollte doch mit uns den Ausflug wieder zu so einer Fattoria machen. Dort sollte eine Weinprobe stattfinden, so wie das Willi jedes Jahr für uns arrangiert. Und da sollte es auch Aceto geben, aber jetzt hatte Herr Schmitt doch schon welchen gekauft. Ja, und dann sollte diese Fahrt nun ausfallen, wegen der Piccatina. Herr Schmitt hat versucht ihn zu beruhigen und ihm einen Grappa gebracht. Er hat ihn dann auch zu dem Essen eingeladen und ihm versprochen, dass wir den Ausflug einfach später machen würden. Und das, obwohl ich von Herrn Schmitt weiß, dass er auf der Weinprobe keinen Wein mehr kaufen wollte. Er hat nämlich zu mir gesagt, zu Hause würde der Wein nie so gut schmecken wie hier in Italien. Na ja, auf jeden Fall hatte sich Willi in der Zwischenzeit ein klein wenig beruhigt.“
Langsam wurde Alessandro di Zampone ungeduldig. Weinprobe, Grappa, Piccatina, Pavarotti – hin oder her. Der Busfahrer war tot und das bestimmt nicht, weil er sich ein bisschen aufgeregt hatte.
„Signorina, was ist dann passiert?“, er trommelte mit den Fingern auf den Tisch.
„Das weiß ich nicht mehr so ganz genau. Ich weiß nur noch, dass Maria den Tisch gedeckt hat. Ja, und Parmesan, ganz frisch geriebenen, den hat sie auch auf den Tisch gestellt. Willi hatte... also, er war eigentlich ganz zufrieden!“
„Signorina Münsterländer, der Busfahrer war nicht zufrieden, sondern lag irgendwann tot am Tisch!“, Alessandro di Zampone schaute die kleine alte Dame forschend an. Jetzt war Schluss, er hatte keine Lust, noch stundenlang immer dieselbe Geschichte zu hören.
„Vielleicht hatte er ja nur einen Herzinfarkt. Herr Commissario, das kann passieren in dem Alter. Und außerdem hat Willi immer so viel getrunken, obwohl er doch noch den Bus fahren musste. Es war alles ganz schrecklich, aber ich kann doch nichts dafür, Herr Commissario!“
Da war es also schon wieder. Jetzt also zum fünfunddreißigsten Male – „aber ich kann doch nichts dafür, Herr Commissario!“. Der Busfahrer war aufgedunsen, völlig grün im Gesicht und die Augen waren schreckgeweitet gewesen, aber keiner konnte etwas dafür. Und jetzt fing sein Magen auch noch an zu knurren.
„Signorina, Sie saßen doch alle mit am Tisch und wollen nichts gemerkt haben. Impossibile – unmöglich, das kann ich mir nicht vorstellen.“
„Sie müssen mir glauben, Herr Commissario. Willi war ganz normal. Obwohl… nein, er hatte eigentlich richtig gute Laune und hat sogar ab und zu gelächelt. Das hat er eigentlich immer nur nach den Weinproben gemacht. Aber als wir da saßen, sah er richtig zufrieden aus. Er hat sich wahrscheinlich auch auf die Piccatina gefreut.“
„Piccatina, Piccatina, Piccatina“, di Zampone spuckte die Worte förmlich aus, „Signorina Münsterländer, so kommen wir nicht weiter. Ihrem Busfahrer ging es morgens wunderbar, er regt sich ein bisschen auf und dann …“, drohend stellte er sich vor sie, „Signorina, hier ist ein unschuldiger Busfahrer gewaltsam zu Tode gekommen und niemand kann sich an irgendetwas erinnern. Es muss aber irgendetwas passiert sein und … Maledetto! Wissen Sie was, ich glaube, dass eine Nacht hier in der Questura bei Ihnen allen wieder ein bisschen die Erinnerung auffrischen würde, was halten Sie davon?“
„Aber Herr Commissario, Sie wollen uns alte Leute doch nicht etwa … und außerdem, so unschuldig war Willi nun wiederum auch nicht!“
„Come prego?“
„Mir haben zu Hause und, wie ich Ihnen schon gesagt habe, Herrn Schmitt übrigens auch, all diese gekauften Weine nie so gut geschmeckt wie in Italien und letztes Jahr mein Grappa, den ich auch auf so einer Fattoria gekauft habe … so ein schöner bernsteinfarbener..., also, der war ganz merkwürdig. Und dann habe ich, ganz zufällig, Herr Commissario, dass müssen Sie mir glauben, also, da habe ich gehört, wie er zu jemanden am Telefon gesagt hat, wie wunderbar es doch wäre, dass so alte Omis, stellen Sie sich vor, er hat wirklich ‚alte Omis’ gesagt, also, dass alte Omis auf den Urlaubsfahrten ihre Rente nicht mehr in Rheumamatratzen und Heizdecken investieren würden, sondern in deutschen Schnaps mit …“, sie stockte.
„Ascoltano, Signorina …“
„Stellen Sie sich vor, er hat einfach billigen deutschen Schnaps mit einem schönen italienischen Etikett beklebt, und …“, sie räusperte sich, „ich möchte nicht wissen, wie er es geschafft hat, dass der Schnaps so gelblich wurde.“
Der Commissario verschränkte seine Arme. Soso, gelblicher deutscher Schnaps. Sicher, hier wurde an jeder Ecke falscher Parmaschinken, falscher Parmesan und natürlich auch falscher Aceto Traditionale verkauft. Aceto, der eigentlich teurer war als so manches Parfüm. Aber gelblicher Schnaps? Il pasticcio! Was für eine verrückte Geschichte. Wahrscheinlich kam jetzt wieder, wie schon vierunddreißigmal vorher, dass die Mafia einen unliebsamen Konkurrenten ausgeschaltet hätte. Aber hier in seiner Romagna gab es keine Mafia. Dass die Deutschen immer so eine Phantasie hatten. Hier gab es die ein oder andere kleine Gaunerei, aber keine Mafia.
„Also, ich glaube, dass die Mafia irgendetwas damit zu tun hat.“
Di Zampone beugte sich langsam auf seinem Stuhl nach vorne und sah sie durchdringend an. „Adesso finito – jetzt ist Schluss – Signorina, hören Sie mir jetzt genau zu, die Mafia schaltet hier keinen deutschen Busfahrer aus, weil er ein bisschen gepanschten Wein oder deutschen Schnaps mit anderem Etikett an Sie verkauft hat“, er machte eine kurze Pause, „SIE, liebe Signorina, SIE allein fühlten sich betrogen. SIE wollten ihn bestrafen und niemand anders...“
Er sah, wie sich das Gesicht der kleinen alten Dame dunkelrot färbte und sie die Augen schloss.
„Aber es war doch nur eine kleine Tablette, Herr Commissario…“
Di Zampone hielt die Luft an. Madonna mia, dass konnte doch nicht wahr sein, sie hatte tatsächlich den Busfahrer … „Eine kleine Tablette? Signorina, der Busfahrer ist tot!“
„Es ist doch alles nur passiert, weil Maria den frisch geriebenen Parmesankäse für die Pasta auf den Tisch gestellt hat und wenn sie nicht Nessun dorma gesungen hätte...“
„Wenn, wenn, wenn … Signorina, bleiben Sie bei der Sache.“
„Entschuldigen Sie, Herr Commissario, ich versuche es Ihnen ja zu erklären. Wenn Willi... also Willi hat das Essen immer so hinuntergeschlungen und... er hat wirklich gar nichts gemerkt... aber, Herr Commissario, es kann doch nicht sein, dass so eine kleine Tablette“, sie schaute ihn mit großen Augen an, „das kann doch nicht sein, oder?“
Alessandro di Zampone schwieg.
„Nun, Herr Commissario, Sie kennen das noch nicht, aber in einem gewissen Alter fällt manchmal das Einschlafen schwer. Vor allem in einer fremden Umgebung und für diesen Fall nun... Der Arzt hat gemeint, es wäre ein vollkommen biologisches Mittel.“
„Signorina, ich verstehe nicht ganz.“
„Herr Commissario, manchmal, aber wirklich nicht sehr oft, trinke ich ein Gläschen Rotwein und dann … Nun, dann nehme ich eine kleine Schlaftablette. Und bei Willi, da dachte ich...“
„Si?“
„Willi war doch immer noch so außer sich, weil der Ausflug mit der Weinprobe nun jetzt nicht...und außerdem wollte er …, da dachte ich, dass Willi ein kleiner Mittagsschlaf gut tun würde.“
„Also, eine Ihrer kleinen Tabletten?“
„Natürlich, Herr Commissario, aber ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich habe einfach nur die Tablette mit dem Löffel zerdrückt und über den Parmesan, der vor Willi stand, gestreut.“
Er schloss die Augen und rief sich den Speisesaal noch einmal ins Gedächtnis. Der tote Busfahrer mit dem Gesicht in der Pasta und überall die Tomatensauce.
„Von einer kleinen Schlaftablette stirbt aber niemand
„, di Zampone atmete schwer ein, „es reicht jetzt, Signorina, raus mit der Wahrheit!“
Das Telefon auf seinem Schreibtisch klingelte.
Di Zampone fluchte. „Pronto?“
Der Gerichtsmediziner. Endlich bekam er den Bericht über den toten Busfahrer. Jesubambi! Er konnte kaum glauben, was er da hörte. Ein harter Schlag, vor allem auf seinen leeren Magen. Langsam legte er den Hörer wieder auf.
„Signorina, Ihre kleine Tablette, die...“
„Sie müssen mir glauben, Herr Commissario. Ich habe ihm nur eine Tablette untergemischt. Wirklich nur eine.“
Nessun dorma.
Niemand schläft. Außer Willi.
Di Zampone kratzte sich am Kopf. „Signorina, bitte...!“, flehte er und lief in seinem Büro auf und ab.
„Wirklich nur eine. Ich meine... jeder...“
„Was haben Sie gerade gesagt?“, er drehte sich um und starrte sie an.
„Nichts! Ich sage jetzt gar nichts mehr!“
Di Zampone ließ sich auf einen Stuhl fallen – nickte, er brauchte nicht noch einmal nachzufragen, er hatte verstanden und lachte plötzlich leise auf. Alle waren von Willi betrogen worden, alle wollten sich ein klein wenig an ihm rächen, alle nur ein klein wenig.
Er hatte noch den Gerichtsmediziner im Ohr, der nicht nur eine kleine Schlaftablette gefunden hatte, sondern auch Rheumapillen, Schilddrüsenpräparate, Abführmittel und Herztabletten. Eine halbe Urlaubsapotheke, die der Busfahrer hinuntergeschlungen hatte. Incredibile, unglaublich. Jetzt fällt es mir wieder ein, dachte Signora Münsterländer, Zampone heißt auf Deutsch „gefüllter Schweinsfuß“. Schlimm, mit so einem Namen herumlaufen zu müssen.
Die Region Emilia Romagna wird zu Recht als die Küche Italiens bezeichnet, stammen nicht zuletzt der herrliche Parmaschinken und der Parmesan aus dieser Gegend. Etwas ganz Besonderes ist natürlich der Aceto Balsamico Tradizionale di Modena, mit dem sich viele Gerichte verfeinern lassen. Aber allein schon ein paar Tropfen von diesem edlen Essig auf einem kleinen Stück original Parmesan, dazu einen Wein aus der Romagna sind ein Genuss für Auge, Nase und Gaumen.
Der großartige Opernsänger Luciano Pavarotti wurde in Modena geboren und war begeisterter Hobbykoch. Er liebte die Küche seiner Romagna und hatte natürlich für diesen wunderbaren Aceto auch einige Rezepte, eines davon ist die Piccatina.

...so soll eine „Piccatina" aussehen
Piccatina Balsamica
alla Pavarotti
ZUTATEN
800 g Kalbsnuss in Scheiben – Mehl – Salz, Pfeffer – 100 g Butter – 60 g roher Schinken aus Modena, geschnitten „à la julienne“ – 1 guter EL Aceto Balsamico Tradizionale di Modena – 25 g gehackte Petersilie
ZUBEREITUNG
Die Kalbfleischscheiben mit dem Fleischklopfer flachklopfen und wenig salzen, pfeffern und in Mehl wenden.
80 g Butter in einer Pfanne erhitzen, die Fleischscheiben von beiden Seiten bei starker Hitze bräunen, herausnehmen, Fett abtropfen lassen und die Stücke warm halten. Die restliche Butter zum Bratenfond geben und die Schinkenstreifen hinzufügen. Das Ganze noch etwas bräunen lassen und dann mit dem Balsamico abschrecken. Die Sauce noch ein wenig in der Pfanne lassen, damit sich der Essig gut verteilen kann, dann über die warm gestellten Fleischstücke geben. Mit Petersilie bestreuen, dazu ausgebackenes Gemüse und Kartoffeln reichen.

„Käsereibe"
Foto: Karin Schumann
www.pixelio.de
Parmesanchips
ZUTATEN
Parmesan
ZUBEREITUNG
Parmesan reiben, auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech flache, runde Häufchen setzen (geht am besten mit Hilfe einer runden Keksausstechform), leicht plattdrücken und bei 220 °C goldbraun backen. Etwas auskühlen lassen und vom Papier nehmen. Schmecken frisch zu Salat oder einem Glas Rotwein.

Angela A. Eßer wurde in Krefeld geboren, ist Herausgeberin diverse Krimi-Anthologien, Dozentin für Krimi-Kochkurse, Mitorganisatorin des Krimifestival München und ist im Presseteams des Syndikat, der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur.
www.tatort-deutscheweinstrasse.de
Online-Flyer Nr. 118 vom 24.10.2007
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