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Nach dem Sieg über den Faschismus verharrte die IKP im Schatten von Jalta
Vor 65 Jahren Hinrichtung Mussolinis
Von Gerhard Feldbauer

Hitler und sein politisches Vorbild Mussolini
Die Partisanenarmee eröffnete zwischen Piemont und Venetien auf einer Breite von 400 km ihre letzte Offensive. In Genua legte der Ortskom-manant der Hitlerwehrmacht, General Meinhold, die Waffen nieder und ging mit 9.000 Mann in Gefangenschaft. Am 27. April kapitulierte das X. deutsche Panzerkorps vor den Parti-sanen. Am 30. April nahmen Garibaldibrigaden am Monte Grappa 33.000 deutsche Soldaten gefangen. Insgesamt ergaben sich zwischen dem 25. April und dem 4. Mai allein in Veneto 140.000 deutsche Soldaten den Partisanen.
An weiter gehenden Informationen zum Thema interessierte Leser verweisen wir auf die Bücher Gerhard Feldbauers: Von Mussolini bis Fini, die extreme Rechte in Italien. Elefantenpress Berlin 1996, Marsch auf Rom. Faschismus und Antifaschismus in Italien. 2002 und Geschichte Italiens - Vom Risorgimento bis heute, 2008, beide PapyRossa Köln
Online-Flyer Nr. 247 vom 28.04.2010
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Nach dem Sieg über den Faschismus verharrte die IKP im Schatten von Jalta
Vor 65 Jahren Hinrichtung Mussolinis
Von Gerhard Feldbauer

Hitler und sein politisches Vorbild Mussolini
NRhZ-Archiv
Geschichtsfälschungen
Am 25. April begann die Befreiung Mailands. Für den Angriff auf die Stadt, in der sich starke Kräfte der Wehrmacht, SS-Truppenteile und italienische Schwarzhemden mit dem „Duce“ verschanzt hatten, hatte Luigi Longo, mit dem Sozialisten Sandro Pertini Befehlshaber der Partisanenarmee, über 30.000 Mann zusammen gezogen. Noch während der Kämpfe tagte in der Stadt das Nationale Befreiungskomitee Norditaliens (CLNA) und übernahm als Beauftragter der von den Alliierten anerkannten Nationalen Einheitsregierung die zivilen und militärischen Machtbefugnisse, erklärte den Ausnahmezustand, richtete Kriegsgerichte ein und erließ dazu Dekrete über die Organisation der Justiz und der Verwaltung. In einem Ultimatum forderte es alle italienischen Faschisten auf, bedingungslos zu kapitulieren. Die Justizdekrete bildeten die gesetzliche Grundlage für die standrechtliche Erschießung von insgesamt 1.732 italienischen Faschisten, die der Aufforderung, sich zu ergeben, nicht nachkamen. Darunter fiel auch die Hinrichtung Mussolinis. Das widerlegt eindeutig die von bestimmten Historikern noch immer verbreiteten Geschichtsfälschungen, welche die Vollstreckung dieser rechtskräftigen Urteile als Morde zu diffamieren suchen.
Mussolini weigerte sich, bedingungslos zu kapitulieren und drohte, Mailand zum „Stalingrad Italiens“ zu machen. Trotzdem empfingen Vertreter des Befreiungskomitees den Diktator zu einem von dem Mailänder Kardinal Schuster arrangierten Treffen, schilderten ihm seine aussichtslose Lage und forderten ihn erneut auf, sich bedingungslos zu ergeben. In dem Gespräch erfuhr Mussolini auch, dass Wehrmachts- und SS-Führer in Italien hinter seinem Rücken Kontakte zu den Amerikanern aufgenommen hatten, um einen separaten Waffenstillstand zu erreichen. Der „Duce“ bat um eine Frist von einigen Stunden, um, wie er erklärte, die deutschen Verbündeten zu informieren, dass er sich von allen Verpflichtungen entbunden betrachte. Die Vertreter des Befreiungskomitees hielten sich korrekt an die mit Kardinal Schuster getroffene Vereinbarung und ließen Mussolini gehen.
IKP-Oberst Audisio exekutiert den „Duce“
Mussolini nahm den staatlichen Goldschatz an sich und floh mit mehreren faschistischen Größen, unter ihnen sein Kriegsminister Marchall Rodolfo Graziani, begleitet von einer deutschen SS-Abteilung in Richtung Schweiz. Graziani verließ bei Como die Kolonne und stellte sich den Amerikanern. In der Frühe des 27. April stoppte eine Partisanen-Einheit die SS-Kolonne hinter Como bei der Ortschaft Dongo. Die SS-Manschaft übergab unter der Bedingung anschließenden freien Abzugs Mussolini, der sich einen deutschen Militärmantel übergezogen hatte, mit seiner Begleitung den Partisanen. Das Befreiungskomitee entsandte aus Mailand ein Exekutionskommando unter Oberst Walter Audisio (Kampfname Valerio), das am 28. April an Mussolini und seiner Begleitung die Todesurteile vollstreckte. In der Situation des Ausnahmezustandes wurde auch die Geliebte Mussolinis, Clara Petacci, gegen die kein Todesurteil ergangen war, erschossen.
Die Leichen Mussolinis und seiner Begleitung wurden nach Mailand gebracht und auf der Piazzale Loretto mit den Köpfen nach unten aufgehängt. Am selben Ort hatten Schwarzhemden am 12. August 1944 fünfzehn ermordete Geiseln genau so zur Schau gestellt. Die Vollstreckung der Todesurteile gab das Befreiungskomitee am 29. April bekannt. Der Vertreter der Alliierten Militärregierung, Oberst Charles Poletti, besichtigte die Piazalle Loretto und würdigte auf einem Empfang, den er für das Nationale Befreiungskomitee und eine Partisanenabordnung gab, die ausgezeichnete Disziplin“ die in Mailand herrschte. Die Gefangennahme Mussolinis und dessen anschließende Exekution bezeichnete er als eine „bewundernswerte Operation“, für die er dem Nationalen Befreiungskomitee Norditaliens die „vollste Anerkennung“ der Alliierten Militärregierung aussprach.
Breite antifaschistische Bewegung
Über zwei Jahrzehnte antifaschistischer Widerstand endete mit dem Sieg über den Faschismus. Die entscheidende Kraft dieses Kampfes war die italienische Arbeiterklasse mit der kommunistischen Partei an der Spitze. Ein Aktionseinheitsabkommens, das Luigi Longo von der IKP und Pietro Nenni von der ISP 1934 geschlossen hatten, zog erhebliche kleinbürgerliche Schichten sowie Angehörige der Intelligenz auf ihre Seite. Das beeinflusste das bürgerliche Lager einschließlich der herrschenden Kreise des Landes, die unter dem Druck der breiten antifaschistischen Bewegung im Juli 1943 Mussolini stürzten. Nach der Okkupation Nord- und Mittelitaliens am 8. September 1943 durch Hitlerdeutschland entstand auf Initiative der IKP ein alle antifaschistischen Parteien umfassendes Nationales Befreiungskomitee, das zum bewaffneten Befreiungskampf gegen die Wehrmacht und ihre italienischen Marionetten und zur Bildung von Partisanen-Einheiten aufrief. Italien brach mit der faschistischen Achse, erklärte Hitlerdeutschland den Krieg und trat der Antihitlerkoalition bei. Im April 1944 entstand auf Initiative der IKP eine alle Oppositionsparteien erfassende antifaschistische Einheitsregierung.
IKP wird zur Massenpartei
Im bewaffneten Befreiungskampf entwickelte sich die IKP zu einer Massenpartei, die am Ende des Kriegs auf zwei Millionen Mitglieder anstieg. Von den 256.000 regulären Kämpfern der Partisanenarmee waren 155.000 Kommunisten oder Angehörige der von ihr aufgestellten Garibaldi-Brigaden. Bereits Anfang 1944 führten die Partisanen Operationen durch, die 15 Divisionen der Wehrmacht banden. Ihre Kampfhandlungen, die sie in der Endphase des Krieges oft weit im Vorfeld der heranrückenden alliierten Truppen führte, belegten augenscheinlich den italienischen Beitrag zum Sieg über den Faschismus.
Revolutionäre Situation nicht genutzt
IKP-Generalsekretär Palmiro Togliatti fügte sich jedoch ganz offensichtlich dem Kurs Stalins, der die Antihitlerkoalition erhalten wollte. Um diese Politik innenpolitisch zu flankieren verzichtete er darauf, die revolutionäre Situation für eine antiimperialistische antifaschistisch-demokratische Umwälzung zu nutzen. Gegen den starken Widerstand der Partisanen setzte er diese Linie in der Parteiführung durch. Die sich formierende Konterrevolution versuchte die IKP durch immer neue Zugeständnisse aufzuhalten. Sie stimmte der Entwaffnung und Auflösung aller Partisanenverbände zu; ebenso der Amtsenthebung der örtlichen Befreiungskomitees, die Regierungsorgane waren, was bedeutete, dass die eingeleiteten revolutionär-demokratischen Prozesse gestoppt und rückgängig gemacht wurden. Im Juni 1945 fügte sich Togliatti als Justizminister der Forderung nach Auflösung des „Hohen Kommissariats zur Verfolgung der Regimeverbrecher“ und einer sogenannten Amnestie der „nationalen Versöhnung“, die zu einer Revision bereits ergangener über 11.000 Urteile führte.
Neue faschistische Sammlungs-Bewegung
Dieses Zugeständnis begünstigte im August 1945 entscheidend die Bildung der faschistischen Sammlungs-Bewegung Uomo Qualunque (Jedermann), aus der bereits im Dezember 1946 die Wiedergründung der Mussolinipartei in Gestalt des Movimento Sociale Italieno erfolgte. Deren Nationalsekretär wurde der Rassenideologe und Staatssekretär des „Duce“, Giorgio Almirante, der noch kurz vor Kriegsende einen „Genickschusserlass gegen Partisanen“ unterzeichnet hatte. Im Dezember 1945 stimmte die IKP für den Rücktritt Ferrucio Parris von der Aktionspartei als Ministerpräsident und für De Gasperi von der DC als Nachfolger. Sie fand sich damit ab, der Verfassunggebenden Versammlung keine Gesetzesvollmachten zu übertragen, sondern diese bei der Regierung zu belassen. Das aber ermöglichte De Gasperi -nach der Vertreibung der Kommunisten und Sozialisten im Mai 1947 aus der Regierung - auf Gesetzesebene zu schalten und zu walten, wie er wollte.
Toglatti räumte im Oktober 1946 ein, dass die nach dem Sieg der Resistenza vorhandene günstige Ausgangssituation „im Grunde genommen nicht genutzt“ wurde. Luigi Longo, seit 1946 Stellvertreter Togliattis, hatte frühzeitig vor zu weit gehenden Kompromissen gewarnt und den Einsatz der Partei zur außerparlamentarischen Massenmobilisierung gefordert. Pietro Secchia und Filippo Frassati schrieben in ihrer “Geschichte der Resistenza” von einer „fehlenden Revolution“ und dem „Kontrast zwischen den Idealen der Resistenza und den verfolgten demokratischen Zielen“.
Sozialismus am Sankt-Nimmerleinstag?
Bis heute bleibt das Thema unter den nachfolgenden Generationen umstritten. Gesprächspartner in Italien gehen auf der Suche nach den Ursachen der Niederlage der Linken 2008 bei den Parlaments- und kürzlich im März bei den Regionalwahlen bis zu diesem heftig umstrittenen Zurückweichen vor dem Druck des Gegners 1945 zurück. Diether Dehm stellte in seinem Roman „Bella Ciao“ (Das Neue Berlin, 2007), einem Bestseller der Resistenza-Literatur, zur Diskussion, warum Italiens Kommunisten 1945 nicht die günstige Situation nutzten, um die Bedingungen für den Sozialismus zu schaffen. Die Partisanen werfen in seinem Buch der IKP vor, sie verschiebe den Sozialismus „auf den Sankt-Nimmerleinstag“, überlasse zugunsten des Bündnisses „mit allen antideutschen Kräften“ den Großbourgeois „die Börsen und die Geldsäcke“. Und das, obwohl, so ihr Argument, „gegen die Herrschaft der Arbeiterklasse hier die allerwenigsten“ sind. Renzo, einer der Helden des Romans, verteidigt diesen Standpunkt, „weil es hier im Westen nach der Jalta-Konferenz keine Chance dafür gibt“. (PK)
An weiter gehenden Informationen zum Thema interessierte Leser verweisen wir auf die Bücher Gerhard Feldbauers: Von Mussolini bis Fini, die extreme Rechte in Italien. Elefantenpress Berlin 1996, Marsch auf Rom. Faschismus und Antifaschismus in Italien. 2002 und Geschichte Italiens - Vom Risorgimento bis heute, 2008, beide PapyRossa KölnOnline-Flyer Nr. 247 vom 28.04.2010
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