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Literatur
Antony Sutton: Amerikas geheimes Establishment
Jenseits aller Kontrolle
Rezension von Josef Opladen

Schon alleine die Begleitumstände der Entstehung dieses Buches sind spannend und mysteriös, wie sich aus dem Klappentext ergibt. Der Wirtschaftshistoriker Antony Sutton (1925-2002) hatte bereits zu den Zusammenhängen zwischen dem Kapital der Wallstreet, der bolschewistischen Revolution und Hitler aber auch zu Franklin Delano Roosevelt in drei Büchern beschrieben, warum US-Eliten ausgerechnet Gegner und Feinde der USA finanzierten, als er mit der Veröffentlichung dieses Buches zum Skull & Bones-Orden anscheinend sein Todesurteil unterschrieben hatte. Er war gewarnt worden, dass er die Veröffentlichung von „Amerikas geheimes Establishment“ nicht überleben würde und wenige Tage später war er unter nicht geklärten Umständen tot.

Es ging um den „Orden“, einen Geheimbund, der wahrscheinlich 1832 an der Yale Universität gegründet wurde. Hier wurden seither jedes Jahr genau 15 Mitglieder ausgesucht, so dass im Laufe der folgenden 170 Jahre ca. 2500 Yale-Absolventen initiiert wurden. Sutton geht davon aus, dass zu jedem Zeitpunkt nur etwa ein Viertel der Mitglieder aktiv war und ist. Der „Orden“ ist so geheim, dass es keine bekannte Verfassung des Zwecks oder Ziels gibt. Lediglich die Auswertung der Aktivitäten über mehr als einhundert Jahre ließen Sutton Muster erkennen. Danach sind viele Aktivitäten darauf ausgerichtet, wie man eine Gesellschaft auf das Ziel einer NEUEN WELTORDNUNG (sic!) hin verändern kann. Dazu ist auf jeden Fall notwendig schon die Erziehung von Kindern zu beeinflussen. Die Inhalte der Lehrpläne wurden genutzt, bestimmte Fähigkeiten zu lernen oder auch nicht. Es ist zum Beispiel entscheidend, was Menschen über ihre Vergangenheit glauben zu wissen, welche Fähigkeiten sie hinsichtlich Rechnen, Schreiben und Lesen haben. Oder überhaupt, was die Menschen erfahren und was nicht. Das können Lehrbücher vermitteln, und die reichweiten Medien entscheiden, wie wir heute, im Zeitalter des Internets, immer deutlicher erkennen können.

Aber auch jede andere bedeutende Organisation in Sachen Forschung, Politik und Meinungsbildung wurde hochgezogen, wie der Autor schreibt, oder durchdrungen – zusätzlich zur Kirche, dem Handel, dem Recht und der Regierung.

Die Fülle der aufgezeigten Zusammenhänge und die detaillierte Beschreibung der Operationen auf jedem dieser Felder ist erschlagend und auch nicht einfach zu konsumieren, weil sie mit Namen und Verbindungen unterfüttert werden, die nicht so geläufig sind. Und möglicherweise sind Spekulationen mitverarbeitet, obwohl sich Sutton große Mühe gibt, diese zu benennen.

Jedenfalls ist mit diesem Buch ein Werk entstanden, das völlig neue Denkanstöße gibt, wie man auf der Klaviatur der Zeit mit den verschiedensten Aktionen einem Ziel (einer neuen Weltordnung) immer näher rücken kann.

Ein Schwerpunkt von Antony Suttons Forschung befasste sich mit dem Einfluss des deutschen Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der - grob gesagt -  den Staat über den einzelnen Menschen stellt. Er arbeitet heraus, wie man zum Beispiel mit Hegels Philosophie Einfluss auf das Bildungswesen und andere gesellschaftliche Phänomene genommen hat, obwohl sie der amerikanischen Verfassung diametral widerspricht, denn die Verfassung der Vereinigten Staaten stellt den Bürger in den Mittelpunkt, dem der Staat zu dienen hat; ein selten gehörter Gedanke im Zusammenhang mit Politik und Wirtschaft. Insbesondere die Hegelsche Dialektik als Vehikel zu nutzen, um politische Entwicklungen voran zu bringen, wird in diesem Buch an vielen Stellen ausgeführt. Dabei spielen seine Forschungen zur Wallstreet und deren Finanzierung von gegnerischen Kriegsparteien immer wieder mit hinein. Denn es wird offensichtlich, dass Teile des Finanzsystems und auch der Wirtschaft sich nicht an Recht und Gesetz hält. Damit können Regierungen ausgebootet werden.

Die Beobachtung, dass Mitglieder des Ordens scheinbar gegen andere Mitglieder ihres Ordens handeln, ist nicht einfach zu begründen, wenn es doch ein gemeinsames Ziel geben soll. Sutton schreibt dazu, „Das Ziel des Ordens ist weder links noch rechts! Links und rechts sind künstliche Konstrukte, um Veränderungen herbei zu führen, und die Extreme der politischen Linken und Rechten sind unverzichtbare Elemente in einem Prozess der kontrollierten Veränderung.“ In seinem Vorwort zum dritten Teil des Buches, der sich damit befasst, wie der Orden Kriege und Revolutionen erzeugt, erklärt er, dass die operative Geschichte des Ordens nur innerhalb des Rahmens des hegelschen dialektischen Prozesses verstanden werden kann. Danach kann ein kontrollierter Konflikt eine vorherbestimmte Geschichte erzeugen. Hierfür werden verschiedene Beispiele genannt.

Man merkt dem Buch an, wie mühsam es entstanden sein muss. Die mögliche Geschichte eines Geheimbundes, des „Ordens“, lies sich nicht von innen heraus beschreiben, sondern musste mühsam von außen zusammengesetzt werden. Da nur wenige schriftliche Aufzeichnungen über den „Orden“ existieren, war die Zuspielung der geheimen Liste der Mitglieder von 1833 bis 2000 durch einen Whistleblower sicher ein entscheidender Faktor, Zusammenhänge auch durch Namen zu belegen. Und es erscheinen Namen, die bis heute im Gedächtnis eines politisch interessierten Lesers sind. Hier sei nur einer genannt, nämlich George W. Bush, der um die Jahrtausendwende - wir erinnern uns an die Anschläge vom 11.9.2001 - Präsident der Vereinigten Staaten war und welche Folgen der Krieg gegen den Terror gezeitigt hat. Das ist in diesem Buch allerdings nicht aufgearbeitet, lässt sich aber durchaus weiterdenken.

Nun ist der Orden nicht die einzige Geheimgesellschaft, über deren Einfluss man nur wenig erfährt. Obwohl es einige Anhaltspunkte gibt, dass möglicherweise eine lose Verbindung zu den Illuminaten zeitweise bestanden hat, ist dies aber eigentlich nicht wichtig. Wichtig ist zu erkennen, dass es Kräfte gibt, die jenseits aller Kontrolle und schon gar jenseits aller Demokratie Einfluss ausüben, der für uns Menschen Folgen hat und zwar meist keine guten. In diesem Sinne ist eine Aufklärung darüber, was Macht verbrechen kann, ein guter Weg, sich auch in der aktuellen Politik ein eigenes Bild machen zu können.


Antony Sutton: Amerikas geheimes Establishment – Eine Einführung in den Skull & Bones-Orden



Übersetzung von Axel B.C. Krauss, 330 Seiten, free21, 19,90 Euro

Online-Flyer Nr. 857  vom 23.01.2026



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