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Kultur und Wissen
Rezension von Monika Goetschs erstem Roman
“Wasserblau“
Von Uli Klinger
„Es beginnt mit einem rätselhaften Anruf. Ellen, seit der Geburt ihrer Tochter chronisch überfordert und nun in Erwartung ihres zweiten Kindes, wird gebeten, von Hamburg nach Petersbach zu kommen, wo sie als kleines Mädchen für einige Zeit mit den Eltern gelebt hat. Dort soll ihr eine Mappe mit Unterlagen ausgehändigt werden.
Ellen macht sich sofort auf den Weg. In Petersbach sieht sie sich mit verstörenden Dingen konfrontiert: Der mysteriöse Anruf galt gar nicht ihr, sondern ihrer vor kurzem verstorbenen Mutter Elisabeth, und sie erfährt von der Existenz eines kleinen Bruders, an den sie sich nicht erinnern kann. Warum haben die Eltern den Bruder verschwiegen? Was ist mit ihm? Welches Geheimnis hat die Mutter mit ins Grab genommen? Ellen begibt sich beklommen auf die Spurensuche, um ihren Fragen auf den Grund zu gehen und taucht ein in die Vergangenheit ihrer Mutter.“ -

Autorin Monika Goetsch
Denn hinter diesem Titel verbirgt sich Sprengstoff: In (fast) jeder Familie gibt es Geheimnisse. Ereignisse, über die nie gesprochen wird, die aber das Verhalten, die Persönlichkeit der einzelnen Familienmitglieder prägen - und oft genug durch die Nichtbearbeitung zu einer Störung der Persönlichkeitsentwicklung führen. Von einem solchen Fall handelt dieses faszinierend geschriebene Buch. Es liest sich fast wie in Kriminalroman, denn der Leser / die Leserin erfährt erst zum Schluss die Wahrheit. Und der Autorin geht es um mehr: „Mich hat die alte Frage interessiert, wie das Böse in die Welt kommt, und zwar ausgerechnet da hin, wo man nichts als Liebe erwarten würde: In die Beziehung einer Mutter zu ihrem Kind.“
Online-Flyer Nr. 263 vom 18.08.2010
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Kultur und Wissen
Rezension von Monika Goetschs erstem Roman
“Wasserblau“
Von Uli Klinger
„Es beginnt mit einem rätselhaften Anruf. Ellen, seit der Geburt ihrer Tochter chronisch überfordert und nun in Erwartung ihres zweiten Kindes, wird gebeten, von Hamburg nach Petersbach zu kommen, wo sie als kleines Mädchen für einige Zeit mit den Eltern gelebt hat. Dort soll ihr eine Mappe mit Unterlagen ausgehändigt werden.
Ellen macht sich sofort auf den Weg. In Petersbach sieht sie sich mit verstörenden Dingen konfrontiert: Der mysteriöse Anruf galt gar nicht ihr, sondern ihrer vor kurzem verstorbenen Mutter Elisabeth, und sie erfährt von der Existenz eines kleinen Bruders, an den sie sich nicht erinnern kann. Warum haben die Eltern den Bruder verschwiegen? Was ist mit ihm? Welches Geheimnis hat die Mutter mit ins Grab genommen? Ellen begibt sich beklommen auf die Spurensuche, um ihren Fragen auf den Grund zu gehen und taucht ein in die Vergangenheit ihrer Mutter.“ -Soweit die knappe Inhaltsangabe des Schweizer Dörlemann-Verlages. Und sie ist
aus gutem Grund so kurz gefasst.
aus gutem Grund so kurz gefasst.

Autorin Monika Goetsch
Foto: privat
Es liest sich aber auch wie ein “normaler“ Familienroman und schildert die Einsamkeit einer Frau Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre. Emanzipation gibt es noch nicht wirklich für diese Generation von Frauen, sie sitzen mit ihren Kindern ohne soziale Bezüge in den neu erstandenen Eigenhaushälften und sind finanziell und emotional abhängig von ihren Männern, die sich außerhalb des Familienlebens in “Ihrer“ Berufswelt bewegen und den finanziellen Status sichern.
Familienmodell à la von der Leyen
Doch dies ist ja m. E. immer noch aktuell: „Mit dem ersten Kind endet auch heute für die Frau die finanzielle Unabhängigkeit. Man jongliert mit schlecht bezahlten Teilzeitstellen, herum, ringt um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, stellt seinen Selbstwert in Frage und steht unter enormen Druck.“ So die Autorin in einem Interview. Denken wir an die Diskussion um die sog. “Macchiatto-Frauen“ in der taz von diesem Sommer. So weit ist das also gar nicht entfernt. Und damit ist dieser Roman politisch hochaktuell. Ein Großteil der Gesellschaft scheint die Fragestellung der Emanzipation vergessen zu haben, gesellschaftliche Ursachen der jetzigen (oft schwierigen) Lebensverhältnisse zu ignorieren bzw. überhaupt nicht in Frage zu stellen, individuellen Lösungen (die meistens zwangsweise scheitern müssen) den Vorrang zu geben. Ein gesellschaftliches Familienmodell à la v. d. Leyen scheint angesagt - und das heißt nichts anderes, als der Marsch zurück in die 50er Jahre. Und damit ist die Rolle der Frauen festgeschrieben: Glücklich zu sein an Heim und Herd und als Reserve am Arbeitsmarkt bereitzustehen! Wir waren schon einmal weiter in der gesellschaftlichen Diskussion…
„Der Vergangenheit auf den Grund.“ So könnte man den Inhalt zusammenfassen. Der Roman bietet keine Lösung, aber lesen Sie selbst. Es lohnt sich. Von dieser Autorin werden wir sicher noch viel mehr Interessantes zu lesen bekommen!
Die Autorin
Die Autorin
Monika Goetsch, 1967 in Marburg geboren, wuchs in der Nähe von Freiburg im Breisgau auf und lebt in München. Sie studierte Literatur-, Theater- und Kommunikationswissenschaften in München, arbeitete in Hamburg und ist heute als freie Journalistin für verschiedene Tageszeitungen und Zeitschriften tätig. “Saisonbeginn“, eine erste Erzählung, gehörte beim diesjährigen Agatha-Christie-Krimipreis zu den spannendsten Kurzgeschichten und erscheint in der Anthologie “Wo das Verbrechen zu Hause ist“ im Fischer Taschenbuch Verlag. “Wasserblau“ ist Monika Goetschs erster Roman. (PK)
Die Originalausgabe hat 239 Seiten, kostet gebunden mit Leseband 18.90 Euro und erscheint am 18. August.
Uli Klinger ist Buchhändler - Buchhandlung für ausgesuchte Literatur, Rochusstr. 93, 50827 Köln-Bickendorf, www.klinger.online.de
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