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Kultur und Wissen
„international art road“ – Kunst aus vier Kontinenten in der Alten Feuerwache, Köln
„Erst kommt die menschliche Begegnung...“
Von Christian Heinrici
Es war fast schon eine kleine Werkschau des Internationaler Künstlerverein e.V., was zur Vernissage am 30. November in einem Nebengebäude in der Alten Feuerwache zusammenkam: Künstlerinnen und Künstler aus Kamerun, dem Senegal, dem Sudan, aus Südkorea, Japan, Indonesien, Georgien, dem Irak, Brasilien, Bolivien und aus Deutschland hatten ihre Werke ausgestellt, und von Gemälden, Fotografien, Collagen und anderen Fotoarbeiten bis hin zu Skulpturen, Keramiken und Installationen, war ungefähr alles zu sehen, was in das Spektrum Bildende Kunst fällt.
Kunst auf Traumpfaden
„Diese sehr verschiedenen Werke laden wie Wege zum Betreten ein, sie ermöglichen das leibliche Erleben anderer Kulturen wie auch der eigenen, denn Bilder und Skulpturen sind ja auch von Körpern gemacht worden, sie sprechen nicht nur das Auge an.“, hatte die Dozentin und Kulturjournalistin Petra Johnson in ihrer Eröffnungsrede bemerkt: „Wenn wir uns darauf einlassen, führt jedes Kunstwerk uns einen Pfad oder Weg entlang. Versuchen wir nicht (künstlich) Verbindungen herzustellen, sondern lassen wir jeden Weg, jedes Werk wie einen Traumpfad auf uns zukommen.“

Daniel Kho: „OT", Mischtechnik auf Leinwandplatte
Ganz in diesem Sinne näherte ich mich den Werken der einzelnen Künstler, wobei es selbstverständlich ist, dass der Pfad, den ich beschritt, nur ein subjektiver sein kann. In die „Welt der Träume“ entführt auch Daniel Kho – so ein Titel einer seiner vorhergegangenen Ausstellungen. Und vielleicht gerade deswegen fielen mir die zwar kleinformatigen aber sehr expressiven Objektbilder des in Indonesien geborenen Künstlers unmittelbar ins Auge: Kleine, skurrile Figuren aus gefärbtem Sand, die sich in einem begrenzten Bilderrahmen wie zu Szenen auf einer Bühne zusammenfinden. Auch hier fühlt man sich an Dialoge zwischen Mensch, Vierbeiner und Pflanze erinnert, die sich in einem Mikrokosmos entspannen, und auch wieder an Traumhaftes und Mythologisches. Kho begeistert mit „Ethno-Pop-Art“ und seinem frischen, expressivem und gleichzeitig humorvollen Stil.
Von Zukunft und Vergangenheit
„La Marcha oder Bolivia on the Move“ ist der Titel eines Werkes von Josiane Périllat. Kleine Steinfiguren halten die Fahne der „Movimiento al Socialismo“ des bolivianischen Präsidenten Evo Morales hoch. Traditionell gearbeitet und nicht glasiert, präsentiert die Franco-Bolivianerin eine Gruppe auf Sand, vielleicht eine Familie, die samt Hund, Schwein und Ziege aufgebrochen ist. Sie ist auf dem Weg, wie wohl auch das lateinamerikanische Land nach den Reformen der „Bewegung zum Sozialismus“ in die Richtung einer menschlicheren Zukunft: unverblümt.

Josiane Périllat – Marsch in eine menschlichere Zukunft?
Nicht von der Zukunft aber von der langen Vergangenheit ihres Heimatlandes zeugen die Werke der Sudanesin Leila Mukthar Ahmed Adam. „Die Töpferei, Ton und Erde zu formen, stellt die Geschichte der menschlichen Zivilisation dar, und das auf der ganzen Welt, von den fernen Tagen bis heute...“, erklärt sie, was auch in den Werken der Künstlerin offenbar wird: Ihre ganz eigene Umgangsweise mit der Symbolik und Formensprache der antiken Kulturen zeugen von tiefer Auseinandersetzung mit der Geschichte ihres Heimatlandes. Wie viele Afrikanische Künstler ist sich auch Mukthar Ahmed sehr wohl ihrer Wurzeln bewusst, zitiert Zeichen und Formen vergangener Kulturen – so sind auf einigen ihrer Skulpturen Gestalten, die an Höhlenzeichnungen erinnern, zu erkennen. Doch diese engeren Pfade verlässt sie zuweilen, denn andere Werke erinnern beispielsweise an kubistische Plastiken Pablo Picassos. Und, wer wen maßgeblich inspiriert hat, spielt in einem wahrhaften Dialog keine Rolle.

Leila Mukthar Adam, „Crawon", Keramik
Werden, sein, vergehen

Maria Dierker, „Tanz I"
Tusche, Acryl auf Papier
Auch Maria Dierker lässt traditionelle Wurzeln erkennen, allerdings die fernöstlicher Kulturen: Die Bonner Künstlerin war Meisterschülerin bei Dr. Qi Yang, Professor am IBKK in Bochum und unternahm Reisen nach China und Südkorea, wo sie im Jahre 2006 neben sechs weiteren Deutschen beim „World Artist Festival“ vertreten war. Und so spiegelt sich auch der Einfluss asiatischer Kunst in den Werken Dierkers wider: „Tanz 1“ und „Tanz 2“, die in der Alten Feuerwache ausgestellt sind, weisen deutliche Anklänge an chinesische Rollbilder auf: Wie in einem ewigen Tanz, sich drehend, in Bewegung verschwimmend verdrechseln sich Zeichen, Farben und Formen, bewegen sich gegen- und bedingen sich wechselseitig in Kraft und Dynamik. „Der Umgang mit dem Material, mit chinesischem Papier, Tapete und Tusche hat für mich einen ganz besonderen Reiz!“, erklärte die Künstlerin: Der schöpferische Prozess habe dabei durchaus etwas meditatives, bewege sich in einem Wechselspiel von gezieltem, diszipliniertem Arbeiten und dem natürlichen Kreislauf von werden, sein und vergehen.
Im Wortsinn Vergangenes bezieht auch Jean Marie Claude Bruce auf ganz besondere Art in seine Werke mit ein. Der Künstler aus dem Senegal sammelt alte Bleche, Schrott, Holz und andere Materialien, die in dem westafrikanischen Land nicht mehr gebraucht werden und dann in seinen Bildobjekten eine ganz neue Symbiose eingehen. In „Port d’Afrique“ trifft Holz auf Metall, rostiges auf poliertes Material, treffen Welten aufeinander – jedoch trotz offensichtlicher Gegensätzlichkeit gehen die verschiedenen Werkstoffe eine neue Verbindung ein, fügen sich übergeordnet zu einer Harmonie.

Kunst aus dem Senegal
Jean Marie Bruce
„Port d’Afrique“
(Ausschnitt)
Metall und Holz
Alle Fotos:
Christian Heinrici
Auf Einladung der Frauengruppe „Popenguine“ und des Ministeriums für Natur- und Umweltschutz reisten Vertreterinnen des Internationalen Künstlervereins im Jahre 2006 in den Senegal. Sie nahmen nicht nur an der siebten Biennale „DAKArt Off“ teil, sondern lebten auch auf Vermittlung Bruces drei Wochen lang in M’Bour, siebzig Kilometer südlich von Dakar, arbeiteten in „Atelier-Hütten“ und ließen sich von Afrika, der Umgebung und den Menschen inspirieren. Gerade die internationale Zusammenarbeit, der Austausch und der zwischenmenschliche Dialog sei das bemerkenswerteste an der künstlerischen Erfahrungsreise gewesen, sagte die Teilnehmerin Carin Carola Paape.
„Zuerst kommt die menschliche, dann die künstlerische Begegnung!“, fasste Margareta Schulz, Vorsitzendes des Vereins, ihre Erfahrungen zusammen – was in gewisser Weise auch das soziale und das internationalistische Credo des Vereins widerspiegelt. Dass Grenzen zu überschreiten, den Horizont erweitert, ist hier weniger eine Binsenweisheit als gelebte Praxis. Wer nun seine Grenzen und meine begrenzte Darstellung überschreiten möchte, sei herzlich eingeladen, die Ausstellung in der Alten Feuerwache zu besuchen, die noch bis zum 9. Dezember, täglich von 18 bis 20 Uhr (sonntags von 15 bis 18 Uhr) zu sehen ist. (CH)
Weitere Informationen unter Internationaler Künstlerverein e.V.
Online-Flyer Nr. 124 vom 05.12.2007
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Kultur und Wissen
„international art road“ – Kunst aus vier Kontinenten in der Alten Feuerwache, Köln
„Erst kommt die menschliche Begegnung...“
Von Christian Heinrici
Es war fast schon eine kleine Werkschau des Internationaler Künstlerverein e.V., was zur Vernissage am 30. November in einem Nebengebäude in der Alten Feuerwache zusammenkam: Künstlerinnen und Künstler aus Kamerun, dem Senegal, dem Sudan, aus Südkorea, Japan, Indonesien, Georgien, dem Irak, Brasilien, Bolivien und aus Deutschland hatten ihre Werke ausgestellt, und von Gemälden, Fotografien, Collagen und anderen Fotoarbeiten bis hin zu Skulpturen, Keramiken und Installationen, war ungefähr alles zu sehen, was in das Spektrum Bildende Kunst fällt.
Kunst auf Traumpfaden
„Diese sehr verschiedenen Werke laden wie Wege zum Betreten ein, sie ermöglichen das leibliche Erleben anderer Kulturen wie auch der eigenen, denn Bilder und Skulpturen sind ja auch von Körpern gemacht worden, sie sprechen nicht nur das Auge an.“, hatte die Dozentin und Kulturjournalistin Petra Johnson in ihrer Eröffnungsrede bemerkt: „Wenn wir uns darauf einlassen, führt jedes Kunstwerk uns einen Pfad oder Weg entlang. Versuchen wir nicht (künstlich) Verbindungen herzustellen, sondern lassen wir jeden Weg, jedes Werk wie einen Traumpfad auf uns zukommen.“

Daniel Kho: „OT", Mischtechnik auf Leinwandplatte
Ganz in diesem Sinne näherte ich mich den Werken der einzelnen Künstler, wobei es selbstverständlich ist, dass der Pfad, den ich beschritt, nur ein subjektiver sein kann. In die „Welt der Träume“ entführt auch Daniel Kho – so ein Titel einer seiner vorhergegangenen Ausstellungen. Und vielleicht gerade deswegen fielen mir die zwar kleinformatigen aber sehr expressiven Objektbilder des in Indonesien geborenen Künstlers unmittelbar ins Auge: Kleine, skurrile Figuren aus gefärbtem Sand, die sich in einem begrenzten Bilderrahmen wie zu Szenen auf einer Bühne zusammenfinden. Auch hier fühlt man sich an Dialoge zwischen Mensch, Vierbeiner und Pflanze erinnert, die sich in einem Mikrokosmos entspannen, und auch wieder an Traumhaftes und Mythologisches. Kho begeistert mit „Ethno-Pop-Art“ und seinem frischen, expressivem und gleichzeitig humorvollen Stil.
Von Zukunft und Vergangenheit
„La Marcha oder Bolivia on the Move“ ist der Titel eines Werkes von Josiane Périllat. Kleine Steinfiguren halten die Fahne der „Movimiento al Socialismo“ des bolivianischen Präsidenten Evo Morales hoch. Traditionell gearbeitet und nicht glasiert, präsentiert die Franco-Bolivianerin eine Gruppe auf Sand, vielleicht eine Familie, die samt Hund, Schwein und Ziege aufgebrochen ist. Sie ist auf dem Weg, wie wohl auch das lateinamerikanische Land nach den Reformen der „Bewegung zum Sozialismus“ in die Richtung einer menschlicheren Zukunft: unverblümt.

Josiane Périllat – Marsch in eine menschlichere Zukunft?
Nicht von der Zukunft aber von der langen Vergangenheit ihres Heimatlandes zeugen die Werke der Sudanesin Leila Mukthar Ahmed Adam. „Die Töpferei, Ton und Erde zu formen, stellt die Geschichte der menschlichen Zivilisation dar, und das auf der ganzen Welt, von den fernen Tagen bis heute...“, erklärt sie, was auch in den Werken der Künstlerin offenbar wird: Ihre ganz eigene Umgangsweise mit der Symbolik und Formensprache der antiken Kulturen zeugen von tiefer Auseinandersetzung mit der Geschichte ihres Heimatlandes. Wie viele Afrikanische Künstler ist sich auch Mukthar Ahmed sehr wohl ihrer Wurzeln bewusst, zitiert Zeichen und Formen vergangener Kulturen – so sind auf einigen ihrer Skulpturen Gestalten, die an Höhlenzeichnungen erinnern, zu erkennen. Doch diese engeren Pfade verlässt sie zuweilen, denn andere Werke erinnern beispielsweise an kubistische Plastiken Pablo Picassos. Und, wer wen maßgeblich inspiriert hat, spielt in einem wahrhaften Dialog keine Rolle.

Leila Mukthar Adam, „Crawon", Keramik
Werden, sein, vergehen

Maria Dierker, „Tanz I"
Tusche, Acryl auf Papier
Im Wortsinn Vergangenes bezieht auch Jean Marie Claude Bruce auf ganz besondere Art in seine Werke mit ein. Der Künstler aus dem Senegal sammelt alte Bleche, Schrott, Holz und andere Materialien, die in dem westafrikanischen Land nicht mehr gebraucht werden und dann in seinen Bildobjekten eine ganz neue Symbiose eingehen. In „Port d’Afrique“ trifft Holz auf Metall, rostiges auf poliertes Material, treffen Welten aufeinander – jedoch trotz offensichtlicher Gegensätzlichkeit gehen die verschiedenen Werkstoffe eine neue Verbindung ein, fügen sich übergeordnet zu einer Harmonie.

Kunst aus dem Senegal
Jean Marie Bruce
„Port d’Afrique“
(Ausschnitt)
Metall und Holz
Alle Fotos:
Christian Heinrici
Auf Einladung der Frauengruppe „Popenguine“ und des Ministeriums für Natur- und Umweltschutz reisten Vertreterinnen des Internationalen Künstlervereins im Jahre 2006 in den Senegal. Sie nahmen nicht nur an der siebten Biennale „DAKArt Off“ teil, sondern lebten auch auf Vermittlung Bruces drei Wochen lang in M’Bour, siebzig Kilometer südlich von Dakar, arbeiteten in „Atelier-Hütten“ und ließen sich von Afrika, der Umgebung und den Menschen inspirieren. Gerade die internationale Zusammenarbeit, der Austausch und der zwischenmenschliche Dialog sei das bemerkenswerteste an der künstlerischen Erfahrungsreise gewesen, sagte die Teilnehmerin Carin Carola Paape.
„Zuerst kommt die menschliche, dann die künstlerische Begegnung!“, fasste Margareta Schulz, Vorsitzendes des Vereins, ihre Erfahrungen zusammen – was in gewisser Weise auch das soziale und das internationalistische Credo des Vereins widerspiegelt. Dass Grenzen zu überschreiten, den Horizont erweitert, ist hier weniger eine Binsenweisheit als gelebte Praxis. Wer nun seine Grenzen und meine begrenzte Darstellung überschreiten möchte, sei herzlich eingeladen, die Ausstellung in der Alten Feuerwache zu besuchen, die noch bis zum 9. Dezember, täglich von 18 bis 20 Uhr (sonntags von 15 bis 18 Uhr) zu sehen ist. (CH)
Weitere Informationen unter Internationaler Künstlerverein e.V.
Online-Flyer Nr. 124 vom 05.12.2007
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