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Globales
Ho chi Minh charakterisierte sie als das Vorspiel zur Augustrevolution
1930/31: Bauernaufstand und Sowjets in Vietnam
Von Gerhard Feldbauer
KP übernahm die Führung

Plakat im heutigen Vietnam: "Leben und Arbeiten wie Onkel Ho"
Foto: Hans-Dieter Hey - gesichter zei(ch/g)en
Online-Flyer Nr. 265 vom 01.09.2010
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Globales
Ho chi Minh charakterisierte sie als das Vorspiel zur Augustrevolution
1930/31: Bauernaufstand und Sowjets in Vietnam
Von Gerhard Feldbauer
Der Aufstand brach als eine Folge der Weltwirtschaftskrise von 1929 aus, die
in noch schlimmerer Weise als in den „Mutterländern“, auch die kolonial unterdrückten Völker, darunter das mit der Ökonomie Frankreichs verbundene Vietnam erfasste. In zeitgenössischen Berichten hieß es damals, dass die hungernden annamitischen Bauern Jagd auf Insekten machen, die sie dann verzehren, dass sie Heuschrecken, Grillen, Eintagsfliegen, sammeln, auch Raupen und Bambuswürmer und nicht davor zurückschrecken, die Puppen der Seidenraupe zu essen. Im Norden Zentralvietnams raffte der Hunger über 100.000 Menschen dahin.
KP übernahm die Führung
Zunehmend von der im Februar 1930 gegründeten KP geführt, setzten sich Arbeiter, Bauern, Teile des Kleinbürgertums und der Intelligenz gegen die ungeheuere Verelendung zur Wehr. Im März begannen auf den Kautschukplantagen in Südvietnam und in fast allen Industriegebieten wochenlange Streiks. Kundgebungen und Demonstrationen erfassten 25 der 40 Provinzen des Landes. Als am 12. September 1930 in mehreren Kreisstädten der Provinzen Nghe An und Ha Tinh in Zentralvietnam Arbeiter und Bauern für höhere Löhne, Steuererleichterungen, Pachtsenkungen, die Rückgabe von Gemeindeländern an die Bauern und die Verteilung von Reis an die Hungernden demonstrierten, gingen Truppen gegen die Demonstranten vor, wurden die Versammlungsplätze von Flugzeugen bombardiert. Über 500 Demonstranten fanden den Tod, mehr als 300 wurden verwundet, Tausende Häuser zerstört.
Der „Hunger auf Reis“ trieb nunmehr, wie selbst das großbürgerliche „Echo annamite“ zugeben musste, die bis aufs äußerste erbitterten Bauern zum bewaffneten Aufstand gegen die Kolonialmacht und die Feudalherren. Die Bauern stürmten Gefängnisse und befreiten die Gefangenen, zündeten Kreis- und Gemeindeverwaltungen sowie andere öffentliche Einrichtungen an, verbrannten Steuerunterlagen, Pfandbriefe und Schuldscheine. Unter dem Ansturm der Bauern flohen die Mandarine und Notabeln in die Provinzhauptstädte; der kolonial-feudale Machtapparat in den Landgemeinden zerfiel. Die französische „L´Opinion publique“ schrieb im Dezember 1930, es handele sich „um eine tatsächliche Revolution“.
Der „Hunger auf Reis“ trieb nunmehr, wie selbst das großbürgerliche „Echo annamite“ zugeben musste, die bis aufs äußerste erbitterten Bauern zum bewaffneten Aufstand gegen die Kolonialmacht und die Feudalherren. Die Bauern stürmten Gefängnisse und befreiten die Gefangenen, zündeten Kreis- und Gemeindeverwaltungen sowie andere öffentliche Einrichtungen an, verbrannten Steuerunterlagen, Pfandbriefe und Schuldscheine. Unter dem Ansturm der Bauern flohen die Mandarine und Notabeln in die Provinzhauptstädte; der kolonial-feudale Machtapparat in den Landgemeinden zerfiel. Die französische „L´Opinion publique“ schrieb im Dezember 1930, es handele sich „um eine tatsächliche Revolution“.
Obwohl für einen erfolgreichen Verlauf die Bedingungen nicht gegeben waren, stellte sich die junge KP, nachdem die Erhebung mit einer Massenbeteiligung spontan ausgebrochen war, an die Spitze der Bauern und gab deren Kampf einen organisierten und zielgerichteten Charakter. Unter Vorsitz Ho Chi Minhs trat im Oktober in Saigon das Zentralkomitee zusammen, beschloss, die Leitung zu übernehmen und entsandte das ZK-Mitglied Pho Nguyen Sac in das Aufstandsgebiet. Im ganzen Land organisierte die Partei eine Bewegung zur Unterstützung von Nghe Tinh, wie die beiden Provinzen zusammengefasst genannt wurden. Mitglieder und Funktionäre der Partei, Revolutionäre aus allen Provinzen gingen nach Nghe Tinh und nahmen am Aufstand teil. Aus Vinh, dem industriellen Zentrum des Aufstandsgebietes, begaben sich 500 Arbeiter in die Gemeinden und unterstützten die Bauern beim Aufbau revolutionärer Machtorgane.

Plakat im heutigen Vietnam: "Leben und Arbeiten wie Onkel Ho"
Foto: Hans-Dieter Hey - gesichter zei(ch/g)en
Im Oktober 1930 hatte sich der Aufstand auf ein etwa 12.000 km² umfassendes Gebiet mit einer Bevölkerung von 1,5 Millionen Menschen ausgedehnt. Die auf Initiative der KP gegründeten Bauernvereinigungen übernahmen in zahlreichen Gemeinden die Macht und bildeten Xo Viets, vietnamesische Räte. „Das gesamte Gebiet ist vom französischen Protektorat abgefallen“, schrieb die Kolonialrevue „L´Asie francaise“ im November 1930.
40.000 Kämpfer in den Roten Garden
In Gestalt der Sowjets entstanden zum ersten Mal in Vietnam revolutionäre Machtorgane der Arbeiter und Bauern. Sie verteilten das Gemeindeland, das Großgrundbesitzer und Feudalherren sich angeeignet hatten, an die Bauern, schränkten die Ausbeutungsmöglichkeiten der Großgrundbesitzer ein, verteilten aus deren Reserven Reis an die Hungernden und leiteten eine Reihe politischer und sozialökonomischer Reformen ein.
Unter dem Kommando eines Militärausschusses des Gebietskomitees der KPV entstanden Rote Garden. Sie zählten, laut „L´Humanité“ 40.000 Kämpfer. Die Roten Garden bildeten die Keime der 14 Jahre später entstehenden Volksarmee, welche den Sieg der Augustrevolution gewährleistete. Über acht Monate verteidigten sie die Volksmacht gegen die Angriffe der Kolonialmacht, die ihre Truppen in Vietnam durch ein 100.000 Mann starkes Expeditionskorps aus Frankreich verstärken musste. Die Kolonialisten überzogen die Sowjetgebiete mit einem blutigen Terror.
Ihm fielen, wie die „Humanité“ im März 1931 berichtete, Zehntausende zum Opfer, Dutzende Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht, Tausende Häuser niedergebrannt. Trotzdem dauerte es über acht Monate bis es den Kolonialtruppen gelang, den Widerstand der Aufständischen zu brechen. Im August 1931 befanden sich noch etwa 50 Gemeinden in ihren Händen. Die letzten Gefechte fanden im Dezember 1931 statt. Die in Saigon weilenden Mitglieder des Zentralkomitee waren bereits im April/Mai der Polizei in die Hände gefallen. Der erste Generalsekretär Tran Phu starb an den Folgen der grausamen Folterungen im April 1931. Ho Chi Minh, der nach China entkam, wurde in Vinh in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Treue zur Revolution
Ihm fielen, wie die „Humanité“ im März 1931 berichtete, Zehntausende zum Opfer, Dutzende Dörfer wurden dem Erdboden gleich gemacht, Tausende Häuser niedergebrannt. Trotzdem dauerte es über acht Monate bis es den Kolonialtruppen gelang, den Widerstand der Aufständischen zu brechen. Im August 1931 befanden sich noch etwa 50 Gemeinden in ihren Händen. Die letzten Gefechte fanden im Dezember 1931 statt. Die in Saigon weilenden Mitglieder des Zentralkomitee waren bereits im April/Mai der Polizei in die Hände gefallen. Der erste Generalsekretär Tran Phu starb an den Folgen der grausamen Folterungen im April 1931. Ho Chi Minh, der nach China entkam, wurde in Vinh in Abwesenheit zum Tode verurteilt.
Treue zur Revolution
Die Kämpfe um die Sowjetmacht zeigten die revolutionäre Kraft der jungen KP und ihre Fähigkeit, den Kampf für die nationale und soziale Befreiung zu führen. Die vietnamesischen Kommunisten blieben auch in der Periode des Rückzugs der revolutionären Sache treu, zeigten einen beispiellosen Kampfgeist und revolutionäre Opferbereitschaft. Bis zur letzten Stunde der Sowjets standen sie mit der Waffe in der Hand an der Spitze des Kampfes. Die meisten von ihnen besiegelten ihre Treue zur Revolution mit dem Tode. Unter ihnen befand sich auch der Führer der Sowjetbewegung, Pho Nguyen Sac, der am 3. Mai 1931 verhaftet worden war.
Das revolutionäre Heldentum trug dazu bei, dass der Kampf der vietnamesischen Sowjets, ihre Lehren und Erfahrungen, in den folgenden Jahren einen tiefen Widerhall in der nationalen Befreiungsbewegung fanden, zu einem unvergänglichen und entscheidenden Bestandteil ihres progressiven Ideengutes und damit zu einer Voraussetzung des Sieges im August 1945 wurden. Die Kämpfe bewiesen, dass die Arbeiterklasse und ihre kommunistische Partei die Führung des Befreiungskampfes übernommen hatten. Das war ein zu dieser Zeit in Südostasien einmaliger Vorgang.
Bei der Sichtung der Quellen zu diesem Beitrag stieß ich auf Fehl- und Schwachstellen in der 2009 bei „Neues Leben“ erschienen Ho Chi Minh-Chronik Hellmut Kapfenbergers. Bei einer guten Zusammenfassung von Sekundärliteratur fehlen weitgehend Originalquellen, wie das Standartwerk von Tran van Giau „Die vietnamesische Arbeiterklasse seit der Gründung der Kommunistischen Partei bis zur siegreichen Revolution“ (Hanoi 1962, Vietn.), die Schrift des langjährigen Generalsekretärs Trung Chinh „Der Einfluss der Oktoberrevolution auf die Gründung der Kampfpartei der vietnamesischen Arbeiterklasse“ (Hanoi 1957, Vietn.) oder die Arbeiten des 1969 verstorbenen Altmeisters der Geschichtsschreibung Vietnams, Prof. Tran Huy Lieu. Auch der programmatische, politisch-ideologische und organisatorische Charakter der von Ho Chi Minh zur Vorbereitung der Gründung der KP 1926 geschriebenen Schrift „Der revolutionäre Weg“ wird kaum herausgearbeitet.
Auf das Vorliegen dieser bedeutendsten theoretischen Arbeit im Wortlaut in „Nhan Dan“, 30. Jan. 1970, wird nicht verwiesen. Ebenso nicht auf dessen Appell anlässlich der Gründung der KPV vom 18. Februar 1930 (in „Nhan Dan“, 5. Januar 1970, oder auf seinen Brief an die Bauerninternationale der KI über den Ausbruch des Bauernaufstandes und die Bildung von Sowjets vom 5. Nov. 1930, in „Die Sowjets von Nghe Tinh, Hg. Partei der Werktätigen Vietnams, Hanoi 1960 (Vietn,). Diese und zahlreiche weitere in der Chronik fehlende Dokumente von und über Ho Chi Minh sind enthalten in den Publikationen, die ich und meine Frau über Vietnam verfasst haben*. In Kapfenbergers ansonsten ausführlichem Literaturverzeichnis fehlen sie. Im Abschnitt über Bauernaufstand und Sowjets („Etappensieg auf dem Weg zur Revolution“, S. 101 ff.) werden hier mangels anderer Quellen auch Züge von Plagiat sichtbar. (PK)
Auf das Vorliegen dieser bedeutendsten theoretischen Arbeit im Wortlaut in „Nhan Dan“, 30. Jan. 1970, wird nicht verwiesen. Ebenso nicht auf dessen Appell anlässlich der Gründung der KPV vom 18. Februar 1930 (in „Nhan Dan“, 5. Januar 1970, oder auf seinen Brief an die Bauerninternationale der KI über den Ausbruch des Bauernaufstandes und die Bildung von Sowjets vom 5. Nov. 1930, in „Die Sowjets von Nghe Tinh, Hg. Partei der Werktätigen Vietnams, Hanoi 1960 (Vietn,). Diese und zahlreiche weitere in der Chronik fehlende Dokumente von und über Ho Chi Minh sind enthalten in den Publikationen, die ich und meine Frau über Vietnam verfasst haben*. In Kapfenbergers ansonsten ausführlichem Literaturverzeichnis fehlen sie. Im Abschnitt über Bauernaufstand und Sowjets („Etappensieg auf dem Weg zur Revolution“, S. 101 ff.) werden hier mangels anderer Quellen auch Züge von Plagiat sichtbar. (PK)
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