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Inland
Wie das Auswärtige Amt künftige ausländische Eliten beeinflußt
Tragende Netze
Von Hans Georg

AA-Staatssekretär Georg Boomgarden -
Festansprache für ehemalige
LehrgangsteilnehmerInnen
Quelle: www.diplomatie.diplo.de
Das Projekt ist Teil der unauffälligen, aber langfristig wirksamen "Internationalen Diplomatenausbildung" des Außenministeriums, die seit 1992 fast 1.000 Diplomaten aus mehr als 100 Staaten in der deutschen Hauptstadt geschult hat - zunächst aus Osteuropa und seit 2002 auch aus der islamischen Welt inklusive Afghanistan. Die Schulungen werden systematisch auf sämtliche Zielgebiete der deutschen Expansion ausgedehnt und erreichen in diesem Jahr Ostasien. Sie verdeutlichen beispielhaft die stille, weithin unbeachtete Alltagsarbeit der deutschen Regierungsbürokratien, von der die Berliner Machtexpansion in hohem Maße profitiert.
„Treptower Mafia“
Ihre beeindruckenden bisherigen Erfolge hat die "Internationale Diplomatenausbildung" des Auswärtigen Amts binnen nur weniger Jahre erzielt. Am 25. Mai 1992 hatte der damalige Außenminister Klaus Kinkel den ersten "Diplomatenlehrgang" für Anwärter aus den Staaten Osteuropas und Zentralasiens in Berlin eröffnet - ein Projekt, das die gerade erst eingeleitete Westbindung dieser Länder unumkehrbar machen sollte. In dem Kurs "büffelten" 28 Personen aus 14 Staaten "von Kroatien bis Kirgisistan" unter deutscher Leitung vier Monate lang "Geschichte, Grundzüge der Demokratie sowie der Markt- und Weltwirtschaft", berichtet das deutsche Außenministerium.[1] Ihre Arbeitssprache war das Idiom der traditionellen Hegemonialmacht in Osteuropa - Deutsch. Die von Berlin geschulten Kontaktpersonen, die in den Außenministerien ihrer jeweiligen Herkunftsstaaten aufzusteigen im Begriff sind, wurden in deutschen Diplomatenkreisen damals nach ihrem Ausbildungsort, einem Stadtteil der heutigen Hauptstadt, "Treptower Mafia" genannt. Eines hatten alle gemeinsam: Sie waren mit besten Kontakten in Deutschland ausgestattet und besaßen Klarheit über die politischen Prämissen der deutschen Hegemonialmacht.
Staatssekretäre
Allein mit dem "Internationalen Diplomatenlehrgang" hat Berlin in nur 16 Jahren seinen Wirkungskreis in Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien solide ausgebaut. Wie das Auswärtige Amt berichtet, haben mehr als 600 Diplomaten aus über 30 Ländern den Kurs durchlaufen - in deutscher Sprache und nach deutschem Programm. Einige von ihnen arbeiten inzwischen nicht nur als einfache Gesandte oder als Botschafter, sondern sogar als Staatssekretäre in ihren Herkunftsländern und bilden damit eine Gruppe exklusiver Ansprechpartner für deutsche Interessenten in den osteuropäischen und zentralasiatischen Ministerialbürokratien.
“Alumni” des Auswärtigen Amtes -
dankbar für kontinuierliche Betreuung
Quelle: www.diplomatie.diplo.de
Eine Liste sämtlicher "Ehemaliger" des Diplomatenlehrgangs, nach Möglichkeit mit Einsatzort und E-Mail-Kontakt, veröffentlicht das Auswärtige Amt. Darauf findet sich unter anderem der heutige Botschafter Rumäniens in Deutschland, der 1992 in Berlin vom deutschen Außenministerium geschult wurde. Um die frisch geknüpften Netzwerke aufrecht zu halten, werden die "Ehemaligen" ("Alumni") nach Auskunft des Ministeriums "kontinuierlich betreut, sowohl von der Zentrale des Auswärtigen Amts in Berlin als auch von den deutschen Auslandsvertretungen in aller Welt".[2]
Wichtige Türen
Besonders intensive Schulung erhalten jährlich zwölf Diplomaten aus Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien. Zu diesem Zweck hat die "Akademie Auswärtiger Dienst" des Berliner Außenministeriums im Jahr 2006 ein "Diplomatenkolleg" initiiert, das für die zwölf Teilnehmer über einen Zeitraum von fast neun Monaten Studienreisen sowie eine "Plattform für den Austausch mit deutschen Entscheidungsträgern bietet".[3] Zu diesen "Entscheidungsträgern" zählen Staatssekretäre verschiedener Bundesministerien ebenso wie Abteilungsleiter aus dem Auswärtigen Amt, Beamte aus Länderministerien und Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Das Diplomatenkolleg vermittelt Kontakte zu Medien (Die Zeit, Deutsche Welle), aber auch zu Forschungseinrichtungen (Max-Planck-Institute) und zu Konzernen (Siemens, Airbus, Bosch, Deutsche Post). Damit öffne es "viele wichtige Türen in diesem Land (...), die dem Einzelnen verborgen bleiben würden", berichtet ein Absolvent [4]: Das Kolleg intensiviert den Austausch und damit auch die Bindungen an Deutschland. Zugleich verbessert es Zugänge für expandierende deutsche Unternehmen. "Als weltweit tätiger Dienstleister arbeiten wir gerne und erfolgreich mit den diplomatischen Vertretungen zusammen", erklärt ein hochrangiger Konzernvertreter der Deutschen Post.[5]
Auslandsspionage
Das dritte Diplomatenkolleg, das auch Gespräche mit einem Vertreter der deutschen Auslandsspionage umfasste, ist in der vergangenen Woche zu Ende gegangen - gleichzeitig mit dem 31. Internationalen Diplomatenlehrgang. Das vierte Diplomatenkolleg wird derzeit vorbereitet. Es ist, wie seine Vorgänger, ein Kooperationsvorhaben des Auswärtigen Amts mit der privaten Robert Bosch Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), einem staatsnahen Thinktank. Diese unterhalten zugleich eigene Netzwerkprogramme mit Berührungspunkten zu entsprechenden Projekten des Auswärtigen Amts. So hat die DGAP ein "Mitteleuropa-Forum" eingerichtet, in dem sie die Beziehungen zu "Nachwuchsführungskräften aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung" mehrerer osteuropäischer Staaten systematisiert ("Nachwuchselite-Netzwerk").[6] Die Robert Bosch Stiftung betreibt ebenso Programme zur "Internationalen Nachwuchsförderung". In Verbindung mit der "Diplomatenausbildung" des Auswärtigen Amts runden sie den deutschen Zugriff auf die künftigen auswärtigen Eliten, insbesondere in Osteuropa, ab.
Deutsch geprägt
Dabei weitet das Auswärtige Amt seine diesbezüglichen Aktivitäten systematisch aus. Im Jahr 2002 begann es mit Ausbildungsprogrammen für Diplomaten aus der islamischen Welt, 2006 startete der erste Lehrgang für Personal aus Lateinamerika, 2007 folgten Programme für Afrika südlich der Sahara und für den Irak. Im August und im September wird der erste Kurs für Diplomaten aus Asien stattfinden. Damit werden in diesem Jahr erstmals sämtliche deutschen Expansionsziele außerhalb der Industrienationen des Westens erreicht.[7] Allein im vergangenen Jahr wurden rund 130 Diplomaten aus aller Welt vom deutschen Außenministerium geschult.
Die Erfolge der deutschen Netzwerkbildung kann exemplarisch der Auswärtige Dienst Afghanistans verdeutlichen. Allein in den ersten sieben Afghanistan-Programmen wurden insgesamt 60 afghanische Diplomaten in die deutschen Netzwerke eingebunden. Der achte Kurs findet derzeit statt, er endet Anfang Juli. Sollte der Westen wider Erwarten den Krieg in Afghanistan gewinnen, dann stünde ihm in Kabul ein stark deutsch geprägtes diplomatisches Korps zur Verfügung. (PK)
Weitere Informationen über verschiedene Bereiche der deutschen Netzwerkbildung in aller Welt finden Sie bei www.german-foreign-policy.com/ unter Eliten für Deutschland gewinnen, Deutsche Gestaltungskraft, Schlüsselpositionen, Wettbewerb um die besten Köpfe und Dritte Säule.
[1] Geschichte; www.diplomatie.diplo.de
[2] Alumni-Club; www.diplomatie.diplo.de
[3], [4], [5] Diplomatenkolleg. Deutschland - Perspektiven erleben; www.auswaertiges-amt.de
[6] Mitteleuropa-Forum Budapest; www.dgap.org
[7] Jahresheft 2007; www.diplomatie.diplo.de
Online-Flyer Nr. 152 vom 25.06.2008
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Inland
Wie das Auswärtige Amt künftige ausländische Eliten beeinflußt
Tragende Netze
Von Hans Georg

AA-Staatssekretär Georg Boomgarden -
Festansprache für ehemalige
LehrgangsteilnehmerInnen
Quelle: www.diplomatie.diplo.de
„Treptower Mafia“
Ihre beeindruckenden bisherigen Erfolge hat die "Internationale Diplomatenausbildung" des Auswärtigen Amts binnen nur weniger Jahre erzielt. Am 25. Mai 1992 hatte der damalige Außenminister Klaus Kinkel den ersten "Diplomatenlehrgang" für Anwärter aus den Staaten Osteuropas und Zentralasiens in Berlin eröffnet - ein Projekt, das die gerade erst eingeleitete Westbindung dieser Länder unumkehrbar machen sollte. In dem Kurs "büffelten" 28 Personen aus 14 Staaten "von Kroatien bis Kirgisistan" unter deutscher Leitung vier Monate lang "Geschichte, Grundzüge der Demokratie sowie der Markt- und Weltwirtschaft", berichtet das deutsche Außenministerium.[1] Ihre Arbeitssprache war das Idiom der traditionellen Hegemonialmacht in Osteuropa - Deutsch. Die von Berlin geschulten Kontaktpersonen, die in den Außenministerien ihrer jeweiligen Herkunftsstaaten aufzusteigen im Begriff sind, wurden in deutschen Diplomatenkreisen damals nach ihrem Ausbildungsort, einem Stadtteil der heutigen Hauptstadt, "Treptower Mafia" genannt. Eines hatten alle gemeinsam: Sie waren mit besten Kontakten in Deutschland ausgestattet und besaßen Klarheit über die politischen Prämissen der deutschen Hegemonialmacht.
Staatssekretäre
Allein mit dem "Internationalen Diplomatenlehrgang" hat Berlin in nur 16 Jahren seinen Wirkungskreis in Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien solide ausgebaut. Wie das Auswärtige Amt berichtet, haben mehr als 600 Diplomaten aus über 30 Ländern den Kurs durchlaufen - in deutscher Sprache und nach deutschem Programm. Einige von ihnen arbeiten inzwischen nicht nur als einfache Gesandte oder als Botschafter, sondern sogar als Staatssekretäre in ihren Herkunftsländern und bilden damit eine Gruppe exklusiver Ansprechpartner für deutsche Interessenten in den osteuropäischen und zentralasiatischen Ministerialbürokratien.

“Alumni” des Auswärtigen Amtes -
dankbar für kontinuierliche Betreuung
Quelle: www.diplomatie.diplo.de
Wichtige Türen
Besonders intensive Schulung erhalten jährlich zwölf Diplomaten aus Osteuropa, dem Kaukasus und Zentralasien. Zu diesem Zweck hat die "Akademie Auswärtiger Dienst" des Berliner Außenministeriums im Jahr 2006 ein "Diplomatenkolleg" initiiert, das für die zwölf Teilnehmer über einen Zeitraum von fast neun Monaten Studienreisen sowie eine "Plattform für den Austausch mit deutschen Entscheidungsträgern bietet".[3] Zu diesen "Entscheidungsträgern" zählen Staatssekretäre verschiedener Bundesministerien ebenso wie Abteilungsleiter aus dem Auswärtigen Amt, Beamte aus Länderministerien und Abgeordnete des Deutschen Bundestages. Das Diplomatenkolleg vermittelt Kontakte zu Medien (Die Zeit, Deutsche Welle), aber auch zu Forschungseinrichtungen (Max-Planck-Institute) und zu Konzernen (Siemens, Airbus, Bosch, Deutsche Post). Damit öffne es "viele wichtige Türen in diesem Land (...), die dem Einzelnen verborgen bleiben würden", berichtet ein Absolvent [4]: Das Kolleg intensiviert den Austausch und damit auch die Bindungen an Deutschland. Zugleich verbessert es Zugänge für expandierende deutsche Unternehmen. "Als weltweit tätiger Dienstleister arbeiten wir gerne und erfolgreich mit den diplomatischen Vertretungen zusammen", erklärt ein hochrangiger Konzernvertreter der Deutschen Post.[5]
Auslandsspionage
Das dritte Diplomatenkolleg, das auch Gespräche mit einem Vertreter der deutschen Auslandsspionage umfasste, ist in der vergangenen Woche zu Ende gegangen - gleichzeitig mit dem 31. Internationalen Diplomatenlehrgang. Das vierte Diplomatenkolleg wird derzeit vorbereitet. Es ist, wie seine Vorgänger, ein Kooperationsvorhaben des Auswärtigen Amts mit der privaten Robert Bosch Stiftung und der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), einem staatsnahen Thinktank. Diese unterhalten zugleich eigene Netzwerkprogramme mit Berührungspunkten zu entsprechenden Projekten des Auswärtigen Amts. So hat die DGAP ein "Mitteleuropa-Forum" eingerichtet, in dem sie die Beziehungen zu "Nachwuchsführungskräften aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Verwaltung" mehrerer osteuropäischer Staaten systematisiert ("Nachwuchselite-Netzwerk").[6] Die Robert Bosch Stiftung betreibt ebenso Programme zur "Internationalen Nachwuchsförderung". In Verbindung mit der "Diplomatenausbildung" des Auswärtigen Amts runden sie den deutschen Zugriff auf die künftigen auswärtigen Eliten, insbesondere in Osteuropa, ab.
Deutsch geprägt
Dabei weitet das Auswärtige Amt seine diesbezüglichen Aktivitäten systematisch aus. Im Jahr 2002 begann es mit Ausbildungsprogrammen für Diplomaten aus der islamischen Welt, 2006 startete der erste Lehrgang für Personal aus Lateinamerika, 2007 folgten Programme für Afrika südlich der Sahara und für den Irak. Im August und im September wird der erste Kurs für Diplomaten aus Asien stattfinden. Damit werden in diesem Jahr erstmals sämtliche deutschen Expansionsziele außerhalb der Industrienationen des Westens erreicht.[7] Allein im vergangenen Jahr wurden rund 130 Diplomaten aus aller Welt vom deutschen Außenministerium geschult.
Die Erfolge der deutschen Netzwerkbildung kann exemplarisch der Auswärtige Dienst Afghanistans verdeutlichen. Allein in den ersten sieben Afghanistan-Programmen wurden insgesamt 60 afghanische Diplomaten in die deutschen Netzwerke eingebunden. Der achte Kurs findet derzeit statt, er endet Anfang Juli. Sollte der Westen wider Erwarten den Krieg in Afghanistan gewinnen, dann stünde ihm in Kabul ein stark deutsch geprägtes diplomatisches Korps zur Verfügung. (PK)
Weitere Informationen über verschiedene Bereiche der deutschen Netzwerkbildung in aller Welt finden Sie bei www.german-foreign-policy.com/ unter Eliten für Deutschland gewinnen, Deutsche Gestaltungskraft, Schlüsselpositionen, Wettbewerb um die besten Köpfe und Dritte Säule.
[1] Geschichte; www.diplomatie.diplo.de
[2] Alumni-Club; www.diplomatie.diplo.de
[3], [4], [5] Diplomatenkolleg. Deutschland - Perspektiven erleben; www.auswaertiges-amt.de
[6] Mitteleuropa-Forum Budapest; www.dgap.org
[7] Jahresheft 2007; www.diplomatie.diplo.de
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