SUCHE
Unabhängige Nachrichten, Berichte & Meinungen
Druckversion
Kultur und Wissen
Der Fern-Seher - Folge 18
Dolce Vita und deutsche Vita
von Ekkes Frank
Es gibt - um nur drei Punkte zu nennen - erstens kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen; zweitens kein Rauchverbot für Genussmenschen; drittens keine Vermögenssteuer auf die mit eigener Hände Arbeit Cent um Cent erschufteten Millionen. Und dazu diese Toleranz! Milliardäre haben überhaupt nichts gegen armselige Hartz-IV-Empfänger - solange die ihnen nichts in den Weg legen. BMW- und Mercedesfahrer lassen auch die lästigsten Schleicher unbedrängt - solange sie ihnen nicht im Weg sind. Und Kettenraucher ertragen ohne Murren de Anwesenheit von Nichtrauchern - solange sie ihnen... wie gesagt.
Die Italiener dagegen leben in einem Land, wo nicht nur die sprichwörtlichen Zitronen blühen, sondern auch die unsäglichsten Verbote und Reglementierungen. Und was kommt dabei raus? Zum Beispiel - was es in Deutschland bekanntlich überhaupt nicht gibt - gigantische Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit. Zum Beispiel dieses zwischen Flensburg und Kufstein Gott sei Dank undenkbare öde Dahinfließen des Verkehrs auf den so genannten Schnellstraßen, mit etwa 130 km/h und fast völlig ohne diesen heiteren, Abwechslung bringenden Austausch von Zeichen und Gesten mit den verschiedenen Fingern. Und dann: diese Sterilität, die seit dem neuen Gesetz von 2005 in den Cafés, Bars und Restaurants Einzug gehalten hat! Kaum vorstellbar: in diesen Räumen, die doch eigentlich der Lebensfreude dienen sollen, riecht es oft bloß noch nach caffè oder dem Essen, das man gleich vor die Nase gesetzt bekommt. Nichts ist mehr geblieben von jener geheimnisvollen, ziemlich undurchsichtigen blaugrauschwer wabernden Atmosphäre, in der Philosophie, Kartenspiel und Raucherhusten so apart gemischt gedeihen!
Nein, nein, so hab ich mir das nicht vorgestellt! Wenn das im Italien von heute das vielgerühmte "dolce vita" sein soll, dann denke ich doch voller Sehnsucht und verstärkt an eine Rückkehr ins "deutsche vita". Und zwar ganz schnell; also vielleicht schon in zwanzig, dreißig Jahren. Also echt!

Unser Fern-Seher
Foto: NRhZ-Archiv
Online-Flyer Nr. 51 vom 04.07.2006
Druckversion
Kultur und Wissen
Der Fern-Seher - Folge 18
Dolce Vita und deutsche Vita
von Ekkes Frank
Es gibt - um nur drei Punkte zu nennen - erstens kein Tempolimit auf deutschen Autobahnen; zweitens kein Rauchverbot für Genussmenschen; drittens keine Vermögenssteuer auf die mit eigener Hände Arbeit Cent um Cent erschufteten Millionen. Und dazu diese Toleranz! Milliardäre haben überhaupt nichts gegen armselige Hartz-IV-Empfänger - solange die ihnen nichts in den Weg legen. BMW- und Mercedesfahrer lassen auch die lästigsten Schleicher unbedrängt - solange sie ihnen nicht im Weg sind. Und Kettenraucher ertragen ohne Murren de Anwesenheit von Nichtrauchern - solange sie ihnen... wie gesagt.
Die Italiener dagegen leben in einem Land, wo nicht nur die sprichwörtlichen Zitronen blühen, sondern auch die unsäglichsten Verbote und Reglementierungen. Und was kommt dabei raus? Zum Beispiel - was es in Deutschland bekanntlich überhaupt nicht gibt - gigantische Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit. Zum Beispiel dieses zwischen Flensburg und Kufstein Gott sei Dank undenkbare öde Dahinfließen des Verkehrs auf den so genannten Schnellstraßen, mit etwa 130 km/h und fast völlig ohne diesen heiteren, Abwechslung bringenden Austausch von Zeichen und Gesten mit den verschiedenen Fingern. Und dann: diese Sterilität, die seit dem neuen Gesetz von 2005 in den Cafés, Bars und Restaurants Einzug gehalten hat! Kaum vorstellbar: in diesen Räumen, die doch eigentlich der Lebensfreude dienen sollen, riecht es oft bloß noch nach caffè oder dem Essen, das man gleich vor die Nase gesetzt bekommt. Nichts ist mehr geblieben von jener geheimnisvollen, ziemlich undurchsichtigen blaugrauschwer wabernden Atmosphäre, in der Philosophie, Kartenspiel und Raucherhusten so apart gemischt gedeihen!Nein, nein, so hab ich mir das nicht vorgestellt! Wenn das im Italien von heute das vielgerühmte "dolce vita" sein soll, dann denke ich doch voller Sehnsucht und verstärkt an eine Rückkehr ins "deutsche vita". Und zwar ganz schnell; also vielleicht schon in zwanzig, dreißig Jahren. Also echt!

Unser Fern-Seher
Foto: NRhZ-Archiv
Online-Flyer Nr. 51 vom 04.07.2006
Druckversion
NEWS
KÖLNER KLAGEMAUER
FILMCLIP
FOTOGALERIE






















