SUCHE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Druckversion
Kultur und Wissen
Theater der Keller - in Zusammenarbeit mit dem Theater Wuppertal:
König Ödipus
Von Sophie Köhlert

Hat die Wahrheit gefunden – König Ödipus (Thomas Braus)
Foto: Michael Hörnschemeyer
Dass Ödipus seinen Vater erschlägt und seine Mutter heiratet, ist natürlich der Höhepunkt der Tragödie von Sophokles. Selbst wenn dem Publikum die Geschichte wahrscheinlich bekannt ist, sollte man die Pointe jedoch nicht zu Beginn des Stückes erzählen. Ein wenig Spannung sollte doch in einem so hoch dramatischen Stück - sagen wir ruhig „Krimi“ - bestehen bleiben. Doch genau das tut Regisseur Hüseyin Michael Cirpici in seiner Inszenierung. Er stellt den blinden Seher Teiresias (Patrick Schnicke) mit einem Mikro auf die Bühne, lässt ihn das gesamte Dilemma schon einmal erzählen und das Ganze auch noch vorsorglich und rigoros mit den Worten kommentieren: „Sehen Sie, die Götter sind gründlich.“. Die charmante Art von Schnicke, mit der er dem Publikum im Grunde jegliche Spannung nimmt, mag diesen Fauxpas jedoch entschuldigen.
Chor – eine Horde Zombies
Teiresias, oder sagen wir besser der Erzähler, geht ab und das Schauspiel beginnt. Die Pest wütet in Theben und die Bevölkerung fleht ihren König Ödipus um Hilfe an. Cirpici schafft eine unheimliche Grundstimmung mit einer Nebelmaschine, gruseligen Atemgeräuschen durch die Lautsprecher und einen Chor, der eher an eine Horde Zombies aus einem zweitklassigem Horrorfilm erinnert. (Interessant ist, das Cirpici den Chor ausschließlich mit Schauspielstudenten besetzt hat.) Das Bühnenbild, das eigentlich nur aus einem, zum Publikum hin geöffneten, aus Metallgittern konstruierten Raum besteht, unterstreicht die ohnehin bedrückende Enge des kleinen Theaters. Da das Bühnenbild fast die gesamte Bühne ausfüllt, ist vor allem der Chor gezwungen vor der Bühne zu spielen. Damit verringert sich die Distanz zum Zuschauer, was eher befremdlich und unpassend wirkt.
Um nun Theben von der Pest zu befreien, wird Ödipus vom Orakel auferlegt, den Mörder des Laios zu finden und aus Theben zu vertreiben. Auf der Suche nach dem Mörder kommt Ödipus der Wahrheit über seine eigene Vergangenheit immer näher. Im Prozess der Wahrheitsfindung überzeugen vor allem Thomas Braus (Ödipus) und Andreas Möckel (Kreon) in gemeinsamen Dialogen, aber auch An Kuohns (Iokaste) professionelles Spiel fällt positiv auf.
Überzeugende Darstellung
Ödipus erfährt schließlich seine eigentliche Herkunft und begreift, dass er nicht nur seinen Vater ermordet, sondern auch seine Mutter geheiratet hat, und stürzt daraufhin von der Bühne. An dieser Stelle muss die überzeugende Darstellung von Braus als König Ödipus hervorgehoben werden. Der Zuschauer ist zutiefst ergriffen von so viel unverschuldetem Leid.
Die Empathie hält jedoch leider nicht lange an. Es ertönt ein lautes Getöse aus den Lautsprechern, das weder als Musik noch als Schrei oder sonst etwas anderes identifiziert werden kann. Augenblicklich ist man wieder in der Realität und alles Gefühl und Mitgefühl für den Leidenden ist dahin.

Iokaste – Königin von Theben (An Kuohns) | Quelle: "Hydra Productions"
Der Chor sinniert abschließend über die Unbeständigkeit des Glücks, Teiresias tritt wieder auf, verkündet den Tod Iokastes und, dass Ödipus sich die Augen ausgestochen hat. Doch leider lässt dies den Zuschauer vollkommen kalt. Selbst als Ödipus, blutverschmiert, blind und sich langsam vorwärts tastend, auf der Bühne erscheint, bleibt man absolut gleichgültig. Die Geschichte ist auf eine seltsame Weise abgerissen und keine Einheit mehr.
Kein richtiger Abschluss
Irgendwie ist der Zuschauer dann auch etwas überrascht, als das Licht angeht und die Schauspieler sich verbeugen. Denn die Uhr zeigte gerade einmal kurz nach neun. Eine Stunde? Doch ungewohnt kurz für ein griechisches Drama und auch eine Theaterpremiere. Zusätzlich fehlte ein richtiger Abschluss. Und die Probleme des Ödipus wurden zu Beginn vorweggenommen und auch schon kommentiert; es wurde eine Art Rahmen für die Tragödie geschaffen. Dies ist an und für sich auch vollkommen legitim, jedoch sollte man doch dann so konsequent sein, diesen Rahmen auch wieder zu schließen, und zwar durch den selben Erzähler, der auch das Publikum in die Geschichte eingeführt hat. (PK)
Online-Flyer Nr. 175 vom 03.12.2008
Druckversion
Kultur und Wissen
Theater der Keller - in Zusammenarbeit mit dem Theater Wuppertal:
König Ödipus
Von Sophie Köhlert

Hat die Wahrheit gefunden – König Ödipus (Thomas Braus)
Foto: Michael Hörnschemeyer
Dass Ödipus seinen Vater erschlägt und seine Mutter heiratet, ist natürlich der Höhepunkt der Tragödie von Sophokles. Selbst wenn dem Publikum die Geschichte wahrscheinlich bekannt ist, sollte man die Pointe jedoch nicht zu Beginn des Stückes erzählen. Ein wenig Spannung sollte doch in einem so hoch dramatischen Stück - sagen wir ruhig „Krimi“ - bestehen bleiben. Doch genau das tut Regisseur Hüseyin Michael Cirpici in seiner Inszenierung. Er stellt den blinden Seher Teiresias (Patrick Schnicke) mit einem Mikro auf die Bühne, lässt ihn das gesamte Dilemma schon einmal erzählen und das Ganze auch noch vorsorglich und rigoros mit den Worten kommentieren: „Sehen Sie, die Götter sind gründlich.“. Die charmante Art von Schnicke, mit der er dem Publikum im Grunde jegliche Spannung nimmt, mag diesen Fauxpas jedoch entschuldigen.
Chor – eine Horde Zombies
Teiresias, oder sagen wir besser der Erzähler, geht ab und das Schauspiel beginnt. Die Pest wütet in Theben und die Bevölkerung fleht ihren König Ödipus um Hilfe an. Cirpici schafft eine unheimliche Grundstimmung mit einer Nebelmaschine, gruseligen Atemgeräuschen durch die Lautsprecher und einen Chor, der eher an eine Horde Zombies aus einem zweitklassigem Horrorfilm erinnert. (Interessant ist, das Cirpici den Chor ausschließlich mit Schauspielstudenten besetzt hat.) Das Bühnenbild, das eigentlich nur aus einem, zum Publikum hin geöffneten, aus Metallgittern konstruierten Raum besteht, unterstreicht die ohnehin bedrückende Enge des kleinen Theaters. Da das Bühnenbild fast die gesamte Bühne ausfüllt, ist vor allem der Chor gezwungen vor der Bühne zu spielen. Damit verringert sich die Distanz zum Zuschauer, was eher befremdlich und unpassend wirkt.
Um nun Theben von der Pest zu befreien, wird Ödipus vom Orakel auferlegt, den Mörder des Laios zu finden und aus Theben zu vertreiben. Auf der Suche nach dem Mörder kommt Ödipus der Wahrheit über seine eigene Vergangenheit immer näher. Im Prozess der Wahrheitsfindung überzeugen vor allem Thomas Braus (Ödipus) und Andreas Möckel (Kreon) in gemeinsamen Dialogen, aber auch An Kuohns (Iokaste) professionelles Spiel fällt positiv auf.
Überzeugende Darstellung
Ödipus erfährt schließlich seine eigentliche Herkunft und begreift, dass er nicht nur seinen Vater ermordet, sondern auch seine Mutter geheiratet hat, und stürzt daraufhin von der Bühne. An dieser Stelle muss die überzeugende Darstellung von Braus als König Ödipus hervorgehoben werden. Der Zuschauer ist zutiefst ergriffen von so viel unverschuldetem Leid.
Die Empathie hält jedoch leider nicht lange an. Es ertönt ein lautes Getöse aus den Lautsprechern, das weder als Musik noch als Schrei oder sonst etwas anderes identifiziert werden kann. Augenblicklich ist man wieder in der Realität und alles Gefühl und Mitgefühl für den Leidenden ist dahin.

Iokaste – Königin von Theben (An Kuohns) | Quelle: "Hydra Productions"
Der Chor sinniert abschließend über die Unbeständigkeit des Glücks, Teiresias tritt wieder auf, verkündet den Tod Iokastes und, dass Ödipus sich die Augen ausgestochen hat. Doch leider lässt dies den Zuschauer vollkommen kalt. Selbst als Ödipus, blutverschmiert, blind und sich langsam vorwärts tastend, auf der Bühne erscheint, bleibt man absolut gleichgültig. Die Geschichte ist auf eine seltsame Weise abgerissen und keine Einheit mehr.
Kein richtiger Abschluss
Irgendwie ist der Zuschauer dann auch etwas überrascht, als das Licht angeht und die Schauspieler sich verbeugen. Denn die Uhr zeigte gerade einmal kurz nach neun. Eine Stunde? Doch ungewohnt kurz für ein griechisches Drama und auch eine Theaterpremiere. Zusätzlich fehlte ein richtiger Abschluss. Und die Probleme des Ödipus wurden zu Beginn vorweggenommen und auch schon kommentiert; es wurde eine Art Rahmen für die Tragödie geschaffen. Dies ist an und für sich auch vollkommen legitim, jedoch sollte man doch dann so konsequent sein, diesen Rahmen auch wieder zu schließen, und zwar durch den selben Erzähler, der auch das Publikum in die Geschichte eingeführt hat. (PK)
Online-Flyer Nr. 175 vom 03.12.2008
Druckversion
NEWS
KÖLNER KLAGEMAUER
FILMCLIP
FOTOGALERIE






















