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Guns N’ Roses – „Chinese Democracy“: neues Album nach 15 Jahren
Chinesische Demokratie
Von Gerrit Wustmann
In der Presse war „Chinese Democracy“ in den letzten Jahren zum Running Gag mutiert. Eher werde China tatsächlich demokratisch, als dass dieses Album noch erscheint, so war der Tenor. Eine einsame Ausnahme bildete das britische Magazin Classic Rock, das die Hoffnung irgendwie nie aufgegeben hatte und mindestens einmal im Jahr einen Grund findet, um Axl Rose und Co. auf dem Cover zu positionieren.

Richard Fortus, Izzy Stradlin und Axel Rose (v.l.) | Foto: dave1968
Die Geschichte von „Chinese Democracy“ ist lang und steinig, eine Geschichte von Legenden, Gerüchten und hier und dort einmal kryptischen Aussagen verschiedener Bandmitglieder, von denen zeitweise gemutmaßt wurde, sie hätten Schweigeverträge unterzeichnet. Der Anfang datiert zurück in die 90er Jahre. Nach dem Ende der über zweijährigen „Use Your Illusion World Tour“ war die Band anscheinend heillos zerstritten, Gitarrist und Songwriter Izzy Stradlin war bereits 1991 ausgestiegen.
Der Gau für die Musiklandschaft und die Bestätigung zahlreicher Befürchtungen kam im Sommer 1996 in Form eines Faxes in der MTV-Redaktion an: Darin verkündete Axl Rose den Ausstieg von Lead-Gitarrist Slash. Der Weggang der Rock-Ikone wurde als das Ende der Band interpretiert. Dass Rose im selben Fax die begonnene Arbeit an einem neuen Album erwähnte, fand keine Beachtung mehr. In den folgenden Jahren wurde es ruhig. Auch dass Rose 1998 für einige Stunden verhaftet wurde, nachdem er mit dem Sicherheitsdienst eines Flughafens aneinandergeraten war, sorgte nicht mehr für Schlagzeilen. Zehn Jahre zuvor wäre das noch anders gewesen.
Die scheinbare Wende kam 1999, als Guns N’ Roses den von Sean Beavan produzierten Industrial-Song „Oh My God“ auf dem Soundtrack zum Schwarzenegger-Film „End Of Days“ platzierten und Rose dem Rolling Stone das erste Interview seit mehr als sechs Jahren gab. Darin stellte er den Release des neuen Albums für Sommer 2000 in Aussicht. Die Jahrtausendewende kam und ging – ohne Neues von der „Most Dangerous Band In The World“.

An den Keys Dizzy Reed, Foto: Matthew Field
Nach zwei kleineren Shows in Las Vegas zur Jahreswende gaben Guns im Februar 2001 beim Rock In Rio Festival ihr eigentliches Comeback-Konzert, das Kritiker und Fans mit gemischten Gefühlen zurückließ. Einerseits stand da, von Rose und Keyboarder Dizzy Reed abgesehen, eine komplett neue Band auf der Bühne, zudem konnte Rose stimmlich nicht wirklich überzeugen. Andererseits wurde die Rückkehr frenetisch gefeiert, nicht zuletzt weil die Öffentlichkeit erstmals mit Songs wie „Chinese Democracy“, „The Blues“ und „Madagascar“auch einen Einblick in das neue Material bekam.
In den Folgejahren sagte die Band unzählige Konzerte und sogar eine komplette Europatournee immer wieder kurzfristig ab, was auch das Vertrauen der Konzertveranstalter nachhaltig in Mitleidenschaft zog. Das Album wollte derweil einfach nicht fertig werden. „Ich weiß nicht, ob bald das richtige Wort ist“, sagte Rose nach einem Auftritt bei MTV im August 2002. Bandmitglieder und Freunde nahmen den eigensinnigen Musiker regelmäßig in Schutz. Er werde das Werk erst dann veröffentlichen, wenn er selbst voll und ganz zufrieden damit sei. Avantgarde-Gitarrist Buckethead warf 2004 das Handtuch. Offenbar dauerte ihm der Prozess zu lange. Er selber hatte in seinen vier Jahren als Lead-Gitarrist von Guns N’ Roses sechs Soloscheiben veröffentlicht.

Sakraler Gitarrenkult: Ron Thal 2007
in Osaka | Foto: Jarmo Luukkonen
Bis 2006 herrschte dann, wieder einmal, Funkstille. Die Plattenfirma Universal warf derweil eine lieblos zusammen- geschusterte „Greatest Hits“ ohne Zustimmung der Band auf den Markt. Nach eigener Aussage, um zumindest einen Teil der immensen Kosten wieder hereinzubekommen, die die Produktion von „Chinese Democracy“ bis dato verschlungen hatte. 2006 und 2007 tourten Guns durch die ganze Welt, präsentierten erneut neues Songmaterial und stellten mit Ron Thal als Ersatz für Buckethead den letzten Neuzugang vor. „Das Zwei-Wochen-Wunder“, wie Rose ihn im ausverkauften Hammerstein Ballroom in New York City dem Publikum vorstellte: Thal war erst 14 Tage vor Tourbeginn zur Band gestoßen und hatte in dieser kurzen Zeit sämtliche Songs gelernt, die er mit beeindruckender Virtuosität interpretierte.
„Chinese Democracy“ schien 2006 zum Greifen Nahe, bis sich die Band überraschend von ihrem damaligen Manager Merck Mercuriadis trennte und ein weiterer Schlingerkurs begann. Die Tour 2007 fiel dementsprechend kürzer aus als erwartet, wurde aber sicherheitshalber nicht abgesagt – Absagen hatte es schon zu viele gegeben. Als Ende 2007 das Gerücht die Runde machte (ein Gerücht, das von Reed und Thal, sowie der Rose-Vertrauten Beta Lebeis bestätigt wurde), die Platte sei fertig und an Universal übergeben worden, blieben euphorische Reaktionen in der Öffentlichkeit aus. Man wollte es nicht mehr so wirklich glauben. Zwar wurde die Nachricht positiv aufgenommen, dass sich Rose im März 2008 mit Irving Azoff und Andy Gould ein hochkarätiges Management-Team an Bord geholt hatte, sie wären aber nicht die ersten geworden, die an Guns N’ Roses gescheitert wären. Immerhin: Wenn die es nicht schaffen, dann schafft es niemand, war vom Rolling Stone zu vernehmen.
„Wir werden sehen, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln“, sagte Gitarrist Ron Thal bedeutungsschwanger noch im August im Interview mit der NRhZ. Kurz danach kamen sie ins Rollen, die Dinge. Mit „Shackler’s Revenge“ debütierte die erste Songauskopplung im Rahmen des Videospiels „Rock Band 2“. Die eingängige Mischung aus Industrial-Pop-Rock kombiniert mit Rose’ durchdringender Stimme ist genau die Art von Kracher, die würdig ist, diese Band auf die Musiklandkarte zurückzubefördern.
Die zweite Auskopplung „If The World“ können US-Kinogänger im neuen Ridley-Scott-Film „Body Of Lies“ bereits bewundern. In Deutschland kommt der Streifen am 20. November unter dem Titel „Der Mann, der niemals lebte“ ins Kino. Das Magazin Billboard ließ vergangenes Wochende die Bombe platzen:Exakt 15 Jahre nach Veröffentlichung des letzten Studioalbums „The Spaghetti Incident“ wird „Chinese Democracy“ am 23. November exklusiv bei der Kette „Best Buy“ in den USA erscheinen. Die Bandmanager Azoff und Gould hatten mit derartigen Exklusivverträgen bereits in den letzten Jahren einige Erfolge gefeiert. Laut Universal Australien ist der dortige Releasetermin der 22. November. Für den Vertrieb in Deutschland ist noch kein Datum bekannt. Wenn das Prozedere sich aber erwartungsgemäß nach der marktüblichen Taktik richtet, dürften sich deutsche Fans und Hörer Freitag, den 21. November tiefrot im Kalender anstreichen.

Slash-Nachfolger Robin Finck
Foto: dave1968
Selbst Ex-Gitarrist Slash wurde ganz kleinlaut, nachdem er sich einige im Internet gelandete Demoversionen von neuen Stücken angehört hatte. Er verstehe Rose nun. Dieses Werk zu schaffen wäre für die „alte“ Band schlicht nicht möglich gewesen, erzählte er der Süddeutschen Zeitung. Ob „Chinese Democracy“ wirklich der Heilige Gral des Rock ist und es Guns N’ Roses nach 1987 noch einmal gelingt, die Musiklandschaft zu revolutionieren, wird sich in wenigen Wochen zeigen...
Einen Eindruck der Songs „Chinese Democracy“, „Madagascar“ und „There Was A Time“ kann man sich auf der der Band nahe stehenden Fanseite www.gunsnroses.us machen – unten auf der Startseite finden sich drei von Sean Shanahan und bessamk geschnittene Musikvideos. (CH)
Zur Webseite von Guns N’ Roses
Online-Flyer Nr. 168 vom 15.10.2008
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Guns N’ Roses – „Chinese Democracy“: neues Album nach 15 Jahren
Chinesische Demokratie
Von Gerrit Wustmann
In der Presse war „Chinese Democracy“ in den letzten Jahren zum Running Gag mutiert. Eher werde China tatsächlich demokratisch, als dass dieses Album noch erscheint, so war der Tenor. Eine einsame Ausnahme bildete das britische Magazin Classic Rock, das die Hoffnung irgendwie nie aufgegeben hatte und mindestens einmal im Jahr einen Grund findet, um Axl Rose und Co. auf dem Cover zu positionieren.

Richard Fortus, Izzy Stradlin und Axel Rose (v.l.) | Foto: dave1968
Die Geschichte von „Chinese Democracy“ ist lang und steinig, eine Geschichte von Legenden, Gerüchten und hier und dort einmal kryptischen Aussagen verschiedener Bandmitglieder, von denen zeitweise gemutmaßt wurde, sie hätten Schweigeverträge unterzeichnet. Der Anfang datiert zurück in die 90er Jahre. Nach dem Ende der über zweijährigen „Use Your Illusion World Tour“ war die Band anscheinend heillos zerstritten, Gitarrist und Songwriter Izzy Stradlin war bereits 1991 ausgestiegen.
Der Gau für die Musiklandschaft und die Bestätigung zahlreicher Befürchtungen kam im Sommer 1996 in Form eines Faxes in der MTV-Redaktion an: Darin verkündete Axl Rose den Ausstieg von Lead-Gitarrist Slash. Der Weggang der Rock-Ikone wurde als das Ende der Band interpretiert. Dass Rose im selben Fax die begonnene Arbeit an einem neuen Album erwähnte, fand keine Beachtung mehr. In den folgenden Jahren wurde es ruhig. Auch dass Rose 1998 für einige Stunden verhaftet wurde, nachdem er mit dem Sicherheitsdienst eines Flughafens aneinandergeraten war, sorgte nicht mehr für Schlagzeilen. Zehn Jahre zuvor wäre das noch anders gewesen.
Die scheinbare Wende kam 1999, als Guns N’ Roses den von Sean Beavan produzierten Industrial-Song „Oh My God“ auf dem Soundtrack zum Schwarzenegger-Film „End Of Days“ platzierten und Rose dem Rolling Stone das erste Interview seit mehr als sechs Jahren gab. Darin stellte er den Release des neuen Albums für Sommer 2000 in Aussicht. Die Jahrtausendewende kam und ging – ohne Neues von der „Most Dangerous Band In The World“.

An den Keys Dizzy Reed, Foto: Matthew Field
In den Folgejahren sagte die Band unzählige Konzerte und sogar eine komplette Europatournee immer wieder kurzfristig ab, was auch das Vertrauen der Konzertveranstalter nachhaltig in Mitleidenschaft zog. Das Album wollte derweil einfach nicht fertig werden. „Ich weiß nicht, ob bald das richtige Wort ist“, sagte Rose nach einem Auftritt bei MTV im August 2002. Bandmitglieder und Freunde nahmen den eigensinnigen Musiker regelmäßig in Schutz. Er werde das Werk erst dann veröffentlichen, wenn er selbst voll und ganz zufrieden damit sei. Avantgarde-Gitarrist Buckethead warf 2004 das Handtuch. Offenbar dauerte ihm der Prozess zu lange. Er selber hatte in seinen vier Jahren als Lead-Gitarrist von Guns N’ Roses sechs Soloscheiben veröffentlicht.

Sakraler Gitarrenkult: Ron Thal 2007
in Osaka | Foto: Jarmo Luukkonen
„Chinese Democracy“ schien 2006 zum Greifen Nahe, bis sich die Band überraschend von ihrem damaligen Manager Merck Mercuriadis trennte und ein weiterer Schlingerkurs begann. Die Tour 2007 fiel dementsprechend kürzer aus als erwartet, wurde aber sicherheitshalber nicht abgesagt – Absagen hatte es schon zu viele gegeben. Als Ende 2007 das Gerücht die Runde machte (ein Gerücht, das von Reed und Thal, sowie der Rose-Vertrauten Beta Lebeis bestätigt wurde), die Platte sei fertig und an Universal übergeben worden, blieben euphorische Reaktionen in der Öffentlichkeit aus. Man wollte es nicht mehr so wirklich glauben. Zwar wurde die Nachricht positiv aufgenommen, dass sich Rose im März 2008 mit Irving Azoff und Andy Gould ein hochkarätiges Management-Team an Bord geholt hatte, sie wären aber nicht die ersten geworden, die an Guns N’ Roses gescheitert wären. Immerhin: Wenn die es nicht schaffen, dann schafft es niemand, war vom Rolling Stone zu vernehmen.
„Wir werden sehen, in welche Richtung sich die Dinge entwickeln“, sagte Gitarrist Ron Thal bedeutungsschwanger noch im August im Interview mit der NRhZ. Kurz danach kamen sie ins Rollen, die Dinge. Mit „Shackler’s Revenge“ debütierte die erste Songauskopplung im Rahmen des Videospiels „Rock Band 2“. Die eingängige Mischung aus Industrial-Pop-Rock kombiniert mit Rose’ durchdringender Stimme ist genau die Art von Kracher, die würdig ist, diese Band auf die Musiklandkarte zurückzubefördern.
Die zweite Auskopplung „If The World“ können US-Kinogänger im neuen Ridley-Scott-Film „Body Of Lies“ bereits bewundern. In Deutschland kommt der Streifen am 20. November unter dem Titel „Der Mann, der niemals lebte“ ins Kino. Das Magazin Billboard ließ vergangenes Wochende die Bombe platzen:Exakt 15 Jahre nach Veröffentlichung des letzten Studioalbums „The Spaghetti Incident“ wird „Chinese Democracy“ am 23. November exklusiv bei der Kette „Best Buy“ in den USA erscheinen. Die Bandmanager Azoff und Gould hatten mit derartigen Exklusivverträgen bereits in den letzten Jahren einige Erfolge gefeiert. Laut Universal Australien ist der dortige Releasetermin der 22. November. Für den Vertrieb in Deutschland ist noch kein Datum bekannt. Wenn das Prozedere sich aber erwartungsgemäß nach der marktüblichen Taktik richtet, dürften sich deutsche Fans und Hörer Freitag, den 21. November tiefrot im Kalender anstreichen.

Slash-Nachfolger Robin Finck
Foto: dave1968
Einen Eindruck der Songs „Chinese Democracy“, „Madagascar“ und „There Was A Time“ kann man sich auf der der Band nahe stehenden Fanseite www.gunsnroses.us machen – unten auf der Startseite finden sich drei von Sean Shanahan und bessamk geschnittene Musikvideos. (CH)
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