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Kultur und Wissen
„Sick“: neues Album von Duff McKagan & Company
Erdiger Rock von alten Hasen
Von Gerrit Wustmann

Duff McKagan und „Loaded“ (Bandfoto)
Als Bassist von Guns N’ Roses, der zusammen mit Saitenhexer Izzy Stradlin eine legendäre Rhythmuskombo bildete, stieg Duff McKagan bereits Ende der 80er in den Rockolymp auf. Gemeinsam mit Steve Jones (Ex-Sex Pistols) gründete er die Neurotic Outsiders, und noch vor seiner Zeit als Stadionrocker spielte er Gitarre bei der Punkband „10 Minute Warning“, die ein selbstbetiteltes Album auf dem Kultlabel Sub Pop veröffentlichte.
Im Gegensatz zu den meisten seiner Musikerkollegen ist McKagan nicht in Los Angeles verwurzelt, sondern in Seattle, woher er stammt. 1993 erschien sein erstes, noch recht pathetisch betiteltes aber hörenswertes Solodebüt „Believe In Me“ bei Geffen, der Nachfolger „Beautiful Disease“ (1999) kam nie an die Öffentlichkeit: Als Geffen von Interscope/Universal aufgekauft wurde mussten zahlreiche kleinere Veröffentlichungen dran glauben, und da McKagan ein Jahr zuvor bei Guns N’ Roses ausgestiegen war, sah man seinen Stern sinken.
Loaded and reloaded

Duff McKagan 2006
Foto: (Ausschnitt) Jeff White
Den Mann, der heute Wirtschaftskolumnen für den Seattle Weekly und den Playboy schreibt, ficht das nicht an. Er gründete die Truppe Loaded, mit der er Anfangs durch die Bars und Clubs der US-Rockmetropolen zog. 2002, im Jahr der Veröffentlichung des beeindruckend düsteren Debütalbums „Dark Days“, trennte sich die Band (zwei Tage vor dem Gig im Köln-Ehrenfelder Szeneladen Underground), weil Duff gemeinsam mit seinen Weggefährten Slash und Matt Sorum „Velvet Revolver“ gründete. Es schien, dass „Loaded“ gestorben sei. Doch nach zwei – seien wir ehrlich – mehr als mittelmäßigen Alben der vermeintlichen Rockveteranen besiegelte Sänger Scott Weiland das Schicksal der Band, die von der Plattenfirma RCA (Sony) fallengelassen wurde und bis heute offiziellen Aussagen zufolge einen neuen Frontmann sucht.
Slash hat inzwischen seine Autobiografie verfasst und arbeitet an einer Soloscheibe, Sorum turnt mit der Allstar-Band Camp Freddy durch die Lande. Stets im Schatten der Ex-Kollegen und ihren Veröffentlichungen, wie die Country und Bluesrock-Glanzstücke von Izzy Stradlin oder dem übergroßen neuen Guns N’ Roses-Werk „Chinese Democracy“, entwickelte McKagan eher still und heimlich die Grundlagen für das, was nun unter dem schlichten Titel „Sick“ erscheint.

„Wasted Heart“ but no wasted music...
Bereits im vergangenen Herbst ging ein Raunen durch die Rocklandschaft, als Loaded nun unter dem Namen Duff McKagan’s Loaded wie aus dem Nichts wieder auftauchten und mit der Veröffentlichung der vielversprechenden EP „Wasted Heart“ die Arbeit an einem neuen Longplayer offiziell machten. Ohne das Internet geht heute nichts mehr, und so dokumentierte McKagan via Youtube die Entstehung der neuen Scheibe. Und die hat es in sich.
Energie und Ideenreichtum
Was sich auf der EP schon andeutete, verwirklicht sich mit „Sick“. Was McKagan hier als Sänger, Gitarrist und Songwriter an dreckigem, rotzigem Rock N’ Roll zustande bringt, sucht Seinesgleichen und beweist wieder einmal, dass auf die alten Hasen im Musikbusiness Verlass ist. Während Spiegel Online den alljährlichen Schülerbandcontest veranstaltet, bei dem man sich schon deshalb langweilt, weil man ohne Mühe die nachgeahmten Vorbilder heraushört, während die sterbenden Plattenlabels eine doofe Band nach der anderen „an die Wand schmeißen, um zu sehen, ob’s Geld bringt“ (Zitat Gilby Clarke), die krampfhaft versuchen, Altbackenes modern klingen zu lassen, während all dessen legt McKagan eine Songsammlung vor, die vor Energie und Ideenreichtum nur so strotzt.
Der Opener „Sick“ ist hart und dreckig und sehr punklastig, das greift sofort. Schon der zweite Song „Sleaze Factory“ ist ein heftigres Kaliber und macht seinem Namen alle Ehre. Natürlich geht es um Frauen und Drogen, aber eigentlich ist das ganz egal, denn mit seinem simplen aber effektiven Riff reißt der Song mit. Er ist „catchy“, wie der Amerikaner sagt, und setzt ganz nebenbei mal neue Standards im Sleaze Rock, der ohne Bands wie Mötley Crüe und die L.A. Guns bald in Vergessenheit geraten würde.
Obwohl McKagan laut Klatschpresse gerade keine Trennung hinter sich hat, geht es auch in der ersten Single „Flatline“ und dem Kracher „No More“ um – natürlich – Frauen, die Männer verlassen, und Männer, die darüber stehen und weitermachen. Mit „IOU“ und „Mother’s Day“ klingen aber auch ruhigere Töne an – wie es sich für ein rundes Rockalbum gehört. Auf die Mischung kommt es an, aber nicht nur auf die Mischung der Lautstärke, sondern auch auf die der Stile. Duff McKagan vereint hier reinen Sleaze, rohen Punk, balladesken Rock und arena-taugliche Riffs zu einer der solidesten, erdigsten und vor allem ehrlichsten Rockplatten der letzten Jahre.
Online-Flyer Nr. 190 vom 25.03.2009
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Kultur und Wissen
„Sick“: neues Album von Duff McKagan & Company
Erdiger Rock von alten Hasen
Von Gerrit Wustmann

Duff McKagan und „Loaded“ (Bandfoto)
Im Gegensatz zu den meisten seiner Musikerkollegen ist McKagan nicht in Los Angeles verwurzelt, sondern in Seattle, woher er stammt. 1993 erschien sein erstes, noch recht pathetisch betiteltes aber hörenswertes Solodebüt „Believe In Me“ bei Geffen, der Nachfolger „Beautiful Disease“ (1999) kam nie an die Öffentlichkeit: Als Geffen von Interscope/Universal aufgekauft wurde mussten zahlreiche kleinere Veröffentlichungen dran glauben, und da McKagan ein Jahr zuvor bei Guns N’ Roses ausgestiegen war, sah man seinen Stern sinken.
Loaded and reloaded

Duff McKagan 2006
Foto: (Ausschnitt) Jeff White
Slash hat inzwischen seine Autobiografie verfasst und arbeitet an einer Soloscheibe, Sorum turnt mit der Allstar-Band Camp Freddy durch die Lande. Stets im Schatten der Ex-Kollegen und ihren Veröffentlichungen, wie die Country und Bluesrock-Glanzstücke von Izzy Stradlin oder dem übergroßen neuen Guns N’ Roses-Werk „Chinese Democracy“, entwickelte McKagan eher still und heimlich die Grundlagen für das, was nun unter dem schlichten Titel „Sick“ erscheint.

„Wasted Heart“ but no wasted music...
Energie und Ideenreichtum
Was sich auf der EP schon andeutete, verwirklicht sich mit „Sick“. Was McKagan hier als Sänger, Gitarrist und Songwriter an dreckigem, rotzigem Rock N’ Roll zustande bringt, sucht Seinesgleichen und beweist wieder einmal, dass auf die alten Hasen im Musikbusiness Verlass ist. Während Spiegel Online den alljährlichen Schülerbandcontest veranstaltet, bei dem man sich schon deshalb langweilt, weil man ohne Mühe die nachgeahmten Vorbilder heraushört, während die sterbenden Plattenlabels eine doofe Band nach der anderen „an die Wand schmeißen, um zu sehen, ob’s Geld bringt“ (Zitat Gilby Clarke), die krampfhaft versuchen, Altbackenes modern klingen zu lassen, während all dessen legt McKagan eine Songsammlung vor, die vor Energie und Ideenreichtum nur so strotzt.
Der Opener „Sick“ ist hart und dreckig und sehr punklastig, das greift sofort. Schon der zweite Song „Sleaze Factory“ ist ein heftigres Kaliber und macht seinem Namen alle Ehre. Natürlich geht es um Frauen und Drogen, aber eigentlich ist das ganz egal, denn mit seinem simplen aber effektiven Riff reißt der Song mit. Er ist „catchy“, wie der Amerikaner sagt, und setzt ganz nebenbei mal neue Standards im Sleaze Rock, der ohne Bands wie Mötley Crüe und die L.A. Guns bald in Vergessenheit geraten würde.
Obwohl McKagan laut Klatschpresse gerade keine Trennung hinter sich hat, geht es auch in der ersten Single „Flatline“ und dem Kracher „No More“ um – natürlich – Frauen, die Männer verlassen, und Männer, die darüber stehen und weitermachen. Mit „IOU“ und „Mother’s Day“ klingen aber auch ruhigere Töne an – wie es sich für ein rundes Rockalbum gehört. Auf die Mischung kommt es an, aber nicht nur auf die Mischung der Lautstärke, sondern auch auf die der Stile. Duff McKagan vereint hier reinen Sleaze, rohen Punk, balladesken Rock und arena-taugliche Riffs zu einer der solidesten, erdigsten und vor allem ehrlichsten Rockplatten der letzten Jahre.
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