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Globales
Mehr als 10.000 Roma folgten einer Einladung Erdoğans nach Istanbul
„Eure Probleme sind auch meine Probleme“
Von Kurt Holl

Für den 13. März hatte der türkische Ministerpräsident Erdoğan Roma aus der ganzen Türkei zu einer festlichen Versammlung im Abdi İpekçi Sport-Zentrum nach Istanbul eingeladen. Vor dem Hintergrund von schweren Ausschreitungen gegen die Bewohner eines Roma-Viertels in Manisa, einer Großstadt in West-Anatolien, rief er den mehr als 16.000 Besuchern zu: „Ich bin mit Euch als Brüdern und Schwestern aufgewachsen“ - eine Anspielung auf seine Kindheit im Istanbuler Stadtteil Kasımpaša.

Tausende Roma folgten der Einladung von
Recep Tayyip Erdoğan
Quelle: www.sundayszaman.com
Nach so vielen Jahren der Ausgrenzung und Unterdrückung müssten die Roma jetzt die vollen Menschen- und Bürgerrechte genießen. Vor allem angesichts der zunehmenden Verfolgung und Ausgrenzung auch in Europa müssten die Roma in der Türkei an allen demokratischen Möglichkeiten teilhaben können, erklärte der Ministerpräsident in einer freundschaftlichen Atmosphäre, die sich im Rahmen einer Initiative seiner Regierung entwickelt, durch die die Rechte bisher benachteiligter Bevölkerungsgruppen wie Kurden, Aleviten und Roma gestärkt werden sollen. „Als Staat haben wir dafür die Verantwortung übernommen“, versicherte Erdoğan seinen Zuhörern. „Von heute an sind Eure Probleme auch meine Probleme.“ Die Roma-Community in der Türkei zählt ca. zwei Millionen Menschen.


Blumen für die Gäste aus den Provinzen | Quelle: www.hurriyet.com.tr

Dass die aus verschiedenen Provinzen nach Istanbul gekommenen Roma große Hoffnungen auf Erdoğan richten, bewies das begeisterte Echo auf seine Rede und der Widerhall zahlloser „davul“ (Trommeln) im Stadion, die bekanntlich zu osmanischen Zeiten von den Roma Armee-Musikern zur Einschüchterung der Feinde geschlagen wurden. „İlle de Roman olsun …“ rief Erdoğan zum Schluß und zitierte damit aus einem bekannten Lied der Roma, dessen Zeile in Deutsch in etwa lautet: „Hauptsache Roma!“ Die Menge dankte es ihm mit tosendem Beifall.

Der AKP-Politiker Erdoğan betreibt mit solchen Veranstaltungen sicher auch Wahlwerbung; doch ist die symbolische Bedeutung der Tatsache kaum zu überschätzen, dass sich mit ihm nun zum ersten Mal in der Geschichte der Türkei ein Staatsführer zu den Roma bekennt. Man kann nur hoffen, dass das in dieser Frage höchst zurückgebliebene Deutschland möglichst bald türkisches Niveau erreicht. (PK)

Kurt Holl ist einer der Gründer des Kölner Rom e.V. und hat diesen Beitrag vor ein paar Tagen in dessen jüngstem Rundbrief "Nevipe" ("Neuigkeiten") veröffentlicht.

Online-Flyer Nr. 244  vom 07.04.2010

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