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Literatur
Freie Geister: Frank Stern – über die Kunst kein Liedermacher zu sein
„Lieber der Kater im Koffer als die Katze im Sack...“
Von Christian Breuer

Frank Stern
Ist es vermessen, zu sagen, dass „ein Stern aufgegangen ist“, wenn ein neuer authentischer Star ...) mit seinen Liedern auf Kölner Kleinkunstbühnen reüssiert? Mit „Star“ ist selbstverständlich die seltene Vogelart nach Amsel, Drossel und Fink gemeint – man vergesse die TV-Castingshows, die sich nach und nach als kulturelle Verirrung zeigen.
Frank Stern, so der passende Künstlername, genießt es, auf der Bühne zu stehen und nimmt seinen Applaus mit auf nachfolgende Orte. Eine scharfe Beobachtungsgabe, Geübtheit in literarischen Dingen und unverkennbare moderne Einflüsse formen wohltuend eine Brücke. Frank Sterns Songtexte lesen sich dabei wie Lyrik. Humor und schlagwortartig-zeitgeistige Wendungen spielen hierin genauso eine Rolle wie kritische Töne.
„Ich würd so gerne deine Kernzielgruppe sein“
Du bist der Star hier, so steht es geschrieben
trotz allen Erfolges auf dem Teppich geblieben
immer recht freundlich, ganz ohne Allüren
doch wäre es dir lieber, der Teppich könnt fliegen
Ich würd’ dich anbeten, beklatschen, bejubeln
doch du bist nicht zu packen in all dem Trubel
du buhlst um die Mehrheit und ich bin für dich
nur einer von vielen, ein Durchschnittsgesicht
Ich würd so gerne deine Kernzielgruppe sein
leider fühle ich mich dafür viel zu klein
ich bin die Motte, du die Leuchte und das Licht
du strahlst so schön und hell, doch fliegen kannst du nicht
Du bist, das weiß ich, narzisstisch veranlagt
denn es erregt dich, wenn du deinen Namen liest
allein für dein Ego brauchst du die anderen
die deinen Namen lesen, das hast du dir verdient
Ich würd so gerne deine Kernzielgruppe...
Auch ich will mal dahin, wo du bereits weilst
nur mal kurz vordringen in deine Herrlichkeit
dann hätt auch ich ein starkes Ich, doch tickte es noch richtig
vielleicht nähm ich mich dann auch einfach viel zu wichtig
Ich würd so gerne deine Kernzielgruppe...
Das waren noch Zeiten
als ich beinah deine Kernzielgruppe war
inzwischen bin ich selbst
auf dem Katzensprung zum Megastar
dafür schreib ich haufenweise massenkompatible Lieder
die singt man in der Badewanne
und hört sie gerne immer wieder

Frank Stern hat sich in weiser Voraussicht nach dem Leuchtkörper am Firmament benannt. In standesamtlich- fremdbestimmter Sphäre hört er auf den Familiennamen Brehm, bei gleichbleibendem Vornamen. Unter diesem Etikett, Frank Brehm also, hat er sich in den letzten Jahren als Literat erprobt: mehr oder weniger erfüllend in Kölner Autorenzirkeln (Autorenwerkstatt der Kölner Universität, Literatur um Acht, „Vier Stühle“-Lesung im Café Duddel), bis ihn schließlich frühere musikalische Neigungen und Einflüsse wiederereilten und er seine Lust am Texten mit harmonischem Klang auffüllte, sodass die Worte – gar nicht „song-alike“ und überraschend tiefgehend – begannen, über die gesungenen Frequenzen zu atmen.
Nach dem Wirken vorangegangener Zeilen ist man überrascht, wie der Künstler sich keinesfalls als Liedermacher bezeichnen lassen möchte. Schreibt er doch auf seiner My-Space-Präsenz als Musiker zu seinen Einflüssen: „Wer hier Namen wie Reinhard Mey, Wolf Biermann oder Konstantin Wecker erwartet hat, sieht sich leider getäuscht.“
Literarisch und alltagsnah zugleich
Hiermit stellt sich Frank Stern in eine Reihe junger gitarrespielender Sänger, die in ihrer Selbst-Einordnung einen Neuanfang wagen aus dem nicht auszufüllenden monopolartigen Schatten der „Ahnherren“ heraus, die – einmal drastisch gesagt – letzten Endes auch zu einer Art Marke im kritisch gewähnten alternativen Zielgruppensegment wurden. Bei Singer-Songwriter Frank Stern der seine Songs oder Lieder ganz selbstverständlich als deutschsprachigen Pop begreift, sind es die internationalen Vorbilder aus dem Rock-Sektor, die Musik und Lebensgefühl geprägt haben.

Alle Bilder: www.frank-brehm.de
So hat er selbst nach eigener Aussage „15 Jahre Indie-Rock-Erfahrung“ in Bands, für die er „vorwiegend englische Lyrics“ verfasst hatte. Dass er nun auf Muttersprachliches umgestiegen ist, ist für ihn nicht mit heimatgeerdetem Pathos überhöht, sondern eine rein technische Frage. Erklärte Absicht ist es, „das Leben in all seinen Facetten“ zu beschreiben.
„Ein Tag wie jeder Andere“
Es ist ein Tag wie jeder andere – sechs Milliarden Menschen
haben irgendetwas vor – und wenn es nur das Tage zählen ist
Ein Tag wie jeder andere – es hat sich nichts verändert
alles ist an seinem Platz – nur dass du wortlos weggegangen bist
Es ist ein Tag wie jeder andere mit 24 Stunden
die rinnen so dahin – und werden nie wieder gefunden
Ein Tag wie jeder andere – jeder lebt in seiner Welt
ich hab heut noch nichts gegessen – und die Möbel umgestellt
Dass man getrennte Wege geht, geschieht ja wohl tagtäglich
und nur weil es mich betrifft, ist es nicht unerträglich
ich kann ohne dich gut sein – warum soll ich dir nachweinen?
ich bin gern mit mir allein – ziemlich im Klaren, beinah im Reinen
Es ist ein Tag wie jeder andere – draußen gibt es Wetter
drinnen gibt es Brot – belegt mit allem außer Lätta
Ein Tag wie jeder andere – auch wenn ich alleine esse
schmecken tut’s genauso gut – wie du schmeckst, hab ich vergessen
Dass man getrennte Wege geht, geschieht...
Es ist ein Tag wie jeder andere – im Fernsehen läuft Programm
sie lieben und sie töten sich – doch was geht mich das an?
Ein Tag wie jeder andere hat nicht auf mich gewartet
ist einfach so gestartet – was fang ich bloß mit ihm an?
Es ist ein Tag wie jeder andere – so geht er auch zu Ende
dann ein Monat und ein Jahr und dann klatsch ich in die Hände
so zur Abwechslung einmal – genügend Grund um sich zu freuen
ich hab es endlich überstanden und versuche es von Neuem
Vermeint man... auf dem Wege zur eigenen Bewusstheit des modernen Menschen in prägnanten Texten und eingängigen Melodien... DOCH den einen oder anderen Anklang an politisch bewegte Sangeshelden zu erkennen, spricht Frank Stern derweil ganz unbescheiden von seinem Konzept: „Literarische Qualität trifft musikalisches Genie“ und davon, dass seine Gitarre und er mittlerweile zu einem Liebespaar zusammengewachsen sind. (CH)
Hiervon kann man sich natürlich auch selbst überzeugen:
„Ein Tag wie jeder Andere“
Audiodatei starten
Online-Flyer Nr. 135 vom 27.02.2008
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Literatur
Freie Geister: Frank Stern – über die Kunst kein Liedermacher zu sein
„Lieber der Kater im Koffer als die Katze im Sack...“
Von Christian Breuer

Frank Stern
Frank Stern, so der passende Künstlername, genießt es, auf der Bühne zu stehen und nimmt seinen Applaus mit auf nachfolgende Orte. Eine scharfe Beobachtungsgabe, Geübtheit in literarischen Dingen und unverkennbare moderne Einflüsse formen wohltuend eine Brücke. Frank Sterns Songtexte lesen sich dabei wie Lyrik. Humor und schlagwortartig-zeitgeistige Wendungen spielen hierin genauso eine Rolle wie kritische Töne.
„Ich würd so gerne deine Kernzielgruppe sein“
Du bist der Star hier, so steht es geschrieben
trotz allen Erfolges auf dem Teppich geblieben
immer recht freundlich, ganz ohne Allüren
doch wäre es dir lieber, der Teppich könnt fliegen
Ich würd’ dich anbeten, beklatschen, bejubeln
doch du bist nicht zu packen in all dem Trubel
du buhlst um die Mehrheit und ich bin für dich
nur einer von vielen, ein Durchschnittsgesicht
Ich würd so gerne deine Kernzielgruppe sein
leider fühle ich mich dafür viel zu klein
ich bin die Motte, du die Leuchte und das Licht
du strahlst so schön und hell, doch fliegen kannst du nicht
Du bist, das weiß ich, narzisstisch veranlagt
denn es erregt dich, wenn du deinen Namen liest
allein für dein Ego brauchst du die anderen
die deinen Namen lesen, das hast du dir verdient
Ich würd so gerne deine Kernzielgruppe...
Auch ich will mal dahin, wo du bereits weilst
nur mal kurz vordringen in deine Herrlichkeit
dann hätt auch ich ein starkes Ich, doch tickte es noch richtig
vielleicht nähm ich mich dann auch einfach viel zu wichtig
Ich würd so gerne deine Kernzielgruppe...
Das waren noch Zeiten
als ich beinah deine Kernzielgruppe war
inzwischen bin ich selbst
auf dem Katzensprung zum Megastar
dafür schreib ich haufenweise massenkompatible Lieder
die singt man in der Badewanne
und hört sie gerne immer wieder

Nach dem Wirken vorangegangener Zeilen ist man überrascht, wie der Künstler sich keinesfalls als Liedermacher bezeichnen lassen möchte. Schreibt er doch auf seiner My-Space-Präsenz als Musiker zu seinen Einflüssen: „Wer hier Namen wie Reinhard Mey, Wolf Biermann oder Konstantin Wecker erwartet hat, sieht sich leider getäuscht.“
Literarisch und alltagsnah zugleich
Hiermit stellt sich Frank Stern in eine Reihe junger gitarrespielender Sänger, die in ihrer Selbst-Einordnung einen Neuanfang wagen aus dem nicht auszufüllenden monopolartigen Schatten der „Ahnherren“ heraus, die – einmal drastisch gesagt – letzten Endes auch zu einer Art Marke im kritisch gewähnten alternativen Zielgruppensegment wurden. Bei Singer-Songwriter Frank Stern der seine Songs oder Lieder ganz selbstverständlich als deutschsprachigen Pop begreift, sind es die internationalen Vorbilder aus dem Rock-Sektor, die Musik und Lebensgefühl geprägt haben.

Alle Bilder: www.frank-brehm.de
So hat er selbst nach eigener Aussage „15 Jahre Indie-Rock-Erfahrung“ in Bands, für die er „vorwiegend englische Lyrics“ verfasst hatte. Dass er nun auf Muttersprachliches umgestiegen ist, ist für ihn nicht mit heimatgeerdetem Pathos überhöht, sondern eine rein technische Frage. Erklärte Absicht ist es, „das Leben in all seinen Facetten“ zu beschreiben.
„Ein Tag wie jeder Andere“
Es ist ein Tag wie jeder andere – sechs Milliarden Menschen
haben irgendetwas vor – und wenn es nur das Tage zählen ist
Ein Tag wie jeder andere – es hat sich nichts verändert
alles ist an seinem Platz – nur dass du wortlos weggegangen bist
Es ist ein Tag wie jeder andere mit 24 Stunden
die rinnen so dahin – und werden nie wieder gefunden
Ein Tag wie jeder andere – jeder lebt in seiner Welt
ich hab heut noch nichts gegessen – und die Möbel umgestellt
Dass man getrennte Wege geht, geschieht ja wohl tagtäglich
und nur weil es mich betrifft, ist es nicht unerträglich
ich kann ohne dich gut sein – warum soll ich dir nachweinen?
ich bin gern mit mir allein – ziemlich im Klaren, beinah im Reinen
Es ist ein Tag wie jeder andere – draußen gibt es Wetter
drinnen gibt es Brot – belegt mit allem außer Lätta
Ein Tag wie jeder andere – auch wenn ich alleine esse
schmecken tut’s genauso gut – wie du schmeckst, hab ich vergessen
Dass man getrennte Wege geht, geschieht...
Es ist ein Tag wie jeder andere – im Fernsehen läuft Programm
sie lieben und sie töten sich – doch was geht mich das an?
Ein Tag wie jeder andere hat nicht auf mich gewartet
ist einfach so gestartet – was fang ich bloß mit ihm an?
Es ist ein Tag wie jeder andere – so geht er auch zu Ende
dann ein Monat und ein Jahr und dann klatsch ich in die Hände
so zur Abwechslung einmal – genügend Grund um sich zu freuen
ich hab es endlich überstanden und versuche es von Neuem
Vermeint man... auf dem Wege zur eigenen Bewusstheit des modernen Menschen in prägnanten Texten und eingängigen Melodien... DOCH den einen oder anderen Anklang an politisch bewegte Sangeshelden zu erkennen, spricht Frank Stern derweil ganz unbescheiden von seinem Konzept: „Literarische Qualität trifft musikalisches Genie“ und davon, dass seine Gitarre und er mittlerweile zu einem Liebespaar zusammengewachsen sind. (CH)Hiervon kann man sich natürlich auch selbst überzeugen:
„Ein Tag wie jeder Andere“
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