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Kultur und Wissen
Karnevalistischer Nachklang bis in den Leichlinger Stadtrat:
„Schmunzelsteine“???
Von Peter Kleinert
Gunter Demnigs „Stolpersteine“ umfunktioniert

FLK-Ehrensenator und Bürger-
meister Werner Müller
Quelle: Stadt Leichlingen
Gegen die Aktion der Leichlinger FLK-Ehrensenatoren, darunter Bürgermeister Ernst Müller (SPD) und Herbert Reul, 12 Jahre Generalsekretär der CDU in NRW und seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments, regte sich schnell Protest, auch in Leserbriefen an die Lokalzeitungen. So schrieb der stellvertretende Vorsitzende der Kulturvereinigung Leverkusen e.V., Manfred Demmer: „Das passiert zur gleichen Zeit, als das Mahnmal für die Wenzelnberg-Opfer (das in der Nähe der Stadt liegt, d.A.) geschändet wurde... Das passiert zur gleichen Zeit, da in manchen Karnevalssitzungen fragwürdige Witze über Menschengruppen wie die Muslime gemacht werden. Es drängen sich mir dabei jene Bilder aus der Nazizeit auf, wo die ‚guten Bürger’ im Karneval jenen Karnevalsrednern begeistert ‚Alaaf’ und ‚Helau’ zuriefen, die gerade karnevalistische Hassreden gegen Juden und andere gehalten hatten.“
Aus aktuellem Anlass fügte Demmer hinzu: „Warum mussten – ausgerechnet jetzt, da „Autonome Nationalisten“ nicht nur Schmierereien, sondern auch gewalttätige Übergriffe in der Region durchführen – Gunter Demnigs Stolpersteine zu Schmunzelsteinen umfunktioniert werden? Wäre es denn nicht möglich gewesen – anders als bei den Stolpersteinen – Hausbesitzer zu finden, die sich mit einer Tafel für die „verdienten Karnevalisten“ hätten schmücken können?“
Fehlende Sensibilität

„Schmunzelstein“ für einen Karnevalisten
in Leichlingen | Quelle: FLK
Als Antwort erhielt er eine Flut von Zuschriften. Er betreibe „Volksverhetzung“ gegen Karnevalisten und negiere „jahrhundertealtes Brauchtum“, das es schon lange vor dem Holocaust gegeben habe und nun in eine braune Ecke gestellt werde. Offenbar sei er nicht weit davon entfernt, demnächst Narrenkappen zu verbrennen. Er sei ein „bekannter Altkommunist, der wieder einmal die Gunst der Stunde nutzt, um eine Generalabrechnung mit der allgemeinen Bürgerlichkeit, vertreten durch den Karneval, zu machen.“
Doch es gab auch andere Reaktionen. Volker Jung, Lehrer, GEW-Gewerkschafter und Ratsmitglied der BWL (Bürgerliste Witzhelden Leichlingen) stellte fest: „Die Leichlinger Karnevalisten haben in Kenntnis der hoch geachteten bundesweiten Aktion der ,Stolpersteine' ihre sog. ,Schmunzelsteine' platziert.” Sie hätten sich sogar an Gunter Demnig selbst gewandt und „ihm den Auftrag zur Herstellung der „Schmunzelsteine“ angeboten. Allein dies beweise fehlende Sensibilität, denn Demnig habe mit seiner Aktion „Stolpersteine“ in eindrucksvoller Weise das Gedenken an die Verbrechen in der Zeit der Nazidiktatur aufrechterhalten. Jung weiter: „Mittlerweile gibt es in Deutschland schon über 12.000 solcher Mahn- und Erinnerungsmale für die deportierten und dann ermordeten früheren vor allem jüdischen Mitbürger. Seine Arbeit wird verhöhnt, wenn man ihm einen Auftrag für ‚Schmunzelsteine’ antragen will.“ Ebenso wie Volker Jung plädiert auch die im Stadtrat vertretene Unabhängige Wählergemeinschaft Leichlingen (UWG) um die „schnellstmögliche Entfernung“ der fünf „Schmunzelsteine“ – die im übrigen „ohne offizielle Genehmigung verlegt“ worden seien.
Gunter Demnig: „Gar nicht lustig!“
Miguel Freund, stellvertretender Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, zeigte sich entsetzt: „Das ist eine Geschmacklosigkeit sondergleichen. Natürlich muss auch Gedenken an Karnevalisten möglich sein. Aber da muss man mit mehr Fingerspitzengefühl herangehen.“ Dass die Karnevalsfreunde ausgerechnet die Form des Pflastersteins aus dem Gedenkprojekt Gunter Demnigs für ihre Aktion ausgesucht hätten, sei für ihn nicht nachvollziehbar.

Gunter Demnig verlegt „Stolper-
steine“ | Foto:NRhZ-Archiv
Auch Gunter Demnig fand die Aktion in einem WDR-Fernsehbeitrag „gar nicht lustig“. „ Ich meine, jemand, der sich mit der Thematik befasst und hier wohnt, der kann doch nicht einfach – ich würde fast sagen – die ‚Stolpersteine’ missbrauchen, um an ein paar Karnevalisten zu erinnern.“ Er halte die „Schmunzelsteine“ für eine unerlaubte Kopie, doch werde er juristisch nicht dagegen vorgehen.
Von Leichlinger Lokalpolitikern darum gebeten, Gestaltung und Bezeichnung ihrer Steine zu überdenken ließen die Ehrensenatoren des FLK ihren Sprecher Willy Kallert im WDR-Fernsehen mitteilen: „Wenn wir von der Stadt oder von irgendeinem staatlichen Organ dazu gezwungen werden, können wir nichts daran machen.“ In Leichlingen wartet man deshalb jetzt gespannt auf den 17. April, an dem das Thema in einer Ratssitzung eine Rolle spielen dürfte. Immerhin sind Schüler aus dem Kinder- und Jugendparlament der Stadt vor einiger Zeit unter dem Motto „Bunt statt Braun“ aktiv geworden und haben so gegen Schmierereien und Aufkleber der rechtsradikalen Gruppierung „Autonome Nationalisten Leverkusen/Leichlingen“ protestiert – mit Hilfe von Sprayerbildern auf Parkscheinautomaten. (CH)
Online-Flyer Nr. 141 vom 09.04.2008
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Karnevalistischer Nachklang bis in den Leichlinger Stadtrat:
„Schmunzelsteine“???
Von Peter Kleinert
Gunter Demnigs „Stolpersteine“ umfunktioniert

FLK-Ehrensenator und Bürger-
meister Werner Müller
Quelle: Stadt Leichlingen
Aus aktuellem Anlass fügte Demmer hinzu: „Warum mussten – ausgerechnet jetzt, da „Autonome Nationalisten“ nicht nur Schmierereien, sondern auch gewalttätige Übergriffe in der Region durchführen – Gunter Demnigs Stolpersteine zu Schmunzelsteinen umfunktioniert werden? Wäre es denn nicht möglich gewesen – anders als bei den Stolpersteinen – Hausbesitzer zu finden, die sich mit einer Tafel für die „verdienten Karnevalisten“ hätten schmücken können?“
Fehlende Sensibilität

„Schmunzelstein“ für einen Karnevalisten
in Leichlingen | Quelle: FLK
Doch es gab auch andere Reaktionen. Volker Jung, Lehrer, GEW-Gewerkschafter und Ratsmitglied der BWL (Bürgerliste Witzhelden Leichlingen) stellte fest: „Die Leichlinger Karnevalisten haben in Kenntnis der hoch geachteten bundesweiten Aktion der ,Stolpersteine' ihre sog. ,Schmunzelsteine' platziert.” Sie hätten sich sogar an Gunter Demnig selbst gewandt und „ihm den Auftrag zur Herstellung der „Schmunzelsteine“ angeboten. Allein dies beweise fehlende Sensibilität, denn Demnig habe mit seiner Aktion „Stolpersteine“ in eindrucksvoller Weise das Gedenken an die Verbrechen in der Zeit der Nazidiktatur aufrechterhalten. Jung weiter: „Mittlerweile gibt es in Deutschland schon über 12.000 solcher Mahn- und Erinnerungsmale für die deportierten und dann ermordeten früheren vor allem jüdischen Mitbürger. Seine Arbeit wird verhöhnt, wenn man ihm einen Auftrag für ‚Schmunzelsteine’ antragen will.“ Ebenso wie Volker Jung plädiert auch die im Stadtrat vertretene Unabhängige Wählergemeinschaft Leichlingen (UWG) um die „schnellstmögliche Entfernung“ der fünf „Schmunzelsteine“ – die im übrigen „ohne offizielle Genehmigung verlegt“ worden seien.
Gunter Demnig: „Gar nicht lustig!“
Miguel Freund, stellvertretender Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, zeigte sich entsetzt: „Das ist eine Geschmacklosigkeit sondergleichen. Natürlich muss auch Gedenken an Karnevalisten möglich sein. Aber da muss man mit mehr Fingerspitzengefühl herangehen.“ Dass die Karnevalsfreunde ausgerechnet die Form des Pflastersteins aus dem Gedenkprojekt Gunter Demnigs für ihre Aktion ausgesucht hätten, sei für ihn nicht nachvollziehbar.

Gunter Demnig verlegt „Stolper-
steine“ | Foto:NRhZ-Archiv
Von Leichlinger Lokalpolitikern darum gebeten, Gestaltung und Bezeichnung ihrer Steine zu überdenken ließen die Ehrensenatoren des FLK ihren Sprecher Willy Kallert im WDR-Fernsehen mitteilen: „Wenn wir von der Stadt oder von irgendeinem staatlichen Organ dazu gezwungen werden, können wir nichts daran machen.“ In Leichlingen wartet man deshalb jetzt gespannt auf den 17. April, an dem das Thema in einer Ratssitzung eine Rolle spielen dürfte. Immerhin sind Schüler aus dem Kinder- und Jugendparlament der Stadt vor einiger Zeit unter dem Motto „Bunt statt Braun“ aktiv geworden und haben so gegen Schmierereien und Aufkleber der rechtsradikalen Gruppierung „Autonome Nationalisten Leverkusen/Leichlingen“ protestiert – mit Hilfe von Sprayerbildern auf Parkscheinautomaten. (CH)
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