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Kultur und Wissen
Konzert: The Swell Season im Düsseldorfer Savoy Theater
Fastly Risen...
Von Ingo Arntz

Es wäre geradezu eine journalistische Steilvorlage einen Artikel über die „Swell Season“ mit den Worten „Es war einmal...“ anzufangen, begann doch der buchstäblich märchenhafte Aufstieg des irisch-tschechischen Songwriterduos vor rund vier Jahren durch einen Film mit ebendiesem und ebenso schlichten Titel: „Once“ – was wiederum im englischsprachigen Raum für den Anfang aller Geschichten mit gutem Ende steht.

Im Jahr 2006 fragte der Dubliner Filmemacher John Carney seinen alten Bandkumpanen Glen Hansard, ob dieser nicht ein paar Songs zu dessen neuen Film beisteuern wollte, der die Geschichte um einen Dubliner Straßenmusiker erzählt. Es ergab sich weiter, dass dieser nicht nur den Soundtrack, sondern auch gleich die Hauptrolle übernahm. Insofern naheliegend, da Hansard seit mehr als zwei Jahrzehnten die Rolle des „Buskers“ in der Dubliner Grafton Street selbst verkörperte und zudem zu Beginn seiner Karriere in der Rolle des „Outspan Foster“ in Alan Parkers „Commitments“ (1991) einen kurzen Abstecher ins Filmbusiness unternahm. Etwa zu dieser Zeit formte er auch die irische Indieband, „the Frames“, die es in ihrer Heimat mit den Jahren – übrigens lange vor „Once“ – zum Kultstatus brachte. Den weiblichen Gegenpart im Film übernahm die damals gerade mal siebzehnjährige, bis dahin gänzlich unbekannte tschechische Musikerin Marketa Irglova. So weit, so unspektakulär.

The swell season smile
Musikalische Liebe auf den ersten Blick:
Marketa Irglova + Glen Hansard = The Swell Season
 
Der Film wurde mit äußerst mageren 130.000 Euro Produktionskosten abgedreht, feierte im Heimatland zunächst einige unerwartete Erfolge, räumte die Publikumspreise beim Dubliner Filmfestival ebenso ab wie beim renommierten Sundance Film Festival in den USA, avancierte dort umgehend zum Kultfilm und das Duo Hansard/Irglova gewann 2008 mit „Falling Slowly“ den Oscar für den besten Filmsong. Hätte sich jemand diese Geschichte ausgedacht und einen Film daraus gemacht, so hätte dieser aufgrund seines selbst für Hollywood maßlos übertriebenen Plots sicher keine Chancen auf die begehrte Trophäe gehabt.
 
The Swell Season Tourplakat 2010
Das Plakat der Europatour 2010                       
Im Fahrwasser des Filmerfolges bespielen die beiden mit ihrer Band (die zu großen Teilen aus „Frames“-Mitgliedern besteht) nun seit etwa zwei Jahren als „The Swell Season“ die großen Theaterbühnen rund um den Globus. Ihr zweites Album „Strict Joy“ im Gepäck betraten sie am 21. Februar 2010 auch die des restlos ausverkauften Savoy Theaters in Düsseldorf.
 
Die bestechende Authentizität mit der die beiden den Film zu dem gemacht haben, was er ist, tragen sie ohne Umwege auf die Bühne. In überzeugender und fast bewegender Manier singt sich Hansard Song für Song sein Herz aus der Seele. Alles, was auf der Bühne passiert, wirkt weder bemüht noch gestellt: seien es die improvisierten Absprachen auf der Bühne, die vielen kurzen und nicht ganz so kurzen Geschichten, die zwischen den Songs erzählt werden müssen. Es ist der sehr unmittelbare Draht zum Publikum und der Charme des Straßenmusikers, der die Vorstellung, dass man es hier mit zwei Glamour behangenen Oscarpreisträgern zu tun hat, ziemlich grotesk erscheinen lässt.

The swell season reflection
Reflexionen mit Feder und Gitarre

Man erlebt handwerklich ausgereiftes Songwriting, das die Nähe zu den obligatorischen Vorbildern Dylan oder Van Morisson deutlich erkennen, sie aber nicht zu deren Kopie werden lässt. Die musikalische Arbeitsteilung funktioniert auf der Bühne wie im Studio äußerst symbiotisch. Die Kompositionen gewinnen stark durch das Zusammenspiel von Hansards druckvoller Gitarrenarbeit und Irglovas Klavierspiel. Für den nötigen Groove sorgt die großartige Band, die es geradezu famos versteht – je nach Bedarf – dezente oder brachiale Akzente zu setzen. 
 
Stets durchdrungen von hoher Emotionalität reicht die Dramaturgie der Musik von sehr leisen Momenten bis hin zu wahren Explosionen, wobei Erstere klar (leider) überwiegen. Spätestens hier kommen wir zur Geschmacksfrage, die damit auch schon beantwortet wäre.
 
Josh Ritter Foto: Kurt Christensen
Josh Ritter in concert
Foto: Kurt Christensen
Mit dem auf der grünen Insel bereits sehr geachteten Songwriter Josh Ritter als Support konnte der Einstieg in den Abend kaum besser gelingen. Charmant und versiert präsentierte der Kalifornier seine wunderbar kraftvollen und musikalisch variantenreichen Songs und ließ damit seine 45-minütige One-Man-Show zu einer sehr kurzweiligen Einstimmung werden.
 
Bleibt am Ende eine kleine Empfehlung an Musikinteressierte und ein Appell an Konzertveranstalter und Musikproduzenten, ruhig etwas mehr etwas mehr Neugierde und Mut an den Tag zu legen und einfach mal nachzuhorchen, was jenseits Englands und der USA so passiert. Nehmen wir aus gegebenen Anlass die Szene auf der grünen Insel, die musikalisch definitiv mehr zu bieten hat, als das ihr ständig neu aufgelegte Klischee des ewigen Irish Folk Festivals.
 
Hier nur ein paar Namen, die vor Ort bereits längst und zurecht hoch gehandelt werden, hierzulande jedoch mehr oder weniger den Status „unbekannt“ genießen:
Lisa Hannigan, Duke Special, Bell X1, Mundy, Wallis Bird
(am 19.03. im Gebäude 9 in Köln)

Sparen wir uns die Umwege!
 
Zur Webseite der Band
 
(CH)
 


Online-Flyer Nr. 239  vom 10.03.2010

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