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Lokales
Treten, Nachtreten und trotzdem bald am Ende?
Der verhinderte Commedian Jörg Uckermann
Von Eberhard Reinecke
Verurteilung wegen Körperverletzung

Uckermann kurz vor dem Rausschmiss aus der Ratssitzung am 14. Juli
Foto: Hans-Dieter Hey - gesichter zei(ch/g)en
Nachtreten aus der Anonymität mit krimineller Energie

Links: Uckermann auf einer rechten Demo am 28. August in Duisburg
Foto: Karin Richert
Man kann nur hoffen, dass zumindest pro Köln seinen Treueschwur wahr macht. Judith Wolter, geschäftsführende stellvertretende Vorsitzende der sogenannten Bürgerbewegung von pro Köln e.V..: „Das alles ist empörend und schweißt pro Köln nur um so enger zusammen: Wir stehen Seit an Seit mit Jörg Uckermann und werden ihn gegen alle noch so unverschämten Schmutzkampagnen engagiert verteidigen!” Dazu sollte zumindest gehören, dass pro Köln seine offenen Rechnungen begleicht. Immerhin: als pro-Köln-Schatzmeister Manfred Rouhs vor einiger Zeit 5.100 Euro an Claus Ludwig, Ratsmitglied der Fraktion DIE.LINKE zahlen musste, ging das Geld von pro Köln ein. Man kann vermuten, dass auch die Ordnungsstrafe von 4.000 Euro, die Markus Beisicht vor kurzem zahlen musste, nicht aus seinem Privatvermögen kam. Also bitte: Lassen Sie Jörg Uckermann jetzt nicht im Regen stehen. (HDH)
Online-Flyer Nr. 266 vom 08.09.2010
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Lokales
Treten, Nachtreten und trotzdem bald am Ende?
Der verhinderte Commedian Jörg Uckermann
Von Eberhard Reinecke
Verurteilung wegen Körperverletzung
Am 19. August wurde der Selbstdarsteller, Ex-CDU-Mitglied und Überläufer zu pro Köln, Jörg Uckermann, vom Amtsgericht Köln zu einer Geldstrafe von 15 Tagessätzen à 30 Euro wegen Körperverletzung verurteilt. Er hatte am 15. Mai 2008 in Ehrenfeld eine junge Frau getreten, die sich nicht von ihm fotografieren lassen wollte. Natürlich tönte es auf der Seite von pro Köln, das Opfer werde zum Täter gemacht und weiter: “Es soll hier offenbar ein unbequemer Ratspolitiker regelrecht kriminalisiert werden, weil er im Rat zu viele kritische Fragen stellt und seine Finger zielgenau in die Wunden der Altparteien und städtischen Spitzenbeamten legt.“ So seine Verteidigerin, die pro Köln-Vorsitzende Judith Wolter. Ein schöner Versprecher, wenn eine Rechtsanwältin schon einräumt, ihr Mandant werde „regelrecht“ kriminalisiert, auf jedenfall besser, als gegen die Regeln. Im übrigen ist es in diesem Land ja noch nicht strafbar „die Finger zielgenau in Wunden zu legen“ zu legen. Strafbar ist allerdings das Beibringen von Wunden wie auch von anderen Körperverletzungen. Hier scheint Herr Uckermann wohl am 15. Mai was verwechselt zu haben.

Uckermann kurz vor dem Rausschmiss aus der Ratssitzung am 14. Juli
Foto: Hans-Dieter Hey - gesichter zei(ch/g)en
Nachtreten aus der Anonymität mit krimineller Energie
War dieser Artikel eher harmlos, wurde auf der Seite ju-ehrenfeld.de („Jörg Uckermann Ehrenfeld Blog“) gegen die Zeugin und Nebenklägerin, deren glaubwürdige Aussage Grundlage der Verurteilung von Uckermann war, ein mieser und krimineller Hetzartikel veröffentlicht. Uckermann – immer im heldenhaften Kampf gegen Kriminalität – hatte sich zum Beispiel im Sommer noch einmal als Saubermann profiliert und zum Thema „Grillen in Parks“ gefordert: „Ein hartes Durchgreifen gegen alle Müll- und Umweltsünder, und zwar ohne Rücksicht auf eventuelle kulturelle Befindlichkeiten.“ Was aber ist das wilde Grillen gegen die Straftaten, die von dem „Jörg Uckermann Ehrenfeld Blog“ allein in einem Artikel begangen wurden:
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Die Zeugin wurde ohne ihre Zustimmung mit einem Foto abgebildet, strafbar nach § 33 KunsturheberG
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Verwendet wurde dabei ein Standbild aus einem WDR-Film, sicherlich ohne Genehmigung, strafbar nach §§ 106, 108 UrheberrechtsG
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Es werden jede Menge unwahre Tatsachen verbreitet (strafbar nach § 186 StGB) teilweise vermutlich besseres Wissen (strafbar nach § 187 StGB): Aus der Zeugin, die Atheistin ist, wird eine Islam- bzw. Ditib-Aktivistin gemacht, ihr werden Äußerungen in den Mund gelegt, die sie nicht gemacht hat. Es wird behauptet, ein Krankenhaus habe sich geweigert ein Attest auszustellen, obwohl sich dieses in der Akte befindet. Am dümmsten aber folgende Lüge, den SPD-Oberbürgermeister Josef Wirges betreffend: „Wirges sieht man in dem WDR-Bericht, schick zurecht gemacht in Anzug und Krawatte, wie er .... (der Zeugin) bei der Darstellung ihrer Unwahrheiten, kameragerecht und mit strenger Miene zuhört. Uckermann wurde vom WDR, wie üblich, keine Möglichkeit der Stellungnahme geboten.“ Natürlich, der wahre Märtyrer wird von den Medien geschnitten. Dumm nur, dass der Beitrag des WDR noch heute bei you-tube eingesehen werden kann, so dass sich jeder davon überzeugen kann, wie Uckermann Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben wurde.
Natürlich muss niemand so etwas hinnehmen. Also ein Blick in das Impressum von „Jörg Uckermann Ehrenfeld Blog“. Doch: Es fehlt sowohl die Angabe zum presserechtlichen Verantwortlichen genauso, wie die zur schnellen elektronischen Kontaktaufnahme. Das ist nun ein Verstoß gegen § 16 i.V.m. § 5 TelemedienG. Also mindestens so schlimm wie wildes Grillen. Doch der wichtigste Eintrag im Impressum: „Hinweis: Diese Website unterliegt keinerlei Einfluss oder Verantwortung von Jörg Uckermann sondern ist ausschließlich ein Projekt des Unterstützerkreises Jörg Uckermann.“ Ist das wirklich eines aufrechten Politikers, selbst wenn er lokaler Art ist, würdig, dass er nicht zu seinen Auffassungen steht, sondern sich hinter einem „Unterstützerkreis“ versteckt.
Pleiten wohin man sieht
Damit ist allerdings die Spur nicht zu Ende. Schließlich kann über die Domain-Registrierungsstelle Denic festgestellt werden, wer Inhaber der website ist. Das führt auf die Spur von „Moniteo GmbH & Co. KG“, Geschäftsführer Torsten Uckermann. Allerdings ist die Firma laut Handelsregister pleite, ebenso wie die MBBO GmbH, die sogenannte persönlich haftende Gesellschafterin der Firma. Immerhin besteht die Webseite der Moniteo noch. Dort findet man dann unter „Referenzen“ einen Link auf die Fridolinbad GmbH. Und wer war früher dort zu finden?: Gesellschafter und Geschäftsführer war Torsten Uckermann. Auch diese GmbH ist pleite. Heute wird das Fridolinbad unter neuer Führung geleitet. Die Geschäftsführung versichert, nichts mit Uckermann zu tun zu haben.
Fassen wir also das kriminelle Modell des „Jörg Uckermann Ehrenfeld Blog“ wie folgt zusammen: Die Domain gehört einer praktisch nicht mehr existierenden Firma, das Impressum weist keinen Verantwortlichen aus, Jörg Uckermann distanziert sich formal und schon meint man, Straftaten begehen zu können. Doch zwei Mittel halfen: Zunächst ein Schreiben an pro Köln, auf dessen website pro-koeln.net ein Link bei dem Namen „Jörg Uckermann“ existierte. Dieser Link führt nämlich zur jener Seite ju-ehrenfeld.de, die angeblich „keinerlei Einfluss oder Verantwortung von Jörg Uckermann unterliegt“. Auf Aufforderung sperrte pro Köln diesen Link. Auch Uckermann ist natürlich nicht aus dem Schneider. Er wurde darauf hingewiesen, dass er mitverantwortlich ist, wenn er dem „Unterstützerkreis“ nicht die Benutzung seines Namens untersagt. Beides wirkte, seit Mitte letzte Woche ist der kriminelle Artikel verschwunden.
Pro Köln: Lasst Uckermann nicht im Regen stehen!
Nicht nur in der Umgebung von Uckermann häufen sich die Pleitefirmen. Auch er selbst scheint extrem klamm zu sein. Schon seit einiger Zeit wartet Wolfgang Stückle, Mitglied des Wahlbündnis LAUF in Leverkusen, noch auf die Bezahlung von ca. 1.000 Euro an Anwaltskosten, die Uckermann ihm noch schuldet. Zum Termin zur Abgabe der eidesstattlichen Versicherung ist Uckermann nicht erschienen, also ist jetzt Haftbefehl beantragt worden. Mehr als 1.000 Euro wird Uckermann auch an die Nebenklägerin im letzten Verfahren an Anwaltskosten zu zahlen haben. Und das wird nicht weniger werden, wenn er – wie angekündigt – bis zu Europäischen Gerichtshof gehen will.
Vielleicht liegt in diesen persönlichen Verhältnissen auch der Schlüssel dafür, dass Uckermann in städtischen Gremien nicht nur Unsinn redet, sondern vor allem auch immer besonders gern und lange spricht. Schließlich gibt es neben festen Sitzungsgeldern auch immer Verdienstausfall, der sich nach der Dauer der Sitzung richtet. Nachdem er es bisher als comedian nicht versucht hat, schafft er sich jetzt ein kleines Zubrot durch Filibustern in Sitzungen. Sein legendärer Vortrag zur Seeschlacht bei Lepanto im Jahr 1571 wäre allerdings eine gute Bewerbung ins Kasper-Fernsehen der Commedians, zu sehen bei youtube.

Links: Uckermann auf einer rechten Demo am 28. August in Duisburg
Foto: Karin Richert
Man kann nur hoffen, dass zumindest pro Köln seinen Treueschwur wahr macht. Judith Wolter, geschäftsführende stellvertretende Vorsitzende der sogenannten Bürgerbewegung von pro Köln e.V..: „Das alles ist empörend und schweißt pro Köln nur um so enger zusammen: Wir stehen Seit an Seit mit Jörg Uckermann und werden ihn gegen alle noch so unverschämten Schmutzkampagnen engagiert verteidigen!” Dazu sollte zumindest gehören, dass pro Köln seine offenen Rechnungen begleicht. Immerhin: als pro-Köln-Schatzmeister Manfred Rouhs vor einiger Zeit 5.100 Euro an Claus Ludwig, Ratsmitglied der Fraktion DIE.LINKE zahlen musste, ging das Geld von pro Köln ein. Man kann vermuten, dass auch die Ordnungsstrafe von 4.000 Euro, die Markus Beisicht vor kurzem zahlen musste, nicht aus seinem Privatvermögen kam. Also bitte: Lassen Sie Jörg Uckermann jetzt nicht im Regen stehen. (HDH)
Online-Flyer Nr. 266 vom 08.09.2010
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