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Globales
Sogar der Vorsitzende der Republikaner, Michael Steele, gibt jetzt zu:
Afghanistan-Krieg ist nicht zu gewinnen
Von Eric Margolis

Für Zeitungleser in Deutschland nicht uninteressant sein dürfte angesichts der am Dienstag in Kabul begonnenen Internationalen Afghanistan-Konfernz der hier von uns veröffentlichte Artikel von Eric Margolis. Der Kollege war mal Republikaner und Journalist in den USA, ist inzwischen - aus guten Gründen offenbar - bei den Reps ausgstiegen und schreibt für die kanadische Zeitung TORONTO SUN. - Die Redaktion
 

Michael Steele - Vorsitzender des
Republikanischen Nationalkomitees
Letzte Woche versprach der übliche-rweise vorsichtige Petraeus in Kabul, den Afghanistankrieg zu „gewinnen“, der die Vereinigten Staaten von Ame- rika bis heute rund 300 Milliarden $ gekostet hat und 1.000 Tote. Das Problem: niemand kann sagen, was Gewinnen wirklich bedeutet. Jedes Mal, wenn die Vereinigten Staaten von Amerika ihr „Engagement“ verstärken, wird auch der afghanische Widerstand stärker.
 
Schulden- und kriegsüchtig
 
Der eskalierende Krieg kostet die Steuerzahler der Vereinigten Staaten von Amerika zurzeit 17 Milliarden $ pro Monat. Präsident Obamas „Aufstockung“ um 30.000 Soldaten wird weitere 30 Milliarden $ kosten.
 
Die Kriege gegen Afghanistan und Irak – Kosten rund 1 Billion $ – werden mit geborgtem Geld geführt, während die Vereinigten Staaten von Amerika in Schulden in einer Höhe von 13,1 Billionen $ versinken. Bis 2011 werden die Kanadier geschätzte 18,1 Milliarden $ für Afghanistan ausgegeben haben, 1.500 $ pro Haushalt.
 
Der Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika, der laut Verfassung allein den Krieg erklären und die Mittel dafür bereitstellen kann, hat schändlicherweise den Präsidenten George W. Bush und Obama erlaubt, diese Macht zu übernehmen. Eine Mehrheit der Amerikaner ist gegen dieses imperiale Unglück. Obwohl Politiker fürchten, dass sie für den Fall, dass sie gegen den Krieg sind, zumindest beschuldigt würden, „unsere Soldaten zu verraten“, macht sich der Widerstand immer mehr breit.
 
Vergangene Woche ließ sogar der im Januar 2009 zum Vorsitzenden des Republikanischen Nationalkomitees gewählte Afroamerikaner Michael Steele die Katze aus dem Sack und gab zu, der Krieg in Afghanistan sei nicht zu gewinnen. Kriegsliebende Republikaner entrüsteten sich und beschuldigten Steele gerade noch nicht des Hochverrats. Viele von Steeles besonders kriegslüsternen republikanischen Kritikern hatten sich, wie Bush und Cheney, einst vor dem richtigen Militärdienst im Vietnamkrieg gedrückt.
 
Republikaner (ich war auch einmal einer) wandten sich gegen McChrystals sensible Politik, zu versuchen, die Zahl der zivilen Opfer infolge von Bombardierungen und Beschießungen durch die Vereinigten Staaten von Amerika in Afghanistan zu vermindern. Denn mit der steigenden Zahl der zivilen Toten wächst die antiwestliche Wut in Afghanistan und Pakistan.
 
Mit ihrem Gezeter nach aggressiveren Attacken, die afghanische Zivilisten gefährden und die Taliban stärken, demonstrieren die Republikaner leider wieder einmal, dass sie die Partei und Stimme von Amerikas Dummköpfen und Ignoranten geworden sind. 
 
Obama behauptete, er habe den Afghanistankrieg ausgeweitet, um al-Qaeda zu bekämpfen. Das Pentagon schätzt allerdings, dass sich nicht mehr als eine Handvoll Unterteufel von al-Qaeda in Afghanistan aufhalten.
 
Obama ist den Amerikanern die Wahrheit schuldig.
 
Nach neun Jahren Krieg haben es die immense Militärmacht der Vereinigten Staaten von Amerika, ihre gezwungenen NATO-Alliierten und Armeen von Söldnern nicht geschafft, den Widerstand gegen die westliche Okkupation zu bezwingen oder eine volkstümliche, legitime Regierung in Kabul einzurichten. Die Drogenproduktion hat neue Höhen erreicht.
 
Während die Vereinigten Staaten von Amerika am 4. Juli die Befreiung von einem fremden Unterdrücker feierten, setzten ihre Soldaten in Afghanistan alle Arten von Waffen ein, von schweren Bombern bis zu Panzern, gepanzerten Fahrzeugen, Kampfhubschraubern, Flotten von Drohnen, schwerer Artillerie, Clusterbomben und ein Arsenal von HighTech-Geräten. 
 
Ungeachtet dieser Macht haben Gruppen von paschtunischen Stammesangehörigen und Bauern, bewaffnet nur mit leichten Waffen, mit Entschlossenheit und grenzenlosem Mut, die Kriegsmaschinerie des Westens zum Stillstand gebracht und jetzt in die strategische Defensive gezwungen.
 
Dieser brutale Konflikt „David gegen Goliath“ bringt den Mächten des Westens, die ihn führen, keine Ehre, Kanada eingeschlossen. Weitgehend sieht man sie andernorts als diejenigen, die einen weiteren unbarmherzigen Kolonialkrieg führen, gegen ein kleines, unterentwickeltes Volk, um sich Rohstoffe und strategische Gebiete anzueignen und diese zu beherrschen. .
 
Die meisten Afghanen sehnen sich nach 30 Jahren Krieg nach Frieden. Anstrengungen seitens der Regierung von Hamid Karzai, seitens der Taliban und Pakistans, einen Frieden zustande zu bringen, werden hintertrieben von Washington, Ottawa und der afghanischen kommunistisch dominierten tadschikischen Nordallianz. Indien mischt fleißig mit in Afghanistan, während die Rebellion im von Indien beherrschten Kaschmir brodelt.
 
Der abtrünnige Republikaner Steele sagte die Wahrheit, als er behauptete, dieser hässliche, sinnlose Krieg sei nicht gewinnbar. Aber Washingtons imperiale Ambitionen gehen weiter. Zu viele politische Karrieren in den Vereinigten Staaten von Amerika, Kanada und Europa hängen an diesem ekelhaften Krieg. An ihm hängt auch das Schicksal der überholten NATO-Allianz, deren Chancen gut stehen, in den Bergen Afghanistans von einem Waterloo ereilt zu werden. (PK)
                        
Der Artikel erschien am 11. Juli 2010 in der TORONTO SUN, einer konservativen Zeitung in Kanada, bei der der in den USA geborne Eric Margolis Mitherausgeber und Kolumnist für „Internationale Angelegenheiten“ ist.

Übersetzung des Toronto Sun-Artikels von Klaus Madersbacher   http://www.antikrieg.com/aktuell/2010_07_11_gesichtbewahren.htmhttp://www.torontosun.com




Online-Flyer Nr. 259  vom 21.07.2010

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