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Aktueller Online-Flyer vom 02. April 2020  

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Medien
Eine lockere Folge von Leserbriefen und Kommentaren
Hajos Einwürfe
Von Hajo Kahlke

Wie verträgt sich antirassistischer Protest mit kurdisch-separatistischem Nationalismus? Ist der so genannte Mauerfall vor allem ein historischer Sieg des Kapitalismus? Macht der Bundesausschuss Friedensratschlag den Bock zum Gärtner, wenn er Besatzer-Versteher und Palästina-Feinde auftreten läßt? Das sind Fragen, die in "Hajos Einwürfen" zum Thema gemacht sind. Die Neue Rheinische Zeitung versteht sich im Verbund mit der Vierteljahresschrift DAS KROKODIL als ein Forum, das zum Nachdenken anregen, eingefahrene, verkrustete Denkstrukturen aufbrechen bzw. der bewusst lancierten Desorientierung des Denkapparats – besonders der Linken – entgegenwirken will. Hajos kurze Texte sollen dazu ihren Beitrag leisten. Die Neue Rheinische Zeitung bringt deshalb in loser Folge von ihm verfasste Leserbriefe und Kommentare, die bei den Angeschriebenen nur selten das Licht der Öffentlichkeit erblicken.


Antirassistischer Protest für kurdisch-separatistischen Nationalismus?

In Zeiten, in denen die Imperialisten – Sorry, Lenin – zunehmend im übernationalen Verbund agieren, und nicht wenige von Ihnen sich dabei von ihren jeweiligen Nationen mehr und mehr abwenden, um die Zukunft stattdessen im angestrebten Großreich "Europa" zu suchen, machen sie den Nationalismus von ihrem bewährten Büttel nunmehr zum Buhmann. Eine Dresdner Anti-Pegida-Truppe übernimmt, wie so viele sich als links verstehende Menschen, dieses Verdikt, und nennt sich dementsprechend "Nationalismus raus aus den Köpfen (NradK)".


Screenshot der Online-Fassung des Artikels in "junge Welt" vom 20.11.2019

Wobei allerdings ein bestimmter Nationalismus, nämlich der kurdisch-separatistischer Provinienz, in die Köpfe erstmal eingetrichtert werden soll - wie das Foto von dem Dresdner Anti-Pegida-Aufzug mit zahlreichen PKK&Co-Fahnen an der Spitze illustriert. Dass der kurdisch-separatistische Nationalismus in Syrien nicht nur als Hilfstruppe der US-Besatzer fungiert, sondern sich dort auch weite Landstriche ohne traditionelle kurdische Bevölkerungsmehrheit unter den Nagel gerissen hat, ist für diese Sorte Dresdner und anderer "Antirassisten" offensichtlich kein Problem.

Leserbrief zum Artikel "Kampf gegen Pegida - Antirassistischer Protest" von Steve Hollasky (Dresden) in "junge Welt" vom 20.11.2019, Seite 15 (Antifa-Seite)


Noch einmal die Frage zum "Mauerfall": vor allem ein historischer Sieg des Kapitalismus?


Der 9. November, so Klaus Welzel, stünde nicht nur für die gelebte Tyrannei von 1938, sondern genauso für die Beendigung einer Tyrannei. Und er meint mit Letzterem den Mauerfall von 1989.

Das entspricht dem einschlägigen, nun auf allen Kanälen verkündeten, Jubel-Narrativ - und bagatellisiert, dass dieser Mauerfall vor allem auch für einen historischen Sieg des Kapitalismus steht, mit der Folge einer dann enorm verschärften sozialen Ungleichheit und drastisch verstärkter imperialistischer Kriegsinterventionen.

Nein, der einzige 9.November, der wirklich eine Tyrannei beendigte, war vielmehr der von 1918, als mutige Arbeiter und Soldaten dem blutigen Treiben der Hohenzollern-Sippschaft definitiv ein Ende setzten, und damit zehntausende, wenn nicht hunderttausende Menschen retteten, die anderenfalls von Seiner Majestät, zusätzlich zu den bereits 'gefallenen' zwei Millionen Deutschen, ebenfalls noch in den gleichermaßen schrecklichen wie verlogenen "Tod fürs Vaterland" gejagt worden wären.

Leserbrief zum Kommentar "Tag der Tage", in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 9./10.11.2019


Wenn der Bundesausschuss Friedensratschlag den Bock zum Gärtner macht


An den Bundesausschuss Friedensratschlag, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Friedensfreunde, ob es denn wirklich Sinn macht, sich als Kriegsgegner an die von den Herrschenden und ihren Medien wenn nicht ins Leben gerufene, so doch massiv geförderten "Klimaschutz"-Bewegung politisch mehr oder weniger dranzuhängen, oder aber ob die Friedensfrage dadurch im Gegenteil noch mehr marginalisiert wird, möchte ich hier wenigstens zu bedenken geben.

Eindeutig abzulehnen ist aber, dass es den Programm-Machern doch tatsächlich in den Sinn kam, ausgesprochene Besatzer-Versteher und Palästina-Feinde, nämlich "Mitglieder des Jungen Forum DIG (=Deutsch-Israelische Gesellschaft) AG Kassel" als Referenten der Arbeitsgruppe "Kritik an der Israelischen Regierungspolitik und die Antisemitismus-Debatte in Deutschland" fungieren zu lassen. Da macht man wirklich den Bock zum Gärtner.

Kommentar zum Programm des "26. bundesweiten und internationalen Friedensratschlags 2019" am 7./8. Dezember 2019 in der Universität Kassel, im Rahmen dessen am 8. Dezember in der Arbeitsgruppe C3 (Kritik an der israelischen Regierungspolitik und die Antisemitismus-Debatte in Deutschland) neben Nirit Sommerfeld Mitglieder des Jungen Forum DIG AG Kassel eingeplant sind

Online-Flyer Nr. 726  vom 20.11.2019



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