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Lokales
Interviews zum HIGHWAY EUROPA in der Gladbacher Straße in Köln
„Veränderung geht ja nur von links“
Von Peter Kleinert
Peter Kleinert: Euer Projekt HIGHWAY EUROPA, das wir ja mit einem Artikel vor drei Wochen angekündigt hatten. scheint ja, was das Medienecho angeht, erfolgreich gewesen zu sein. Sie waren ja der Initiator in der Gladbacher Straße. Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, hier einen „Passagen“-Ableger hin zu verpflanzen?
Ingo Stein: Ich lebe seit einigen Jahren auf dieser Straße und finde, sie hat ein verstecktes Potential. Als dann letztes Jahr Sabine Voggenreiter und ich uns kennen gelernt haben, hat sich schnell herausgestellt, dass wir ein Projekt zusammen machen wollen. Wir hatten beide ähnliche Ideen und haben knapp ein Jahr lang in wöchentlichen Terminen an Idee und Konzept gearbeitet für den Highway auf der Gladbacher Strasse.

Vorbereitungen für den Highway Europa...
Peter Kleinert: War es schwer, andere Anwohner, Künstler, Ladenbesitzer davon zu überzeugen, dass sie bei dem Projekt mitmachen? Wie haben Sie die Nachbarn überzeugt, dass das Sinn macht, dass so eine kleine Straße die „Passagen“ nachahmt, und wie lange habt Ihr gebraucht, um Euch vorzubereiten?
Ingo Stein: Da es mein erstes Projekt in diese Richtung war oder ist - ist es
immer schwer am Anfang - vor allem da ich ja auch noch einige andere Sachen wie den Laden zu managen habe. Außerdem ist es nie leicht ein idealistisches "Kunst"-Projekt durchzusetzen, wenn es um Geld geht. Es hat sehr viel Disziplin und Geduld und Gespräche abverlangt, dass der Highway am Ende so entstehen konnte wie er jetzt stattgefunden hat.
In Sabine hatte ich aber auch eine gute Mentorin, von der man einiges lernen kann. Da die Nachbarschaft auf der Straße gut funktioniert und sich viele Leute kennen, hat es dann auch alles gut funktioniert. An die möglichen Teilnehmer sind wir im Oktober herangetreten, geplant haben wir intern ca. ein Jahr an dem Projekt.
Peter Kleinert: Worin lagen aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolge des HIGHWAY EUROPA für die Gladbacher?
Ingo Stein: Die wichtigsten Erfolge sind, dass wir eine gute und spannende
Besucherschar hatten, dass wir eine sehr gute Presseresonanz bekommen haben und dass es sich für die Teilnehmer gelohnt hat teilzunehmen und jeder auch Spass und Resonanz oder geschäftliche Erfolge hatte. Und das haben wir für das erste Mal sehr gut hinbekommen.
Peter Kleinert: Habt Ihr möglicherweise auch was falsch gemacht? Eine junge Frau, die meine Ankündigung in der NRhZ mitbekommen hatte, schrieb: „Außer dem Weißen Holunder und ein paar schönen Installationen in diversen Schaufenstern war der Rest der Srtaße extrem stylish, halt dem eher yuppiemäßigen "Passagen"- Publikum angepasst: schicke klamotten, schicke Inneneinrichtungsdesignerstücke, aber halt nix was mensch sich als Normalsterblicher leisten kann.
Ingo Stein: Es gibt immer Sachen die verbesserungswürdig sind und man lernt nie aus - Highway Europa ist aber ein Projekt, was man nicht direkt auf den ersten Blick, wenn man über die Strasse geht, erfassen kann. Es haben viele Sachen stattgefunden, die viel unzugänglicher waren, als nur eine Ausstellung in einem Ladenlokal: Zum Beispiel gab es an einem Abend für eine halbe Stunde ein Fenstertheater aus einer Privatwohnung oder das Projekt Bioinvasion, bei dem Pflanzen auf der Strasse markiert wurden - das sind Dinge, die ein oberflächlicher Betrachter der nicht mit den Teilnehmern kommuniziert, nicht mitbekommt Daher muss ich den Vorwurf, es wäre nix für Normalsterbliche dabei gewesen, komplett abweisen, im Gegenteil: eine der Hauptresonanzen, die wir von den Besuchern bekommen haben, war, dass es sehr toll sei, dass das Projekt so sehr menschlich und kommunikativ ist und sich sehr abhebt vom restlichen Designprogramm den Passagen.

...und anschließen in den „Weißen Holunder"....
Peter Kleinert: Plant Ihr für nächstes Jahr eine Fortsetzung?
Ingo Stein: Ja wir werden weitermachen mit dem Highway. So war es auch von Anfang an geplant.
Peter Kleinert: Wie sind Sie mit Ihrem traditionell eher von linken Gästen besuchten Lokal „Weißer Holunder“ in dieses ja eigentlich aus dem Einkaufszentrum „Passagen“ stammende Projekt reingeraten? War es schwer, Sie da mit reinzuholen?
Karl Schiesberg: Nein, das war keine schwierige Entscheidung. Wir sind ja nicht nur links, sondern auch ein bißchen schräg. Und da wir seit jetzt 18 Jahren auch etwas Unnormalität in diese Straße bringen, haben wir uns einfach bei den Passagen dazugehörig gefühlt. Es wäre uns schwer gefallen, nicht mit dabei gewesen zu sein.
Peter Kleinert: Hat diese Woche am Ende Ihnen und Ihrer Frau was gebracht? Und den Anwohnern, die keine Geschäftsleute oder Kneipenbesitzer sind?
Margot Schiesberg: Ja, es hat uns riesig Spaß gemacht. Als wir 1991 in die Straße kamen, war sie langweilig und fad. Highway Europa war ein Superereignis für die Straße, weil man überall gespürt hat, wie kreativ, lustig und innovativ die Gladbacher Straße geworden ist. In einer Zeit, in der große Kölner Straßen den Bach runtergehen ... Eigelstein, Neußer, Venloer..., erleben wir hier ein Aufblühen des Veedels. Highway Europa hat deutlich gezeigt, daß hier neue, kreative, engagierte, positiv geschäftlich orientierte junge Leute angekommen sind. Wir sind die neue Ehrenstraße.
An den Anwohnern ist die ganze Sache ein bißchen vorbeigegangen. Aber für mich und Karl war es eine große Bereicherung und eine große Freude, die überwiegend jungen Aktivisten des Projekts näher und besser kennenzulernen.
Wir sind ja hier die Ältesten und hatten Spaß daran, wie Veränderung sichtbar wird. Veränderung geht ja nur von links. Und wenn man auf dem Highway in die Stadt reindüst, liegt unser Lokal ja links. Es ist allerdings ein Gerücht, daß unser linkes Image durch diese Geografie begründet ist.

...zum Feiern.
Fotos: gesichter zei(ch/g)en
Peter Kleinert: Falls es nächstes Jahr eine Fortsetzung gibt – sind Sie dann wieder mit von der Partie?
Karl Schiesberg: Wir wünschen uns eine Fortsetzung und werden gerne mit dabei sein. Wir würden uns dann etwas überlegen, damit die Nachbarn und Anwohner noch mehr mit dabei sind und auch aktiv sein können. Das wäre unser Part als Veedelskneipe. Das wäre dann auch links. Im Sinne von: ohne die Massen geht es nicht.
Peter Kleinert: Ihr habt Euch ja mit Filmvorführungen aus dem KAOS Kunst- und Video-Archiv im Weißen Holunder an dem eine Woche dauernden Straßenfest beteiligt. Wie haben die Leute darauf reagiert?
Tom Koesel: Die kabarettistischen Häppchen aus dem KAOS-Archiv konnte man auf der Straße und im weißen Holunder zu sich nehmen. An der Fassade hatten wir Lautsprecher angebracht, so dass Passanten schon durch die Stimmen z.B. aus der ersten Fernsehstunksitzung angelockt wurden. Die Reaktionen waren durchweg positiv, viele Leute wussten nicht, dass es auf der Gladbacher ein Film- und Kunstvideo-Archiv gibt. Der Renner war die erste im Fernsehen gezeigte und 1990 von KAOS für Kanal 4 produzierte Stunksitzung. Auf zwei Monitoren konnte man, auf der Straße in der Kälte stehend, z.B. die legendäre Saunanummer sehen und sich dann entscheiden, ob man im Weißen Holunder Fliegenpilz und Russenei zu sich nimmt oder weitergeht. Der weiße Holunder war aus meiner Sicht der optimale Rahmen, weil hier ein sehr gemischtes und interessiertes Publikum verkehrt.
Peter Kleinert: Störten die Filmvorführungen im Lokal nicht die Gäste, wenn sie sich unterhalten wollten?
Tom Koesel: Die verschiedenen Kabarett-Stücke wurden im Gastraum auf einem alten, extra für unsere Veranstaltung modifizierten Fernsehmöbel aus den 50er Jahren in Schwarzweiß gezeigt. Geräuschprobleme gab es nicht, man konnte sich ja einfach mit einem Sessel vor den Fernsehschrank setzen und die Lautstärke selber regeln.
Peter Kleinert: Was hätte man aus Ihrer Sicht anders oder besser machen sollen?
Tom Koesel: Eine schwere Frage..., vielleicht draußen noch eine Heizung anbringen? Nein im Ernst, für das erste Mal war es wirklich Klasse!. Die Zusammenarbeit hat auf eine angenehm informelle Art hervorragend geklappt, jeder hat seinen Teil einfach erledigt und man hat sich gegenseitig geholfen.
Peter Kleinert: Also seid Ihr nächstes Jahr wieder mit dabei?
Tom Koesel: Wir haben schon einige Ideen entwickelt, und ich gehe davon aus, dass das KAOS Kunst- und Videoarchiv beteiligt sein wird. Ich könnte mir vorstellen, dass man z.B. eine Auswahl der Künstlervideos als begehbare Rauminstallation auf unterschiedlichen Projektionsflächen inszeniert und einen oder zwei Künstler zu Performances einlädt.
Und hier noch drei Statements von weiteren aktiv Beteiligten:
„Nach einer Woche mit vielen persönlichen Botschaften, Liebesbeweisen, geheimnisvollen Statements oder Erkennungscodes, schließen wir unser OR.nithologisches Schmuckprojekt. Vielleicht kreuzen sich Eure Wanderwege oder wir sehen uns in einer der angeschlossenen Ringstationen." - Sabine Braunfisch, Goldschmiedin, Projekt ”Ringstation für Zugvögel"
”Das Warten auf die Zugvögel hat sich gelohnt. Es bleibt spannend, wohin die Botschaften getragen werden." - Marcus Göten, Goldschmied, Projekt ”Ringstation für Zugvögel"
”Danke an alle Highway-Europa-Besucher, die so zahlreich, kreativ und spannend unser Foto-Dokumentationsprojekt unterstützt haben. Ihr habt gute Eindrücke auf den Kameras hinternlassen! :-)" - Jens Rehling, Der 103. Tag, Projekt "Rast-Platz-Blitze" (PK)
Online-Flyer Nr. 183 vom 04.02.2009
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Interviews zum HIGHWAY EUROPA in der Gladbacher Straße in Köln
„Veränderung geht ja nur von links“
Von Peter Kleinert
Peter Kleinert: Euer Projekt HIGHWAY EUROPA, das wir ja mit einem Artikel vor drei Wochen angekündigt hatten. scheint ja, was das Medienecho angeht, erfolgreich gewesen zu sein. Sie waren ja der Initiator in der Gladbacher Straße. Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen, hier einen „Passagen“-Ableger hin zu verpflanzen?
Ingo Stein: Ich lebe seit einigen Jahren auf dieser Straße und finde, sie hat ein verstecktes Potential. Als dann letztes Jahr Sabine Voggenreiter und ich uns kennen gelernt haben, hat sich schnell herausgestellt, dass wir ein Projekt zusammen machen wollen. Wir hatten beide ähnliche Ideen und haben knapp ein Jahr lang in wöchentlichen Terminen an Idee und Konzept gearbeitet für den Highway auf der Gladbacher Strasse.
Vorbereitungen für den Highway Europa...
Peter Kleinert: War es schwer, andere Anwohner, Künstler, Ladenbesitzer davon zu überzeugen, dass sie bei dem Projekt mitmachen? Wie haben Sie die Nachbarn überzeugt, dass das Sinn macht, dass so eine kleine Straße die „Passagen“ nachahmt, und wie lange habt Ihr gebraucht, um Euch vorzubereiten?
Ingo Stein: Da es mein erstes Projekt in diese Richtung war oder ist - ist es
immer schwer am Anfang - vor allem da ich ja auch noch einige andere Sachen wie den Laden zu managen habe. Außerdem ist es nie leicht ein idealistisches "Kunst"-Projekt durchzusetzen, wenn es um Geld geht. Es hat sehr viel Disziplin und Geduld und Gespräche abverlangt, dass der Highway am Ende so entstehen konnte wie er jetzt stattgefunden hat.
In Sabine hatte ich aber auch eine gute Mentorin, von der man einiges lernen kann. Da die Nachbarschaft auf der Straße gut funktioniert und sich viele Leute kennen, hat es dann auch alles gut funktioniert. An die möglichen Teilnehmer sind wir im Oktober herangetreten, geplant haben wir intern ca. ein Jahr an dem Projekt.
Peter Kleinert: Worin lagen aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolge des HIGHWAY EUROPA für die Gladbacher?
Ingo Stein: Die wichtigsten Erfolge sind, dass wir eine gute und spannende
Besucherschar hatten, dass wir eine sehr gute Presseresonanz bekommen haben und dass es sich für die Teilnehmer gelohnt hat teilzunehmen und jeder auch Spass und Resonanz oder geschäftliche Erfolge hatte. Und das haben wir für das erste Mal sehr gut hinbekommen.
Peter Kleinert: Habt Ihr möglicherweise auch was falsch gemacht? Eine junge Frau, die meine Ankündigung in der NRhZ mitbekommen hatte, schrieb: „Außer dem Weißen Holunder und ein paar schönen Installationen in diversen Schaufenstern war der Rest der Srtaße extrem stylish, halt dem eher yuppiemäßigen "Passagen"- Publikum angepasst: schicke klamotten, schicke Inneneinrichtungsdesignerstücke, aber halt nix was mensch sich als Normalsterblicher leisten kann.
Ingo Stein: Es gibt immer Sachen die verbesserungswürdig sind und man lernt nie aus - Highway Europa ist aber ein Projekt, was man nicht direkt auf den ersten Blick, wenn man über die Strasse geht, erfassen kann. Es haben viele Sachen stattgefunden, die viel unzugänglicher waren, als nur eine Ausstellung in einem Ladenlokal: Zum Beispiel gab es an einem Abend für eine halbe Stunde ein Fenstertheater aus einer Privatwohnung oder das Projekt Bioinvasion, bei dem Pflanzen auf der Strasse markiert wurden - das sind Dinge, die ein oberflächlicher Betrachter der nicht mit den Teilnehmern kommuniziert, nicht mitbekommt Daher muss ich den Vorwurf, es wäre nix für Normalsterbliche dabei gewesen, komplett abweisen, im Gegenteil: eine der Hauptresonanzen, die wir von den Besuchern bekommen haben, war, dass es sehr toll sei, dass das Projekt so sehr menschlich und kommunikativ ist und sich sehr abhebt vom restlichen Designprogramm den Passagen.
...und anschließen in den „Weißen Holunder"....
Peter Kleinert: Plant Ihr für nächstes Jahr eine Fortsetzung?
Ingo Stein: Ja wir werden weitermachen mit dem Highway. So war es auch von Anfang an geplant.
Peter Kleinert: Wie sind Sie mit Ihrem traditionell eher von linken Gästen besuchten Lokal „Weißer Holunder“ in dieses ja eigentlich aus dem Einkaufszentrum „Passagen“ stammende Projekt reingeraten? War es schwer, Sie da mit reinzuholen?
Karl Schiesberg: Nein, das war keine schwierige Entscheidung. Wir sind ja nicht nur links, sondern auch ein bißchen schräg. Und da wir seit jetzt 18 Jahren auch etwas Unnormalität in diese Straße bringen, haben wir uns einfach bei den Passagen dazugehörig gefühlt. Es wäre uns schwer gefallen, nicht mit dabei gewesen zu sein.
Peter Kleinert: Hat diese Woche am Ende Ihnen und Ihrer Frau was gebracht? Und den Anwohnern, die keine Geschäftsleute oder Kneipenbesitzer sind?
Margot Schiesberg: Ja, es hat uns riesig Spaß gemacht. Als wir 1991 in die Straße kamen, war sie langweilig und fad. Highway Europa war ein Superereignis für die Straße, weil man überall gespürt hat, wie kreativ, lustig und innovativ die Gladbacher Straße geworden ist. In einer Zeit, in der große Kölner Straßen den Bach runtergehen ... Eigelstein, Neußer, Venloer..., erleben wir hier ein Aufblühen des Veedels. Highway Europa hat deutlich gezeigt, daß hier neue, kreative, engagierte, positiv geschäftlich orientierte junge Leute angekommen sind. Wir sind die neue Ehrenstraße.
An den Anwohnern ist die ganze Sache ein bißchen vorbeigegangen. Aber für mich und Karl war es eine große Bereicherung und eine große Freude, die überwiegend jungen Aktivisten des Projekts näher und besser kennenzulernen.
Wir sind ja hier die Ältesten und hatten Spaß daran, wie Veränderung sichtbar wird. Veränderung geht ja nur von links. Und wenn man auf dem Highway in die Stadt reindüst, liegt unser Lokal ja links. Es ist allerdings ein Gerücht, daß unser linkes Image durch diese Geografie begründet ist.
...zum Feiern.
Fotos: gesichter zei(ch/g)en
Peter Kleinert: Falls es nächstes Jahr eine Fortsetzung gibt – sind Sie dann wieder mit von der Partie?
Karl Schiesberg: Wir wünschen uns eine Fortsetzung und werden gerne mit dabei sein. Wir würden uns dann etwas überlegen, damit die Nachbarn und Anwohner noch mehr mit dabei sind und auch aktiv sein können. Das wäre unser Part als Veedelskneipe. Das wäre dann auch links. Im Sinne von: ohne die Massen geht es nicht.
Peter Kleinert: Ihr habt Euch ja mit Filmvorführungen aus dem KAOS Kunst- und Video-Archiv im Weißen Holunder an dem eine Woche dauernden Straßenfest beteiligt. Wie haben die Leute darauf reagiert?
Tom Koesel: Die kabarettistischen Häppchen aus dem KAOS-Archiv konnte man auf der Straße und im weißen Holunder zu sich nehmen. An der Fassade hatten wir Lautsprecher angebracht, so dass Passanten schon durch die Stimmen z.B. aus der ersten Fernsehstunksitzung angelockt wurden. Die Reaktionen waren durchweg positiv, viele Leute wussten nicht, dass es auf der Gladbacher ein Film- und Kunstvideo-Archiv gibt. Der Renner war die erste im Fernsehen gezeigte und 1990 von KAOS für Kanal 4 produzierte Stunksitzung. Auf zwei Monitoren konnte man, auf der Straße in der Kälte stehend, z.B. die legendäre Saunanummer sehen und sich dann entscheiden, ob man im Weißen Holunder Fliegenpilz und Russenei zu sich nimmt oder weitergeht. Der weiße Holunder war aus meiner Sicht der optimale Rahmen, weil hier ein sehr gemischtes und interessiertes Publikum verkehrt.
Peter Kleinert: Störten die Filmvorführungen im Lokal nicht die Gäste, wenn sie sich unterhalten wollten?
Tom Koesel: Die verschiedenen Kabarett-Stücke wurden im Gastraum auf einem alten, extra für unsere Veranstaltung modifizierten Fernsehmöbel aus den 50er Jahren in Schwarzweiß gezeigt. Geräuschprobleme gab es nicht, man konnte sich ja einfach mit einem Sessel vor den Fernsehschrank setzen und die Lautstärke selber regeln.
Peter Kleinert: Was hätte man aus Ihrer Sicht anders oder besser machen sollen?
Tom Koesel: Eine schwere Frage..., vielleicht draußen noch eine Heizung anbringen? Nein im Ernst, für das erste Mal war es wirklich Klasse!. Die Zusammenarbeit hat auf eine angenehm informelle Art hervorragend geklappt, jeder hat seinen Teil einfach erledigt und man hat sich gegenseitig geholfen.
Peter Kleinert: Also seid Ihr nächstes Jahr wieder mit dabei?
Tom Koesel: Wir haben schon einige Ideen entwickelt, und ich gehe davon aus, dass das KAOS Kunst- und Videoarchiv beteiligt sein wird. Ich könnte mir vorstellen, dass man z.B. eine Auswahl der Künstlervideos als begehbare Rauminstallation auf unterschiedlichen Projektionsflächen inszeniert und einen oder zwei Künstler zu Performances einlädt.
Und hier noch drei Statements von weiteren aktiv Beteiligten:
„Nach einer Woche mit vielen persönlichen Botschaften, Liebesbeweisen, geheimnisvollen Statements oder Erkennungscodes, schließen wir unser OR.nithologisches Schmuckprojekt. Vielleicht kreuzen sich Eure Wanderwege oder wir sehen uns in einer der angeschlossenen Ringstationen." - Sabine Braunfisch, Goldschmiedin, Projekt ”Ringstation für Zugvögel"
”Das Warten auf die Zugvögel hat sich gelohnt. Es bleibt spannend, wohin die Botschaften getragen werden." - Marcus Göten, Goldschmied, Projekt ”Ringstation für Zugvögel"
”Danke an alle Highway-Europa-Besucher, die so zahlreich, kreativ und spannend unser Foto-Dokumentationsprojekt unterstützt haben. Ihr habt gute Eindrücke auf den Kameras hinternlassen! :-)" - Jens Rehling, Der 103. Tag, Projekt "Rast-Platz-Blitze" (PK)
Online-Flyer Nr. 183 vom 04.02.2009
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