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Kultur und Wissen
Mark Met in der Galerie im Turm in Köln
Interessante Alternative
Von Carola Willbrand
Bei der Performance in der Kölner Südstadt wurden Mark Mets Männerbilder lebendig: Typisierungen des Mannes, erinnernd an die 50er Jahre, Mets Kindheit. Zu dieser Zeit war das „Mannsbild“ noch ganz klar schwarz oder weiß. Begleitet wird die Installation des Amsterdamer Künstlers von Fotoarbeiten, auf denen er mit landläufigen Männerstereotypen spielt, sowie kleine skulpturale Objekte früherer Jahre, die auf die künstlerischen Wurzeln Mets verweisen.
„White Man is a funky devil“
Betritt man den Eingang der Galerie im Turm, fällt zuerst der Blick auf eine in Kopfhöhe schwebende Kapitänsmütze. Darunter auf dem Boden stehen Offiziersschuhe der Bundesmarine aus den 70er Jahren. In ihnen stecken fein säuberlich weiße Socken. An der Wand hängt der weiße Anzug (mittlerweile nicht mehr reinweiß), bereit für den Einsatz.
Wie solch ein Einsatz aussehen kann, sieht man, wie in einem Fotoroman, auf einer anderen Wand: Mark Met agiert als „Funky Devil“ mit einem Megaphon in der Hand im weißen Anzug, das Gesicht geschwärzt. Dieses Bild verweist auf die sogenannten Minstrel Shows zu Anfang des letzten Jahrhunderts in den USA. Weiße Unterhaltungsmusiker färbten ihre Gesichter schwarz (genannt „Blackface“). Sie imitierten zur Belustigung eines zumeist weißen Publikums die Sprache, die Musik, den Tanz der Afroamerikaner. Mark Met aber setzt den afroamerikanischen Musikern dieser Zeit ein Denkmal, die mit ihrer Musik den Grundstein für die Entwicklung der schwarzen Musik Amerikas im Jazz und in der Popmusik legten.

Mark Met auf einem Postkarten-Teppich
Foto: Carola Willbrand
Auf seiner Eröffnungsperformance trug der Künstler einen ebensolchen Anzug; auf einem meterlangen Teppich zusammengeklebter Postkarten niederländischer Ortsansichten rutschte er auf Knien und schrie die Namen niederländischer Städte und bekannter Pilgerstätten wie der Kevelaerer Fatima ins Megaphon – ein „Funky Devil“ als Pilger in der Domstadt.
Eine merkwürdige Doppeldeutigkeit ist den Männer-Figuren eigen, die Mark Met belebt. Der Mann in dem blütenweißen Anzug wirkt nicht sauber, noch rein, sondern eher schmierig. Ein „Jäger“ verkörpert nicht so sehr den Pfleger des Wildbestands, sondern vielmehr einen marodierenden Wilderer im Garten des Nachbarn.
Das äußere Erscheinungsbild dieser Männerbilder, die äußeren Hüllen hängen untereinander an einem Tau im Treppenauge der Galerie im Turm. Die Kapitänsmütze unten im Erdgeschoss findet im obersten fünften Stockwerk ein Jägerhütchen als Pendant. Der dazugehörende Anzug fehlt. Stattdessen baumelt eine eklige, wohl „blutende“ Gummihand unter dem Jägerhütchen. An den Wänden des Stockwerks sieht man zwei Fotos, die einen „lebenden Baummenschen“ zeigen, in einem kahlen Raum mit Steintrümmern liegend und vor einem verwitterten Steinklotz stehend, einem Bunker des Zweiten Weltkriegs in Kiel. Mark Met, der lebende Baum, steckt in einem Tarnkleid der US-Army.
Wunderbare Aussichten in 20 Meter Höhe
Dann sieht der Betrachter eine eher weiblich erscheinende Figur: Das Plastik-Rosa-Funkemariechen („PRTM“ war sogar in der Türkei siehe NRhZ Nr. 18, „Kölsch köylü“ auf der türkischen Datca-Halbinsel). Irgendwie erinnert diese dem Kölner Karneval entlehnte Figur aber auch an die aufmüpfige Pipi-Langstrumpf. Auch Männer müssen ihren Weg finden!

Auschnitt des Treppenhauses und des „Plastik-Rosa-Funkemariechens"
Foto: Carola Willbrand
Vielleicht als „Schummi im Ferrari“ oder als Tankwart? Daran erinnert der rote Overall, in dem Mark Met im „Roten“ Berliner Stadtteil Wedding spielte: den Mann der Arbeit und des Wortes: Das Lebende Modell!

Man at work
Foto: Carola Willbrand
Ein monströser Gorilla mit bleckendem Gebiss, der unzivilisierte, der „Wilde Mann“, hängt über dem Abschluss oder dem Anfang der Männer-Geschichten, dem Bild vom Kapitän – alleine repräsentiert durch seine Mütze. Der Film „U- und so weiter“ zeigt die Arbeit eines U-Boot-Kapitäns, der die abgeschossenen U-Boote zählt bis ihm die Luft wegbleibt.
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Vorfahr des Mannes | Grafik: Mark Met, www.markmet.com
Neue Männer braucht das Land
Die eher spröde Inszenierung dieser Ausstellung lässt zwischen den einzelnen Stationen Platz zum Nachdenken. Grönemeyer, Experte für neue deutsche Männerlieder, sang ehemals „wo der Mann noch ein Mann ist“. Ja wo? In den Schutzzonen der Kneipe oder des Sportvereins? Auch der Mann, so fordern die neuen Männerzeitungen, muss zu radikalen Mitteln der „Verschönerung“ greifen, um attraktiv zu bleiben und um sich in Wirtschaft und Bett zu bewähren,. Nicht nur Cremes und Wässerchen helfen, öfter muss auch das Skalpell her – von medikamentösen Maßnahmen, die gegen das Altern helfen sollen, ganz zu schweigen. Der Wellness-Urlaub, die Schönheits-OP ist längst nicht mehr nur Frauen vorbehalten.
Das Bild von Mann (und Frau) in Werbung und das ganz besonders amerikanische Stars verkörpern, gleicht einem althergebrachten: ein glückliches Paar, eine glückliche Ehe (egal wie lang sie dauert, die Darstellung mit dem nächsten Partner funktioniert genauso), glückliche Kinder, möglichst derer drei. Vermutlich erfüllen sie so die Sehnsucht nach dem Idealbild der glücklichen Familie und des heutigen Anspruchs „alles unter einen Hut zu bringen“: den Beruf mit der dazu gehörenden Selbstverwirklichung, häusliches Glück mit Kindern, einschließlich Windeln wechseln, Hausaufgaben, einkaufen, kochen, etc.
Aber wer kann schon allen Bildern gerecht werden?! (CH)

Das Plastik-Rosa-Funkemariechen hüpft vor „Tabu" in der Türkei
Grafik: Mark Met, www.markmet.com
Online-Flyer Nr. 122 vom 21.11.2007
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Kultur und Wissen
Mark Met in der Galerie im Turm in Köln
Interessante Alternative
Von Carola Willbrand
Bei der Performance in der Kölner Südstadt wurden Mark Mets Männerbilder lebendig: Typisierungen des Mannes, erinnernd an die 50er Jahre, Mets Kindheit. Zu dieser Zeit war das „Mannsbild“ noch ganz klar schwarz oder weiß. Begleitet wird die Installation des Amsterdamer Künstlers von Fotoarbeiten, auf denen er mit landläufigen Männerstereotypen spielt, sowie kleine skulpturale Objekte früherer Jahre, die auf die künstlerischen Wurzeln Mets verweisen.
„White Man is a funky devil“
Betritt man den Eingang der Galerie im Turm, fällt zuerst der Blick auf eine in Kopfhöhe schwebende Kapitänsmütze. Darunter auf dem Boden stehen Offiziersschuhe der Bundesmarine aus den 70er Jahren. In ihnen stecken fein säuberlich weiße Socken. An der Wand hängt der weiße Anzug (mittlerweile nicht mehr reinweiß), bereit für den Einsatz.
Wie solch ein Einsatz aussehen kann, sieht man, wie in einem Fotoroman, auf einer anderen Wand: Mark Met agiert als „Funky Devil“ mit einem Megaphon in der Hand im weißen Anzug, das Gesicht geschwärzt. Dieses Bild verweist auf die sogenannten Minstrel Shows zu Anfang des letzten Jahrhunderts in den USA. Weiße Unterhaltungsmusiker färbten ihre Gesichter schwarz (genannt „Blackface“). Sie imitierten zur Belustigung eines zumeist weißen Publikums die Sprache, die Musik, den Tanz der Afroamerikaner. Mark Met aber setzt den afroamerikanischen Musikern dieser Zeit ein Denkmal, die mit ihrer Musik den Grundstein für die Entwicklung der schwarzen Musik Amerikas im Jazz und in der Popmusik legten.

Mark Met auf einem Postkarten-Teppich
Foto: Carola Willbrand
Auf seiner Eröffnungsperformance trug der Künstler einen ebensolchen Anzug; auf einem meterlangen Teppich zusammengeklebter Postkarten niederländischer Ortsansichten rutschte er auf Knien und schrie die Namen niederländischer Städte und bekannter Pilgerstätten wie der Kevelaerer Fatima ins Megaphon – ein „Funky Devil“ als Pilger in der Domstadt.
Eine merkwürdige Doppeldeutigkeit ist den Männer-Figuren eigen, die Mark Met belebt. Der Mann in dem blütenweißen Anzug wirkt nicht sauber, noch rein, sondern eher schmierig. Ein „Jäger“ verkörpert nicht so sehr den Pfleger des Wildbestands, sondern vielmehr einen marodierenden Wilderer im Garten des Nachbarn.
Das äußere Erscheinungsbild dieser Männerbilder, die äußeren Hüllen hängen untereinander an einem Tau im Treppenauge der Galerie im Turm. Die Kapitänsmütze unten im Erdgeschoss findet im obersten fünften Stockwerk ein Jägerhütchen als Pendant. Der dazugehörende Anzug fehlt. Stattdessen baumelt eine eklige, wohl „blutende“ Gummihand unter dem Jägerhütchen. An den Wänden des Stockwerks sieht man zwei Fotos, die einen „lebenden Baummenschen“ zeigen, in einem kahlen Raum mit Steintrümmern liegend und vor einem verwitterten Steinklotz stehend, einem Bunker des Zweiten Weltkriegs in Kiel. Mark Met, der lebende Baum, steckt in einem Tarnkleid der US-Army.
Wunderbare Aussichten in 20 Meter Höhe
Dann sieht der Betrachter eine eher weiblich erscheinende Figur: Das Plastik-Rosa-Funkemariechen („PRTM“ war sogar in der Türkei siehe NRhZ Nr. 18, „Kölsch köylü“ auf der türkischen Datca-Halbinsel). Irgendwie erinnert diese dem Kölner Karneval entlehnte Figur aber auch an die aufmüpfige Pipi-Langstrumpf. Auch Männer müssen ihren Weg finden!

Auschnitt des Treppenhauses und des „Plastik-Rosa-Funkemariechens"
Foto: Carola Willbrand
Vielleicht als „Schummi im Ferrari“ oder als Tankwart? Daran erinnert der rote Overall, in dem Mark Met im „Roten“ Berliner Stadtteil Wedding spielte: den Mann der Arbeit und des Wortes: Das Lebende Modell!

Man at work
Foto: Carola Willbrand
Ein monströser Gorilla mit bleckendem Gebiss, der unzivilisierte, der „Wilde Mann“, hängt über dem Abschluss oder dem Anfang der Männer-Geschichten, dem Bild vom Kapitän – alleine repräsentiert durch seine Mütze. Der Film „U- und so weiter“ zeigt die Arbeit eines U-Boot-Kapitäns, der die abgeschossenen U-Boote zählt bis ihm die Luft wegbleibt.
.gif)
Vorfahr des Mannes | Grafik: Mark Met, www.markmet.com
Neue Männer braucht das Land
Die eher spröde Inszenierung dieser Ausstellung lässt zwischen den einzelnen Stationen Platz zum Nachdenken. Grönemeyer, Experte für neue deutsche Männerlieder, sang ehemals „wo der Mann noch ein Mann ist“. Ja wo? In den Schutzzonen der Kneipe oder des Sportvereins? Auch der Mann, so fordern die neuen Männerzeitungen, muss zu radikalen Mitteln der „Verschönerung“ greifen, um attraktiv zu bleiben und um sich in Wirtschaft und Bett zu bewähren,. Nicht nur Cremes und Wässerchen helfen, öfter muss auch das Skalpell her – von medikamentösen Maßnahmen, die gegen das Altern helfen sollen, ganz zu schweigen. Der Wellness-Urlaub, die Schönheits-OP ist längst nicht mehr nur Frauen vorbehalten.
Das Bild von Mann (und Frau) in Werbung und das ganz besonders amerikanische Stars verkörpern, gleicht einem althergebrachten: ein glückliches Paar, eine glückliche Ehe (egal wie lang sie dauert, die Darstellung mit dem nächsten Partner funktioniert genauso), glückliche Kinder, möglichst derer drei. Vermutlich erfüllen sie so die Sehnsucht nach dem Idealbild der glücklichen Familie und des heutigen Anspruchs „alles unter einen Hut zu bringen“: den Beruf mit der dazu gehörenden Selbstverwirklichung, häusliches Glück mit Kindern, einschließlich Windeln wechseln, Hausaufgaben, einkaufen, kochen, etc.
Aber wer kann schon allen Bildern gerecht werden?! (CH)

Das Plastik-Rosa-Funkemariechen hüpft vor „Tabu" in der Türkei
Grafik: Mark Met, www.markmet.com
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