Kultur und Wissen
Am Mittwoch rockten die fünf Schweden das prall gefüllte Palladium
Hype um „The Hives“
Von Katrin Buderath
Zwei Vorbands hatten die ehrenvolle, jedoch äußerst schwierige Aufgabe, das Publikum auf den Haupt-Act vorzubereiten. Die erste Band „Quit Your Dayjob“, deren Mitglieder wie die „Hives“ auch aus Schweden stammen, versuchte durch schräge Showeinlagen und ihrem witzigen Elektro-Punk aber leider vergeblich, die Stimmung im Palladium anzuheizen. Allerdings lag das wohl vielmehr am reservierten und starfixierten Publikum als am Können der Band...
Als zweiter Programmpunkt war Dan Sartain und Kompagnon aus den USA am Start. Die hervorragende Zwei-Mann-Band begeisterte – mich auch – als „Special Guests“ der Hives-Tour 2007 mit ihrem klassischem Rockabilly-Sound und einer schön-schrebbeligen Mischung aus Rock n’ Roll n’ Blues, etwas Country, sowie Punk. Während sich hier und da ein paar Freunde des guten Geschmacks erbarmten, die Hüften zu schwingen, stand die nach wie vor ziemlich unbeeindruckte Masse leider immer noch wie ein paar Zinnsoldaten da.

Eine begeisterte Masse im Palladium feierte mit den fünf Schweden
Doch als der rote Schriftzug der „Hives“ in riesigen Lettern über der Bühne erstrahlte, gab es den Befehl. „Rührt Euch!“ Als dann die, wie immer in schwarz und weiß uniformierten Musiker die Bühne betraten, brach fast schon tumultartige Euphorie aus. Die fünf schnittigen Jungs hatten es tatsächlich geschafft, das träge Publikum aus seiner Lethargie zu holen. Vom ersten bis zum letzten Ton gab es kein Halten mehr: Überwiegend schmetterten die Schweden ihr altes Programm, was natürlich auch nach wie vor zog. Mit dem Sound, an dem sich Körper und Zungen schon längst gewöhnt hatten, rissen sie das Publikum vom Hocker. Etwas schwieriger war es dann mit den neuen Songs aus dem „Black & White“-Album. Die Beine tanzten zwar weiter, jedoch viele Fans waren noch nicht textsicher, was sich darin zeigte, dass des öfteren peinliches Schweigen herrschte, wenn der Sänger sein Mikrophon ins Publikum hielt.

Der Gittarist, Nicholaus Arson, hält die Hand ans Ohr – da kann er lange horchen – das neue Album können die Fans anscheinend noch nicht auswendig...
The Hives rocken definitiv, sie spielen eine Musik, bei der jeder mitgehen muss, und bei dem Konzert bildeten sich wilde Pogocluster, sodass der Schweiß nur so spritzte. Doch offensichtlich hat sich leider die Zusammensetzung der Fangemeinde über die Jahre hinweg etwas verschoben: Als ich vor etwa fünf Jahren zum ersten Mal The Hives live erlebte, herrschte eine ganz andere Stimmung. Die Band wirkte natürlicher, und das Publikum bestand eher aus alternativen und rebellischen Musikliebhabern. Dass die momentane Fangemeinde vorwiegend aus Mode-Musikfans besteht, rührt mit Sicherheit von dem vergrößerten Bekanntheitsgrad der Schweden her: durch Auftritte bei Rock am Ring oder beim Hurricane-Festival, dem rauf und runter Dudeln bei MTV und anderen. Der Erfolg sei ihnen gegönnt, jedoch wurden durch den Hives-Hype offensichtlich viele ursprüngliche Fans vergrault, und das war bei ihrem Auftritt im Palladium mehr als spürbar.

Die guten alten Feuerzeuge wurden durch etliche
funkelnde Handy-Displays ersetzt.
Alle Fotos: Lena Buderath
Das neue Album sei zwar einem Interview mit der Band zufolge punkiger denn je, mein erster Eindruck allerdings konnte das nicht bestätigen – vielmehr wirkt es in Teilen etwas monoton und flach. The Hives haben nicht an Tanzbarkeit eingebüßt, jedoch an musikalischem und inhaltlichem Tiefgang. Wer sich dennoch interessiert und auch einmal in das neue Album „Black & White“ reinhören möchte, kann die Scheibe im Fachhandel für 14,95 bis 16,95 kaufen. (CH)
Online-Flyer Nr. 124 vom 05.12.2007
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