SUCHE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Druckversion
Kultur und Wissen
Ein Projekt von Thomas Struth und fiftyfifty im Düsseldorfer Stadtmuseum
Obdachlose fotografieren Passanten
Von Peter Kleinert
Vor fünf Jahren unterstützte Thomas Struth das seit 1995 in Düsseldorf und anderen Städten zwischen Bonn und Essen von Obdachlosen verkaufte Straßenmagazin fiftyfifty mit einer bisher einzigartigen Aktion. Der berühmte Fotograf animierte zwölf fiftyfifty-Verkäuferinnen und Verkäufer dazu, ihr Umfeld und deren Menschen an ihrem Stammplatz zu fotografieren. Die damals in der fiftyfifty-Galerie mit großem Erfolg ausgestellten Fotos kann man nun vom 14. Juli bis zum 9. August im Düsseldorfer Stadtmuseum anschauen.

Thomas Struth | Foto: Hubert Ostendorf
Straßenmagazin und Galerie
Hubert Ostendorf, Initiator des Obdachlosen-Projektes, für das er die Unterstützung der Ordensgemeinschaft der “Armen Brüder vom Hl. Franziskus“ gewann, ist heute Chefredakteur des Straßenmagazins und Organisator der danach gegründeten Galerie. Sie wurde zur wichtigsten Geldquelle für die sozialen Projekte des gemeinnützigen Vereins zur Förderung obdachloser und armer Menschen. Zahlreiche bedeutende Künstler haben inzwischen in der Jägerstraße im Rahmen von Vernissagen Kunstausstellungen ihre Werke an kunstinteressierte Bürger verkauft und diese so zu Mäzenen der Obdachlosenarbeit gemacht. Den Erlös der hier verkauften Kunstwerke stellen sie nämlich dem Verein zur Verfügung.
Darüber hinaus verkauft fiftyfifty viele Kunstwerke von berühmten Stiftern wie zum Beispiel Candida Höfer, Jörg Immendorff, Gerhard Richter und Günther Uecker in der Online-Galerie www.fiftyfifty-galerie.de. Mit den Erlösen werden Bauprojekte finanziert, bei denen Wohnungslose ihr eigenes neues Zuhause schaffen.
"Himmel über der Straße - Topografie der Obdachlosigkeit"
Im Mai 2004 kam es zu einer Fotoausstellung zum Thema Obdachlosigkeit, in der unter dem Titel "Himmel über der Straße - Topografie der Obdachlosigkeit" Arbeiten von international bekannten Fotokünstlern wie Andreas Gursky, Boris Mikhailov, Sigmar Polke, Thomas Ruff, Katharina Sieverding und Thomas Struth zu sehen waren. In diesem Zusammenhang kam Thomas Struth auf die Idee, obdachlose VerkäuferInnen des Straßenmagazins zum Fotografieren zu animieren. Hubert Ostendorf: „Die daraus resultierende Ausstellung ist mittlerweile Kunstgeschichte. Die Mappen mit den Fotos der Obdachlosen, denen Struth drei seiner typischen Straßenschluchten beigefügt hatte, waren in kürzester Zeit zu Gunsten der Obdachlosenhilfe verkauft. In den Projekträumen des Stadtmuseums wird diese Ausstellung nun erstmals an einem musealen Ort präsentiert. Sie gibt einen Einblick in eine zwar allgegenwärtige Realität des städtischen Lebens, die jedoch im Alltag von den wenigsten Menschen wahrgenommen wird.“
Aus der Perspektive des Rollstuhls
Einer der Teilnehmer war Björn, der auf der Königsallee fotografiert hat, dort, wo die “Reichen und Schönen“ unterwegs sind. Seine Fotos sind, so Ostendorf, „geprägt von dem Widerspruch zwischen Arm und Reich und liefern besondere Einsichten in die Realität unserer Gesellschaft“. Ein anderer hat aus der Perspektive des Rollstuhls fotografiert. Eine schwangere Kundin wird aus diesem Blickwinkel fast ausschließlich über ihren Bauch wahrgenommen. „Kunst mit Obdachlosen“, sagt Ostendorf, „enthebt die Teilnehmenden ihrer Opferrolle und macht sie zu handelnden Subjekten mit ganz eigenen, wertvollen Ansichten.“
Thomas Struth, den Hubert Ostendorf beim “Anlernen“ der Obdachlosen fotografiert hat hat von 1973 bis 1980 bei Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Von 1993 bis 1996 war er Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Die zum Teil großformatigen Fotoarbeiten des Biennale- und Berlinale-Teilnehmers Struth und werden auf Ausstellungen in der ganzen Welt gezeigt.
Der Eintritt in die Ausstellung “Obdachlose fotografieren Passanten“ im Stadtmuseum ist frei. Zur Eröffnung am Dienstag sprachen Museumsdirektorin Dr. Susanne Anna und der fiftyfifty-Schirmherr Franziskanerbruder Matthäus Werner. (PK)
Weitere Informationen unter www.fiftyfifty-galerie.de, www.fiftyfifty-underdog.de sowie www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12765 und www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11424
Benny Brückmann, Katrin Dreher und Thomas Struth
Foto: Hubert Ostendorf

Benny Brückmann | Foto: Hubert Ostendorf

Thomas Struth weist Regine Reinartz ein | Foto: Hubert Ostendorf

Thomas Struth und Cornelia Ulrich | Foto: Hubert Ostendorf

Bolkerstraße, Düsseldorf | Foto: Benny Brückmann

Carlsplatz, Düsseldorf | Foto: Johannes Klein

Gerresheimer Markt | Foto: Regine Reinartz

Am Dreieck, Düsseldorf | Foto: Rudolf Druschke
Online-Flyer Nr. 206 vom 15.07.2009
Druckversion
Kultur und Wissen
Ein Projekt von Thomas Struth und fiftyfifty im Düsseldorfer Stadtmuseum
Obdachlose fotografieren Passanten
Von Peter Kleinert
Vor fünf Jahren unterstützte Thomas Struth das seit 1995 in Düsseldorf und anderen Städten zwischen Bonn und Essen von Obdachlosen verkaufte Straßenmagazin fiftyfifty mit einer bisher einzigartigen Aktion. Der berühmte Fotograf animierte zwölf fiftyfifty-Verkäuferinnen und Verkäufer dazu, ihr Umfeld und deren Menschen an ihrem Stammplatz zu fotografieren. Die damals in der fiftyfifty-Galerie mit großem Erfolg ausgestellten Fotos kann man nun vom 14. Juli bis zum 9. August im Düsseldorfer Stadtmuseum anschauen.

Thomas Struth | Foto: Hubert Ostendorf
Straßenmagazin und Galerie
Hubert Ostendorf, Initiator des Obdachlosen-Projektes, für das er die Unterstützung der Ordensgemeinschaft der “Armen Brüder vom Hl. Franziskus“ gewann, ist heute Chefredakteur des Straßenmagazins und Organisator der danach gegründeten Galerie. Sie wurde zur wichtigsten Geldquelle für die sozialen Projekte des gemeinnützigen Vereins zur Förderung obdachloser und armer Menschen. Zahlreiche bedeutende Künstler haben inzwischen in der Jägerstraße im Rahmen von Vernissagen Kunstausstellungen ihre Werke an kunstinteressierte Bürger verkauft und diese so zu Mäzenen der Obdachlosenarbeit gemacht. Den Erlös der hier verkauften Kunstwerke stellen sie nämlich dem Verein zur Verfügung.
Darüber hinaus verkauft fiftyfifty viele Kunstwerke von berühmten Stiftern wie zum Beispiel Candida Höfer, Jörg Immendorff, Gerhard Richter und Günther Uecker in der Online-Galerie www.fiftyfifty-galerie.de. Mit den Erlösen werden Bauprojekte finanziert, bei denen Wohnungslose ihr eigenes neues Zuhause schaffen.
"Himmel über der Straße - Topografie der Obdachlosigkeit"
Im Mai 2004 kam es zu einer Fotoausstellung zum Thema Obdachlosigkeit, in der unter dem Titel "Himmel über der Straße - Topografie der Obdachlosigkeit" Arbeiten von international bekannten Fotokünstlern wie Andreas Gursky, Boris Mikhailov, Sigmar Polke, Thomas Ruff, Katharina Sieverding und Thomas Struth zu sehen waren. In diesem Zusammenhang kam Thomas Struth auf die Idee, obdachlose VerkäuferInnen des Straßenmagazins zum Fotografieren zu animieren. Hubert Ostendorf: „Die daraus resultierende Ausstellung ist mittlerweile Kunstgeschichte. Die Mappen mit den Fotos der Obdachlosen, denen Struth drei seiner typischen Straßenschluchten beigefügt hatte, waren in kürzester Zeit zu Gunsten der Obdachlosenhilfe verkauft. In den Projekträumen des Stadtmuseums wird diese Ausstellung nun erstmals an einem musealen Ort präsentiert. Sie gibt einen Einblick in eine zwar allgegenwärtige Realität des städtischen Lebens, die jedoch im Alltag von den wenigsten Menschen wahrgenommen wird.“
Aus der Perspektive des Rollstuhls
Einer der Teilnehmer war Björn, der auf der Königsallee fotografiert hat, dort, wo die “Reichen und Schönen“ unterwegs sind. Seine Fotos sind, so Ostendorf, „geprägt von dem Widerspruch zwischen Arm und Reich und liefern besondere Einsichten in die Realität unserer Gesellschaft“. Ein anderer hat aus der Perspektive des Rollstuhls fotografiert. Eine schwangere Kundin wird aus diesem Blickwinkel fast ausschließlich über ihren Bauch wahrgenommen. „Kunst mit Obdachlosen“, sagt Ostendorf, „enthebt die Teilnehmenden ihrer Opferrolle und macht sie zu handelnden Subjekten mit ganz eigenen, wertvollen Ansichten.“
Thomas Struth, den Hubert Ostendorf beim “Anlernen“ der Obdachlosen fotografiert hat hat von 1973 bis 1980 bei Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf studiert. Von 1993 bis 1996 war er Professor an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Die zum Teil großformatigen Fotoarbeiten des Biennale- und Berlinale-Teilnehmers Struth und werden auf Ausstellungen in der ganzen Welt gezeigt.
Der Eintritt in die Ausstellung “Obdachlose fotografieren Passanten“ im Stadtmuseum ist frei. Zur Eröffnung am Dienstag sprachen Museumsdirektorin Dr. Susanne Anna und der fiftyfifty-Schirmherr Franziskanerbruder Matthäus Werner. (PK)
Weitere Informationen unter www.fiftyfifty-galerie.de, www.fiftyfifty-underdog.de sowie www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=12765 und www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=11424
Benny Brückmann, Katrin Dreher und Thomas Struth
Foto: Hubert Ostendorf

Benny Brückmann | Foto: Hubert Ostendorf

Thomas Struth weist Regine Reinartz ein | Foto: Hubert Ostendorf

Thomas Struth und Cornelia Ulrich | Foto: Hubert Ostendorf

Bolkerstraße, Düsseldorf | Foto: Benny Brückmann

Carlsplatz, Düsseldorf | Foto: Johannes Klein

Gerresheimer Markt | Foto: Regine Reinartz

Am Dreieck, Düsseldorf | Foto: Rudolf Druschke
Online-Flyer Nr. 206 vom 15.07.2009
Druckversion
NEWS
KÖLNER KLAGEMAUER
FILMCLIP
FOTOGALERIE






















