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Kultur und Wissen
Don Quijote – in einer neuen Version der Künstlerin Marianne Tralau
2.090.398 Buchstabennudeln im Glas
Von Peter Kleinert

Die seit einigen Jahren in Eckernförde lebende Ex-Kölner Künstlerin und KAOS-Galeristin Marianne Tralau hat dort wieder mal ein Ei gelegt, das Schleswiger Kunstfreunden und Lokalpresse einige Rätsel aufgibt. Ihr „Material“ diesmal: ein Stück Weltliteratur und 2.090.398 Buchstabennudeln, die – in eine 1,50 Meter hohe Glassäule gefüllt – nun mit dem Titel „Marianne Tralau – Literaturobjekt – Porträt eines Buches, März 2008“ in der Galerie 66 auf dem Campus-Gelände am Lorenz-von-Stein-Ring 1-5 ausgestellt sind.
Auch die Nudelproduzentin Birkel Teigwaren GmbH in Mannheim geriet „dabei ein bisschen ins Schleudern“, sagt Marianne Tralau. „Denn so eine Bestellung“ – 87,8 Kilo Buchstabennudeln einer privaten Kundin – „hatten die wohl noch nie“. Also teilten sie ihr erst einmal per E-Mail mit, die Lieferung zöge sich noch etwas hin, weil sie nachproduzieren müssten.

nudelart porträt eines buches "don quijote" marianne tralau
Die Glassäule wird mit dem „Don Quijote"      
gefüllt |
Fotos: Markus Feuerstack
Fast jeder Betrachter von „Miguel de Cervantes Saavedra: Der sinnreiche Junker DON QUIJOTE von der Mancha“ – so der Hinweis auf einem Sockel neben der nudelgefüllten Glassäule – „stellt die Frage, ob das denn so stimmt – mit der Identität der Buchstaben im Buch und in der Säule“, lächelt die Künstlerin. „Natürlich stimmt sie – gewogen und errechnet, aber nicht gezählt. Wer es genau wissen will, der möge das tun.“ Obwohl sie ihren Computer zu Hilfe genommen habe, sei diesmal ihre Vorliebe für Zahlen „unglaublich strapaziert worden (eine tierische Rechnerei). Außerdem stammt dieser Haufen Buchstaben aus einem fremden Fundus, Material aus der Lebensmittelbranche. Das produziert Gegner: Mit Lebensmitteln spielt man nicht. Aber genau an diesem Punkt hat das Werk vor langer Zeit seinen Anfang genommen: Als Kinder haben wir die aus der Suppe gefischten Nudeln auf dem Tellerrand zu unseren Namen angeordnet.“


Kindheitserinnerungen also und die Don Quijote-Sonderausgabe für die Mitglieder der Stuttgarter Hausbücherei, verlegt 1956 im Winkler-Verlag München – vollständige Ausgabe in der Übersetzung von Ludwig Braunfels, mit 1019 bedruckten Seiten, unter Berücksichtigung von Sonetten, Liedern und Illustrationen, haben Marianne Tralau auf die Idee für ihr neues Werk gebracht. Früher hat sie schon mal ein Gedicht von Rainer Maria Rilke und Pauline Réages „Die Geschichte der O.“ ähnlich verarbeitet. Der Don Quijote als Nudelart steht nun für 5.000 Euro zum Verkauf. Bei den heutigen Lebensmittelpreisen, sagt Marianne Tralau, sei das wohl angemessen. Auf die Frage, ob sich denn schon die Firma Birkel als Käufer gemeldet habe, kann sie nur lachen: „Der Firma Birkel ist Kunst im Vergleich zu früheren Zeiten inzwischen so fern wie dem Maulwurf das Fliegen.“ (CH)

Nudelart "Porträt eines Buches - Don Quijote" Marianne Tralau Foto: Markus Feuerstack


Nudelart "Porträt eines Buches - Don Quijote" Marianne Tralau Foto: Markus Feuerstack









Alle Fotos: Markus Feuerstack

Online-Flyer Nr. 142  vom 16.04.2008

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