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Wolfgang Bittners Fortsetzungroman – Folge 11
Der Aufsteiger oder Ein Versuch zu leben
Von Wolfgang Bittner

Außer bequem als Buch im Horlemann-Verlag können Sie exklusiv in der NRhZ die überarbeitete Neuausgabe von Wolfgang Bittners 1978 erstmals erschienenen Roman „Der Aufsteiger oder Ein Versuch zu leben“ lesen – eine Rezension des Werks finden sie in der NRhZ 139: „Ein Roman über einen ‚Helden’ von unten, aus der Sicht von unten und deshalb wichtig für alle – und sogar mit nicht allzu viel Fantasie lässt sich auch der Roman auf heutige Verhältnisse übertragen.“, schreibt Rezensent und Buchhändler Uli Klinger über „Der Aufsteiger“.
4) In der Verwaltung (Fortsetzung)
Auf dem Heimweg ging Erich Wegner durch die Straße, in der Karin Möller arbeitete. Er hoffte, sie noch zu treffen, obwohl sie bereits eine halbe Stunde früher Feierabend hatte. Aber in dem Bürohaus schien keiner mehr zu sein. Missmutig ging er weiter nach Hause. Bis Samstag, das waren noch drei Tage. Während der Woche durfte Karin abends nicht ausgehen, weil ihr Vater das nicht wollte. Er hatte gesagt, das gehöre sich nicht für ein achtzehnjähriges Mädchen, schließlich sei er als Vater für den guten Ruf seiner Tochter verantwortlich. Dabei wusste jeder in Salstädt, außer seiner eigenen Familie, dass er ein Verhältnis mit seiner Sprechstundenhilfe hatte.
Das Klima zu Hause ging ihm auf die Nerven. Er dachte darüber nach. Man lebte zusammen, aber man hatte sich nichts zu sagen.
Eine richtige Kaninchenstallatmosphäre. Helga beeilte sich, eine Schnitte herunterzuschlingen, und verschwand dann gleich im Badezimmer, um sich zu schminken. Gegen sieben hupte es draußen, und Helga stürzte zur Tür, eine Wolke von Parfümduft hinterlassend.
„Komm nicht zu spät zurück!“, rief Frau Wegner ihr nach. „Du weißt, dass du morgen wieder früh raus musst!“ Er ging hinüber zu Kruses, in der Hoffnung, Franz anzutreffen.
„Der ist vorhin mit einem Bekannten nach Hannover gefahren“, sagte Herr Kruse. Er mähte gerade seinen Rasen.
Erich Wegner ging zurück nach Hause. Hannover, dachte er, das sind ungefähr fünfzig Kilometer. Da gab es dufte Bienen, da konnte man auch wochentags tanzen gehen und sich bis nachts um zwei oder drei amüsieren. Da war man am Pulsschlag des Lebens. Aber ohne Auto war man am Arsch der Welt. Ob er sich doch erst mal ein Moped kaufen sollte? Dazu würde das Geld gerade reichen.
Seine Mutter saß vor dem Fernseher. Sie sah einen Film mit Heinz Rühmann: Ein Mann geht durch die Wand. Er sah ein bisschen zu, wie der Rühmann durch die Wände ging, als seien sie aus Luft. In einem Banktresor war alles voll von Scheinen und Goldbarren. Das wär was, dachte er, so einen Laden ausräumen und sich dann irgendwo im Süden zur Ruhe setzen, ein paar Klasseweiber um sich, einen eigenen Swimmingpool und natürlich einen Sportwagen.
In der Küche setzte er sich an den Tisch und blätterte in den Illustrierten herum. Sonne, Meer, weißer Strand, Motorboote, schnelle Autos, gebräunte Haut. Als er sich die Bilder mit den leichtbekleideten Mädchen ansah, merkte er, wie er scharf wurde.
Nackte Haut, Mädchen, mit denen man am Strand lag, die sich vögeln ließen, wenn man genügend Geld hatte. Er ging ins Badezimmer und onanierte ein bisschen.
Danach las er die Anzeigen, in denen Pistolen, Schlankheitskuren, Stärkungsmittel, Sexliteratur und so weiter angeboten wurden. Eine etwas größere Anzeige fiel ihm auf, die von einer Firma war, die sich Fernlehrinstitut nannte.
„Sind Sie mit Ihrem Beruf unzufrieden?“, hieß es da. „Wollen Sie sich weiterbilden, wollen Sie weiterkommen? Wir bieten Ihnen eine einmalige Chance! Machen Sie bei uns Ihre Mittlere Reife nach. Oder machen Sie Ihr Abitur. Unverbindlich und kostenlos erhalten Sie unser Lehrmaterial für eine Woche zur Probe.“ Eigentlich nicht schlecht, dachte er. Vielleicht war das tatsächlich eine Chance. Warum sollte man so etwas nicht mal versuchen? Das Abitur nachmachen und hinterher womöglich studieren. Dann könnte man Ingenieur werden oder Arzt oder vielleicht sogar Oberkreisdirektor. Bei dem Gedanken daran wurde ihm ganz schwindelig.
Er zog sich die Jacke an und sagte seiner Mutter Bescheid, dass er noch in die Stadt ging. Obwohl es erst zehn Uhr war, lagen die Straßen da wie ausgestorben. Nur einige Fenster waren noch matt erhellt vom bläulichen Licht der Fernseher. Auch in der Innenstadt traf man kaum einen Menschen. Die Neonbeleuchtung der Geschäfte verbreitete eine unfreundliche, sterile Atmosphäre.
Er schlenderte durch die Hauptstraße und sah sich die Schaufenster an. Elektroherde, Kühlschränke, Fernsehapparate, Möbel, Filmanzeigen, Herrenoberbekleidung und Damenunterbekleidung, ein Bild vom Lago Maggiore in Öl.
Ob das überhaupt zu schaffen war, das Abitur nachzumachen? In der Anzeige hieß es, jeder könne sein Arbeitstempo selber bestimmen, und am Ende müsse man dann eine staatliche Prüfung als Externer ablegen. Danach sei man berechtigt zu studieren, was man wolle. Externer, das war so eine Art Außenseiter.
Man brauchte also kein Gymnasium zu besuchen. Aber natürlich machten die vom Ferninstitut das nicht umsonst; das kostete jeden Monat einen Batzen Geld. Und wovon sollte man hinterher studieren, wenn man kein Geld hatte? Vielleicht war es besser, ein paar Jahre zur See zu gehen und später nach Amerika. Dazu brauchte man kein Abitur. Karl May, Billy Jenkins und Tom Prox waren auch in Amerika gewesen.
Die hatten sich mit dem Gewehr und mit dem Colt in der Hand durchgesetzt, die waren dort berühmte Leute geworden.
Man könnte sich da eine Ranch aufbauen, sich sein eigenes Reich schaffen, und keiner könnte einen mehr bevormunden.
Geld war überhaupt das Wichtigste. Wenn man Geld hatte, war man unabhängig und konnte tun und lassen, was man wollte.
Ohne Geld war man ein dummes Arschloch. Man müsste sich welches beschaffen, überlegte er. Aber wie? Die meisten Geschäfte hatten die Schaufensterbeleuchtung schon ausgeschaltet. Er ging durch die leeren Straßen und fühlte sich wie ausgebrannt. Sein Rücken tat weh und seine Gedanken drehten sich im Kreis. Irgendetwas war so, wie es jetzt war, nicht in Ordnung.
Auf dem Heimweg kam er an einem geparkten Mercedes vorbei.
Auf dem Vordersitz lag eine Kollegmappe aus feinem schwarzem Leder, in dem sich das Licht der Straßenlaterne spiegelte. Er ging noch einmal zurück, bewunderte das komplizierte Armaturenbrett, die vielen Schalter und die weiche Polsterung. Auf dem Rücksitz sah er eine braune Lederjacke, wie er sie schon immer hatte haben wollen. Er spürte förmlich den Geruch von echtem feinem Leder aus dem Wagen herausdringen. Einem plötzlichen Impuls nachgebend, überprüfte er, ob die Türen verschlossen waren oder ob sich ein Fenster öffnen ließ. Aber es war nichts zu machen. Wut kam in ihm hoch. Am liebsten hätte er eine der Seitenscheiben eingeschlagen und sich die Sachen gegriffen.
Leise vor sich hinfluchend, ging er weiter und überlegte, ob er nicht doch eine Scheibe des Autos mit einem Stein einschlagen sollte. Aber das würde einen ziemlichen Krach machen, das Risiko war zu groß. Oder sollte er schnell nach Hause laufen, um einen Schraubenzieher zum Aufstemmen der Ausstellscheibe zu holen? Das wäre eine Minutensache.
Immer noch unschlüssig, kam er am „Blauen Engel“ vorbei.
Kurz entschlossen ging er hinein. So einen Bruch musste man sich genau überlegen. Wenn sie einen schnappten, war man geliefert.
Es gab eine Gerichtsverhandlung, man kam in den Knast, man war vorbestraft. Und was für eine Blamage! Es würde nicht lange dauern, dann wüsste es die ganze Stadt. Nicht auszudenken.
„Boni ist gerade eben nach Hause gegangen“, sagte Jupp Hasselmann.
„Du bist ja heute auch ziemlich spät dran.“ Es ging bereits auf zwölf Uhr zu. Er bestellte ein Bier und überlegte, ob er Jupp etwas von dem Abiturlehrgang erzählen sollte.
Aber dann entschloss er sich doch, das Ganze lieber für sich zu behalten. Solange niemand davon wusste, zerriss sich auch niemand das Maul. Womöglich würden die ihn für verrückt oder für größenwahnsinnig halten. Außerdem war überhaupt nicht sicher, ob er es schaffen würde.
Aber so ein Lehrgang war vielleicht eine Möglichkeit, aus dem Dreck herauszukommen. Mit Abitur bekam man jeden Posten.
Oder man konnte studieren und sich ein paar Jahre einen feinen Lenz machen. Wenn man Student war, musste man nicht morgens um sechs Uhr aufstehen, um dann den ganzen Tag in so einem Behördenkabuff zuzubringen, bevormundet von Typen wie Wöhler. Wenn man Student war, liefen einem die Mädchen dutzendweise hinterher.
Er nahm sich vor, gleich am nächsten Tag einen Brief an dieses Fernlehrinstitut zu schreiben.
Lesen Sie in der kommenden Ausgabe, wie es für Erich Wegner auf dem zweiten Bildungsweg weitergeht!
© 2008 Horlemann
Alle Rechte vorbehalten
Überarbeitete Neuausgabe – Erstveröffentlichung 1978 Büchergilde Gutenberg, Satz und Umschlaggestaltung Verlag.
Bitte fordern Sie das Verlagsverzeichnis an, unter:
Horlemann Verlag, Postfach 1307, 53583 Bad Honnef,
Telefax 02224 5429, E-Mail: info (at) horlemann-verlag.de
www.horlemann.info
Online-Flyer Nr. 150 vom 11.06.2008
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Wolfgang Bittners Fortsetzungroman – Folge 11
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Von Wolfgang Bittner

4) In der Verwaltung (Fortsetzung)
Auf dem Heimweg ging Erich Wegner durch die Straße, in der Karin Möller arbeitete. Er hoffte, sie noch zu treffen, obwohl sie bereits eine halbe Stunde früher Feierabend hatte. Aber in dem Bürohaus schien keiner mehr zu sein. Missmutig ging er weiter nach Hause. Bis Samstag, das waren noch drei Tage. Während der Woche durfte Karin abends nicht ausgehen, weil ihr Vater das nicht wollte. Er hatte gesagt, das gehöre sich nicht für ein achtzehnjähriges Mädchen, schließlich sei er als Vater für den guten Ruf seiner Tochter verantwortlich. Dabei wusste jeder in Salstädt, außer seiner eigenen Familie, dass er ein Verhältnis mit seiner Sprechstundenhilfe hatte.
Das Klima zu Hause ging ihm auf die Nerven. Er dachte darüber nach. Man lebte zusammen, aber man hatte sich nichts zu sagen.
Eine richtige Kaninchenstallatmosphäre. Helga beeilte sich, eine Schnitte herunterzuschlingen, und verschwand dann gleich im Badezimmer, um sich zu schminken. Gegen sieben hupte es draußen, und Helga stürzte zur Tür, eine Wolke von Parfümduft hinterlassend.
„Komm nicht zu spät zurück!“, rief Frau Wegner ihr nach. „Du weißt, dass du morgen wieder früh raus musst!“ Er ging hinüber zu Kruses, in der Hoffnung, Franz anzutreffen.
„Der ist vorhin mit einem Bekannten nach Hannover gefahren“, sagte Herr Kruse. Er mähte gerade seinen Rasen.
Erich Wegner ging zurück nach Hause. Hannover, dachte er, das sind ungefähr fünfzig Kilometer. Da gab es dufte Bienen, da konnte man auch wochentags tanzen gehen und sich bis nachts um zwei oder drei amüsieren. Da war man am Pulsschlag des Lebens. Aber ohne Auto war man am Arsch der Welt. Ob er sich doch erst mal ein Moped kaufen sollte? Dazu würde das Geld gerade reichen.
Seine Mutter saß vor dem Fernseher. Sie sah einen Film mit Heinz Rühmann: Ein Mann geht durch die Wand. Er sah ein bisschen zu, wie der Rühmann durch die Wände ging, als seien sie aus Luft. In einem Banktresor war alles voll von Scheinen und Goldbarren. Das wär was, dachte er, so einen Laden ausräumen und sich dann irgendwo im Süden zur Ruhe setzen, ein paar Klasseweiber um sich, einen eigenen Swimmingpool und natürlich einen Sportwagen.
In der Küche setzte er sich an den Tisch und blätterte in den Illustrierten herum. Sonne, Meer, weißer Strand, Motorboote, schnelle Autos, gebräunte Haut. Als er sich die Bilder mit den leichtbekleideten Mädchen ansah, merkte er, wie er scharf wurde.
Nackte Haut, Mädchen, mit denen man am Strand lag, die sich vögeln ließen, wenn man genügend Geld hatte. Er ging ins Badezimmer und onanierte ein bisschen.
Danach las er die Anzeigen, in denen Pistolen, Schlankheitskuren, Stärkungsmittel, Sexliteratur und so weiter angeboten wurden. Eine etwas größere Anzeige fiel ihm auf, die von einer Firma war, die sich Fernlehrinstitut nannte.
„Sind Sie mit Ihrem Beruf unzufrieden?“, hieß es da. „Wollen Sie sich weiterbilden, wollen Sie weiterkommen? Wir bieten Ihnen eine einmalige Chance! Machen Sie bei uns Ihre Mittlere Reife nach. Oder machen Sie Ihr Abitur. Unverbindlich und kostenlos erhalten Sie unser Lehrmaterial für eine Woche zur Probe.“ Eigentlich nicht schlecht, dachte er. Vielleicht war das tatsächlich eine Chance. Warum sollte man so etwas nicht mal versuchen? Das Abitur nachmachen und hinterher womöglich studieren. Dann könnte man Ingenieur werden oder Arzt oder vielleicht sogar Oberkreisdirektor. Bei dem Gedanken daran wurde ihm ganz schwindelig.
Er zog sich die Jacke an und sagte seiner Mutter Bescheid, dass er noch in die Stadt ging. Obwohl es erst zehn Uhr war, lagen die Straßen da wie ausgestorben. Nur einige Fenster waren noch matt erhellt vom bläulichen Licht der Fernseher. Auch in der Innenstadt traf man kaum einen Menschen. Die Neonbeleuchtung der Geschäfte verbreitete eine unfreundliche, sterile Atmosphäre.
Er schlenderte durch die Hauptstraße und sah sich die Schaufenster an. Elektroherde, Kühlschränke, Fernsehapparate, Möbel, Filmanzeigen, Herrenoberbekleidung und Damenunterbekleidung, ein Bild vom Lago Maggiore in Öl.
Ob das überhaupt zu schaffen war, das Abitur nachzumachen? In der Anzeige hieß es, jeder könne sein Arbeitstempo selber bestimmen, und am Ende müsse man dann eine staatliche Prüfung als Externer ablegen. Danach sei man berechtigt zu studieren, was man wolle. Externer, das war so eine Art Außenseiter.
Man brauchte also kein Gymnasium zu besuchen. Aber natürlich machten die vom Ferninstitut das nicht umsonst; das kostete jeden Monat einen Batzen Geld. Und wovon sollte man hinterher studieren, wenn man kein Geld hatte? Vielleicht war es besser, ein paar Jahre zur See zu gehen und später nach Amerika. Dazu brauchte man kein Abitur. Karl May, Billy Jenkins und Tom Prox waren auch in Amerika gewesen.
Die hatten sich mit dem Gewehr und mit dem Colt in der Hand durchgesetzt, die waren dort berühmte Leute geworden.
Man könnte sich da eine Ranch aufbauen, sich sein eigenes Reich schaffen, und keiner könnte einen mehr bevormunden.
Geld war überhaupt das Wichtigste. Wenn man Geld hatte, war man unabhängig und konnte tun und lassen, was man wollte.
Ohne Geld war man ein dummes Arschloch. Man müsste sich welches beschaffen, überlegte er. Aber wie? Die meisten Geschäfte hatten die Schaufensterbeleuchtung schon ausgeschaltet. Er ging durch die leeren Straßen und fühlte sich wie ausgebrannt. Sein Rücken tat weh und seine Gedanken drehten sich im Kreis. Irgendetwas war so, wie es jetzt war, nicht in Ordnung.
Auf dem Heimweg kam er an einem geparkten Mercedes vorbei.
Auf dem Vordersitz lag eine Kollegmappe aus feinem schwarzem Leder, in dem sich das Licht der Straßenlaterne spiegelte. Er ging noch einmal zurück, bewunderte das komplizierte Armaturenbrett, die vielen Schalter und die weiche Polsterung. Auf dem Rücksitz sah er eine braune Lederjacke, wie er sie schon immer hatte haben wollen. Er spürte förmlich den Geruch von echtem feinem Leder aus dem Wagen herausdringen. Einem plötzlichen Impuls nachgebend, überprüfte er, ob die Türen verschlossen waren oder ob sich ein Fenster öffnen ließ. Aber es war nichts zu machen. Wut kam in ihm hoch. Am liebsten hätte er eine der Seitenscheiben eingeschlagen und sich die Sachen gegriffen.
Leise vor sich hinfluchend, ging er weiter und überlegte, ob er nicht doch eine Scheibe des Autos mit einem Stein einschlagen sollte. Aber das würde einen ziemlichen Krach machen, das Risiko war zu groß. Oder sollte er schnell nach Hause laufen, um einen Schraubenzieher zum Aufstemmen der Ausstellscheibe zu holen? Das wäre eine Minutensache.
Immer noch unschlüssig, kam er am „Blauen Engel“ vorbei.
Kurz entschlossen ging er hinein. So einen Bruch musste man sich genau überlegen. Wenn sie einen schnappten, war man geliefert.
Es gab eine Gerichtsverhandlung, man kam in den Knast, man war vorbestraft. Und was für eine Blamage! Es würde nicht lange dauern, dann wüsste es die ganze Stadt. Nicht auszudenken.
„Boni ist gerade eben nach Hause gegangen“, sagte Jupp Hasselmann.
„Du bist ja heute auch ziemlich spät dran.“ Es ging bereits auf zwölf Uhr zu. Er bestellte ein Bier und überlegte, ob er Jupp etwas von dem Abiturlehrgang erzählen sollte.
Aber dann entschloss er sich doch, das Ganze lieber für sich zu behalten. Solange niemand davon wusste, zerriss sich auch niemand das Maul. Womöglich würden die ihn für verrückt oder für größenwahnsinnig halten. Außerdem war überhaupt nicht sicher, ob er es schaffen würde.
Aber so ein Lehrgang war vielleicht eine Möglichkeit, aus dem Dreck herauszukommen. Mit Abitur bekam man jeden Posten.
Oder man konnte studieren und sich ein paar Jahre einen feinen Lenz machen. Wenn man Student war, musste man nicht morgens um sechs Uhr aufstehen, um dann den ganzen Tag in so einem Behördenkabuff zuzubringen, bevormundet von Typen wie Wöhler. Wenn man Student war, liefen einem die Mädchen dutzendweise hinterher.
Er nahm sich vor, gleich am nächsten Tag einen Brief an dieses Fernlehrinstitut zu schreiben.
Lesen Sie in der kommenden Ausgabe, wie es für Erich Wegner auf dem zweiten Bildungsweg weitergeht!
© 2008 Horlemann
Alle Rechte vorbehalten
Überarbeitete Neuausgabe – Erstveröffentlichung 1978 Büchergilde Gutenberg, Satz und Umschlaggestaltung Verlag.
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Online-Flyer Nr. 150 vom 11.06.2008
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