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Inland
Wie man sich am besten gegen FSME durch Zecken schützt
Die Blutsauger sind unter uns
Von Gisela Segieth

„Herrliches Wetter, also ab in die freie Natur.“ Das denken zurzeit sicher viele. Schließlich hat man lange genug auf die Sonne gewartet. Die Kleidung fällt und die nackten Beine werden in Sandaletten gesteckt. Dann geht es raus. Doch Vorsicht! Auch bei kleinen Kindern! Denn die spielen gern im Gras, und auch dort können sich Zecken aufhalten.


Kleine Kinder spielen nur zu gern im Gras, aber dann kann es böse enden...
Foto: Gisela Segieth


Blut saugende Zecken, auch bekannt als gemeiner Holzbock, sind unter uns und warten nur darauf, ein Opfer zu finden. Sie ernähren sich vom Blut von Mensch und Tier und nehmen so manche Bakterien und Viren auf. Diese geben sie dann bei ihrem Biss an den Menschen ab und lassen ihn dadurch erkranken. Vor allem die Erreger der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis, eine durch Zecken verursachte Gehirnhautentzündung) und der Lyme-Borreliose erhält der Mensch von den Zecken. Doch das ist nicht alles, was Zecken verbreiten. Deshalb sollte niemand diese Blutsauger unterschätzen.
 
FSME durch Zeckenbiss
 
Die FSME ist eine durch Zeckenbiss auf den Menschen übertragene Viruserkrankung, die mit grippeähnlichen Symptomen und Fieber einhergeht. Sie wird auch als klassische Zonoose bezeichnet. Bei der Erkrankung kommt es zu einer Beteiligung der Hirnhäute (Hirnhautentzündung, Meningitis).


Mehr als 800 Zeckenarten weltweit
Quelle: www.baxter.de


In schweren Fällen geht die FSME mit einer Beteiligung des Gehirns und Rückenmarks einher. Man könnte von den Symptomen her oft glauben, die Betroffenen habe ein Schlaganfall erwischt.
 
Die Gefahr, an FSME zu erkranken, beschreibt das DGK (Deutsches Grünes Kreuz) wie folgt „Nur etwa 10 Prozent derjenigen, die sich infiziert haben, erkranken auch an FSME. Bei etwa 10 bis 30 Prozent dieser Erkrankten bleiben Dauerschäden am Zentralnervensystem (wie Lähmungen) zurück; etwa ein Prozent der Erkrankten - vor allem ältere Menschen - sterben an den Folgen der Erkrankung. Zur Behandlung der FSME gibt es keine Medikamente.“(1)
 
Das einzig wirksame Mittel, nicht an einer FSME zu erkranken, ist eine rechtzeitige Impfung. Bei dieser sind zwei unterschiedliche Verfahren möglich. Doch alle derzeit auf dem Markt befindlichen Impfstoffe werden in drei Teilimpfungen verabreicht.
 
Bei der Aktiven Immunisierung (Impfung) werden abgetötete FSME-Viren geimpft, so dass der Körper einen eigenen Infektionsschutz aufbauen kann. Schon kurze Zeit nach der zweiten Teilimpfung besteht ein Infektionsschutz von ungefähr 90 Prozent. Nach einer kompletten Impfung besteht ein 98- bis 99prozentiger Schutz. Als zweite Variante ist eine so genannte "Schnellimmunisierung" mit dem Medikament Encepur möglich, die nicht mit der üblichen Impfung verwechselt werden darf. Sie erfolgt mit Impfungen an den Tagen 0-7-21. Nach diesen Impfungen ist die Grundimmunisierung abgeschlossen. Das bedeutet: Sie haben schon dann einen vollen Schutz. Nach 12 bis 18 Monaten wird eine Auffrischungsimpfung empfohlen. Bei beiden Impfprogrammen sollte aber unbedingt alle drei Jahre eine Auffrischungsimpfung durchgeführt werden. Sie ist dringend notwendig, um einen vollen Impfschutz zu behalten. Doch eine hundertprozentige Sicherheit, nicht zu erkranken, gibt es nach wie vor nicht.
 
Jeder Erkrankte ist einer zu viel
 
In Deutschland wurden im Jahr 2006 insgesamt 546 FSME-Fälle registriert, rund 30 Prozent der Menschen erkrankten schwer. 2007 gab es, wohl nicht zuletzt auf Grund des zu kalten Sommers, 238 registrierte FSME-Fälle in der BRD, heißt es in einer dpa-Meldung vom 28.04.2008.(2) Etwa zehn Prozent aller FSME-Opfer weisen bleibende, teilweise schwerste neurologische Schäden auf. Und ein bis zwei Prozent der FSME-Opfer sterben jährlich in Deutschland. Doch immer noch lassen sich nicht alle gefährdeten Menschen impfen und beachten erforderliche Schutzmaßnahmen nicht. Dabei wären die folgenden Schutzmaßnahmen sicher leicht einzuhalten:
 
Neben der Impfung sollte in Risikogebieten angemessene Kleidung bei Ausflügen in die Natur getragen werden, zum Beispiel lange Ärmel und Hosen. Gleichzeitig empfiehlt es sich, in der freien Natur die Socken über den Hosen zu tragen, um den Zecken eine möglichst geringe Angriffsfläche zu bieten. Außerdem sollte nach einem Wald- und Wiesenbesuch der ganze Körper und Kopf immer nach Zecken abgesucht werden. Denn Zecken bleiben nicht an einem Ort, sondern krabbeln am liebsten dorthin, wo es möglichst warm ist, zum Beispiel in die Achselhöhlen. Wer Haustiere hat, sollte deshalb darauf achten, dass auch diese möglichst zeckenfrei sind, denn auch sie können Zecken an den Menschen abgeben.


Auch die Hauskatze kann Zecken übertragen
Foto: Gisela Segieth


FSME auch durch Milcherzeugnisse
 
Nicht nur der Zeckenbiss kann zur FSME beim Menschen führen. Vom Friedrich-Loeffler-Institut (Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit in Greifswald (3) war zu erfahren „Insbesondere Ziege und Schaf, seltener die Kuh, haben für die sogenannte alimentäre (ernährungsbedingte) FSME eine Bedeutung. Während der virämischen Phase der Tiere (Phase, in der sich die Viren sehr schnell vermehren) gelangt das Virus auch in die Milch und kann dann bei fehlender Pasteurisierung oder durch Frischkäsezubereitungen aus Rohmilch oral aufgenommen werden. Einzelfälle oder kleinere Gruppenerkrankungen des Menschen (Urlaub auf dem Bauernhof) können dann die Folge sein. Die klinischen Verläufe unterscheiden sich nicht von solchen, die durch einen Zeckenstich induziert (verursacht) werden.“
 
Dennoch sei in Deutschland dieses Risiko als gering einzustufen, heißt es aus Greifswald. „Die in der Slowakei, Litauen, Lettland, Polen, Russland und Albanien erkennbare Entwicklung, dass virusverseuchte Milch häufiger als früher zur alimentären (ernährungsbedingten) FSME des Menschen führt, ist in den letzten Jahrzehnten in Deutschland nicht relevant gewesen. In den genannten Ländern ist durch die politischen Veränderungen nach dem Zusammenbruch des Kommunismus und den sich daraus ergebenden Veränderungen in den landwirtschaftlichen Produktionsformen (u.a. Wiedereinrichter, kleine bäuerliche Betriebe, mehr Weidebetrieb) diese Zunahme an alimentären FSME-Fällen erklärbar.“, wird vom Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit berichtet. Doch auch hier kann es keine hundertprozentige Sicherheit geben, sofern man Milch direkt vom Bauern bezieht. Denn der Bauer kann nicht jedes Tier vor dem Melken nach Zecken absuchen. Und die Zahl der Gebiete, in denen Menschen durch Zecken bereits erkrankten, nimmt zu.
 
Risikogebiete in Deutschland nehmen zu
 
Noch ist nicht ganz Deutschland zum Risikogebiet für die FSME geworden, denn noch sind nur 132 Kreise als Risikogebiete benannt. Das liegt jedoch nicht daran, dass in allen anderen Bereichen Zecken harmlos wären. Denn zum Risikogebiet wird ein Bereich erst dann erklärt, wenn bei einer Einwohnerzahl von 100.000 Menschen mindestens ein Zeckenopfer gemeldet wurde.


Zecken kann es auch in dieser schönen Landschaft geben
Foto: Gisela Segieth


Das RKI (Robert-Koch-Institut in Berlin) meldete der dpa bereits im April „Das Risikogebiet für gefährliche Zeckenstiche in Deutschland hat sich weiter vergrößert.“ Drei weitere Risikogebiete in Süddeutschland wurden vom RKI neu erfasst. Seit dem Jahr 2002 gelten lediglich noch Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Berlin und das Saarland nicht als Risikogebiete. Doch niemand weiß, welcher Kreis als nächster zu den Risikogebieten hinzukommt.
 
Fazit:

Deshalb schützen Sie sich so gut es geht gegen Zecken und lassen Sie sich impfen. Denn Zecken halten sich nicht an Sperrzonen. Die Impfung zahlen, bei Menschen die in Risikogebieten leben, die meisten Krankenkassen. Doch selbst wenn Sie die Impfung selbst zahlen müssen, ist der persönliche Schutz mehr wert als die Kosten einer Impfung. Denn jeder hat nur eine Gesundheit, doch Blut saugende Zecken sind überall. (PK)

 
(1) http://www.dgk.de/gesundheit/impfen-infektionskrankheiten/
(2) http://www.bkk.de/bkk/dpa_meldungen/
(3) http://www.fli.bund.de/593.html
 
In der nächsten NRhZ-Ausgabe folgt ein Bericht zur Borreliose
 
 
 
 
 

Online-Flyer Nr. 146  vom 14.05.2008

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