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Lokales
Die belastete Auszeichnung kommt nicht aus den Schlagzeilen
Freundschaftsdienste beim Wuppertaler Kulturpreis
Von Peter Kleinert

Michael Zeller | Foto: Rita Dubas CC
Mit 63 Jahren hat Michael Zeller das Kunststück geschafft, noch ein Nobody zu sein. Das große Leserpublikum kennt den Empfänger des mit 12.500 Euro ordentlich ausgestatteten Preises kaum.
Michael Zeller? Michael wer? Immerhin haben vor ihm diesen Preis Heinrich Böll, Alice Schwarzer und Tom Tykwer erhalten; auch Pina Bausch – die allerdings nur zu 50 Prozent. Die andere Hälfte ging 1978 an Alfred Leithäuser. Auch diesen Maler kannten nur Eingeweihte. Doch er hatte einen Fürsprech: Ein Mal-Verwandter von ihm ist Jurymitglied. Nicht ein sensibler Künstlerkollege, sondern ein stadtbekannter Kommunalpolitiker der SPD und erfolgreicher Unternehmer.
Der Mann weiß, an welchen Strippen zu ziehen ist: So sitzt er 20 Jahre nach der Wohltat für den Mal-Verwandten immer noch in der Jury. Jurys aber sollten doch eigentlich kreativ sein. Und Kreativität besteht auch aus Wechsel und Veränderung. Nicht so in Wuppertal. Dort ist Kontinuität gefragt. Und so sind unter den 13 Mitgliedern auch andere Dauersitzer. Die parteiübergreifende Fraktion der Strippenzieher hatte sich schon lange vorher festgelegt. Man war sich was schuldig, man kennt sich, man trifft sich, man kuschelt. Auch mit der örtlichen Presse.
Die Jury-Entscheidung: eine Farce
Presse? Wuppertal war die erste Einzeitungs-Großstadt der Bundesrepublik. Mit der müssen sich alle gutstellen, wenn sie in der Stadt etwas werden wollen. Was die konkurrenzlose „ Westdeutsche Zeitung “ nicht druckt, hat nicht stattgefunden. Und was sie druckt, kann kaum hinterfragt werden.

Bewegung auf geordneter Bahn: Die Wuppertaler Schwebebahn mit Werbung der WZ
So stand dann am Samstag, den 25. Oktober als Riesen-Aufmacher für den Riesen-Preisträger im Blättchen: „Die Jury spricht sich einstimmig für den Preisträger aus und demonstriert ihre Unabhängigkeit.“ Die Entscheidung eine Farce, ein Märchen der Bericht. Der Leser hat keine andere Wahl, sich besser zu informieren.
Schon Robert Lembke s. A. wusste: „Pressefreiheit ist das Recht, Lügen zu drucken, ohne dazu gezwungen zu werden.“
Schon Wochen vor der Preisverleihung wurden in Wuppertal heimliche Wetten abgeschlossen, dass es diesmal die grauhaarige Eminenz Zeller werden würde. Wer eine Persönlichkeit gewünscht hätte, die auch national und international Reputation besitzt, der hatte nicht mit dem Wuppertaler Klüngel gerechnet, der wieder einmal so effektiv funktionierte wie anno 1978.
Um dem zu begegnen, hatte die renommierte Else-Lasker-Schülergesellschaft den aus Elberfeld stammenden, in Australien lebenden Komponisten George Dreyfus vorgeschlagen. Öffentlich, weil von den Absprachen längst gemunkelt wurde. Um dem zu begegnen, wurde der Vorschlag publik gemacht – ein Künstler, der Wuppertal geehrt hätte.
Davon hatte im fernen Dresden der weltbekannte Komponist Udo Zimmermann erfahren, der den Kollegen Dreyfus kennt und seine Werke. Auch er schrieb einen Brief an den Oberbürgermeister, worin er den Vorschlag der Literaturgesellschaft unterstützte. Das kam fast einer Nobilitierung gleich. Oder so, als hätte Günter Grass sich für Michael Nobody Zeller in Wuppertal ausgesprochen. Aber Grass dürfte den Kollegen wohl kaum kennen, geschweige denn ehren.
Den Dreyfus-Vorschlag kanzelte die Kulturredakteurin der WZ als „Erpressung der Jury“ ab.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Frau Dr. Thöne gut bekannt ist mit einer freien Kollegin. Die heißt Anne Linsel und ist für ihre Hofberichte in Funk und Fernsehen bekannt. Und in Wuppertal geschätzt, weil sie niemanden kritisiert, der ihr und ihren Spezi schaden könnte. Ihre Beziehungen bis in höchste Regierungsstellen und in Funkhäuser dürften ihr ebenfalls kaum zum Nachteil gereichen. Allerdings hatte sie die Moderation der „Aspekte“-Sendung bald wieder abgeben müssen. Um den Job damals zu bekommen, sollen ihre Beziehungen zu einem einflussreichen ZDF-Verwaltungsratsmitglied kein Hindernis gewesen sein. Beziehungen aber ersetzen kein Talent.
Anne Linsel soll an der entscheidenden Jurysitzung am 23. Oktober 2008 nicht teilgenommen haben. So demonstriert man Unabhängigkeit, scheinbare Neutralität. Nur: Jurymitglied ist Jurymitglied. Und Michael Zeller gilt auch dem Feuilleton der FAZ als Lebensgefährte der Journalistin (siehe Bild). (PK)

Aus dem Feuilleton der FAZ vom 28.10.2008
Online-Flyer Nr. 170 vom 29.10.2008
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Die belastete Auszeichnung kommt nicht aus den Schlagzeilen
Freundschaftsdienste beim Wuppertaler Kulturpreis
Von Peter Kleinert

Michael Zeller | Foto: Rita Dubas CC
Michael Zeller? Michael wer? Immerhin haben vor ihm diesen Preis Heinrich Böll, Alice Schwarzer und Tom Tykwer erhalten; auch Pina Bausch – die allerdings nur zu 50 Prozent. Die andere Hälfte ging 1978 an Alfred Leithäuser. Auch diesen Maler kannten nur Eingeweihte. Doch er hatte einen Fürsprech: Ein Mal-Verwandter von ihm ist Jurymitglied. Nicht ein sensibler Künstlerkollege, sondern ein stadtbekannter Kommunalpolitiker der SPD und erfolgreicher Unternehmer.
Der Mann weiß, an welchen Strippen zu ziehen ist: So sitzt er 20 Jahre nach der Wohltat für den Mal-Verwandten immer noch in der Jury. Jurys aber sollten doch eigentlich kreativ sein. Und Kreativität besteht auch aus Wechsel und Veränderung. Nicht so in Wuppertal. Dort ist Kontinuität gefragt. Und so sind unter den 13 Mitgliedern auch andere Dauersitzer. Die parteiübergreifende Fraktion der Strippenzieher hatte sich schon lange vorher festgelegt. Man war sich was schuldig, man kennt sich, man trifft sich, man kuschelt. Auch mit der örtlichen Presse.
Die Jury-Entscheidung: eine Farce
Presse? Wuppertal war die erste Einzeitungs-Großstadt der Bundesrepublik. Mit der müssen sich alle gutstellen, wenn sie in der Stadt etwas werden wollen. Was die konkurrenzlose „ Westdeutsche Zeitung “ nicht druckt, hat nicht stattgefunden. Und was sie druckt, kann kaum hinterfragt werden.

Bewegung auf geordneter Bahn: Die Wuppertaler Schwebebahn mit Werbung der WZ
So stand dann am Samstag, den 25. Oktober als Riesen-Aufmacher für den Riesen-Preisträger im Blättchen: „Die Jury spricht sich einstimmig für den Preisträger aus und demonstriert ihre Unabhängigkeit.“ Die Entscheidung eine Farce, ein Märchen der Bericht. Der Leser hat keine andere Wahl, sich besser zu informieren.
Schon Robert Lembke s. A. wusste: „Pressefreiheit ist das Recht, Lügen zu drucken, ohne dazu gezwungen zu werden.“
Schon Wochen vor der Preisverleihung wurden in Wuppertal heimliche Wetten abgeschlossen, dass es diesmal die grauhaarige Eminenz Zeller werden würde. Wer eine Persönlichkeit gewünscht hätte, die auch national und international Reputation besitzt, der hatte nicht mit dem Wuppertaler Klüngel gerechnet, der wieder einmal so effektiv funktionierte wie anno 1978.
Um dem zu begegnen, hatte die renommierte Else-Lasker-Schülergesellschaft den aus Elberfeld stammenden, in Australien lebenden Komponisten George Dreyfus vorgeschlagen. Öffentlich, weil von den Absprachen längst gemunkelt wurde. Um dem zu begegnen, wurde der Vorschlag publik gemacht – ein Künstler, der Wuppertal geehrt hätte.
Davon hatte im fernen Dresden der weltbekannte Komponist Udo Zimmermann erfahren, der den Kollegen Dreyfus kennt und seine Werke. Auch er schrieb einen Brief an den Oberbürgermeister, worin er den Vorschlag der Literaturgesellschaft unterstützte. Das kam fast einer Nobilitierung gleich. Oder so, als hätte Günter Grass sich für Michael Nobody Zeller in Wuppertal ausgesprochen. Aber Grass dürfte den Kollegen wohl kaum kennen, geschweige denn ehren.
Den Dreyfus-Vorschlag kanzelte die Kulturredakteurin der WZ als „Erpressung der Jury“ ab.
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass Frau Dr. Thöne gut bekannt ist mit einer freien Kollegin. Die heißt Anne Linsel und ist für ihre Hofberichte in Funk und Fernsehen bekannt. Und in Wuppertal geschätzt, weil sie niemanden kritisiert, der ihr und ihren Spezi schaden könnte. Ihre Beziehungen bis in höchste Regierungsstellen und in Funkhäuser dürften ihr ebenfalls kaum zum Nachteil gereichen. Allerdings hatte sie die Moderation der „Aspekte“-Sendung bald wieder abgeben müssen. Um den Job damals zu bekommen, sollen ihre Beziehungen zu einem einflussreichen ZDF-Verwaltungsratsmitglied kein Hindernis gewesen sein. Beziehungen aber ersetzen kein Talent.
Anne Linsel soll an der entscheidenden Jurysitzung am 23. Oktober 2008 nicht teilgenommen haben. So demonstriert man Unabhängigkeit, scheinbare Neutralität. Nur: Jurymitglied ist Jurymitglied. Und Michael Zeller gilt auch dem Feuilleton der FAZ als Lebensgefährte der Journalistin (siehe Bild). (PK)

Aus dem Feuilleton der FAZ vom 28.10.2008
Online-Flyer Nr. 170 vom 29.10.2008
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